{"id":22654,"date":"2025-04-12T20:04:06","date_gmt":"2025-04-12T18:04:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22654"},"modified":"2025-04-13T20:05:41","modified_gmt":"2025-04-13T18:05:41","slug":"matthaeus-2617-30-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2617-30-4\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 26,17-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gr\u00fcndonnerstag | 17.04.25 | Matth\u00e4us 2617-30 (D\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Jan Sievert Asmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Jesus reicht das Brot und den Wein an Judas\u00a0 und an uns<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kein anderer Glaube h\u00e4tte wie der christliche Glaube in Kreuz als Symbol w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Zwei sich kreuzende Linien: die Waagerechte, wie wenn man mit einer Hand den Horizont zeichnet, die weite Welt und was darinnen ist, wie es der Psalm aufz\u00e4hlt: &#8222;Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die V\u00f6gel unter dem Himmel und die Fische im Meer&#8220; (Ps 8) &#8211; und die Menschenkinder. Und dann die Senkrechte: ein Strich zwischen Himmel und Erde, immer unten am l\u00e4ngsten und somit fest verankert: &#8222;was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?&#8220; (Ps 8). Das Kreuz ist die einfachste Menschenfigur. Eine Gestalt wie uns selbst, wenn wir die Arme zur Welt \u00f6ffnen. Zwei sich kreuzende Striche, wie Gott sie einst im Staub zeichnete, als er den Adam plante. Mit den Augen offen f\u00fcr alles Gro\u00dfe und Kleine auf Erden, wie der Dichter Grundtvig \u00fcber unser horizontales Leben schrieb. Und \u00fcber das Senkrechte: &#8220; \u2026 und erh\u00f6ht durch die Glanz der Ewigkeit&#8220;. Das Kreuz ist in unserer Figur, in unserem Schatten und in unserem Skelett.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Kreuz sind jedoch auch die beiden Holzteile, an denen Jesus hingerichtet wurde. Ein Folterger\u00e4t, dessen genauen Wirkweise wir am liebsten verdr\u00e4ngen: Er wurde angenagelt, unf\u00e4hig seine Arme zu senken. Unser Instinkt besagt uns, das Gl\u00fcck zu suchen und das Leiden zu meiden. Der christliche Glaube markiert sich jedoch bei jeder Gelegenheit mit diesem Schmerzenssymbol. Wenn Kinder zur Taufe getragen werden: &#8222;Nimm hin das heilige Zeichen des Kreuzes&#8220;. Es blitzt in den Halsauscchnitten junger M\u00e4dchen, bildet den Bauplan von Kirchen und ist Motiv unz\u00e4hliger Gem\u00e4lde mit und ohne den Gekreuzigten. Und bei jedem Osterfest wird es gezeigt und besprochen in den Worten \u00fcber den Gekreuzigten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">War er ein armes passives Opfer, wie wir es in entsprechender Lage w\u00e4ren? War er ein Opfer des Verr\u00e4ters Judas, waren seine letzten Tage in Jerusalem eine Katastrophe? Nein, jeder Teilbericht auf dem Weg zum Kreuz erz\u00e4hlt, wie ein sinnvoller Plan sich entfaltet. Selbst Judas, der die Ereignisse in seinen eigenen H\u00e4nden zu halten glaubt, ist in diesem Spiel nur ein Mittel zum Ziel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Meine Stunde naht&#8220;, sagt Jesus zu den J\u00fcngern, als er sie in die Stadt schickt, um den rechten Ort f\u00fcr die Osterfeier zu finden. Wir erfahren nicht, wer ihnen den Raum gibt. Es hei\u00dft nur: &#8222;Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm.&#8220; Vielleicht kannte Matth\u00e4us seine Identit\u00e4t und m\u00f6chte ihn verbergen. Es war eine Plicht der B\u00fcrger Jerusalems, kostenloses Obdach f\u00fcr jeden fremden Gast zu Ostern zu ghew\u00e4hren. F\u00fcr Jesus spielt weder die Einladung oder die Identit\u00e4t des Wirtes eine Rolle. Die Initiative liegt ganz bei Jesus, dem die Stunde naht. Die Stunde am Kreuz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist auch die Stunde des Judas. Seine M\u00f6glichkeit f\u00fcr einen gro\u00dfen Ruhm. Vielleicht tr\u00e4umt er von jenem Moment, wenn der angekettete Jesus ihn unter den Soldaten entdecken wird und wahr werden wird, dass er, der Judas, alle Ereignisse im Griff hatte? Ein Moment des Ruhms. Die Stunde des Judas nahte, kam aber ganz anders, als es sich Judas ausgedacht hatte. Die Stunde kam am Tisch, als Jesus ihn ansprach: &#8222;Der die Hand mit mir in die Sch\u00fcssel taucht.