{"id":22675,"date":"2025-04-14T10:39:14","date_gmt":"2025-04-14T08:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22675"},"modified":"2025-04-14T10:39:14","modified_gmt":"2025-04-14T08:39:14","slug":"johannes-1917-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1917-22\/","title":{"rendered":"Johannes 19,17-22"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">INRI \u2013 Die Tafeln \u00fcber Jesus und uns | Karfreitag | 18.04.2025 | Joh 19,17-22 | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">17 Jesus trug sein Kreuz aus der Stadt hinaus<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">zu dem Ort, der \u00bbSch\u00e4delplatz\u00ab hei\u00dft,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">auf Hebr\u00e4isch Golgota.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">18 Dort wurde Jesus gekreuzigt<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und mit ihm noch zwei andere \u2013<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">einer auf jeder Seite und Jesus in der Mitte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">19 Pilatus lie\u00df ein Schild oben am Kreuz anbringen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">auf dem geschrieben stand:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbJesus der Nazor\u00e4er, der K\u00f6nig der Juden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">20 Viele Juden lasen das Schild.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">lag nahe bei der Stadt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Inschrift war in hebr\u00e4ischer,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">lateinischer und griechischer Sprache abgefasst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">21 Die f\u00fchrenden Priester des j\u00fcdischen Volkes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sagten zu Pilatus:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbSchreibe nicht: \u203aDer K\u00f6nig der Juden\u2039,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sondern: \u203aDieser Mann hat behauptet:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin der K\u00f6nig der Juden.\u2039\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">22 Pilatus erwiderte:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbWas ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.\u00ab (Basisbibel)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>INRI \u2013 die Tafel einer unheiligen Allianz <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man kann fast h\u00f6ren, was Pilatus bei seiner Antwort denkt: \u201eJetzt muss aber Schluss sein!\u201c Er und die Leute, die da vor ihm standen, hatten eine Allianz gebildet. Pilatus, der r\u00f6mische Statthalter in Jerusalem, und sie, \u201edie f\u00fchrenden Priester des j\u00fcdischen Volkes\u201c. Das Opfer dieser Allianz, das wissen wir, war Jesus. Pilatus beseitigt mit dem \u201eK\u00f6nig der Juden\u201c [auch im Folgenden Anf\u00fchrungszeichen mitsprechen\/anzeigen] eine m\u00f6gliche Bedrohung der R\u00f6merherrschaft; die j\u00fcdische Priesterschaft beseitigt eine Bedrohung ihrer religi\u00f6sen Autorit\u00e4t. Das Johannes-Evangelium erz\u00e4hlt, dass Pilatus Zweifel an der Schuld Jesu hatte. Am Ende kommt es aber nur auf das Ergebnis an. Nur die R\u00f6mer konnten damals in Jerusalem ein Todesurteil verh\u00e4ngen, und Pilatus hat es bei Jesus getan.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schon beim Vollzug zerf\u00e4llt die Allianz. Sie wurde gebildet, weil man gemeinsame Interessen hatte. Das hei\u00dft auch: Die Allianz h\u00e4lt nur solange, wie man gemeinsame Interessen hat. Das wird gleich an der Tafel deutlich, die Pilatus \u00fcber Jesus am Kreuz anbringen l\u00e4sst: \u201eDer K\u00f6nig der Juden\u201c. Das ist nicht nur der offizielle Grund f\u00fcr die Kreuzigung. Die Tafel ist auch eine Ansage an das ganze j\u00fcdische Volk, egal wie die Menschen zu Jesus gestanden haben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSchaut her: Von solcher Art sind eure K\u00f6nige.