{"id":22673,"date":"2025-04-14T10:36:19","date_gmt":"2025-04-14T08:36:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22673"},"modified":"2025-04-14T10:36:19","modified_gmt":"2025-04-14T08:36:19","slug":"johannes-1916-30-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1916-30-4\/","title":{"rendered":"Johannes 19,16-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Von den Menschen am Kreuz | Karfreitag | 18. April 2025 | Joh 19,16-30 | Ralf Reuter |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes steht dicht am Kreuz. Neben ihm Maria Magdalena. Etwas versetzt die Mutter von Jesus. Und noch die Schwester der Mutter und Maria, die Frau des Klopas. Gebannt schauen sie auf Jesus. Die ganze Zeit haben sie ihn begleitet, sp\u00fcren seine Autorit\u00e4t. Ja, sind eingenommen von diesem Menschen, der da als Gott am Kreuz h\u00e4ngt. Sie durchschauen nichts, verstehen nichts, sind in einen anderen Zustand versetzt, gefangengenommen von diesem g\u00f6ttlichen Geschehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus selber bindet sie ein in das Zukunftshandeln Gottes. Immer hat er ihnen gesagt, ich werde von euch gehen, dahin, wo mein Vater ist. Auf diesen Abschied hat er sie vorbereitet. Doch im Ernstfall ist alles neu. Wie in jeder Nachfolge. Jetzt, in diesem Augenblick seines Gehens, wird er zu ihnen reden. Vom Kreuz aus, erh\u00f6ht in aller Erniedrigung. Er macht das pers\u00f6nlich. Einen ruft er heraus, dem der beispielhaft sein Erbe anvertraut. Es ist Johannes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob sich die anderen zur\u00fcckgesetzt f\u00fchlen? Maria Magdalena, die ihn heftig liebt? Die immer in seiner unmittelbaren N\u00e4he ist, von Ort zu Ort zieht? Sie wird Johannes in der Auferstehung \u00fcberholen. Sie wird es sein, dem der auferstandene Jesus zuerst begegnet, und sie wird es dann zuerst den anderen sagen. Das wei\u00df sie noch nicht. Jesus wird es wissen. Vielleicht spricht er deshalb Johannes an. Doch wir wissen es nicht genau. Nicht immer sind diejenigen, die zuerst bestimmt werden, auch die Wirkungsvollsten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er verweist seine Mutter an Johannes. Siehe, das ist dein Sohn. Eine der tiefsten menschlichen Bindung \u00fcberhaupt, Mutter und Sohn. Sie geht jetzt weg von ihm und \u00fcber auf einen anderen. Zu ihm sagt er: Siehe, das ist deine Mutter. Was wird die Mutter denken? Schon in der Ank\u00fcndigung der Geburt ihres Sohnes wurde sie gewarnt, ihn nicht wirklich besitzen zu k\u00f6nnen. Sie wird sich als ein Werkzeug f\u00fchlen, ausgeliefert einem Gott, der \u00fcber sie verf\u00fcgt. Und die Schwester und die andere Maria stehen daneben und staunen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So wie hier Jesus spricht, ist er mit sich im Reinen. Er hadert nicht, wei\u00df sich mit Gott einig. Und setzt so seine Nachfolge ins Werk, auf Golgatha, wie manche Sterbende vom Bett aus zu ihren Kindern die Dinge regeln. Wer das einmal in der eigenen Familie erlebt hat, wird es nie vergessen. Wo die Mutter, der Vater, vollkommen authentisch ist, nicht mehr gebunden an diese Welt, nicht mehr taktierend, klar sprechend, schon wie aus einer anderen Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes und seine Mutter, ihre Schwester, die andere Maria und Maria Magdalena sind jetzt zu einer Familie geworden. Das G\u00f6ttliche ordnet das Menschliche. Es geht nicht nach Abstammung oder Geschlecht, auch nicht ob jung oder alt. Im Szenario des Kreuzes werden wir aneinander gewiesen. Das ist deine Mutter, das ist dein Sohn, und wir k\u00f6nnen erg\u00e4nzen, siehe, das ist deine Tochter, dein Vater, deine Schwester, dein Bruder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses Zusammengeh\u00f6ren sp\u00fcren selbst die Soldaten. Es sind vier M\u00e4nner. Sie teilen untereinander seine Kleider auf. Doch das Unterkleid ist aus einem St\u00fcck gewebt. Es str\u00e4ubt sich in ihnen, dies zu zerschneiden, so w\u00fcrfeln sie um seine Kleidung. Der Herrschaftsbereich von Jesus kann nicht gest\u00fcckelt werden, er ist ganz, in einem St\u00fcck, wie seine Kirche, die eine christliche Kirche. Hier wird uns ganz anders mit unseren Teilkirchen. M\u00f6gen es auch verschiedene Traditionen geben, so geh\u00f6ren wir im Namen von Jesus Christus immer zusammen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit dem Kreuzestod ist Gottes Werk erf\u00fcllt und der Geist von Jesus Christus geht auf die ihm Nachfolgenden \u00fcber. Auf seine Familie wie auf seine Kirche in der Welt. Im Kreuz ist schon die Auferstehung enthalten. Aus der Potenz, dem Konzentrat des Kreuzes, dem Urstoff, kristallisiert sich alles Licht der Welt. Er ist dieses Licht, Jesus Christus, der menschgewordene Gott, der auch uns in seine Nachfolge ruft, wie Johannes und Maria Magdalena und die Mutter, ihre Schwester und Maria.