{"id":22671,"date":"2025-04-14T10:34:18","date_gmt":"2025-04-14T08:34:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22671"},"modified":"2025-04-14T10:34:18","modified_gmt":"2025-04-14T08:34:18","slug":"johannes-1916-30-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1916-30-3\/","title":{"rendered":"Johannes 19,16-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Die Familie und der Tod | Karfreitag | 18.04.2025 | Johannes 19,16-30 | Paul Wellauer |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Psalmgebet im Wechsel | <\/strong><strong>Psalm 22,1-22 <\/strong><strong>| Die Bibel nach Martin Luther, 2017*<br \/>\n| Leiden und Herrlichkeit des Gerechten |<br \/>\n<\/strong>[1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise \u00abdie Hirschkuh der Morgenr\u00f6te\u00bb.]<br \/>\n2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.<br \/>\nII 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.<br \/>\nI 4 Aber du bist heilig, der du thronst \u00fcber den Lobges\u00e4ngen Israels.<br \/>\nII 5 Unsere V\u00e4ter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.<br \/>\nI 6 Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.<br \/>\nII 7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.<br \/>\nI 8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und sch\u00fctteln den Kopf:<br \/>\nII 9 \u00bbEr klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.\u00ab<br \/>\nI 10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du liessest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.<br \/>\nII 11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoss an.<br \/>\nI 12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.<br \/>\nII 13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben, m\u00e4chtige B\u00fcffel haben mich umringt.<br \/>\nI 14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein br\u00fcllender und reissender L\u00f6we.<br \/>\nII 15 Ich bin ausgesch\u00fcttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.<br \/>\nI 16 Meine Kr\u00e4fte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.<br \/>\nII 17 Denn Hunde haben mich umgeben, und der B\u00f6sen Rotte hat mich umringt; sie haben meine H\u00e4nde und F\u00fcsse durchgraben.<br \/>\nI 18 Ich kann alle meine Gebeine z\u00e4hlen; sie aber schauen zu und weiden sich an mir.<br \/>\nII 19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.<br \/>\nI 20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine St\u00e4rke, eile, mir zu helfen!<br \/>\nII 21 Errette mein Leben vom Schwert, mein einziges Gut von den Hunden!<br \/>\nI 22 Hilf mir aus dem Rachen des L\u00f6wen und vor den H\u00f6rnern der wilden Stiere \u2013 du hast mich erh\u00f6rt!<br \/>\nI+II AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| <\/strong><strong>Lesung <\/strong><strong>Predigttext | Johannes <\/strong><strong>19,16-30 | Kreuzigung und Tod Jesu <\/strong><strong>| Die <\/strong><strong>Z\u00fcrcher Bibel, 2007** |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">16 Da lieferte er [Pilatus] ihnen Jesus zur Kreuzigung aus. Sie \u00fcbernahmen nun Jesus. 17 Er trug sein Kreuz selber und ging hinaus zu der sogenannten Sch\u00e4delst\u00e4tte, die auf Hebr\u00e4isch Golgota heisst. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. 19 Pilatus liess auch eine Tafel beschriften und sie oben am Kreuz anbringen. Darauf stand geschrieben: <strong>Jesus von Nazaret, der K\u00f6nig der Juden.<\/strong> 20 Diese Inschrift nun lasen viele Juden, denn die Stelle, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Sie war in hebr\u00e4ischer, lateinischer und griechischer Sprache verfasst. 21 Da sagten die Hohen Priester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der K\u00f6nig der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der K\u00f6nig der Juden. 