{"id":2309,"date":"2020-03-25T13:21:45","date_gmt":"2020-03-25T12:21:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2309"},"modified":"2020-03-25T13:21:45","modified_gmt":"2020-03-25T12:21:45","slug":"andacht-mit-predigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/andacht-mit-predigt\/","title":{"rendered":"Andacht mit Predigt"},"content":{"rendered":"<h3><span lang=\"DE\">\u00fcber Hebr\u00e4er 13,12-14 (II, Judika), verfasst von Dr. Hansj\u00f6rg Biener |<\/span><\/h3>\n<p><strong>Begr\u00fc\u00dfung<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Guten Morgen! So w\u00fcrde ich im Normalfall meine Gemeinde begr\u00fc\u00dfen. Doch an diesem Sonntag ist nichts normal. Die Glocken l\u00e4uten, aber niemand soll kommen. Wir sind in der Corona-Quarant\u00e4ne.<\/p>\n<p>Und trotzdem: Gute Gewohnheiten soll man nicht aufgeben. Wer sonntags in die Kirche geht, soll das wenigstens in Gedanken tun. Und wem heute nach Kirche zumute ist, der soll willkommen sein.<\/p>\n<p>Wir verbinden Virtualit\u00e4t und Tradition: Wir treten im Geiste zusammen und sind doch durch eine traditionelle Form verbunden. Diese Andacht folgt der Ordnung, die ich im Gesangbuch meiner Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern finde. (Evang. Gesangbuch (Bayern und Th\u00fcringen) 718) Es gibt, gegliedert von Liedern: einen Psalm zum Eingang, Verk\u00fcndigung, F\u00fcrbitten und das Vater-Unser, &#8211; und den Segen.<\/p>\n<p>Eines kommt noch hinzu: Ein erweitertes Kyrie, das unsere Not vor Gott bringt.<\/p>\n<p>Auch an diesem Sonntag geschehe unsere Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Singen oder h\u00f6ren wir als <strong>Eingangslied<\/strong> EG 366,1-2.5-7 \u201eWenn wir in h\u00f6chsten N\u00f6ten sein\u201c. (https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FxfeG47m83g)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kyrie<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bringen wir unsere gemeinsame Situation vor Gott.<\/p>\n<p>Ich habe drei Beispiele formuliert und werde uns am Ende dazugesellen.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir drei Stimmen und fassen wir die Not in ein gemeinsames \u201eHerr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Stimme<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wissen Sie, wie ich mich gerade f\u00fchle? Ich bin 15 und eingesperrt. Ich will meine Freunde sehen und Spa\u00df haben. Aber ich soll online lernen. Ich habe so schon keine Lust zu Mathe. Und glauben Sie ernsthaft, ich werde mich f\u00fcr Reli an den Computer setzen?<\/p>\n<p>Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Stimme<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wissen Sie, wie ich mich gerade f\u00fchle? Meine Firma ist wegen Corona zu, und ich wei\u00df nicht, wie lange. Meine Frau macht Home Office und muss sich konzentrieren; mir f\u00e4llt die Decke auf den Kopf. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, das ist zu wenig f\u00fcr uns drei. &#8211; Eigentlich sollten wir renovieren. Am meisten das Zimmer vom Jungen, aber das macht der sicher nicht mit. Der ist so schon unausstehlich.<\/p>\n<p>Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Stimme<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wissen Sie, wie ich mich gerade f\u00fchle? Meine Firma hat auf Home Office umgestellt, und ich habe zwei M\u00e4nner daheim, die nicht zu haben sind. Und eigentlich denke ich noch an einen dritten: meinen Vater. Mit M\u00fch und Not haben wir ihn nach seinem Sturz im Seniorenheim untergebracht. Bei uns h\u00e4tten wir ihn ja nicht aufnehmen k\u00f6nnen. Und jetzt sitzt er im Heim, &#8211; und wir haben Besuchsverbot.