{"id":22753,"date":"2025-04-12T20:00:49","date_gmt":"2025-04-12T18:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22753"},"modified":"2025-04-15T20:04:22","modified_gmt":"2025-04-15T18:04:22","slug":"1-korinther-1017-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-1017-23\/","title":{"rendered":"1. Korinther 10,17\u201323"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gottes Liebe geht durch den Magen | Gr\u00fcndonnerstag | 17.04.2025 | 1. Kor 10,17\u201323 | Dr. Friedrich Schmidt-Roscher |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEssen und Trinken halten Leib und Seele zusammen\u201c. Das erleben wir nicht nur bei Geburtstagsfeiern und anderen Festen, das erleben wir auch beim t\u00e4glichen Essen in der Familie, mit Kolleginnen oder Freunden. Wie das Essen uns bewegt und ver\u00e4ndert, das merken wir an so S\u00e4tzen wie \u201eLiebe geht durch den Magen.\u201c Oder \u201eDas liegt mir schwer im Magen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Hafenstadt Korinth freilich feiern die Christen das Abendmahl so, dass es dem Apostel Paulus sauer aufst\u00f6\u00dft. Denn das Abendmahl war nicht nur wie bei uns eine liturgische Feier, es war eingebettet in eine richtige Mahlzeit, eine Agape. Die ersten Christen trafen sich in den H\u00e4usern von Privatleuten. Sie waren froh, wenn es in ihrer Gemeinschaft Wohlhabende gab. Denn nur in diesen gro\u00dfen H\u00e4usern war Platz f\u00fcr alle, vielleicht 50-70 M\u00e4nner und Frauen, Arme und Reiche.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch die Gemeinschaft der K\u00f6rper hatte Grenzen. Denn dort wo die Wohlhabenden zu Tisch lagen, da war nur Platz f\u00fcr 9 oder 12 Personen. Da war man unter sich. K\u00f6rper lagen neben K\u00f6rper, aber nur neben Seinesgleichen. Die anderen menschlichen K\u00f6rper, die dort noch geb\u00fcckt herumliefen, die waren zum Bedienen da.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die \u00fcbrigen Christen aber trafen sich im Atrium. Da war mehr Platz und das war auch f\u00fcr die Klienten der wohlhabenden vorgesehen. So kam es, dass die Wohlhabenden Christen schon einmal miteinander im Triklinium a\u00dfen und die Hafenarbeiter oder Seilmacherinnen oder Schankfrauen, die sp\u00e4ter dazu kamen nicht mehr viel zu essen bekamen, w\u00e4hrend andere schon halb betrunken waren. So erlebten alle im Essen vorher die Unterschiede am eigenen Leib, w\u00e4hrend in der Feier des Herrenmahls die Gemeinschaft und die Verbundenheit mit dem Herrn gefeiert werden sollte. Ein krasser Widerspruch, den Paulus so kritisiert:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lesung 10, 17-23<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da sich Jesus f\u00fcr alle dahingegeben hat und so mit allen eine neue Gemeinschaft begr\u00fcndet, soll sich auch in der Gemeinde widerspiegeln. Deshalb kritisiert Paulus mit scharfen Worten, dass die Reichen ihre guten Speisen futtern und den Wein saufen, w\u00e4hren einige Arbeiter und Sklavinnen hungrig auf dem Brot herumkauen. Was Jesus mit seinem K\u00f6rper, mit seinem Dienst getan hat, dass muss auch an unseren K\u00f6rpern, in der Gemeinschaft miteinander erfahrbar und sichtbar werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht sind heute die sozialen Gegens\u00e4tze in unserer Gemeinde nicht mehr so sichtbar. Aber wir k\u00f6nnen es manchmal auch sehen, wer arm oder reich ist. Doch bei der Feier des Abendmahls soll das keine Rolle spielen. Auch nicht der Unterschied von M\u00e4nnern und Frauen oder von Einheimischen und Zugezogenen, Alten und Jungen. Der Kreis, den wir bilden, symbolisiert dies. Wir stehen nebeneinander, trotz aller sozialen Unterschiede. Jeder und jede ist willkommen und Teil der Gemeinschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leider feiern wir das Abendmahl inzwischen nur noch als eine liturgische Feier, nicht mehr als ein gemeinsames Essen. Das ist schade, weil gerade auch das Miteinander-Essen, das Teilen der Lebensmittel zu einer gr\u00f6\u00dferen Gemeinschaft f\u00fchren kann. Wir k\u00f6nnen so darauf achten, dass wir uns nicht nur mit Unseresgleichen umgeben, sondern bewusst auch die Verbindung und das Gespr\u00e4ch mit anderen Christen suchen. Zum Frieden in einem Dorf ist diese Gemeinschaft \u00fcber soziale Unterschiede hinweg ganz wesentlich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Abendmahl verst\u00e4rkt die Gemeinschaft untereinander. Denn schon im Abendmahl wird daran erinnert, dass unter Menschen nicht alles gut ist oder gl\u00fcckt. Da wird davon gesprochen, dass Jesus ausgeliefert oder verraten wurde. In seinem Freundeskreis gab es einen, der ihn an seine Feinde auslieferte. Solche entt\u00e4uschenden und bitteren Erfahrungen gibt es immer wieder zwischen Menschen. Verleugnung, Verrat oder L\u00fcge. Deshalb brauchen wir das Abendmahl, damit wir unser Versagen bekennen k\u00f6nnen und die Gemeinschaft erneuert wird durch die Vergebung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch das Abendmahl st\u00e4rkt nicht nur die Gemeinschaft zwischen verschiedenen Menschen, es st\u00e4rkt auch meine Verbindung zu Gott. Denn auch diese Verbindung leidet manchmal. Durch Vergesslichkeit, durch falsche Erwartungen, durch Gleichg\u00fcltigkeit. Die Worte Jesu von dem Brot und von dem Kelch, die helfen, dass meine Verbindung zu Gott gest\u00e4rkt wird, unsere