22 Pilatus antwortete: <strong>Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.<\/strong> 23 Nachdem nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, f\u00fcr jeden Soldaten einen Teil, dazu das Untergewand. Das Untergewand aber war ohne Naht, von oben an am St\u00fcck gewoben. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerreissen, sondern darum losen, wem es geh\u00f6ren soll. So sollte die Schrift in Erf\u00fcllung gehen, die sagt: Sie haben meine Kleider unter sich verteilt, und \u00fcber mein Gewand haben sie das Los geworfen. Das also taten die Soldaten. 25 Beim Kreuz Jesu aber standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus die Mutter und den J\u00fcnger, den er liebte, neben ihr stehen sieht, sagt er zur Mutter: <strong>Frau, da ist dein Sohn.<\/strong> 27 Dann sagt er zum J\u00fcnger: <strong>Da ist deine Mutter. Und von jener Stunde an nahm der J\u00fcnger sie zu sich.<\/strong> 28 Danach spricht Jesus im Wissen, dass schon alles vollbracht ist: Mich d\u00fcrstet! So sollte die Schrift an ihr Ziel kommen. 29 Ein Gef\u00e4ss voll Essig stand da, und so tr\u00e4nkten sie einen Schwamm mit Essig, steckten ihn auf ein Ysoprohr und f\u00fchrten ihn zu seinem Mund. 30 Als Jesus nun den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und er neigte das Haupt und verschied.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Predigt <\/strong><strong>Die Familie und der Tod<\/strong><strong> |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern durch die Liebe und Gnade Gottes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>1. K\u00f6nnen wir den Tod von Jesus feiern?<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Meine Frau hat im Religionsunterricht mit ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in den letzten Wochen Karfreitag und Ostern thematisiert. Ein Sch\u00fcler fragte sie: \u00abIn anderen L\u00e4ndern wird der Tod gefeiert, warum eigentlich bei uns nicht?\u00bb Zuerst bedankte sie sich f\u00fcr die wertvolle und tiefsinnige Frage, dann antwortete sie sinngem\u00e4ss: \u00abWenn wir an unsere christliche Auferstehungshoffnung denken, haben auch wir alle guten Gr\u00fcnde zu feiern. F\u00fcr die Angeh\u00f6rigen und Freunde ist es aber trotzdem sehr traurig, wenn ein geliebter und nahe stehender Mensch stirbt.\u00bb<br \/>\nHeute ist Karfreitag: Wir erinnern uns an den Kreuzestod von Jesus. Oder d\u00fcrfen wir sagen: Wir <strong>feiern<\/strong> den Tod von Jesus? Auch hier ist wohl zu unterscheiden: F\u00fcr die Kernbotschaft unseres christlichen Glaubens sind Tod und Auferstehung von Jesus grundlegend. Daher d\u00fcrfen und sollen wir feiern. Oft wird gesagt: F\u00fcr uns evangelische Christinnen und Christen ist der Karfreitag der h\u00f6chste Feiertag, da er die Grundlage f\u00fcr unsere Erl\u00f6sung und unser Heil legt. Karfreitag ist das Fest der Gnade Gottes. Doch genauso macht uns Jesu Tod betroffen und sprachlos: Es war ein grausamer Foltertod, den Jesus erlitten hat. Und das Urteil, das ihn traf, war aus heutiger Sicht fadenscheinig und ungerecht. Jesus hat Menschen geholfen und geheilt, er hat Liebe gepredigt und gelebt. Gem\u00e4ss den Berichten des Neuen Testaments war Jesus ohne Schuld (Lukas 23,4.14.22; 1. Johannes 3,5; 1. Petrus 2,22; 2. Korinther 5,21) und wurde doch zur schlimmsten Strafe verurteilt. Jesus hat unsere Schuld auf sich genommen und die Strafe erlitten, die eigentlich uns gelten w\u00fcrde. \u00abMein Leib, f\u00fcr euch gebrochen; mein Blut, f\u00fcr euch vergossen\u00bb, (vgl. 1. Korinther 11,24-25) werden wir bei der Feier des Abendmahls h\u00f6ren. So gibt Jesus selbst seinem Tod einen tieferen und bleibenden Sinn. <strong>K\u00f6nnen wir den Tod von Jesus feiern?