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und merkt euch: So sehen sie aus, wenn wir R\u00f6mer mit ihnen fertig sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Vorbeikommenden verstehen diese Demonstration der Macht und sp\u00fcren die Provokation. Es dauert nicht lange, da sprechen die j\u00fcdischen F\u00fchrer bei Pilatus vor:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSchreibe nicht: \u203aDer K\u00f6nig der Juden\u2039, sondern: \u203aDieser Mann hat behauptet: Ich bin der K\u00f6nig der Juden.\u2039\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist kein \u201ekleiner, feiner\u201c Unterschied. Die neue Tafel w\u00fcrde deutlich unterscheiden zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In dem Sinn: \u201eGesagt hat er es. Gewesen ist er es nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch der r\u00f6mische Statthalter l\u00e4sst die Hohepriester abblitzen: \u201eWas ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.\u201c Wo k\u00e4me Pilatus denn hin? Soll er sich von Untertanen Roms vorschreiben lassen, was er schreiben darf und was nicht? Das geht gar nicht! So bleibt die Tafel h\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>INRI \u2013 eine Tafel als Verh\u00f6hnung eines Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDer K\u00f6nig der Juden\u201c, die Tafel war eine Provokation gegen die Juden \u2013 und [!] eine Verh\u00f6hnung des Menschen unter der Tafel. Es ist kein Tod im Bett, umgeben von \u00c4rzten und einem besorgten Hofstaat. Es ist auch kein Tod auf dem Schlachtfeld, der als heldenhaftes Ende eines gro\u00dfen K\u00f6nigs verherrlicht werden kann. Der Mensch, dessen Leben unter der Tafel INRI schwindet, stirbt nicht den Tod eines K\u00f6nigs. Es ist der Tod, den die R\u00f6mer f\u00fcr erfolglose Aufr\u00fchrer und ihre Anh\u00e4nger vorsehen. F\u00fcr seine Anh\u00e4nger war Jesus kein politischer Aufr\u00fchrer, sondern ein religi\u00f6ser F\u00fchrer. Wenn man von einem besonderen Anspruch reden wollte, so kam er bei Jesus nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Wort seiner Predigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus ist in die M\u00fchlen von Welt- und Standespolitik geraten. Er verschwindet hinter dem todesw\u00fcrdigen Vorwurf \u201eK\u00f6nig der Juden\u201c, als Mensch unsichtbar gemacht durch ein Todesurteil. Alles, was Jesus im Namen Gottes gesagt oder getan hat, spielt am Kreuz keine Rolle mehr. Am Kreuz ist er machtloses Opfer von Gewalt und Objekt einer Machtdemonstration. Der Prediger Gottes ist festgenagelt auf seine Menschlichkeit einfach nur ein sterbender Mensch. F\u00fcr die [!] einen war es eine Tagesallianz. Aber f\u00fcr den [!] einen bedeutete sie den Tod.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch nicht ganz: Gott gibt diesem Tod eine Nachgeschichte. Die Auferstehung widerspricht dem Todesurteil des Pilatus und gibt Jesus recht. Mit Folgen! Heutzutage wird weltweit verk\u00fcndigt, wozu Menschen f\u00e4hig sind und wozu Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>INRI \u2013 Symbol vieler Verh\u00f6hnungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch f\u00fcr ein \u201ealles wieder gut\u201c ist es zu fr\u00fch. Immer wieder sehen wir, was alles \u201enicht gut\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Immer noch schlie\u00dfen M\u00e4chtige unheilige Allianzen. Und ich kann nicht anders, als an die Ukraine zu denken, weil ich andere Allianzen, sagen wir z. B. zur Ausbeutung von Rohstoffvorkommen im Ost-Kongo, nicht genau genug kenne. [Und ich denke an 1938 und 1939. 1938 zwang das M\u00fcnchner Abkommen die am Abkommen nicht beteiligte Tschechoslowakei zur Abtretung des Sudetenlandes. 1939 teilte der Hitler-Stalin-Pakt Osteuropa auf. Dass unheilige Allianzen nicht halten, wissen wir aus der Geschichte. 1938 waren Gro\u00dfbritannien und Frankreich vor Hitler zur\u00fcckgewichen und hatten die Tschechoslowakei preisgegeben. 