{"id":22688,"date":"2025-04-15T18:05:49","date_gmt":"2025-04-15T16:05:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22688"},"modified":"2025-04-15T12:05:37","modified_gmt":"2025-04-15T10:05:37","slug":"joh-2011-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/joh-2011-18\/","title":{"rendered":"Joh 20,11-18"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u201eHalte mich nicht fest!\u201c \u2013 Eine Bildbetrachtung zu Felix Hoffmanns \u201eNoli me tangere\u201c | Ostersonntag | 20. April 2025 | Joh 20,11-18 | D\u00f6rte Gebhard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong>Liebe Gemeinde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aus dem vorletzten Kapitel im Johannesevangelium h\u00f6ren wir, was uns hier im Chor der Sch\u00f6ftler Kirche als Glasgem\u00e4lde von Felix Hoffmann immer vor Augen steht [Lesung mit verteilten Rollen]:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>11 <\/sub><\/em><em>Maria blieb drau\u00dfen vor dem Grab stehen und weinte.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Mit Tr\u00e4nen in den Augen beugte sie sich vor<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und schaute in die Grabkammer hinein.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>12 <\/sub><\/em><em>Da sah sie zwei Engel in wei\u00dfen Gew\u00e4ndern dort sitzen,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Einer sa\u00df am Kopfende, der andere am Fu\u00dfende.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>13 <\/sub><\/em><em>Die Engel fragten Maria: \u00bbFrau, warum weinst du?\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Maria antwortete:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00bbSie haben meinen Herrn weggenommen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und ich wei\u00df nicht, wo sie ihn hingelegt haben!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>14 <\/sub><\/em><em>Nach diesen Worten drehte sie sich um<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und sah Jesus dastehen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>15 <\/sub><\/em><em>Jesus fragte sie:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00bbFrau, warum weinst du? Wen suchst du?\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Maria dachte: Er ist der G\u00e4rtner.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Darum sagte sie zu ihm:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00bbHerr, wenn du ihn weggebracht hast,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich will ihn zur\u00fcckholen!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>16 <\/sub><\/em><em>Jesus sagte zu ihr: \u00bbMaria!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sie wandte sich ihm zu<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und sagte auf Hebr\u00e4isch: \u00bbRabbuni!\u00ab \u2013<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Das hei\u00dft: \u00bbLehrer\u00ab.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>17 <\/sub><\/em><em>Jesus sagte zu ihr: \u00bbHalte mich nicht fest!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin noch nicht hinaufgegangen zum Vater.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Aber geh zu meinen Br\u00fcdern und Schwestern<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und richte ihnen von mir aus:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u203aIch gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>zu meinem Gott und eurem Gott.\u2039\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>18 <\/sub><\/em><em>Maria aus Magdala ging zu den J\u00fcngern.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sie verk\u00fcndete ihnen: \u00bbIch habe den Herrn gesehen!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und sie erz\u00e4hlte, was er zu ihr gesagt hatte.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-22689\" src=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Unbenannt-300x193.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Unbenannt-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Unbenannt-1024x659.jpg 1024w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Unbenannt-768x495.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Unbenannt-624x402.jpg 624w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Unbenannt.jpg 1390w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Foto: Rudolf Gebhard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben den Auferstandenen immer vor Augen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Ewigkeitssonntag, wenn die Kerzen f\u00fcr unsere Verstorbenen brennen, leuchtet Christus \u00fcber uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu Weihnachten, beim Krippenspiel, h\u00e4lt er seine segnende Hand \u00fcber Kleine und Grosse.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute, am Ostertag, schauen wir einmal genau hin \u2013 mit grossen Hoffnungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die beinahe unglaubliche Nachricht von der Auferstehung Jesu Christi steckt im Detail. In jedem Detail.