{"id":22659,"date":"2025-04-08T12:05:40","date_gmt":"2025-04-08T10:05:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22659"},"modified":"2025-04-14T09:05:19","modified_gmt":"2025-04-14T07:05:19","slug":"jesaja-504-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-504-9\/","title":{"rendered":"Jesaja 50,4-9"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gute Miene zum b\u00f6sen Spiel: Wasch mich, aber mach mich nicht nass! | Palmsonntag | 13.04.2025 | Jes 50,4-9 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Leute wollen einen echten Wechsel! Eine neue Zeit soll anbrechen! Vorbei mit ruhig bleiben und `ne Tasse Tee trinken. Nicht allein der Kanzler \u2013 Vertrauen verloren allerorten: die Fische das Vertrauen verloren ins Wasser. Der Fischer ins Netz und sein anderes Zeugs, der Fischkoch in den Fischgrossist, der Kunde in den Wirt des Betriebs. Jeder scheint jedem nur noch eine einzige Zumutung und Gefahr. Deshalb Wahlen vorgezogen, neue Regierung in die G\u00e4nge gebracht. Die Leute wollen einen Neuanfang, einen echten Wechsel. Weg mit den fremden Kr\u00e4ften, weg mit den oberen Zehntausend, die mit denen da gemeinsame Sache machen. Beim Einzug Jesu in Jerusalem zeigt sich \u00e4hnliches: Genug von R\u00f6mern und den eigenen Obleuten mit Schwert oder Buchrolle, die mit den Genannten gemeinsame Sache machen. Eine Wahl mit Stimme und Mund. Gut, statt eines roten Teppichs wird dem Favoriten ein gr\u00fcner ausgerollt, aus gro\u00dfen Palmwedeln, die den Dreck des Stadtwegs vor ihm gn\u00e4dig bedecken. Leute str\u00f6men immer wieder an den Rand der Stadtstra\u00dfe, geraten ins Tanzen und Lachen, Zuruf und Gesang. Ein Volksauflauf, den man heute weniger aus der Politik kennt. Wenn einer \u201eFriedrich&#8230;\u201c in die Menge riefe, w\u00fcrde kaum ein lautes <em>\u201e&#8230;Merz!\u201c<\/em> skandiert werden, eher noch \u201eder Gro\u00dfe!\u201c Bei \u201eThomas&#8230;\u201c, klappt das, \u201e<em>&#8230;M\u00fcller!<\/em>\u201c, ruft die Menge mehrfach. Vielleicht auch besser so, wenn ein Wechselchor auf Sport und anderes Freizeittun begrenzt ist. In Erfurt mag das bei Willy bei Brandt in Ordnung gewesen sein. Aber \u201e&#8230;Heil!\u201c m\u00f6chte hoffentlich niemand mehr auf \u201eSieg\u201c skandieren. Damals in Jerusalem hie\u00df es jedenfalls \u201eJesus&#8230;\u201c, darauf erschallte ein <em>\u201e&#8230;K\u00f6nig!\u201c. <\/em>Statt einer beflaggten Karosse mit viel PS ein Eseltier, mit einer Prachtdecke aus Kleidern auf dem R\u00fccken. Und wenn das sein Iii und Aaa schreit, kann der Esel es mit Lautsprechern aufnehmen, die sich auf den LKW bei Love Parade oder CSD t\u00fcrmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Leute wollen einen Neuanfang, dass eine andere Zeit anbricht. Die kleinen und dicken Fische wollen wie ein Fisch im Wasser leben, brauchen es also sch\u00f6n tief, angemessen temperiert und richtig sauber. Der Fischer will gute und neue Netze und neue Methoden anwenden d\u00fcrfen, der Fischkoch will p\u00fcnktlich nur allerbeste Ware zu einem g\u00fcnstigen Preis vom Gro\u00dfh\u00e4ndler, der Gast will sich als Kunde wie ein K\u00f6nig im Betrieb des Wirtes f\u00fchlen. Ja, die Leute wollen einen echten Wechsel, ein neues Zeitalter. Aber m\u00f6chten sie den Preis daf\u00fcr zahlen? Was da alles \u00fcber die Abmachung der neuen Koalition zum Ausdruck kommt! Einigen