<\/p>\n<p>Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuletzt auch wir,<\/p>\n<p>die wir in Quarant\u00e4ne sind und deren Pl\u00e4ne auf Eis liegen,<\/p>\n<p>die wir Sorgen um den Lebensunterhalt haben und nicht wissen, wie es weitergeht,<\/p>\n<p>die wir eng aufeinander sitzen und zugleich an die denken, um die wir uns k\u00fcmmern m\u00fcssten und nicht k\u00fcmmern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und was uns sonst noch bewegt, legen wir zusammen in einem letzten<\/p>\n<p>Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Psalm<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Psalmen breiten die Vielfalt des Lebens vor Gott aus: Lob und Dank, Klage und Bitte, Jubel und Verzweiflung, Gewissheit und Vertrauen.<\/p>\n<p>Lesen und beten wir Psalm 121 (EG.BT 786). Wenn Sie zu zweit sind, kann man sich die Verse auch aufteilen. Einer liest die ungeraden Verse und einer die geraden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?<\/p>\n<p>2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.<\/p>\n<p>3 Er wird deinen Fu\u00df nicht gleiten lassen, und der dich beh\u00fctet, schl\u00e4ft nicht.<\/p>\n<p>4 Siehe, der H\u00fcter Israels schl\u00e4ft noch schlummert nicht.<\/p>\n<p>5 Der HERR beh\u00fctet dich; der HERR ist dein Schatten \u00fcber deiner rechten Hand,<\/p>\n<p>6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.<\/p>\n<p>7 Der HERR beh\u00fcte dich vor allem \u00dcbel, er beh\u00fcte deine Seele.<\/p>\n<p>8 Der HERR beh\u00fcte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,<\/p>\n<p>wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Singen oder h\u00f6ren wir als <strong>Lied vor der Predigt<\/strong> das Lied \u201eMeine Zeit steht in deinen H\u00e4nden\u201c. (https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=E49-Mox84S8)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Predigt<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Tagen enden viele e-Mails, die ich bekomme, nicht nur \u201emit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen\u201c, sondern auch mit einem Wunsch: \u201eBleiben Sie gesund.\u201c<\/p>\n<p>Es ist, als ob sich nach dem N\u00f6tigen und Wichtigen noch etwas Bahn bricht, das auch noch gesagt werden muss.<\/p>\n<p>Noch vor wenigen Wochen war mir klar, was mir der Predigttext dieses Sonntags an N\u00f6tigem und Wichtigem aufgibt. Und doch gibt es heute noch mehr, was eben auch gesagt werden muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag steht am Ende des Hebr\u00e4erbriefs im 13. Kapitel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c (Hebr\u00e4er 13,12-14)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die meisten neutestamentlichen Briefe enden mit Mahnungen und dann mit Gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>So vieles muss noch gesagt werden,<\/p>\n<p>wird nur noch angedeutet,<\/p>\n<p>nicht mehr ausgef\u00fchrt oder begr\u00fcndet&#8230;<\/p>\n<p>So ist es auch hier.<\/p>\n<p>Die drei Verse haben es in sich.<\/p>\n<p>Vieles m\u00fcsste erst einmal erkl\u00e4rt werden, bevor man sich der Bedeutung f\u00fcr heute zuwenden kann.<\/p>\n<p>Die hier angesprochene Christenheit z\u00e4hlt sich nicht mehr zum Tempel in Jerusalem. Sie h\u00e4lt sich, so der Hebr\u00e4erbrief, an Golgatha,<\/p>\n<p>das ist der Kreuzigungsort Jesu &#8211; \u201eau\u00dferhalb\u201c, vor den Toren der Stadt.