<\/strong> <strong>Ja,<\/strong> wenn wir die Wirkung f\u00fcr unsere Erl\u00f6sung und unser ewiges Leben bedenken. <strong>Nein,<\/strong> wenn wir uns bewusst machen, dass wir Schuld daran tragen. Dann ist Trauer, Reue und Busse die passende Reaktion. Auch das werden wir uns in der Vorbereitung zum Abendmahl ins Bewusstsein rufen.<br \/>\nLiebe Gemeinde, so lautet mein erster Wunsch f\u00fcr diesen Karfreitag: Dass wir sowohl dankbar und vertrauensvoll Karfreitag und damit den Tod von Jesus feiern, wie aber auch ernsthaft \u00fcber seinen grausamen Tod und unseren Anteil daran nachdenken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>2. \u00abWas ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.\u00bb <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pilatus hatte gem\u00e4ss allen vier Evangelien seine liebe M\u00fche, eine hinreichende Begr\u00fcndung f\u00fcr die Verurteilung von Jesus zu finden. Trotzdem oder erst recht wollte er wie \u00fcblich den Grund f\u00fcr die Todesstrafe am Kreuz f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sichtbar machen. \u00abJesus von Nazareth, K\u00f6nig der Juden\u00bb in den drei damals g\u00e4ngigen Sprachen lateinisch, griechisch und hebr\u00e4isch liess Pilatus \u00fcber das Kreuz schreiben. Bei Verurteilungen nach r\u00f6mischem Recht war es Vorschrift, dass die Verurteilten auf dem Weg zur Hinrichtungsst\u00e4tte ein Schild mit dem Verbrechen, das sie begangen hatten, um den Hals trugen, den sogenannten \u00abtitulus\u00bb. Dies sollte alle Zuschauer abschrecken und deutlich machen, dass Verbrechen konsequent geahndet werden. \u00abK\u00f6nig der Juden\u00bb ist allerdings ein sehr un\u00fcblicher Grund f\u00fcr eine Verurteilung zum Tod. Die j\u00fcdischen religi\u00f6sen F\u00fchrer wehrten sich denn auch und wollten die Aufschrift ge\u00e4ndert haben. <strong>\u00abWas ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.\u00bb, <\/strong>gibt ihnen Pilatus trotzig zur Antwort. F\u00fcr die j\u00fcdischen Vorsteher war es Gottesl\u00e4sterung, dass Jesus f\u00fcr sich in Anspruch nahm Gottes Sohn zu sein und in Gottes Vollmacht S\u00fcnden vergeben zu k\u00f6nnen. Sie konnten die Todesstrafe, die aus ihrer Sicht das angemessene Urteil bei Gottesl\u00e4sterung darstellte, allerdings nicht vollstrecken. Die \u00abh\u00f6here Gerichtsbarkeit\u00bb f\u00fcr Kapitalstrafen lag bei der r\u00f6mischen Besatzungsmacht. Doch Pilatus konnte Jesus nicht aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden verurteilen, dazu hatte er keine Kompetenz. Eine eigentliche Straftat konnte er ihm nicht nachweisen. Allerdings bewegte Jesus offenbar die Menschenmassen: Am Palmsonntag jubelten sie ihm zu und wollten ihn gerne als K\u00f6nig sehen. Wenige Tage sp\u00e4ter w\u00fcnschten sie ihn ans Kreuz. So waren es eher politische Gr\u00fcnde, die zum Todesurteil f\u00fcr Jesus f\u00fchrten: Pilatus wollte Ruhe. <strong>\u00abWas ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.\u00bb, <\/strong>best\u00e4tigt diese Absicht. Auch die j\u00fcdischen Hohen Priester sollten nun Ruhe geben.<br \/>\nIch erlaube mir einen kleinen Exkurs: Wir denken heute \u00fcber den Tod von Jesus nach. Auch unsere Sterblichkeit und unser Tod sind damit angesprochen. Paulus wird in seinen Briefen formulieren, dass wir mit Jesus am Kreuz sterben und die Hoffnung haben, auch mit ihm zu neuem Leben zu auferstehen (R\u00f6mer 6,8). In meinen rund dreissig Jahren im Pfarramt durfte ich gemeinsam mit den Trauerfamilien rund 600 Beerdigungen gestalten. Wie oft haben sich die Angeh\u00f6rigen und auch ich gew\u00fcnscht, die verstorbene Person h\u00e4tte zu Lebzeiten nach dem Prinzip gelebt: <strong>\u00abWas ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.