Fischen ist das Wasser immer noch zu flach, zu warm und zu dreckig, andere schwimmen darin hin- und her, auf und ab, finden es wohl temperiert und sauber genug. Einigen Fischern hat das Netz immer noch zu viele L\u00f6cher, und \u00fcberhaupt, das Schleppnetz zu verbieten! Andere finden die neuen Netze zuerst mal ganz okay, und alles Neue auf einen Schlag, das gibt eh nur Durcheinander. Vielen Fischk\u00f6chen stinkt der Fischgrossist vom Kopf her, einige wiederum sind zufrieden mit dem neuen Gef\u00fcge von Preis und Erzeugnis. Viele Verbraucher sehen sich wieder mal nur als kleine Fische am Ende der Liefer- und Nahrungskette des Wirts, einige sehen sich als K\u00f6nig Kunde im Haus des Wirtes jetzt ernst genommen. Ein gro\u00dfes WWW Portal titelte zu diesem Befund so was wie alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen, die bald wieder platzen w\u00fcrden \u2013 in dem Fall ohne die Sprache der Bibel zu verwenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erneut steht Stillstand im Raum wie verschlammtes Brackwasser, das langsam g\u00e4rt und vor sich hin faulen wird. Zu viel Verzicht f\u00fcr viele, die mehr Entbehrung auf sich oder mehr Anstrengung unternehmen sollen, mehr abgeben oder weniger bekommen sollen. Viele scheuen den Preis, den ein echter Wechsel kostet, der f\u00fcr einen Neuanfang zu entrichten ist. Die Sache scheint recht verfahren, wenn die Verantwortung so hin und her geschoben wird. Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Einerseits sind die Leute es m\u00fcde, in dieser selbst gemachten Zwickm\u00fchle zu stecken. Andererseits bleibt Mensch immer wieder darin stecken, statt sich da heraus zu winden. Sogar wenn Mensch die Lage erfasst und die eigens verursachte Blockade erkennt. Kein Entkommen aus dem Schlimmassel. Es f\u00e4llt uns schwer, auf unseren Anteil an Macht oder an gutem Leben zu verzichten. Dazu m\u00fcsste ein jeder aus freien St\u00fccken hart gegen sich selbst sein. Sich selbst mehr zutrauen und zumuten. Das scheint aber kaum zu passieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Merkw\u00fcrdig: Wenn Ungl\u00fccke wie Hochwasser oder Unf\u00e4lle Menschen dazu verurteilen, dann geht das wider Erwarten recht gut. Kennt man ja aus der Geschichte; auch der Lebensgeschichte von Teilen der Familie oder von guten Freunden. Leider f\u00e4llt Verzichten in guten, normalen Zeiten, ohne dass eine gr\u00f6\u00dfere Not von au\u00dfen Druck macht, gern unter den Tisch: Aus freien St\u00fccken H\u00e4rte gegen sich selbst zugunsten Bed\u00fcrftiger. Und es scheint, als ob Menschen das Schlimmassel unbewusst auf die Spitze treiben. Das Hochwachsen der Spirale selbst betreiben oder geschehen lassen, ohne dagegen zu wirken \u2013 Hauptsache, es kommt der gro\u00dfe Knall oder Bruch, der daraus befreit, m\u00f6gen die Folgen dann noch so dunkel und f\u00fcrchterlich sein. Blind f\u00fcr Verletzung, Sterben und Tod, selbst wenn Mensch mit hohem Prozentsatz selbst getroffen sein wird. Auf Verzicht verzichten, bis die totale Entbehrung mit der T\u00fcr ins eigene Haus f\u00e4llt. Nur damit das eigene Leben weiterhin sanft mit dem Samthandschuh angefasst wird. Die Menschen sind es offen oder heimlich m\u00fcde, dem Widerspruch in ihnen kaum entrinnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gut, dass Gottes Geist im Menschen solch M\u00fcden einen Ausweg weist. Mit dem er sie hart gegen sich macht, damit sie f\u00fcr Bed\u00fcrftige wohltuend wirken k\u00f6nnen. H\u00f6ren wir beim Propheten Jesaja, wie er in und aus einem Menschen spricht:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>4<\/sub><\/em><em>Gott der <\/em><em>Herr<\/em><em> hat mir eine Zunge gegeben, wie sie J\u00fcnger haben, dass ich wisse, mit den M\u00fcden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich h\u00f6re, wie J\u00fcnger h\u00f6ren.