<\/p>\n<p>F\u00fcr sie bedeutet Jerusalem nicht mehr \u201ealles\u201c. Ihr Jerusalem ist im Himmel, wo Jesus seine Gemeinde erwartet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute, wo alles so anders ist, habe ich vier Gedanken f\u00fcr Sie vorbereitet:<\/p>\n<p>(1) Das Wort, das heute nicht gesagt wird.<\/p>\n<p>(2) Ein Wort f\u00fcr Rebellen<\/p>\n<p>(3) Ein Wort f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>(4) Ein Wort f\u00fcr angespannte Beziehungen<\/p>\n<p>Im Online-Deutsch m\u00fcsste ich von \u201echallenges\u201c sprechen. Aber diese sind nicht zur Ablenkung, sondern zur Bew\u00e4ltigung der Krise gedacht. Bleiben Sie also dran.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Wort, das heute nicht gesagt wird<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch vor wenigen Wochen h\u00e4tte ich heute danach gefragt, wo \u201ewir\u201c zu sesshaft sind und \u201ehinausgehen\u201c m\u00fcssten, um Jesus ernsthaft nachzufolgen.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte &#8211; sanft &#8211; nach unseren \u201eS\u00fcnden\u201c gefragt.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte nach s\u00fcndhaften Strukturen gefragt, in denen wir uns eingerichtet haben,<\/p>\n<p>und auch nach den Erkl\u00e4rungen,<\/p>\n<p>die wir finden, um uns zu rechtfertigen,<\/p>\n<p>wenn wir gefragt werden, etwa nach der sozialen Ungerechtigkeit im Land und weltweit.<\/p>\n<p>Und ich h\u00e4tte wenigstens nahe gelegt, private Erkenntnisse umzusetzen.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte unsere Verantwortung f\u00fcr Stadt, Staat und Welt angesprochen.<\/p>\n<p>Und nicht zuletzt h\u00e4tte ich davon gesprochen,<\/p>\n<p>wie viel uns selbstverst\u00e4ndlich ist,<\/p>\n<p>was dem Rest der Welt an uns &#8211; unverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>Denn dazu habe ich pr\u00e4gende Begegnungen aus dem interkulturellen und interreligi\u00f6sen Dialog.<\/p>\n<p>Das alles h\u00e4tte unter der Vision einer \u201eanderen\u201c Stadt gestanden, die in Ewigkeit bleibt und bewohnenswert ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Doch heute ist alles anders.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchlen uns eingesperrt,<\/p>\n<p>&#8211; nicht in dem, was die Bibel S\u00fcnde nennt,<\/p>\n<p>sondern in unseren vier W\u00e4nden.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen bestenfalls im Home Office arbeiten und m\u00fcssen einfach glauben,<\/p>\n<p>dass die Experten Recht haben<\/p>\n<p>und die Quarant\u00e4ne richtig ist und hilft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Darum muss heute anders gepredigt werden,<\/p>\n<p>() weniger biblisch-theologisch, was mich an Predigten eigentlich interessiert,<\/p>\n<p>() und mehr seelsorgerlich-pers\u00f6nlich, was mir als Predigth\u00f6rer manchmal zu best\u00e4tigend erscheint.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt mir die Luther-Bibel f\u00fcr diese \u00c4nderung eine Hilfe und ein Recht.<\/p>\n<p>Der letzte Vers des Predigttextes ist fett gedruckt. Das zeigt an: Er ist ein sogenannter Kernvers zum Auswendiglernen. Kernverse gibt es in der Luther-Bibel seit Luthers Zeiten. Auswendig gelernt sollen sie auch unabh\u00e4ngig (!) vom urspr\u00fcnglichen Bibeltext ihre Wirkung entfalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.\u201c So hei\u00dft es also jetzt angesichts unserer vier W\u00e4nde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gehen wir auf die Suche nach der biblischen Botschaft<\/p>\n<p>f\u00fcr den Jugendlichen, der nicht zuhause bleiben will, sondern feiern.