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir heben heute unsere Augen auf \u2013 und sp\u00fcren zugleich, wie es ist, wenn wir Abschied nehmen. Betreten wir unsere Kirche zu einer Abdankung, ist Christus nur ganz von weitem zu sehen, manchmal auch zu \u00fcbersehen vor lauter Traurigkeit, die wir bei uns haben, die wir tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann kommen wir wie Maria von Magdala ans Grab Jesu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann sehen wir nicht viel \u2013 mit Tr\u00e4nen in den Augen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann hoffen wir nur wenig, weil das vergangene Leben grosse L\u00fccken ins Herz gerissen hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber Maria ist nicht nur verzweifelt und einsam. Sie ist auch furchtlos und k\u00fchn.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als sei alles, was sie zuletzt erlebt hat, noch nicht traurig und schlimm genug, steckt sie auch noch ihren Kopf ins dunkle Grab hinein:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Mit Tr\u00e4nen in den Augen beugte sie sich vor und schaute in die Grabkammer hinein.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben auf unserem Friedhof nicht solche Grabkammern, aber unseren Kopf k\u00f6nnen wir genauso ins Grab stecken, wenn wir trauern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Herabbeugen geht wie von selbst, bei all den herabziehenden Gedanken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht selten ist jemand gefangen in den Erinnerungen an das zu Ende gegangene Leben, schaut nur auf die letzte Leidenszeit. Sieht nur noch schwarz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dagegen k\u00f6nnen auch die allersch\u00f6nsten Engel nichts ausrichten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Maria begegnet im sonst leeren Grab zwei Engeln:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>12 <\/sub><\/em><em>Da sah sie zwei Engel in wei\u00dfen Gew\u00e4ndern dort sitzen,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lebt Maria noch? Oder ist sie innerlich wie tot? Sie staunt nicht einmal ein bisschen. Oder ist Maria Engel genauso gew\u00f6hnt wie wir?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich nur einmal \u00fcber den Sch\u00f6ftler Friedhof gehe, habe ich bestimmt mehr als hundert Engel gesehen, aber gegen tiefe Trauer richten sie nur wenig aus. Oder t\u00e4usche ich mich?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Maria verzweifelt immer mehr, weil Jesus nun zweimal fort ist: Er ist fort als Lebender, weil er tot ist. Und nun ist auch noch der Tote fort.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ob man v\u00f6llige Einsamkeit noch steigern k\u00f6nnte: <em>Sie haben meinen Herrn weggenommen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch ihren \u00d6lkrug samt Dreibein zum Aufstellen hat sie vergebens hergebracht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie ist allein und kann auch nichts mehr tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Habt Ihr diese beissende Leere je gesp\u00fcrt, wenn gar nichts mehr zu machen ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr nichts und wieder nichts hat Maria Geld f\u00fcr gutes \u00d6l ausgegeben. Das h\u00e4tte sie sich sparen k\u00f6nnen. Der Krug ist noch auf dem Bild, aber abgestellt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcbrigens in derjenigen Ecke des Bildes, in die wir zuletzt schauen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Maria findet keinen Trost im dunklen Grab. Die gottgesandten Engel bringen ihr gar nichts: keine Aussichten, nicht mal eine Auskunft. Sie wartet die Antwort von ihnen auch gar nicht erst ab.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>14 <\/sub><\/em><em>Nach diesen Worten drehte sie sich um &#8230; <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber was soll auf einem Friedhof schon zu sehen sein? Ausser noch mehr Gr\u00e4ber?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viel, viel mehr ist zu sehen! Geht nachher hinaus und schaut euch um, freut euch an der Blumenpracht:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Friedhof ist seit Jesu Auferstehung ein Vorschein auf Gottes kommende Welt, auf den Paradiesgarten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Auferstandene auf dem Glasgem\u00e4lde hat den Friedhof schon hinter sich. Ihr seht die schwarze Grabesh\u00f6hle hinter ihm auf der H\u00f6he seines Herzens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber Christus kommt vor allem in einem herrlichen Garten auf uns zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Riesig hat Felix Hoffmann die leuchtenden Bl\u00fcten gemalt. Die Knospen auch, sogar sehr prominent im Vordergrund. Wenn Maria die nicht sieht, wird sie dr\u00fcber stolpern. Solche Riesenbl\u00fcten gibt es hierzulande zu Ostern kaum, auch nicht, wenn der Ostertermin so sp\u00e4t liegt wie dieses Jahr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber Felix Hoffmann hatte wohl Angst, jemand k\u00f6nnte die Hinweise auf das Paradies verpassen. Deshalb \u00fcbertreibt er so! Ausserdem zeichnet er sorgf\u00e4ltig und fein mit Liebe zum Kleinen die Kr\u00e4uter und Blumen in langen Reihen, die alles Irdische auf Marias Seite und die kommende Welt auf der Seite des Auferstandenen verbinden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht hat sich hier schon einmal jemand bei dem Gedanken erwischt, dass die Glasmalerei noch sch\u00f6ner w\u00e4re, wenn der Pfeiler in der Mitte sie nicht unterbrechen w\u00fcrde. Aber der Pfeiler geh\u00f6rt genau da hin! Er unterscheidet unsere und die kommende Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er geh\u00f6rt zum Bild.