\u00bb <\/strong>Oft tappen die Angeh\u00f6rigen im Dunkeln \u00fcber spezifische W\u00fcnsche zur Beerdigung, zum Lebenslauf und auch zur inneren Haltung des Verstorbenen zu Tod und Auferstehungshoffnung. Mein zweiter Karfreitags- und Osterwunsch als Pfarrer an euch, liebe Gemeindeglieder: Notiert offen und ehrlich, wie ihr \u00abdie letzten Dinge\u00bb geregelt haben wollt und schreibt auch auf, welchen Gedanken euch in Bezug auf die christliche Auferstehungshoffnung bewegen. Das dient zun\u00e4chst euch ganz pers\u00f6nlich und dann auch eurer Familie und uns als Pfarrpersonen. Womit wir beim dritten Punkt w\u00e4ren:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>3.\u00ab<\/strong><strong>Der Tod und die Familie\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Worte, die Jesus an Maria und Johannes richtet, sind ebenso sonderbar wie bemerkenswert. Eigentlich w\u00e4re in einer traditionell j\u00fcdischen Familie in einem Todesfalle alles klar geregelt: Stirbt der Vater, ist der \u00e4lteste Sohn f\u00fcr die Versorgung der Mutter zust\u00e4ndig. Stirbt dieser, \u00fcbernimmt der Zweit\u00e4lteste diese Verantwortung. In der Familie von Jesus w\u00e4re dies wohl Jakobus gewesen, der als erster der Br\u00fcder von Jesus genannt wird (Matth\u00e4us 13,55-56) und auch sp\u00e4ter in den Biblischen Berichten mehrmals Erw\u00e4hnung findet. Allerdings hatte Jesus ja eine angespannte Beziehung zu seiner Herkunftsfamilie, wie uns die Evangelisten Matth\u00e4us (12,46-50) und Johannes (7,5) berichten. Jesus definiert eine neue Familienverbundenheit jenseits der biologischen Familie: \u00abWer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.\u00bb (Matth\u00e4us 12,50) F\u00fcr j\u00fcdische Menschen geht der Zusammenhalt und die Solidarit\u00e4t in der Familie \u00fcber alles. Dass Jesus seine leibliche Familie zur\u00fcckweist und andere Menschen an ihrer Stelle als ebenso wichtig oder noch wichtiger bezeichnet, ist ein Affront, eine Beleidigung f\u00fcr seine Familie. Gut m\u00f6glich, dass daher die leiblichen Br\u00fcder von Jesus schlecht auf ihn zu sprechen sind und auch auf ihre Mutter Maria, die trotz allem bis zum \u00c4ussersten zu ihrem Erstgeborenen h\u00e4lt. Jesus zeigt im Todeskampf am Kreuz, dass ihm seine Mutter ebenso wichtig bleibt wie sein Lieblingsj\u00fcnger Johannes. Allerdings ist Johannes auch der einzige der J\u00fcnger, der beim Kreuz zusammen mit den Frauen ausharrt: Die anderen J\u00fcnger sind aus Angst geflohen, selbst inhaftiert und verurteilt zu werden (Matth\u00e4us 26,56).<br \/>\nMich erinnert die Szene an meine Erfahrungen als Seelsorger im Sune-Egge, dem Spital f\u00fcr Menschen mit Sucht- und HIV-Erkrankungen der Sozialwerke Pfarrer Sieber. Oft war es am Ende die Mutter, die am Sterbebett ihres an AIDS erkrankten Kindes bis zuletzt ausharrte. Andere Familienangeh\u00f6rige, insbesondere die V\u00e4ter, hatten oft nicht den Mut und die Vergebungsbereitschaft, ihren Sohn oder ihre Tochter in diesen letzten Stunden zu begleiten. Manchmal gelang es in Gespr\u00e4chen noch, schwierige Situationen und seelische Verletzungen anzusprechen. Da und dort gab es vers\u00f6hnliche Worte, eine Umarmung oder ein Gebet, das f\u00fcr beide Seiten heilsam und entlastend wirkte. Bereinigung von gegenseitigen Entt\u00e4uschungen, Verletzungen und Schuldfragen, ist nur zu Lebzeiten gut und f\u00fcr alle Beteiligten befriedigend m\u00f6glich. Echte Vers\u00f6hnung kann so viel Befreiung und Erleichterung bewirken, wenn sie in einem vertrauensvollen Gespr\u00e4ch stattfinden kann!