<\/p>\n<p>Suchen wir nach der Botschaft f\u00fcr Berufst\u00e4tige, die um Gehalt und Arbeitsplatz bangen,<\/p>\n<p>und f\u00fcr die Familien, deren Zusammenhalt in diesen Tagen auf die Probe gestellt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ein Wort f\u00fcr Rebellen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe im Kyrie einen Jugendlichen beschrieben, der nicht einsieht, warum er zuhause bleiben und irgendwelchen Pflichten nachkommen soll. Ich war als Jugendlicher kein Rebell, aber ich habe ausreichend viele Rebellen gesehen, die auf \u00e4u\u00dferen Druck erst recht nicht \u201efunktionierten\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal denke ich mir, die Auflehnung gegen Autorit\u00e4ten und das Bed\u00fcrfnis, bis zur Besinnungslosigkeit zu feiern, wissen sehr wohl, warum.<\/p>\n<p>() Gegen das Wort der Eltern &#8211; kann man rebellieren.<\/p>\n<p>() Gegen Lehrer und Lehrerinnen &#8211; kann man rebellieren.<\/p>\n<p>() Gegen Polizisten und Platzverweise &#8211; kann man rebellieren.<\/p>\n<p>() Gegen Traditionen &#8211; kann man rebellieren<\/p>\n<p>() und sogar gegen Gott.<\/p>\n<p>(!) Gegen das Leben aber nicht.<\/p>\n<p>Irgendwann m\u00fcssen wir raus aus der Sicherheitszone und rein ins richtige Leben:<\/p>\n<p>() Irgendwann m\u00fcssen wir raus aus dem Elternhaus,<\/p>\n<p>() unseren Lebensunterhalt selber verdienen,<\/p>\n<p>() eine eigene Wohnung finden und finanzieren.<\/p>\n<p>() Und wir m\u00fcssen selbstst\u00e4ndig Menschen finden, die mit uns das Leben teilen,<\/p>\n<p>uns vielleicht sogar &#8211; lieben.<\/p>\n<p>Auch deshalb feiern manche das sorglose Leben gegen die Angst vor dem wirklichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben keine bleibende Stadt, und irgendwann ist es Zeit, sich dem zu stellen.<\/p>\n<p>Dann wird es Zeit, Verb\u00fcndete zu suchen und zu erkennen.<\/p>\n<p>() Die Eltern, vielleicht, so lange sie noch da sind.<\/p>\n<p>() Lehrkr\u00e4fte und Mitsch\u00fcler, vielleicht, so lange man sie noch hat.<\/p>\n<p>() Freunde und Freundinnen,<\/p>\n<p>von denen manche vielleicht ein Leben lang bleiben,<\/p>\n<p>wenn es denn schon die Liebespartner nicht tun.<\/p>\n<p>(!) Und warum nicht auch eine Welt suchen hinter dem beschr\u00e4nkten Horizont unseres kleinen Lebens. Ich war als 15-J\u00e4hriger nicht religi\u00f6s und habe erst sp\u00e4ter gelernt, dass Glauben eine Quelle der Lebenskraft sein kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lebensmut aus Gottvertrauen kann man lernen. Auch wenn man sich zun\u00e4chst selber \u00fcber die Schulter schaut und fragt, \u201eDu und Religion, was ist denn mit dir los.\u201c Da erlebt man dann an sich etwas von der Schmach, die nach dem Zeugnis des Hebr\u00e4erbriefs Glaube mit sich bringen kann.<\/p>\n<p>Aber was kann besser sein, als Gott als Verb\u00fcndeten zu suchen und zu finden.<\/p>\n<p>Dann muss man zwar immer noch selber sein Leben leben und seine Entscheidungen entscheiden, aber umgeben vom Bewusstsein einer guten Macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ein Wort f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe im Kyrie einen Mann beschrieben, der zur Unt\u00e4tigkeit verdammt ist und sich Sorgen um die Zukunft macht. Ich kenne das gut. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Geld immer knapp war. Darum gehen mir die Geldsorgen, die \u00fcberall ge\u00e4u\u00dfert werden, nahe. Immer neue Branchen rufen nach Geld vom Staat. Gro\u00dfe Firmen, kleine Betriebe, &#8211; ja sogar Radiosender.