{"id":22751,"date":"2025-04-14T19:56:50","date_gmt":"2025-04-14T17:56:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22751"},"modified":"2025-04-15T20:00:15","modified_gmt":"2025-04-15T18:00:15","slug":"jona-21-11-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jona-21-11-3\/","title":{"rendered":"Jona 2,1-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn alles still ist, geschieht am meisten\u201c (S\u00f6ren Kierkegaard) | Karsamstag | 19.04.2025 | Jona 2,1-11| Martina Jan\u00dfen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Meditation 1<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeder Tag hat seinen Namen. \u201eStiller Samstag\u201c wird dieser Tag genannt, ein Tag zwischen den Tagen, an dem sich kein Leben regt und an dem scheinbar nichts passiert. Die Karfreitagstrauer ist verklungen, der Osterjubel scheint noch fern. Auf allem liegt heute Stille, in alles ist heute Leere gewebt. Die Glocken verstummen, der Altar ist nackt, das Herz ruht. Gott schweigt verborgen, ist in Jesus Christus hinabgestiegen in das Dunkel des Todes. Schwer liegt der Stein vor dem Grab, schwer wiegen die Fragen. Was bleibt in dieser Gottesleere, Grabesstille, Herzensschwere? Der schmucklose Altar, das Schweigen, das auf sich selbst zur\u00fcckgeworfene Herz: Ist das alles, was bleibt? Nichts mehr zu h\u00f6ren, nichts mehr zu sehen, nichts mehr zu hoffen? Der Schein tr\u00fcgt. Gott ist da, n\u00e4her und tiefer als je zuvor. Das klingt paradox. Da bleibt eine Spur Geheimnis. Auch wenn wir nichts sehen und h\u00f6ren \u2013 was jetzt geschieht, ver\u00e4ndert alles. \u201eWenn alles still ist, geschieht am meisten.\u201c (S\u00f6ren Kierkegaard). Denn unter der Oberfl\u00e4che brodelt es. Im dunkeln Erdboden w\u00e4chst der Same seinem Bl\u00fchen entgegen, hinein ins Licht. Das neue Leben hat schon begonnen, aber es ist noch nicht da. Jetzt ist Stille.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Gong) \u2013 Stille &#8211; (Gong)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Meditation 2<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn alles still ist, geschieht am meisten.\u201c Wie im Schlaf. Wenn wir schlafen, nichts sagen, nichts h\u00f6ren, nichts sehen, dann geschieht so vieles zwischen Traum und Albtraum. In manchen N\u00e4chten erbl\u00fchen wir, in manchen N\u00e4chten sterben wir auch, gehen durch die H\u00f6lle und warten auf den erl\u00f6senden Morgen. \u201eDie Nacht hat zahllose Augen auf mich gerichtet. Sagte ich Augen? Pfeile. Sie sausen auf mich zu, stecken in meiner Haut. Wer m\u00f6chte da in meiner Haut stecken? Vergebens bem\u00fche ich mich die ganze Nacht, sie herauszuziehen und \u00fcber den Haufen zu werfen. Am Morgen liege ich auf einem Haufen Gedankensplitter und wundere mich, dass ich mit heiler Haut davongekommen bin\u201c (Rose Ausl\u00e4nder) Vielleicht ist es so beim Sterben? Der Schlaf \u2013 so hei\u00dft es \u2013 ist der \u201ekleine Bruder des Todes\u201c. Thanatos (Tod) und Hypnos (Schlaf) \u2013 in der griechischen Mythologie sind sie Zwillingsbr\u00fcder. Liegt nicht etwas Wahres in diesem alten Wissen? Vielleicht sind jene N\u00e4chte wie das Sterben, vielleicht tragen wir in uns die gleichen Fragen: Kommen wir mit heiler Haut davon? F\u00fcgen sich unsere Gedankensplitter am Ende zu einem Sinn? Wartet der erl\u00f6sende Morgen an den R\u00e4ndern der Nacht?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Gong) \u2013 Stille &#8211; (Gong)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Meditation 3<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn alles still ist, geschieht am meisten.\u201c Erl\u00f6sung ist das, was geschieht, jetzt in diesem Moment. Jesus ist \u201ehinabgestiegen in das Reich des Todes \u201c (2. Artikel des Glaubensbekenntnisses), \u201ehinabgefahren in die Tiefen der Erde\u201c (Eph 4,9), und \u201ehat gepredigt den Geistern im Gef\u00e4ngnis\u201c (1 Petr 3,19). Dass Jesus in den Tod, in unseren Tod, zu unseren Toten, geht, ist kein Zeichen von Schw\u00e4che. Gott gibt weder sich selbst noch uns auf. Im Gegenteil: \u201eGottes Sterben in Jesus Christus ist [&#8230;] Ausdruck seiner radikalen Solidarit\u00e4t mit uns\u201c (Joseph Ratzinger). Anders geht es nicht. Den Tod \u00fcberwindet man nicht im Spiel von oben herab. Das ist eine ernste, todernste Sache, f\u00fcr uns und f\u00fcr Gott. \u201eRabbi Schlomo sprach: Wenn du einen Menschen aus Schlamm und Kot heben willst, w\u00e4hne nicht, du k\u00f6nntest von oben stehenbleiben und dich damit begn\u00fcgen, ihm eine helfende Hand hinabzureichen. Ganz musst du hinab, in den Schlamm und Kot hinein: da fasse ihn dann mit starken H\u00e4nden und hole ihn und dich ans Licht.\u201c (Martin Buber). Jesus geht nach unten, in Schlamm und Kot, ist ganz unten, da wo die Toten sind, er ist bei ihnen. Damit \u00e4ndert sich alles. \u201eF\u00fchre ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.