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Daher meine gr\u00f6sste und schwierigste Bitte f\u00fcr diesen Karfreitag und die Ostertage, liebe christliche Geschwister: <strong>Wenn du den Eindruck hast, dass zwischen dir und einem Familienangeh\u00f6rigen noch \u00aboffene Rechnungen\u00bb bestehen, die besser bereinigt und gekl\u00e4rt werden sollten, dann nutze diese Tage \u00fcber Ostern f\u00fcr eine Aussprache.<\/strong> Die Grundlage f\u00fcr alle unsere Bem\u00fchungen um Frieden und Vers\u00f6hnung bilden Tod und Auferstehung von Jesus: Er hat unsere Schuld ans Kreuz getragen. Weil uns vergeben ist, k\u00f6nnen auch wir anderen Vergebung und einen Neuanfang anbieten, ohne dass jemand das Gesicht verlieren muss.<br \/>\n\u00abGeschrieben ist geschrieben\u00bb: In keinem anderen Teil des Lebens von Jesus sind sich die vier Evangelien so einig, wie bei Tod und Auferstehung von Jesus. Auch f\u00fcr uns und unsere Angeh\u00f6rigen ist es beruhigend und kl\u00e4rend, wen wir unsere \u00abletzten Dinge\u00bb verschriftlichen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich w\u00fcnsche uns allen feierliche, ernsthafte und zutiefst vers\u00f6hnliche Tage \u00fcber Karfreitag und Ostern.<br \/>\n<strong>Amen<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 445 O Haupt voll Blut und Wunden<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 318 Seht, das Brot, das wir hier teilen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG RG 323,1-3 Komm, sag es allen weiter<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 21 Blessed be Your name \/ Dir geh\u00f6rt mein Lob<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 50 Amazing Grace \/ O Wunder der Barmherzigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 78 N\u00e4her, mein Gott, zu dir<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kei Muetter weiss, was ihrem Chind wird gscheh \u00a0\/ Aus \u00abZ\u00e4ller Wiehnacht\u00bb \/ \u00a9 Paul Burkhard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">*) Die Bibel nach Martin Luthers \u00dcbersetzung, revidiert 2017, \u00a9 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">**) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG = Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Web: <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/\">www.internetkirche.ch<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/livestream\">www.internetkirche.ch\/livestream<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.evang-tg.ch\/\">www.evang-tg.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paul Wellauer, geb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Familie und der Tod | Karfreitag | 18.04.2025 | Johannes 19,16-30 | Paul Wellauer | | Psalmgebet im Wechsel | Psalm 22,1-22 | Die Bibel nach Martin Luther, 2017* | Leiden und Herrlichkeit des Gerechten | [1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise \u00abdie Hirschkuh der Morgenr\u00f6te\u00bb.] 2 Mein Gott, mein Gott, warum [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22666,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,157,853,114,298,702,349,3,396,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22671","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-19-chapter-19","category-karfreitag","category-kasus","category-nt","category-paul-wellauer","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22671"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22671\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22672,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22671\/revisions\/22672"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22671"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22671"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22671"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22671"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}