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal denke ich mir, dass die Verbandsvertreter schon mal auf Vorrat schreien und sehr wohl wissen warum.<\/p>\n<p>() Sie m\u00fcssen zeigen, dass sie da sind.<\/p>\n<p>() Sie m\u00fcssen zeigen, wof\u00fcr sie da sind und<\/p>\n<p>() dass sie ihr Geld wert sind.<\/p>\n<p>(!) Welcher Verbandsvertreter wird da sagen, \u201ewir kommen schon klar, wir brauchen nichts\u201c.<\/p>\n<p>Ich dagegen frage mich nach dem kleinen Mann. Wenn Leute aus F\u00fchrungsetagen gehen, dann hei\u00dft es gerne, \u201eman sucht eine neue Herausforderung\u201c. In manchen F\u00e4llen ist das besch\u00f6nigend, weil sie wegen Unf\u00e4higkeit oder Gl\u00fccklosigkeit gegangen werden. Was aber, wenn der kleine Mann eine neue Herausforderung finden muss?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben keine bleibende Stadt, und irgendwann ist es Zeit, sich dem zu stellen.<\/p>\n<p>Dann wird es Zeit, allen Mut zusammenzunehmen und Vorbilder zu suchen.<\/p>\n<p>Ich denke da an eine Verk\u00e4uferin, deren Gesch\u00e4ft geschlossen wurde.<\/p>\n<p>Sie war besorgt &#8211; und gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Jahrzehntelang hatte sie als Verk\u00e4uferin zum Familieneinkommen beigetragen,<\/p>\n<p>aber eigentlich war das \u201enicht ihr Ding\u201c.<\/p>\n<p>Viel lieber h\u00e4tte sie \u201eetwas mit Menschen\u201c gemacht, aber die Umst\u00e4nde waren eben nicht so.<\/p>\n<p>Jetzt, \u201emit 50\u201c, hatte sie \u201ekeine Chance\u201c, aber sie \u201enutzte\u201c sie in der Betreuung von Senioren.<\/p>\n<p>Manchmal wird man vom Leben auf eine neue Bahn geschoben, in eine andere Arbeit, in eine andere Stadt, in die Selbstst\u00e4ndigkeit. In der Regel ist das anstrengend, aber manchmal auch wie eine kleine Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Ich habe als Kind gelernt, was es hei\u00dft, dass wir keine bleibende Stadt haben, und das ohne die Vision, dass man am Ende irgendwo dauerhaft ankommt. F\u00fcnf Mal bin umgezogen, bis ich selber zum Studium auszog. Am Ende hat mein Vater noch drei Jahrzehnte nach seiner letzten Arbeitslosigkeit in derselben Stadt gelebt und tats\u00e4chlich zum 1. seine Rente auf dem Konto gehabt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lebensmut aus Gottvertrauen kann man lernen.<\/p>\n<p>Die kirchliche Tradition kennt die Vorstellung der \u201eF\u00fchrung\u201c durch Gott:<\/p>\n<p>Nicht so, dass dann alles leicht und verst\u00e4ndlich ist,<\/p>\n<p>aber doch in der Hoffnung, dass ein Leben mit Gott<\/p>\n<p>durch alle H\u00f6hen und Tiefen von Gott<\/p>\n<p>getragen und zu einem guten Ende gebracht wird.<\/p>\n<p>Was kann besser sein, als Gott als Verb\u00fcndeten zu suchen und zu finden? Dann muss man zwar immer noch selber sein Leben leben und seine Entscheidungen entscheiden, aber umgeben vom Bewusstsein einer guten Macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ein Wort f\u00fcr angespannte Beziehungen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe im Kyrie eine Frau zu Wort kommen lassen, die gerade sehr gestresst ist. Da ist das Home Office f\u00fcr ihren Beitrag zum Einkommen der Familie, da ist das Knirschen in der Familie, weil man sich in der Quarant\u00e4ne nicht aus dem Weg gehen kann.