1939 waren sie mit Hitler-Deutschland im Krieg, weil Deutschland Polen \u00fcberfallen hatte. 1939 paktierte die Sowjetunion mit Hitler, weil Stalin selber Gebiete in Polen und Osteuropa erobern wollte. 1941 fiel die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Politik ist nur das leichteste Beispiel, welches Unheil von unheiligen Allianzen heraufgef\u00fchrt wird. Unheilige Allianzen werden auch in meiner Stadt geschlossen: auf Schulh\u00f6fen, wenn Kinder Kinder mobben, oder an Arbeitspl\u00e4tzen, wenn Kollegen sich gegen jemanden verb\u00fcnden. Leider stelle ich an mir fest: Auch als Beobachter kann man sich dem b\u00f6sen Spiel nicht immer entziehen. Manchmal kann man ja verstehen, warum sich die Menschen dieses \u201eOpfer\u201c ausgesucht haben. Manchmal ist man ja selbst genervt von dieser Person und kann Gr\u00fcnde anf\u00fchren, warum man sich nicht einmischen mag. \u201eMancher ist eben \u201aungeschickt\u2018, \u201aschwierig\u2018 oder \u201agest\u00f6rt\u2018.\u201c Sie h\u00f6ren sicher, wie ich hier unsichtbare Tafeln \u00fcber den Opfern mitspreche.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unheilige Allianzen im Gro\u00dfen und Kleinen, geschlossen auf ungewisse Dauer, geschlossen auf Kosten eines Opfers, ohne einen Grund, der positiv zusammenh\u00e4lt und auf eine gemeinsame Zukunft weist. Da haben die Leute recht, die wollen, dass Gott auf der Seite der Geschundenen steht und keinesfalls auch auf der Seite der T\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>INRI \u2013 die Tafel \u00fcber einem einzigartigen Geschehen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber: Nach dem Zeugnis der Bibel ist Jesus nicht nur der exemplarisch Leidende. Nehmen wir an, Jesus w\u00e4re nur ein Beispiel unter vielen. Dann kann man Jesus durch andere ersetzen, denen wom\u00f6glich noch Entsetzlicheres widerf\u00e4hrt als ein Kreuzestod. Dann verschwindet Jesus nicht nur unter seiner INRI-Tafel, sondern hinter Tafeln, die f\u00fcr andere aufgeh\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die christliche Tradition hingegen schreibt dem Tod Jesu etwas Einmaliges zu, und das muss am Karfreitag mitgeh\u00f6rt werden: Es ist ein Tod, dem eine Auferstehung von den Toten folgt. Das nimmt den Qualen der Kreuzigung nichts und macht sie nicht ungeschehen. Die Auferstehung ist aber eine Besonderheit, die man damals nicht erwartet hat. Sie war in der Antike kein allt\u00e4gliches Ereignis, und sie ist es heute auch nicht. Deshalb haben wir Heutigen mit der Auferstehung ein Problem, aber den Damaligen nichts voraus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Gegenteil. Die Heutigen k\u00f6nnen sich hinter \u201eNaturgesetzen\u201c vor Jesus verstecken. Die Urgemeinde konnte das nicht. Sie hat im Licht der Auferstehung Deutungen f\u00fcr die Ereignisse von Karfreitag suchen m\u00fcssen. Ich nenne die bekanntesten Deutungen der fr\u00fchen Christenheit: Gestorben als S\u00fchne f\u00fcr unsere S\u00fcnden. Das war den Menschen aus ihrem Alltag heraus verst\u00e4ndlich. Man brachte damals in Israel Gott und au\u00dferhalb Israels allen m\u00f6glichen G\u00f6ttern Opfer. Loskauf von der Sklaverei der S\u00fcnde. Auch das verst\u00e4ndlich. Die antiken Gesellschaften waren Sklavenhaltergesellschaften. Man kaufte und verkaufte Sklaven. Tats\u00e4chlich kennen wir so etwas noch heute, wenn Menschen entf\u00fchrt werden und die Entf\u00fchrer L\u00f6segeld verlangen. Eine weitere Vorstellung: Befreiung von der Macht des Todes. Der Tod war damals sichtbarer als heute. Wie immer es die fr\u00fchere Christenheit auch ausgedr\u00fcckt hat, man hat eines sagen wollen: Das Kreuz und die Auferstehung Jesu waren und sind gut f\u00fcr uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>INRI \u2013 eine von Gott umgeschriebene Tafel<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen die alten Bilder erkl\u00e4rt bekommen, doch bleibt unser Verstehen oft wie von Ferne. Bevor ich es einmal anders versuche, will