Gemeinschaft mit Jesus wieder lebendig wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bedaure es ein wenig, dass viele Christen diese Kraft des gemeinsamen Essens und Trinkens beim Abendmahl aus den Augen verloren haben. Das Abendmahl ist auch eine Medizin. Ein Heilmittel gegen die Einsamkeit und Verlorenheit. Ein Heilmittel gegen die Zweifel oder Angst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Brot, das wir essen erinnert an den Leib Jesu, der am Kreuz gebrochen wurde. Er hat das f\u00fcr uns getan, damit wir vers\u00f6hnt werden und die Vergebung gegen\u00fcber Gott erfahren. Wenn ich also das Brot esse, so verbinde ich mich mit dem Leib Jesu, ich werde ein Teil von ihm oder besser, er wird ein Teil von mir. Nat\u00fcrlich bleibt das Brot Brot. Doch der liebe Jesus geht durch meinen Magen und verwandelt mich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut.\u201c Der Segen \u00fcber dem Brot und \u00fcber dem Weinbecher geh\u00f6rt zum j\u00fcdischen Passamahl, das Jesus an dem Tag vor seiner Hinrichtung mit seinen Freunden gefeiert hat. Mit dem Segensbecher schenkt Jesus einen neuen Bund. Er schafft eine neue Verbindung zwischen Gott und seinem Volk.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Normalerweise geh\u00f6ren zwei Bundespartner dazu \u2013 sowie bei einem Ehe- oder Freundschaftsbund. Doch der Bund, den Jesus an Gr\u00fcndonnerstag neu stiftet ist einseitig, weil er von Gott ausgeht. Gott schafft unseren Bund mit ihm. Aus Liebe und Gnade, erw\u00e4hlt er uns zu seinem Volk. Trotz unserer Schw\u00e4chen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das erw\u00e4hnte Blut dient der Besiegelung des Bundes und erinnert an die Kreuzigung Jesu. Mit seinem Leben tritt Gott f\u00fcr die Vers\u00f6hnung ein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch wenn Jesus uns diese neue Verbindung mit Gott schenkt, so d\u00fcrfen und k\u00f6nnen wir uns doch als Gottes Bundespartner einbringen. Wir leben wie ein Bundespartner, wenn wir mit Gott in Verbindung bleiben und dankbar leben. Wenn ich auch in anderen Menschen eine Schwester und einen Bruder sehen und in Frieden mit ihnen leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu z\u00e4hlt auch, dass ich nicht nur mit Meinesgleichen mich umgebe, sondern auch mit Menschen, die eine andere Herkunft habe. Modern gesprochen, dass ich nicht in meiner Blase bleibe, sondern sehr bewusst, mit anderen treffe, esse und trinke. Die Erfahrung bei einem Essen mit unbekannten Menschen in ein gutes Gespr\u00e4ch zu kommen, geh\u00f6rt zu den sch\u00f6nsten Erlebnissen. Es ist ein Vorgeschmack auf eine Gemeinschaft der Menschheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Abendmahl ist immer schon auch ein Vorgeschmack auf das gro\u00dfe Mahl im Himmel, wenn alles Leid und alle Krankheit \u00fcberwunden ist, aller Krieg und aller Streit. Wenn wir miteinander im Namen Jesu das Mahl feiern, so d\u00fcrfen wir in Brot und Wein schon ein wenig den Himmel schmecken. Mein Leib und meine Seele sind verbunden mit vielen anderen Leibern und Seelen und ich bin Teil des K\u00f6rpers Jesu. Das k\u00f6nnen wir heute schmecken und f\u00fchlen. Gottes Liebe geht durch den Magen und h\u00e4lt Leib und Seele beisammen. Wohl bekomms! Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jahrgang 1962, Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirche der Pfalz, seit 2007 Gemeindepfarrer in der Prot. Kirchengemeinde Ha\u00dfloch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: fr.schmidt-roscher@gmx.de<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Impulse f\u00fcr diese Predigt von Mois\u00e9s Mayordomo, Bedenkt den K\u00f6rper!, in GPM 79, 217-222<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottes Liebe geht durch den Magen | Gr\u00fcndonnerstag | 17.04.2025 | 1. Kor 10,17\u201323 | Dr. Friedrich Schmidt-Roscher | Liebe Schwestern und Br\u00fcder, \u201eEssen und Trinken halten Leib und Seele zusammen\u201c. Das erleben wir nicht nur bei Geburtstagsfeiern und anderen Festen, das erleben wir auch beim t\u00e4glichen Essen in der Familie, mit Kolleginnen oder Freunden. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22647,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,1,157,853,114,162,708,878,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22753","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-korinther","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-friedrich-schmidt-roscher","category-gruendonnerstag","category-kapitel-10-chapter-10-1-korinther","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22753","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22753"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22753\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22754,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22753\/revisions\/22754"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22647"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22753"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22753"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22753"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22753"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22753"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22753"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22753"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}