<\/p>\n<p>In diesen Tagen wird das gemeinsame Leben auf eine gro\u00dfe Probe gestellt. Manche Familien und Paare sitzen zu eng aufeinander, und manchmal sp\u00fcrt man auch, dass manche Bindungen nicht mehr bestehen. Das ist nicht wirklich neu. Wir kennen das von Weihnachten und den Weihnachtsferien. In diesen Tagen ist es aber anders, denn wir m\u00fcssen uns auf Wochen einrichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal denke ich mir, dass all die Lebensberater und Beratungskolumnen nicht hilfreich sind und sehr wohl wissen warum. Geredet muss werden, doch Antworten, die f\u00fcr alle passen, gibt es nicht.<\/p>\n<p>() Inzwischen bin ich so alt, dass ich sogar Moden der Lebensberatung kenne.<\/p>\n<p>() Ich habe geh\u00f6rt, \u201eman muss k\u00e4mpfen, um zusammenzukommen.\u201c Aber: \u201eReinigende Gewitter\u201c, kann es die jetzt geben?<\/p>\n<p>() Und ich habe geh\u00f6rt, \u201eman soll nicht alles rauslassen, auch mal Ruhe bewahren!\u201c Aber: Alles herunterschlucken, das kann\u2019s doch wohl auch nicht sein.<\/p>\n<p>(!) Ich fasse das Problem einmal so:<\/p>\n<p>Wenn man wei\u00df, wer man ist und was man will,<\/p>\n<p>wird vieles m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Andernfalls ist vieles unertr\u00e4glich,<\/p>\n<p>weil man wei\u00df, was man nicht will,<\/p>\n<p>aber nicht, was man will.<\/p>\n<p>Egal, ob man bleibt oder geht. Eines wird immer so sein: Man nimmt immer sich selber mit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben hier keine bleibende Stadt, und irgendwann ist es Zeit, sich dem zu stellen.<\/p>\n<p>Dann muss man zu Entscheidungen kommen &#8211; sie vielleicht auch erbeten. Manchmal kann das hei\u00dfen: Weggehen. Manchmal kann das hei\u00dfen: Arbeiten. Ich habe meine Traupaare immer mit dem jesuanischen \u201ebis dass der Tod euch scheidet\u201c konfrontiert. Wenigsten in jenen Tagen sollte es der feste Wille sein, das zu befolgen. Doch kannten schon Matth\u00e4us und Paulus im Neuen Testament Ausnahmen, und in dieser Tradition habe ich auch Ausnahmen genannt: Gewalt und Missbrauch, Drogenkonsum, der auch andere hineinzieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lebensmut aus Gottvertrauen kann man lernen.<\/p>\n<p>Auch wenn die Welt und das eigene Leben nicht immer so aussehen. Die kirchliche Tradition hat immer daran festgehalten: Gott ist eigentlich Liebe und eine Quelle der Liebe. Ihn gilt es, im Gebet in eine Situation hineinzuziehen. Von ihm gilt es G\u00fctekraft zu erbitten, die klar ist und nicht alles mit sich machen l\u00e4sst und andererseits auch manches nachsehen kann, weil sie an die Ver\u00e4nderbarkeit von Menschen und Situationen glaubt.<\/p>\n<p>Was kann besser sein, als in Gott die Quelle kraftvollen Lebens zu suchen und zu finden? Dann muss man zwar immer noch selber sein Leben leben und seine Entscheidungen entscheiden, aber umgeben vom Bewusstsein einer guten Macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Corona-Quarant\u00e4ne ist eine Herausforderung an uns alle. Deshalb gibt es, zur Ablenkung, in diesen Tagen wieder haufenweise Internet-Challenges. In dieser Predigt habe ich uns drei christliche Challenges mitgegeben, die nicht zur Ablenkung, sondern zur Bew\u00e4ltigung des Lebens dienen sollen. Aufbrechen in der Nachfolge<\/p>\n<p>von der Rebellion zum Glauben an das Leben,<\/p>\n<p>von der Sorge zur Hoffnung auf die Zukunft<\/p>\n<p>von der Anspannung zur Liebe.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Singen oder H\u00f6ren wir als <strong>Lied zur Predigt<\/strong> EG 419\u00a0 \u201eHilf Herr meines Lebens\u201c.