{"id":23118,"date":"2025-04-22T17:03:22","date_gmt":"2025-04-22T15:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=23118"},"modified":"2025-04-22T14:03:03","modified_gmt":"2025-04-22T12:03:03","slug":"1-petrus-13-9-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-13-9-3\/","title":{"rendered":"1. Petrus 1,3\u20139"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Hoffnung \u2013 Der Sprung in dieses Leben | Quasimodogeniti | 27.04.2025 | 1. Petr 1,3\u20139 | Felix St\u00fctz |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Name, Gewicht, Uhrzeit, Datum. Vielleicht steht da noch ein Bibelvers, ein kurzer Text und Bilder sind meist drauf. Es gibt nat\u00fcrlich verschiedene Varianten, aber meistens \u00e4hneln sich die Geburtskarten doch auf die ein oder andere Weise. Ein neuer Mensch ist auf dieser Erde, die Freude der Eltern ist gro\u00df. Meist wird noch Dank ge\u00e4u\u00dfert f\u00fcr die bisherige Unterst\u00fctzung oder die Geschenke. Bei uns h\u00e4ngen einige solcher Karten an der Wand. Was allerdings nicht an dieser Wand h\u00e4ngt, ist meine Geburtskarte. Also ich meine wirklich <em>meine <\/em>Geburtskarte. Habt ihr eure Geburtskarte schon erhalten? Ich meine nicht das Exemplar, das wom\u00f6glich eure Eltern noch als Andenken aufbewahrt haben. Nein, ich meine: Kam schon mal Post, ihr \u00f6ffnet den Brief und darauf steht euer Name und die Karte mit der Information eurer Geburt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Vorstellung ist schon etwas skurril. Wir leben doch, wir sind schon da. Vielleicht kam es der Gemeinde auch komisch vor, als sie den heutigen Predigttext als Brief bekam. Als Neugeborene werden sie dort bezeichnet. Es ist ihre Geburtskarte, an Menschen, die doch schon leben. Es mutet etwas absurd an, erwachsene Menschen als Neugeborene anzusprechen, aber genau das geschieht hier. Wir sind die Neugeborenen. Unser erster Schrei ist das Halleluja am Ostermorgen. Der Herr ist auferstanden. F\u00fcr uns beginnt eine neue Zeit. Er ist wahrhaftig auferstanden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sprechen, laufen, den Pinzettengriff zwischen Daumen und Zeigefinger, sich drehen, z\u00e4hlen. All das sind F\u00e4higkeiten, die wohl die Meisten hier beherrschen. Wir m\u00fcssen nichts mehr lernen, wir k\u00f6nnen doch schon alles. Ja, wir k\u00f6nnen zwar Dinge, die uns Menschen ausmachen. Aber erschlie\u00dft sich darin unser Menschsein? Sprechen beispielsweise bedeutet mehr als nur Worte aneinanderreihen. Wir k\u00f6nnen tr\u00f6sten, ermutigen, Witze erz\u00e4hlen, andere Menschen anfeuern, Traurigkeit mitteilen. Charles Taylor, ein kanadischer Sozialphilosoph, bezeichnet die Menschen als sprachbegabte Tiere. Als diejenigen Wesen, die sich mittels Sprache nochmal auf ganz eigene Weise in der Welt orientieren. Es geht um Kommunikation, gemeinsames Erleben. Sprechen bedeutet <em>miteinander<\/em> sprechen, Leben teilen, f\u00fcreinander Dasein \u2013 und genau das muss eigentlich ein Leben lang einge\u00fcbt werden. Wir sind nicht fertig als Menschen, sondern offen f\u00fcr diese Welt, neue Perspektiven, neue Begegnungen, Eindr\u00fccke, Erlebnisse. Zwar sind wir geboren, es gibt ein Geburtsdatum, aber nun gilt es zu leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun gilt es so zu leben, dass wir unsere Menschlichkeit bewahren und bew\u00e4hren. Nutze deine Sprache, damit auch andere sprechen k\u00f6nnen. Erhebe deine Stimme, wo andere nichts sagen k\u00f6nnen und klein gehalten werden. Rede mit denen, die keiner in ein Gespr\u00e4ch einbinden will. Sage was dich bewegt, denn nur so erh\u00e4lt sich eine Gemeinschaft. Juble laut, denn Freude ist ansteckend. Schrei, wenn dich Trauer erfasst oder du klagen musst. Bete, denn dein Herz w\u00e4chst, wenn dort Platz f\u00fcr Gott und die Welt ist. Singe ein Lied der Hoffnung, denn zu einer lebendigen Hoffnung sind wir geboren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Hoffnung ist der Sprung in dieses Leben. Der Herr ist auferstanden. Jesus ist auferweckt worden und mit ihm leben auch wird. Deshalb ist Ostern kein mirakul\u00f6ses Fest, das mit dieser Welt nichts zu tun hast. Aus Ostern folgt lebendige Hoffnung, die wie die menschliche