ich trotzdem an die Kraft der ersten Botschaft erinnern. Es gibt Menschen, f\u00fcr die ist es ein neues Lebensfundament, dass sie Schuld am Kreuz ablegen konnten. Es gibt Menschen, die aus der Sklaverei von S\u00fcchten freigekauft wurden, und nur deshalb nicht zur\u00fcckfallen, weil sie unter dem neuen Eigent\u00fcmer Jesus leben. Es gibt Menschen, deren Leben so schwierig ist, dass die Hoffnung auf Gottes neue Welt sie nicht g\u00e4nzlich verzweifeln l\u00e4sst. Wenn jemand unter uns zu diesen Menschen geh\u00f6rt, dann halte er an der alten Botschaft fest. Egal welche Tafel am Ende von Menschen \u00fcber einem Leben angebracht wird oder welche Tafel man selbst \u00fcber seinem Leben anbringen m\u00fcsste&#8230; Im Namen dessen, der die Tafel \u201eK\u00f6nig der Juden\u201c ans Kreuz genagelt bekam, wird von Gott hinzugesetzt: \u201eWo Schuld in der Vergangenheit, da Vergebung, wo schweres Leben heute, da ewiges Leben bei mir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Vergleich zu diesen machtvollen Botschaften bleibt mein folgendes Bild zur\u00fcck. Ich beginne mit der Tafel am Kreuz: INRI \u2013 Jesus von Nazareth, K\u00f6nig der Juden. Das war das Verbrechen, das Jesus ans Kreuz gebracht hat. Obwohl er, wie wir wissen, kein politischer K\u00f6nig war, sondern h\u00f6chstens ein K\u00f6nig der Herzen. Und damit hatte Pilatus mit seinem Urteil Recht \u2013 \u201eK\u00f6nig\u201c \u2013 und Unrecht \u2013 politischer Herrscher. Den zu Unrecht gekreuzigten Jesus von Nazareth ruft die Auferstehung ins Leben zur\u00fcck, in ein anderes Leben allerdings. Er lebt mindestens in den Erinnerungen seiner Anh\u00e4nger weiter, weiter in der Botschaft und, die Bibel sagt auch, weiter in einer neuen Existenz bei Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Todesurteil des Pilatus wurde aufgehoben, und ein anderes, inzwischen weltweites K\u00f6nigtum aufgerichtet. Auf diese Weise wird die Tafel des Pilatus umgeschrieben. \u201eK\u00f6nig\u201c? Ja! Aber: Jesus ist nicht der \u201eK\u00f6nig der Juden\u201c, den Menschen fertiggemacht haben. Jesus ist \u201eder K\u00f6nig der Herzen\u201c der Menschen, die ihm nachfolgen. Sein Reich ist gr\u00f6\u00dfer geworden, als Pilatus sich h\u00e4tte denken k\u00f6nnen. Und seine Herrschaft ruht nicht auf der \u00e4u\u00dferen Gewalt r\u00f6mischer Soldaten, sondern auf den inneren Einsichten, die Menschen durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu gewinnen, und den Erfahrungen, die sie auf diese Weise mit Gott und der Welt machen. Gott hat die Tafel INRI umgeschrieben, und mit der alten Christenheit will ich sagen: Das ist gut f\u00fcr uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>INRI \u2013 und die Tafeln in unserem Leben<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber wie? Dazu erinnere ich mich an Urteile, die ich im Lauf meines Lebens \u00fcber Menschen geh\u00f6rt habe. Sie kennen solche Urteile bestimmt auch, wobei ich die anz\u00fcglichen oder sexistischen gleich weglasse. Sie m\u00fcssen ja nur die Richtung des Gemeinten verstehen: \u201egro\u00dfes Maul und nichts dahinter\u201c, \u201eein unangenehmer Mensch\u201c, oder aus der Seelsorge \u201eIch habe alles falsch gemacht.\u201c. Manche Urteile haben sich in meiner Erinnerung eingebrannt, weil das Urteile \u00fcber Kollegen waren. Man h\u00f6rt da als Kollege gleich auch die Frage an sich selbst mit: \u201eIch kann nicht mehr, gib mir noch mehr\u201c \u00fcber einen Workaholic. \u201eH\u00e4lt sich f\u00fcr mehr als er ist\u201c \u00fcber jemanden, der unbedingt Karriere machen wollte. \u201eMan hatte sich mehr von ihm erwartet\u201c \u00fcber jemanden, der Karriere gemacht hatte, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Was w\u00e4re wohl das finale Urteil \u00fcber mich oder auch etwas kleiner \u00fcber mein Berufsweg? Ich bin froh, dass ich am Ende beides Gott anbefehlen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist der Punkt: Am Beispiel Jesu kann man sehen, dass Gott sich