{"id":22679,"date":"2025-04-15T18:01:07","date_gmt":"2025-04-15T16:01:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22679"},"modified":"2025-04-15T12:04:36","modified_gmt":"2025-04-15T10:04:36","slug":"markus-161-8-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-161-8-14\/","title":{"rendered":"Markus 16,1\u20138"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Ostersonntag | 20. April 2025 | Markus 16,1\u20138 | Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Herr ist auferstanden \u2013<br \/>\nEr ist wahrhaftig auferstanden<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<br \/>\nwir feiern Ostern. Ein sch\u00f6nes Fest, ein freudiges Fest! Der Grund unserer Feier ist wahrhaftig ein freudiger. Wir feiern die Auferweckung Jesu von den Toten. Das Leben triumphiert. Das ist unvorstellbar; wir feiern etwas Unerh\u00f6rtes. Der Herr ist auferstanden! Der Tod hat nicht l\u00e4nger das letzte Wort \u2013 Zeitenwende, die Wende aller Wenden.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit dem Tod werden wir Menschen nicht fertig. Er bleibt eine Zumutung f\u00fcr uns, und m\u00f6gen wir auch noch so gelassen feststellen, er geh\u00f6re eben zum Leben dazu. Der Tod fordert uns heraus. Das ist so, solange es Menschen gibt. Wir denken, schreiben, reden und singen gegen den Tod an, heute wie vor Jahrhunderten, wie vor Jahrtausenden. Unsere Todesanzeigen legen ein beredtes Zeugnis davon ab.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Gedichten und Prosa umkreisen wir den Tod und beklagen unsere Machtlosigkeit \u2013 eindrucksvoll wie in dem sp\u00e4tmittelalterlichen Streitgespr\u00e4ch, das ein b\u00f6hmischer Bauer, der \u201eAckermann aus B\u00f6hmen\u201c, mit dem als Person auftretenden Tod f\u00fchrt (um 1400, verfasst von Johannes von Saaz alias Johannes von Tepl). Tief ber\u00fchrt uns bis heute noch der griechische Mythos von Orpheus und Eurydike.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er stammt urspr\u00fcnglich aus dem 5. Jahrhundert [v. Chr.]. Seither ist er oft nacherz\u00e4hlt worden, zun\u00e4chst auf Latein von Vergil und Ovid, dann in vielen anderen Sprachen. Der Stoff wurde mehr als einmal zur Vorlage f\u00fcr ein Opernlibretto. Es gibt zahlreiche Filme. Die Figur des Orpheus, dessen geliebte Frau j\u00e4h durch einen Schlangenbiss stirbt, geht uns zu Herzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Orpheus kann und will sich mit Eurydikes Tod nicht abfinden, er ist verzweifelt. Ohne seine Frau mag er nicht leben. Darum z\u00f6gert er nicht, ihr in die Unterwelt, das Reich des Todes, zu folgen. Das ist bekanntlich nicht m\u00f6glich. Die Toten leben in einer Welt, zu der nur Verstorbene Zutritt haben. Kein Lebender darf hinein. Kein Toter darf sie verlassen. Das Tor zu dieser Welt ist streng bewacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Davon aber l\u00e4sst Orpheus sich nicht abschrecken. Er dringt bis an die Pforte der Unterwelt vor. Den Grauen erregenden H\u00f6llenhund bes\u00e4nftigt er mit seinem Gesang. Von Orpheus hei\u00dft es, sein Spiel der Lyra und sein Singen h\u00e4tten bewirkt, dass die B\u00e4ume sich vor ihm verneigten, die wilden Tiere sich zahm vor ihm niederlegten und selbst die Felsen zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt waren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und so k\u00f6nnen am Ende auch die Herrscher der Unterwelt der Sch\u00f6nheit dieses Gesangs nicht widerstehen. Ergriffen und bezaubert geben sie dem Flehen von Orpheus nach, ihm seine Frau zur\u00fcckzugeben. Sie erlauben, dass sie ihm in die Welt der Lebenden nachfolgt, allerdings unter einer Bedingung: Er, der vorangeht, darf sich nicht nach ihr umdrehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Begl\u00fcckt machen die beiden sich auf den Weg. Folgt sie ihm tats\u00e4chlich? Nichts spricht daf\u00fcr. Er h\u00f6rt sie nicht atmen, er h\u00f6rt ihre Schritte nicht. Er braucht Gewissheit. Nur einen kurzen Blick will er riskieren. Er wendet den Kopf \u2013 und hat sie f\u00fcr immer verloren. Eurydike weicht in das Totenreich zur\u00fcck. Es gibt keine R\u00fcckkehr ins Leben. Der Tod ist etwas Unab\u00e4nderliches.