&#8220; Und wenn er sp\u00e4ter unter den Soldaten in Gethsemane steht und Jesus mit einem Kuss besiegt hat, kann er diesen Sieg und seine Silberlinge zu nichts verwenden. Er wird in dem Moment verstehen, dass er trotz seiner Schlauheit und seiner Initiative, trotz seines unbestrittenen Judas-Talents nur eine Funktion in dieser Welt hat: ein Wegbereiter f\u00fcr den erl\u00f6senden Tod Jesu. Judas ist eine tragische Figur, der das B\u00f6se will und doch das Gute schafft. Mit seinem Verrat nimmmt er keineswegs Einfluss auf sein Schicksal. Er ist und bleibt ein notwendiges St\u00fcck f\u00fcr die Ankunft der Stunde Jesu. Deshalb gibt es f\u00fcr Judas nur einen Ausweg: V\u00f6llig zu verschwinden. Die Bibel will wissen, dass er sich an einem Baum erh\u00e4ngt. Selbst dort, wo er sich erh\u00e4ngt, bewahrt sein Leben einen Sinn. Denn was Ostern passiert, ist viel gr\u00f6\u00dfer als das Fassungsverm\u00f6gen des Judas. So gro\u00df, wie wenn selbst das B\u00f6se das Gute dient. Gott ist nicht Widersacher des B\u00f6sen in einem ewig wogenden Kampf in der Welt. Das B\u00f6se selbst muss sich als Dienstleister des Herrn erleben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gerade das ist gemeint, wenn es in einem Gebet hei\u00dft, Gott &#8222;umfasst sowohl das Gute wie das B\u00f6se&#8220;. Judas, der Verr\u00e4ter, der den Jesus verwarf &#8211; ist er nicht der wichtigste unter den J\u00fcngern am Gr\u00fcndonnerstag? Judas, der unwillige Diener des Guten? Judas verk\u00f6rpert die Wahrheit, dass nur Gott die Herkunft von allem in unserer Welt ist, B\u00f6sem wie Gutem. Ich glaube nicht daran, dass es irgendwo einen m\u00e4chtigen Teufel gibt. Alles kommt von Gott, der gibt und nimmt. Wohl gemerkt mit einer entscheidenden Pointe: Christus selbst war in der Folterkammer, in der Todeszelle, am Kreuz. Gott, der Gutes und B\u00f6ses umfasst, unterliegt sich dem B\u00f6sen. Wenn Menschen in ihrer Not sich mit dem Kreuz zeichnen, erinnern sie sich daran: Christus selbst hat gelitten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist auch die Stunde der J\u00fcnger. Sie ereignet sich am Tisch, als Jesus sagt: &#8222;Einer unter euch wird mich verraten&#8220;. Bemerkt, wie die J\u00fcnger reagieren. Es ist ein Moment der Ehrlichkeit, und deshalb rufen sie: &#8222;Herr, bin ich&#8217;s?&#8220; Wer k\u00f6nnte ehrlich sagen: Einen Verrat w\u00fcrde ich niemals erw\u00e4gen? Die J\u00fcnger suchen die aufrichtige Selbsteinsicht, indem sie Jesus fragen: &#8222;Herr, bin ich&#8217;s?&#8220; Und wahrlich: Es h\u00e4tte jeder einzelne der J\u00fcnger sein k\u00f6nnen &#8211; und so kommt es auch, denn sie machen sich auf die Flucht und werden Jesus verleugnen. Judas ist blo\u00df der, der das Los der Tat \u00fcbernommen hat. Heute hat er die Silberlinge. Sie werden aber alle Jesus verraten. Die J\u00fcnger am Tisch sind ein Bild von uns allen, die nur zuf\u00e4lligerweise gute rechtschaffene B\u00fcrger sind, aber unter anderen Umst\u00e4nden Gehilfen eines Diktators und Verfolger von Minderheiten werden k\u00f6nnten. Unser Gehabe ist nur ein d\u00fcnner, d\u00fcnner Firnis. Jeder Mensch ist zum B\u00f6sen f\u00e4hig &#8211; man sollte sich hier keine Illusionen machen. Wenn die rechte Stunde kommt, kann dieses schrecklich an den Tag kommen. Die Philosophin Hannah Arendt schockierte die Welt mit dieser Wahrheit: Grausame Henker k\u00f6nnen sehr wohl gute Familienv\u00e4ter sein. Der schlechte Charakter kann bei jedem hervorgerufen werden, wenn die Umst\u00e4nde danach sind.\u00a0 Jeder von uns muss angesichts des B\u00f6sen die Frage stellen &#8222;Herr, bin ich&#8217;s?&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn so ist die Stunde der J\u00fcnger: Ihr werdet mich alle verraten. In diesem Augenblick ist Judas dran; jeder andere h\u00e4tte es sein k\u00f6nnen. So ist die Tischgemeinschaft Jesu an diesem Tag: Ein Dutzend sogenannte Freunde, deren Versicherungen ohne Wert sind und deren sittlicher Habitus d\u00fcnn ist wie Pergament. Es ist die Schicksalsstunde der J\u00fcnger. Und sie entscheidet sich in jener merkw\u00fcrdigen Weise, die nur durch w\u00f6chentliche Wiederholung zu fassen ist, Sonntag f\u00fcr Sonntag. Die ganze waagerechte Reihe der J\u00fcnger &#8211; und Jesus als der Senkrechte, der das Brot und den Wein emporhebt und seinen Segen den J\u00fcngern und deren Vorhaben zuspricht mit den Worten: Dies ist mein Leib &#8211; esst! Dies ist das Blut des neuen Bundes &#8211; trinkt! Jesus reicht das Brot und den Wein sogar an Judas und zeigt uns: So weit in die Breite und so tief in die H\u00f6he ist die Gnade Gottes. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Jan Sievert Asmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-3520 Farum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: jsas(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndonnerstag | 17.04.25 | Matth\u00e4us 2617-30 (D\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Jan Sievert Asmussen | Jesus reicht das Brot und den Wein an Judas\u00a0 und an uns Kein anderer Glaube h\u00e4tte wie der christliche Glaube in Kreuz als Symbol w\u00e4hlen k\u00f6nnen. 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