<\/p>\n<p>(https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=igZ5Io0bhJQ)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcrbitten<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHerr, lehre uns beten\u201c, so fragten die J\u00fcnger einst Jesus, denn sie wussten nicht wie. An Tagen wie diesen sind wir ihnen damit nahe. Doch gebetet muss werden, weil wir uns damit aus den\u00a0 Sorgen herausk\u00e4mpfen. Bevor wir uns die Worte des Vater-Unsers zu eigen machen, m\u00f6chte ich Sie bitten, sich einige Anliegen zu eigen machen. Regierung, Gesundheitssystem, unsere Mitmenschen und wir, &#8211; und ja auch diejenigen, die die Pandemie nicht \u00fcberleben -, brauchen unsere guten Gedanken und unser Einstehen vor Gott. Ich m\u00f6chte sie bitten, die Anliegen aufzunehmen in dem Satz \u201eHerr, erbarme dich\u201c. Wir beten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Tagen m\u00fcssen viele schwierige Entscheidungen getroffen und durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>Lasst uns bitten f\u00fcr die Regierungen und Verwaltungen, dass sie das Krisenmanagement erfolgreich meistern.<\/p>\n<p>Wir bitten dich: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Tagen ist das Gesundheitssystem \u00fcber alle Kr\u00e4fte hinaus gefordert.<\/p>\n<p>Lasst uns bitten f\u00fcr alle Menschen in Medizin und Pflege und f\u00fcr alle, die als Freiwillige und Dienstverpflichtete hinzukommen, dass ihre Anstrengungen von Erfolgen gekr\u00f6nt werden.<\/p>\n<p>Wir bitten dich: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Tagen werden Menschen sterben, mehr als gew\u00f6hnlich, und nicht nur Senioren.<\/p>\n<p>Lasst uns bitten f\u00fcr die Menschen, die es trifft, dass sie nicht unvorbereitet gehen, sondern im Frieden mit ihrem Leben und im Frieden mit Gott.<\/p>\n<p>Wir bitten dich: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Tagen ist unser aller Leben, ob jung oder alt, ob lebenskr\u00e4ftig oder krank, unsicherer geworden.<\/p>\n<p>Wir bitten f\u00fcr uns, dass wir Gottvertrauen und Lebensmut gewinnen, unsere Wege neu zu finden.<\/p>\n<p>Wir bitten dich: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Herr, erbarme dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Gott, all diese Bitten und F\u00fcrbitten bringen wir zu dir, und noch viele mehr liegen in unseren Herzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle unsere Anliegen legen wir hinein ins <strong>Vater-Unser:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vater unser im Himmel.<\/p>\n<p>Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n<p>Dein Wille geschehe,<\/p>\n<p>wie im Himmel, so auf Erden.<\/p>\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute,<\/p>\n<p>und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Segen<\/strong><\/p>\n<p>Der Herr segne und beh\u00fcte uns.<\/p>\n<p>Der Herr lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber uns und sei uns gn\u00e4dig.<\/p>\n<p>Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und bleiben Sie gesund!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Prof. Dr. Hansj\u00f6rg Biener<\/p>\n<p>N\u00fcrnberg<\/p>\n<p>Hansjoerg.Biener@fau.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und derzeit als Religionslehrer am Melanchthon-Gymnasium N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00fcber Hebr\u00e4er 13,12-14 (II, Judika), verfasst von Dr. Hansj\u00f6rg Biener | Begr\u00fc\u00dfung \u00a0 Guten Morgen! So w\u00fcrde ich im Normalfall meine Gemeinde begr\u00fc\u00dfen. Doch an diesem Sonntag ist nichts normal. Die Glocken l\u00e4uten, aber niemand soll kommen. Wir sind in der Corona-Quarant\u00e4ne. Und trotzdem: Gute Gewohnheiten soll man nicht aufgeben. 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