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir h\u00f6ren das Evangelium des Ostersonntags, Markus 16,1\u20138:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende \u00d6le, um hinzugehen und ihn zu salben. 2\u00a0Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr fr\u00fch, als die Sonne aufging. 3\u00a0Und sie sprachen untereinander: Wer w\u00e4lzt uns den Stein von des Grabes T\u00fcr? 4\u00a0Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggew\u00e4lzt war; denn er war sehr gro\u00df. 5\u00a0Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen J\u00fcngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes wei\u00dfes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6\u00a0Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die St\u00e4tte, wo sie ihn hinlegten. 7\u00a0Geht aber hin und sagt seinen J\u00fcngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galil\u00e4a; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8\u00a0Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie f\u00fcrchteten sich. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es war noch fr\u00fch an diesem Morgen, dem ersten Tag der Woche. Die Sonne ist gerade erst aufgegangen. Den Frauen, von denen Markus erz\u00e4hlt, ist klar, was jetzt f\u00fcr sie an der Reihe ist. Sie sind auf dem Weg zu Jesu Grab, um ihm, wie es sich geh\u00f6rt, die letzte Ehre zu erweisen. Gerade zwei Tage ist es her, dass er am Kreuz verstarb und vor den Toren Jerusalems in ein Felsengrab gelegt worden ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu dritt haben die Frauen sich auf den Weg gemacht. An den gro\u00dfen Stein, der das Grab verschlie\u00dft, haben sie in ihrer Trauer gar nicht gedacht. Ob ihnen vielleicht jemand zu Hilfe kommt, der den Stein beiseite w\u00e4lzen kann? Sie gehen weiter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schlie\u00dflich sind sie am Ziel und stutzen. Der Stein liegt nicht an seinem Platz. Er ist bereits beiseite gerollt, sie k\u00f6nnen ungehindert eintreten. Also gehen sie in das Grab hinein. Den Toten allerdings finden sie nicht. Best\u00fcrzt schauen sie sich um: Der Leichnam ist nicht da. Da sehen sie auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen. Er tr\u00e4gt ein langes wei\u00dfes Gewand; so tun es die Boten Gottes. Die Frauen erstarren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der junge Mann seinerseits redet sie freundlich an: \u201eDer Gekreuzigte ist auferstanden, er ist nicht hier.\u201c \u2013 Er ist auferstanden? <em>Auferstanden?<\/em> \u2013 Die Frauen sind verst\u00f6rt. Sie sind nicht etwa getr\u00f6stet, erleichtert oder gar begeistert, sie sind entsetzt. Auf dem Absatz machen sie kehrt und suchen das Weite, schweigend, voller Furcht. Die Worte des Engels besagen schlie\u00dflich nichts anderes, als dass der, dessen Sterben sie erlebten, lebt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er setzt nicht einfach sein Leben fort, als ob der Tod ungeschehen gemacht werden k\u00f6nnte, wie es sich so mancher und manche Hinterbliebene, Orpheus gleich, ertr\u00e4umt. Die Rede von