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob wir das je ganz verstehen werden, wie Gott sein Werk in seinem Sohn vollbringt? Vom Kreuz aus, dem dunkelsten Punkt des Seins? Wie dieses Geschehen zum strahlenden Tag des Glaubens wird? Ich glaube, wir k\u00f6nnen es sp\u00fcren, ganz unmittelbar, an jedem neuen Morgen, den er uns schenkt, bis hinein in den himmlischen Morgen. Wie er mit diesem Licht bei uns ist und in dieser Welt. Gerade da, wo es finster ist, oder zum Verzweifeln. Ja, ich glaube, Gott ist gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker als jeder Tod.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pilatus hat diesen Jesus als einen K\u00f6nig wahrgenommen. So ein Mensch kann nur ein K\u00f6nig sein. Schon bei der Gefangennahme, der Verurteilung und dem Gang nach Golgatha tritt er als Herrscher auf. Er ist der Leidende und doch der Handelnde, der Verh\u00f6hnte und darin der Erh\u00f6hte. Das Kreuz wird zum Thron. Deshalb l\u00e4sst Pilatus \u00fcber das Kreuz schreiben, der K\u00f6nig der Juden, und bleibt dabei. Seine Herrschaft ist religi\u00f6ser Art. Deren Machtbereich \u00fcber Zeit und Raum hinausgreift, von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Karfreitag begegnen wir in Jesus Christus diesem menschenfreundlichen Gott des Lebens. Feiern mit ihm am Kreuz, umkr\u00e4nzt vom Licht der Auferstehung. Es ist kein Ort der Furcht mehr, in der Niederlage steckt der Sieg. Nur so konnte uns das Johannesevangelium dieses Geschehen \u00fcberliefern und uns erz\u00e4hlen von den Menschen unter seinem Kreuz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von Johannes, der wie wir in die pers\u00f6nliche Nachfolge gerufen wird. Wie seine Mutter, die eine neue Familie erh\u00e4lt. Zu der auch die Schwester geh\u00f6rt und die andere Maria. Und Maria Magdalena, die ihn liebt und dem Auferweckten als erste begegnet. Und wie sein Licht abstrahlt auf Pilatus, auf die vier Soldaten und wohl selbst noch auf die, die mit ihm zu beiden Seiten gekreuzigt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieser Jesus Christus geht zum Vater, verspottet, erniedrigt, gekreuzigt. Ein K\u00f6nig ist er, gottgleich, nicht von dieser Welt und doch f\u00fcr diese Welt. Seine Sendung kommt zum Ziel, ihn d\u00fcrstet, er nimmt den Essig, als Lamm Gottes. Es ist vollbracht. Die Vollendung der Offenbarung. Da fallen Karfreitag und Ostern in eins, und auch Himmelfahrt und Pfingsten sind enthalten. Im Kreuz vereinen sich die Linien des Lebens, hier sind wir mit Gott verbunden, sind berufen und beauftragt. Als das, was wir l\u00e4ngst sind, seine Familie, seine Kirche, seine Welt.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Ralf Reuter<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">G\u00f6ttingen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ralf Reuter, Pastor der Ev.-luth. Weststadt- und Westd\u00f6rfer-Kirchengemeinde G\u00f6ttingen sowie der Region G\u00f6ttingen-West und gelegentlich als Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte im Kloster Loccum und sonst<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Auslegung liegt eine \u00e4ltere Predigt von mir zugrunde. Gesch\u00f6pft habe ich aus dem Kommentar zum Johannesevangelium von Jean Zumstein, besonders aus der Auslegung auf den Seiten 715-728.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den Menschen am Kreuz | Karfreitag | 18. April 2025 | Joh 19,16-30 | Ralf Reuter | Johannes steht dicht am Kreuz. Neben ihm Maria Magdalena. Etwas versetzt die Mutter von Jesus. Und noch die Schwester der Mutter und Maria, die Frau des Klopas. Gebannt schauen sie auf Jesus. Die ganze Zeit haben sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22666,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,157,853,114,298,702,349,3,109,182],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22673","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-19-chapter-19","category-karfreitag","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-ralf-reuter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22673"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22674,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22673\/revisions\/22674"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22673"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22673"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22673"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22673"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}