\u201c (Psalm 139,8) Niemand ist den Augen der Nacht mehr schutzlos ausgeliefert, allein mit seinen Pfeilen in der Haut und all den Gedankensplittern, die als Fragmente durch die H\u00e4nde rinnen. Was jetzt geschieht, ver\u00e4ndert alles. Die Macht des Todes wird \u00fcber den Haufen geworfen und Tore des Totenreiches stehen offen. \u201eDa wurden die ehernen Tore zerschlagen und die eisernen Querbalken zerbrochen und die gefesselten Toten alle von ihren Banden gel\u00f6st und wir mit ihnen. Und es kam herein der K\u00f6nig der Herrlichkeit wie ein Mensch, und alle dunklen Winkel des Totenreiches wurden licht.\u201c (Nikodemusevangelium 21,3).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Gong) \u2013 Stille \u2013 (Gong)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Meditation 3<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jona 2,1-11: 1<em> Aber der HERR lie\u00df einen gro\u00dfen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei N\u00e4chte.\u20022 Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches\u20023 und sprach: Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du h\u00f6rtest meine Stimme.\u20024 Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen \u00fcber mich,\u20025 dass ich dachte, ich w\u00e4re von deinen Augen versto\u00dfen, ich w\u00fcrde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen.\u20026 Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt.\u20027 Ich sank hinunter zu der Berge Gr\u00fcnden, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben gef\u00fchrt, HERR, mein Gott!\u20028 Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel.\u20029 Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade.\u200210 Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gel\u00fcbde will ich erf\u00fcllen. Hilfe ist bei dem HERRN.\u200211Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist auch so ein Mensch, einer in Kot und Schlamm, mit Pfeilen in der Haut und zersplitterten Gedanken, ausgeliefert den Augen der Nacht, einer, in dessen Haut niemand stecken will. Jona ist ins Meer geworfen, mitten in jene bedrohliche Chaosmacht (vgl. Gen 1,2), die einen nach unten zieht und in tausend St\u00fccke rei\u00dft. Jona ist weg aus der Welt, au\u00dfen vor mitten in der Tiefe, weg von Gottes Blick, von Gottes Augen versto\u00dfen, kein Land in Sicht, voller Angst ist das Herz. Ist das alles, was bleibt? Ein Herz in Angst, ein Mensch verschlungen im Rachen des Todes, begraben im Leib eines Fisches, umgeben von Dunkel, zersplittert im Chaos ohne Sinn? So endet es nicht, so darf es nicht enden. F\u00fcr Jona nicht, f\u00fcr Jesus nicht, f\u00fcr uns nicht. Gott zieht Jona aus dem Todestaumel wieder ins Leben. <em>Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus und Jona \u2013 sie sind Br\u00fcder. \u201eWie Jona drei Tage und drei N\u00e4chte im Bauch des Fisches war [\u2026] so war [Jesus] drei Tage und drei N\u00e4chte im Herzen der Erde\u201c (Mt 12,28). Wie der Fisch Jona freigegeben hat, so gibt das Grab Jesus frei. Wie Jona wieder fest und sicher an Land und ins Leben geht, so wird Jesus in die H\u00f6he kommen, aus der Tiefe des Todes, aus dem dunklen Dreck wird er ans Licht kommen. \u201eDer hinabgefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist \u00fcber alle Himmel, damit er alles erf\u00fclle.\u201c (Eph 4,10). Es erf\u00fcllt sich Gottes Treuegel\u00fcbde mit uns, in Jesus Christus nimmt Gottes radikale Solidarit\u00e4t Gestalt an. \u201eAber Gott wird mich erl\u00f6sen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf.\u201c (Psalm 49,16).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Gong) \u2013 Stille &#8211; (Gong)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Meditation 4<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am n\u00e4chsten.\u201c (Ton, Steine, Scherben). Das klingt paradox, ist aber ein offenes Geheimnis. Der Morgen d\u00e4mmert. Die dunklen Winkel des Totenreiches werden licht, wir werden mit heiler Haut durch die Nacht kommen und unser zersplittertes Leben wird heil. Wir werden es sehen und h\u00f6ren: Die Glocken werden klingen, der Altar wird erbl\u00fchen und unser Herz wird jubeln. Das ist es, was beginnt, wenn es jetzt still ist. Noch ist Leere in alles gewebt, Schweigen auf alles gelegt. Doch dabei bleibt es nicht, damit endet es nicht, der Schein tr\u00fcgt. Nichts wird bleiben wie es ist. Jetzt ist die Stille vor dem Sturm, der die Nacht wegfegt und die Pforten der H\u00f6lle niederrei\u00dft. Gott fasst uns mit starken H\u00e4nden und holt uns ans Licht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">PD Dr. Martina Jan\u00dfen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hildesheim<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:dr.martina.janssen@evlka.de\">dr.martina.janssen@evlka.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martina Jan\u00dfen, geb. 1971, Privatdozentin f\u00fcr Neues Testament (Universit\u00e4t G\u00f6ttingen), Pastorin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn alles still ist, geschieht am meisten\u201c (S\u00f6ren Kierkegaard) | Karsamstag | 19.04.2025 | Jona 2,1-11| Martina Jan\u00dfen | Meditation 1 Jeder Tag hat seinen Namen. \u201eStiller Samstag\u201c wird dieser Tag genannt, ein Tag zwischen den Tagen, an dem sich kein Leben regt und an dem scheinbar nichts passiert. 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