Sprache erlernt und einge\u00fcbt werden muss. Darum sind wir Neugeborene. Am Anfang kommen nur einzelne Silben raus. Es ist ein Gequietsche und Gequacke. Es folgt das ber\u00fchmte \u201eDa\u201c und wir k\u00f6nnen auf Dinge zeigen, uns mitteilen. Wir lernen die ersten Worte und kurze S\u00e4tze. Der Satzbau ist noch recht eigenartig, die Zeitformen werden ziemlich kreativ eingesetzt. Aber jeden Tag lernen wir neue W\u00f6rter, Bedeutungen, Verwendungsweisen der W\u00f6rter, den Satzbau und wie man miteinander spricht. Wir lernen das, weil mit uns gesprochen wird. Manche lernen noch weitere Sprachen und insgesamt erweitert sich unser kommunikativer Radius.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das gilt auch f\u00fcr die Hoffnung. Um sie als lebendig zu bezeichnen, muss sie gelebt werden. Sie ist die Art und Weise, wie wir leben. Ich kann hoffend leben und voll Hoffnung sein. Das ergibt sich aber nicht vom einen auf den anderen Tag. Hoffnung will erlernt werden. Es ist herausfordernd, von dort zu leben. Also von Ostern dieses Leben zu leben. Aber es gibt keinen christlichen Eskapismus. Wir springen nicht aus diesem Leben raus, wir fliehen nicht. Nein! Christliche Hoffnung ist Auflehnung und Rebellion. So wie es ist, muss es nicht sein. Der Tod hat nicht das letzte Wort, denn die Hoffnung erhebt Einspruch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die lebendige Hoffnung lehrt zu sehen, wo wir von Wundern sprechen k\u00f6nnen. Die Hoffnung macht sichtbar, wo sich der Frieden ausbreitet, und die Worte verbinden statt trennen. Die Hoffnung zeigt, wie Liebe echte Hinwendung und Ermutigung hervorbringt. Die christliche Hoffnung lehrt die Geduld, um Trauer und Verzweiflung auszuhalten, denn auch deren Zeit wird vergehen. Die lebendige Hoffnung springt in dieses Leben, nimmt den Osterjubel und entfaltet ihn in alle Richtungen. Nicht leise, sondern laut und trotzig, erkl\u00e4rt sie, wem die Macht \u00fcber Himmel und Erde zukommt. Einf\u00fchlsam und tr\u00f6stend wendet sie sich den Bedr\u00fcckten zu, sie spendet Trost und Kraft. Sie umh\u00fcllt die Verwundeten und Teil der Genesung. Lebendige Hoffnung verbindet und vereint. Sie tritt in die Einsamkeit und nimmt deren Schwere.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend Karfreitag zeigte, dass es so vieles gibt, was Gott aus dieser Welt dr\u00e4ngt, zeigt Ostern, dass Gott zur\u00fcck in diese Welt dringt. Gott steht nicht \u00fcber dieser Welt, sondern gibt sich hin, zeigt sich inmitten dieser Welt. Verh\u00fcllt und verborgen ist Gott nur, wenn man ihn \u00fcber dieser Welt sucht. Sichtbar wird Gott, wo wir mit Augen lebendiger Hoffnung in diese Welt blicken und sehen, dass Karfreitag seit Ostersonntag in einem anderen Licht erscheint.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lebendige Hoffnung? Das ist nicht einfach. Lebendige Hoffnung m\u00fcssen wir uns zusprechen lassen \u2013 von Gott und seiner Gemeinde. Wir sind Teil dieser Bewegung, die von Ostern ausgeht. Wir sind Teil, weil wir diese Hoffnung spenden und zugleich von ihr getragen sind. Es ist nicht leicht zu hoffen, aber es ist m\u00f6glich. Lebendige Hoffnung zeigt sich im Sprung in dieses Leben. In diesem Leben, genau hier und heute ist sie wirksam die Macht Gottes, die den Glauben bewahrt und uns als die Neugeborenen und Kinder Gottes einweist in eine Hoffnung, die pulsiert, atmet und w\u00e4chst.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Felix St\u00fctz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Halle\/Saale<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:felix.stuetz@theologie.uni-halle.de\">felix.stuetz@theologie.uni-halle.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Felix St\u00fctz ist Doktorand und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Systematische Theologie der Martin-Luther-Universit\u00e4t Hallexs-Wittenberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoffnung \u2013 Der Sprung in dieses Leben | Quasimodogeniti | 27.04.2025 | 1. Petr 1,3\u20139 | Felix St\u00fctz | Name, Gewicht, Uhrzeit, Datum. Vielleicht steht da noch ein Bibelvers, ein kurzer Text und Bilder sind meist drauf. 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