der Auferstehung verk\u00fcndet den Anbruch der Ewigkeit Gottes in unserer Welt oder, anders gesagt, das Ende der Welt, wie wir sie kennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die drei Frauen erfassen das ohne jede weitere Erkl\u00e4rung. Sie erwarten, wie es ihren Glaubensvorstellungen entspricht, den J\u00fcngsten Tag am Ende der Zeiten. An ihm sollen die Toten auferweckt werden zum J\u00fcngsten Gericht (vgl. Dan. 12,2; Joh. 5,29; 6,40; 11,24). Die Worte des Engels deuten demnach unausgesprochen an, dieser sei nun gekommen, da Jesus, auferstanden, nicht mehr bei den Toten ist. \u2013 Wie soll, wie kann man dar\u00fcber selbstgewiss wie selbstverst\u00e4ndlich reden? \u2013 Die Frauen sagten niemand etwas.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Inzwischen feiern Christinnen und Christen auf der ganzen Welt jedes Jahr aufs Neue Ostern. Der Gegenwart des Auferstandenen gew\u00e4rtig (vgl. Matth. 18,20; 28,20), feiern sie an einem jeden Sonntag Gottesdienst. Was die Auferstehung Jesu anbelangt, herrscht die anf\u00e4ngliche Sprachlosigkeit bei weitem nicht mehr. Recht bald schon hat die Freude \u00fcber die Auferstehung das Zittern, das Entsetzen und alle Furcht vertrieben. Und doch tun wir uns mit der Auferstehung schwer. Nur selten gelingt es uns, die richtigen Worte zu finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Strittig ist die 2000 Jahre alte Auferstehungsbotschaft von jeher. Sie trifft auf Skepsis, offen wie insgeheim. Aktuell spielt das vielleicht gar nicht einmal eine so gro\u00dfe Rolle. Gleichg\u00fcltigkeit hat sich verbreitet und weitet sich aus. Was Jesu Auferstehung angeht, ist nichts bewiesen. Die vielfachen Bem\u00fchungen zu kl\u00e4ren und wegzuerkl\u00e4ren haben niemand \u00fcberzeugt, und die Erfahrungsberichte des Neuen Testaments rufen allenfalls ein Schulterzucken hervor. Der Auferstehungsglaube, f\u00fcr viele ein \u201eNarrativ\u201c unter anderen, behauptet nicht l\u00e4nger seinen Anspruch auf Verbindlichkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von ihm geh\u00f6rt haben hier zulande gewiss noch die meisten. Ostern steht in den Kalendern. In Stadt und Land rufen die Kirchenglocken zum Gottesdienst. Aber die wenigsten nur folgen ihrem Schall; von Jahr zu Jahr werden es weniger. Auf der anderen Seite ist es der Glaube selbst, der ihre bunt zusammengew\u00fcrfelte Gemeinschaft \u2013 uns \u2013 nicht losl\u00e4sst, an jedem neuen Tag, im Leben und im Sterben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben einander an diesem Ostermorgen mit dem alten Gru\u00df der Kirche begr\u00fc\u00dft:<br \/>\n<em>Der Herr ist auferstanden \u2013 Er ist wahrhaftig auferstanden!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu stimmen wir unsere sch\u00f6nen alten (und neuen) Osterlieder an. Ihre Melodien ziehen uns in die Osterfreude hinein. Ihre froh, ja fr\u00f6hlich stimmenden Texte wenden sich an Herz und Verstand.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gleich im Anschluss singen wir das Lied EG 116, 1 &#8211; 5, \u201eEr ist erstanden, Halleluja!\u201c<br \/>\n[alternativ: EG 100, 1 &#8211; 5, \u201eWir wollen alle fr\u00f6hlich sein in dieser \u00f6sterlichen Zeit &#8230;\u201c]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag | 20. April 2025 | Markus 16,1\u20138 | Ulrich Nembach | Der Herr ist auferstanden \u2013 Er ist wahrhaftig auferstanden Liebe Gemeinde, wir feiern Ostern. Ein sch\u00f6nes Fest, ein freudiges Fest! Der Grund unserer Feier ist wahrhaftig ein freudiger. Wir feiern die Auferweckung Jesu von den Toten. Das Leben triumphiert. 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