das letzte Urteil vorbeh\u00e4lt. An den genannten Urteilen mag etwas dran sein, aber am Ende setzt es Gott zurecht. \u201eK\u00f6nig der Juden\u201c, nein, aber \u201eein K\u00f6nig der Herzen\u201c. \u201eAus dem wird doch eh nichts\u201c, vielleicht, aber Kleinster im Himmelreich ist immer noch besser als Gr\u00f6\u00dfter in der H\u00f6lle, die sich Menschen auf dem Weg an die Spitze gegenseitig bereiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6gen wir f\u00fcr den Alltag unseres Lebens aus der Tafel vom Kreuz zweierlei lernen. Uns selbst nicht hinter Tafeln und Urteilen verschwinden lassen, und auch nicht andere. Egal, was andere \u00fcber Dich sagen oder auch Du selbst auf Deine Tafel schreibst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(1) Keine Nachfolgerin Jesu soll sich sagen: Ich bin zu klein oder zu krank oder zu alt, um etwas mit Gott zu tun. Keiner soll sagen: Ich bin zu arm oder zu dumm oder zu unqualifiziert, um etwas f\u00fcr Gott zu tun. Keiner soll auch sagen: Ich bin zu unbedeutend oder zu schuldig, dass Gott etwas mit mir zu tun haben k\u00f6nnte. Vielmehr soll er oder sie sich sagen: Mit allem, was ich bin, bin ich wichtig f\u00fcr Gott. Und was immer mir f\u00fcr eine Tafel bevorstehen w\u00fcrde, Gott wird das Urteil zurechtr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(2) Und kein Nachfolger Jesu soll \u00fcber einen anderen Menschen sagen: \u201eDer ist gest\u00f6rt.\u201c, \u201eDen k\u00f6nnen wir hier nicht gebrauchen.\u201c, \u201eDen wollen wir hier nicht leiden.\u201c Es mag so kommen, dass Gott diese Tafel gegen die Hochm\u00fctigen wendet und sich in seiner Ewigkeit eben doch mit Gest\u00f6rten umgibt, mit solchen, die keine Spitzenkr\u00e4fte waren, und mit denen, die zu leiden hatten, weil man sie nicht leiden konnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an der Wilhelm-L\u00f6he-Schule in N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Literaturhinweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kuhn, Heinz-Wolfgang: Kreuz II. Neues Testament und fr\u00fche Kirche, in: Theologische Realenzyklop\u00e4die Band 19 (1990=2010), S. 713-725.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schnelle, Udo: Das Evangelium nach Johannes (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament; Band 4), Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 5. Auflage (umfassende Neubearbeitung) 2016, S. 363-366 Die Kreuzigung Jesu 19,16b-22, bes. S. 365-355 Exkurs 16: Der Tod am Kreuz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stegemann, Ekkehard und Wolfgang: K\u00f6nig Israels, nicht K\u00f6nig der Juden? Jesus als K\u00f6nig Israels im Johannesevangelium, in: Stegemann, Ekkehard (Hrsg.): Messias-Vorstellungen bei Juden und Christen, Stuttgart: Kohlhammer, 1993, S. 41-56.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INRI \u2013 Die Tafeln \u00fcber Jesus und uns | Karfreitag | 18.04.2025 | Joh 19,17-22 | Hansj\u00f6rg Biener | 17 Jesus trug sein Kreuz aus der Stadt hinaus zu dem Ort, der \u00bbSch\u00e4delplatz\u00ab hei\u00dft, auf Hebr\u00e4isch Golgota. 18 Dort wurde Jesus gekreuzigt und mit ihm noch zwei andere \u2013 einer auf jeder Seite und Jesus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22666,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,157,853,114,271,298,702,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22675","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hansjoerg-biener","category-kapitel-19-chapter-19","category-karfreitag","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22675"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22676,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22675\/revisions\/22676"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22675"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22675"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22675"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22675"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}