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Unterbrechung geh\u00f6rt zu unserem Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Pfeiler h\u00e4lt Diesseits und Jenseits auseinander.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber schon heute kommt uns der Auferstandene entgegen, erf\u00fcllt von Licht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Felix Hoffmann hat diesen Augenblick ins Bild gesetzt, als Jesus zu Maria sagt:<em> Halte mich nicht fest! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber zugleich erz\u00e4hlt er die ganze Geschichte von Karfreitag bis heute fr\u00fch, bis zu uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Karfreitag ist schon weit nach hinten ger\u00fcckt, aber geh\u00f6rt noch aufs Bild, denn er ist noch unsere Realit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus hat den Tod hinter sich \u2013 Felix Hoffmann hat es genau genommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So weit hinter sich, dass wir die Augen fest zusammenkneifen m\u00fcssen, um die drei Kreuze auf der blutgetr\u00e4nkten Erde \u00fcberhaupt zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir drei Kreuze machen, haben wir etwas hinter uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber dank Gott geht das Leben nicht nur einfach weiter, sondern beginnt neu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weil das Leben wieder anf\u00e4ngt, bekommt Maria sogleich einen neuen Auftrag:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Aber geh zu meinen Br\u00fcdern und Schwestern<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und richte ihnen von mir aus: \u203aIch gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.\u2039<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle h\u00f6ren von Maria:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Er ist auferstanden! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Er ist wahrhaftig auferstanden! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sagt das einander jetzt weiter \u2013 euren Nachbarn in der Reihe, davor und dahinter und steht selbst auch auf, um es weiterzusagen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Er ist auferstanden! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Er ist wahrhaftig auferstanden! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus hat den Tod hinter sich. Er kommt erhobenen Hauptes auf uns zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geschlagen, aber aufgerichtet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gefoltert, aber gerade.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Get\u00f6tet, aber lebendig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist es Euch aufgefallen? Sein Kopf ist viel gr\u00f6sser als Sonne und Mond zusammen, die extra f\u00fcr diesen Gr\u00f6ssenvergleich genau daneben gemalt sind. Christus \u00fcberragt unsere irdischen Masse. Er \u00fcberragt die Fensterscheibe bei weitem!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wom\u00f6glich denkt jetzt jemand, Felix Hoffmann war zu faul, auf die Leiter zu steigen und hat die Fensterh\u00f6he nicht richtig gemessen: Das sei ferne! Er hat exakt Mass genommen, damit er zeigen kann, das Christus gr\u00f6sser ist, h\u00f6her ist als unsere Vernunft, wie es bei Paulus heisst (Phil 4,7).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Auferstandene passt nicht in das Raster unserer Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Maria ist nicht nur traurig und noch gefangen in ihrer Welt, sie ist auch vern\u00fcnftig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Maria dachte: Er ist der G\u00e4rtner.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Darum sagte sie zu ihm:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00bbHerr, wenn du ihn weggebracht hast,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich will ihn zur\u00fcckholen!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer sollte auch sonst in einem Garten anzutreffen sein?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein G\u00e4rtner nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wenn niemand anderes da ist, muss der G\u00e4rtner schuld sein, dass der Tote verschwunden ist. Denn das steht auch fest: Jemand muss schliesslich schuld sein! Gottes Sohn interessierte sich aber offenbar nie f\u00fcr Grabpflege. Er hatte fr\u00fcher mal gesagt: Lasst die Toten ihre Toten begraben (Mt 8,22).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>16 <\/sub><\/em><em>Jesus sagte zu ihr: \u00bbMaria!\u00ab Sie wandte sich ihm zu und sagte auf Hebr\u00e4isch: \u00bbRabbuni!\u00ab \u2013 Das hei\u00dft: \u00bbLehrer\u00ab.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus erkennen und ihn erfassen wollen &#8230; sind eins.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber sie erreicht ihn \u2013 haarscharf \u2013 nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Fingerspitzen Marias strecken sich zwar \u00fcber die Grenze des Todes, den dunklen Pfeiler, aus. Aber sie erreichen Jesus nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sterblichen Menschen erreichen den Auferstandenen nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und w\u00e4ren wir auch von Erkenntnis und Glauben \u00fcberflutet wie Maria in diesem besonderen Moment: Wir erreichen ihn von uns aus nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber Christus erreicht Maria mit einem Wort und mit einem Blick \u2013 und nur darauf kommt es an! Nicht auf unser Ausstrecken, nicht auf unsere Versuche, zu Gott zu gelangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em><sub>17 <\/sub><\/em><em>Jesus sagte zu ihr: \u00bbHalte mich nicht fest!