<\/em> <em><sub>5<\/sub><\/em><em>Gott der <\/em><em>Herr<\/em><em> hat mir das Ohr ge\u00f6ffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zur\u00fcck. <\/em><em><sub>6<\/sub><\/em><em>Ich bot meinen R\u00fccken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. <\/em><em><sub>7<\/sub><\/em><em>Aber Gott der <\/em><em>Herr<\/em><em> hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab\u00b4 ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich wei\u00df, dass ich nicht zuschanden werde. <\/em><em><sub>8<\/sub><\/em><em>Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! <\/em><em><sub>9<\/sub><\/em><em>Siehe, Gott der <\/em><em>Herr<\/em><em> hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, Motten werden sie fressen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selbst redend bittet und hofft der Verfasser dieses Textes, dass Gottes Geist in und aus ihm spricht. Als Teil der Kirche in der Welt und in der Kirche H\u00e4rte gegen sich selbst aus freien St\u00fccken zu predigen, das ist eine gewagte Sache. Das d\u00fcrfte einigen Widerspruch aufrufen. Wahrscheinlich gibt es Leute, die ob der inneren Blockade m\u00fcde sind, das aber unterdr\u00fccken und abstreiten. Oder welche, die sich f\u00fcr alles andere als wie beschrieben m\u00fcde f\u00fchlen, sondern als erfolgreich, tatkr\u00e4ftig und voller Zuversicht. Vielleicht \u00e4rgern sich einige davon, und zwar so sehr, dass sie zur\u00fcckschlagen, indem sie schm\u00e4hen, beleidigen oder sonst wie Klage erheben. Das l\u00e4sst mich trotzdem unbeugsam zum Gesagten stehen, hoffentlich, anstatt ausf\u00e4llig zu werden oder zur\u00fcck zu rudern. Ich glaube \u2013 Gott helfe meinem Unglauben \u2013, dass diese meine Fassung einen Kieselstein in sich tr\u00e4gt und bewahrt, dem es wie damals David gelingt, den starken Goliath in seiner R\u00fcstung zu \u00fcberwinden. Sprich die Einsicht solcher unm\u00fcden Leute langsam zu \u00e4ndern. Zum anderen glaube ich, dass die S\u00e4tze bei den in ihrer inneren Blockade echt M\u00fcden Geh\u00f6r finden. So dass diese dann irgendwie und irgendwann sich zur n\u00f6tigen H\u00e4rte gegen sich bewegen und dann wohltuend auf Bed\u00fcrftige wirken, selbst wenn sie dabei auf eigenen Bedarf und liebe Gewohnheit verzichten. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Markus Kreis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kapellenstra\u00dfe 36<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">D-69469 Weinheim<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">markus_kreis@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute Miene zum b\u00f6sen Spiel: Wasch mich, aber mach mich nicht nass! | Palmsonntag | 13.04.2025 | Jes 50,4-9 | Markus Kreis | Die Leute wollen einen echten Wechsel! Eine neue Zeit soll anbrechen! Vorbei mit ruhig bleiben und `ne Tasse Tee trinken. 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