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In \u00e4lteren \u00dcbersetzungen liest man noch: <em>R\u00fchr mich nicht an!<\/em> Aber das trifft es nicht. Der Auferstandene ist nicht wie eine schnippische Diva, die Angst hat um ihr feines, weisses Gewand; der Auferstandene ist unterwegs zu Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin noch nicht hinaufgegangen zum Vater.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er fehlt dann, aber er bleibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Maria hebt ihre Augen zu Jesus auf und wirft gleichzeitig uns einen aufmerksamen Blick zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Guckt mal, wie sie guckt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jetzt, erst jetzt kommt sie aus dem Staunen noch lange nicht heraus, aber sie wirft auch auf uns ein Auge. Ob wir es auch \u00abmitkriegen\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Randbemerkung: Felix Hoffmann war Lehrer. Er wusste, dass nicht immer alle alles mitbekommen. Dass man gucken muss, ob es alle erkennen &#8230;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fr\u00fchere Maler haben sich immer mit einer stark schielenden Maria geholfen, die gleichzeitig auf Jesus und zu den Betrachtenden schaut. Felix Hoffmann hat sich diesen Blick vielleicht bei seinen Sch\u00fclern abgeguckt, die ein menschliches Auge von der Seite noch nicht richtig zeichnen konnten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So malt man doch nicht!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich unm\u00f6glich, wie das aussieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber die Auferstehung ist nach menschlichen Massst\u00e4ben auch unm\u00f6glich und dennoch geschehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Konsequenzen f\u00fcr Maria aus Magdala und f\u00fcr uns hat Dietrich Bonhoeffer zusammengefasst, den die Nazis vor 80 Jahren, kurz nach Ostern (9. 4. 1945) ermordet haben, dessen Worte aber auch immer wieder auferweckt werden, so oft es die irdischen Umst\u00e4nde n\u00f6tig machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bonhoeffer schreibt in seiner Ethik \u00fcber den Glauben an die Auferstehung:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abDen neuen Menschen und die neue Welt aber erwartet man allein von jenseits des Todes her, von der Macht, die den Tod \u00fcberwunden hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der auferstandene Christus tr\u00e4gt die neue Menschheit in sich, das letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen. Zwar lebt die Menschheit noch im Alten, aber sie ist schon \u00fcber das Alte hinaus, zwar lebt sie noch in einer Welt des Todes, aber sie ist schon \u00fcber den Tod hinaus, zwar lebt sie noch in einer Welt der S\u00fcnde, aber sie ist schon \u00fcber die S\u00fcnde hinaus. Die Nacht ist noch nicht vor\u00fcber, aber es tagt schon.\u00bb<a href=\"applewebdata:\/\/389B7E56-AC2C-4BDA-BF9D-432D4F525843#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist sogar schon nach 10 Uhr. Wir haben St\u00e4rkung n\u00f6tig und feiern miteinander Abendmahl.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als unsere Vernunft, st\u00e4rke und bewahre unsere Herzen und Sinne im Glauben an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Amen.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">D\u00f6rte Gebhard, Pfarrerin<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/389B7E56-AC2C-4BDA-BF9D-432D4F525843#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dietrich Bonhoeffer:\u00a0Ethik. Zusammengestellt und herausgegeben von Eberhard Bethge, M\u00fcnchen <sup>10<\/sup>1984, S. 84.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHalte mich nicht fest!\u201c \u2013 Eine Bildbetrachtung zu Felix Hoffmanns \u201eNoli me tangere\u201c | Ostersonntag | 20. April 2025 | Joh 20,11-18 | D\u00f6rte Gebhard | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. \u00a0Liebe Gemeinde Aus dem vorletzten Kapitel im Johannesevangelium h\u00f6ren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22681,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,157,853,114,475,299,349,3,704,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22688","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-doerte-gebhard","category-kapitel-20-chapter-20-johannes","category-kasus","category-nt","category-ostersonntag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22688"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22688\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22690,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22688\/revisions\/22690"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22688"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22688"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22688"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22688"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}