{"id":23399,"date":"2003-02-26T09:26:02","date_gmt":"2003-02-26T08:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=23399"},"modified":"2025-04-26T09:29:34","modified_gmt":"2025-04-26T07:29:34","slug":"matthaeus-171-9-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-171-9-8\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 17,1\u20139"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Letzter Sonntag nach Epiphanias | 9. Februar 2003 | Mt 17,1\u20139 | Jan Ulrik Dyrkj\u00f8b |<\/h3>\n<p align=\"left\">Die Apostel haben alles verlassen, um Jesus zu folgen. Sie hatten ihn begleitet in St\u00e4dten und auf allen Wegen. Sie waren weit herumgekommen. Sie hatten sein Wort geh\u00f6rt. Sie hatten gesehen, wie er Menschen begegnete: Frauen und M\u00e4nner und Kinder. Arme und Ausgesto\u00dfene. Kranke und Besessene. Sie hatten seine Barmherzigkeit gesehen. Aber sie waren auch mit ihm an einsamen Orten gewesen. Sie waren mit ihm auf dem See gewesen und in den Bergen. Sie hatten ihn allein gesehen. Allein mit seinen Kindern. Allein mit seinem Vater im Himmel.<\/p>\n<p>Und das ist eben das Entscheidende. Dieser Mensch lebt nicht f\u00fcr sich selbst. Er lebt in innerlichem Gebet an seinen himmlischen Vater. Sein Herz ist rein. Sein Denken ist nur Wahrheit. Sein Wille ist nicht sein eigener.<\/p>\n<p>Er ist der Mensch Gottes auf Erden. Er ist die Offenbarung Gottes. Gottes Wirklichkeit kommt in ihm zum Vorschein. Er ist die Herrlichkeit in Menschengestalt.<\/p>\n<p>Und es geschieht eines Tages, als sie in C\u00e4sarea Philippi sind &#8211; etwas n\u00f6rdlich von ihrer Heimat Galil\u00e4a &#8211; da\u00df Jesus die Apostel fragt, was die Leute meinen, da\u00df er sei. Und sie antworten, da\u00df die Leute von ihm reden, als sei er Johannes der T\u00e4ufer oder einer der gro\u00dfen Propheten Israels, der wiedergekommen ist.<\/p>\n<p>Und dann stellt Jesus ihnen die Frage: &#8222;Aber Ihr, was sagt ihr, da\u00df ich bin?&#8220; &#8230; Die Leute k\u00f6nnen viel sagen und viel denken, aber was meint ihr? Und Petrus antwortet f\u00fcr alle: &#8222;Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes&#8220;.<\/p>\n<p>Ja, er ist der Sohn. Denn sein Leben ist ein Zusammenleben mit dem Vater, ohne Vorbehalte und ohne Ende. Er lebt in allem von Gott und zu Gott. Petrus und die anderen sehen das. Es ist unfa\u00dflich f\u00fcr sie, aber sie sehen es. Deshalb m\u00fcssen sie so reden, wie sie reden: Er ist der Sohn des lebendigen Gottes.<\/p>\n<p>Aber Jesus verlangt von den Aposteln nicht nur ein Bekenntnis. Er spricht zu ihnen auch von seinem Leiden und seinem Tod und seiner Auferstehung. Denn in und mit dem Leben, das er mit seinem Vater im Himmel hat, soll der Tod \u00fcberwunden werden. Darum ist er in die Welt gekommen. Er soll die Macht ausl\u00f6schen, die uns von einander trennt. Er soll all das zerst\u00f6ren, was uns von Gott und seiner Herrlichkeit trennt. Er soll uns in Wahrheit aus der Finsternis ins Licht f\u00fchren.<\/p>\n<p>Was Jesus von seinem Leiden und Tod sagt, ist unverst\u00e4ndlich und anst\u00f6\u00dfig f\u00fcr die Apostel. Aber Jesus geht seinen Weg. Und drei Tage sp\u00e4ter nimmt er drei von ihnen, Petrus, Johannes und Jakobus mit auf einen hohen Berg. Und sie sehen, wie er vor ihren Augen verwandelt wird. Sie sehen ihn in heller Klarheit. Und sie h\u00f6ren die Stimme Gottes \u00fcber ihm.<\/p>\n<p>Das ist ein wichtiger Bericht &#8211; der Bericht von der Verkl\u00e4rung auf dem Berge. Alle drei ersten Evangelisten erz\u00e4hlen davon. Und auch in einer etwas sp\u00e4teren \u00dcberlieferung, dem zweiten Brief des Petrus, wird die Verkl\u00e4rung erw\u00e4hnt: &#8222;Er empfing ja von Gott, dem Vater, Ehre und himmlische Herrlichkeit durch seine Stimme, die zu ihm kam von der erhabenen Majest\u00e4t: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir vom Himmel kommen h\u00f6ren, als wir mit ihm auf dem heiligen Berge waren&#8220;.<\/p>\n<p>Und als sich Jesus vor den Augen von Petrus und Jakobus und Johannes verwandelte, geht es wieder um sein Gebet und sein Leben mit dem Vater.<\/p>\n<p>Das wird vielleicht nicht ganz so deutlich in dem Bericht, den Matth\u00e4us von dem Ereignis gibt. Aber bei Lukas wird direkt betont. Dort hei\u00dft es: &#8222;Und als er betete, bekam sein Antlitz ein anderes Aussehen, und sein Gewand wurde wei\u00df und gl\u00e4nzte&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4hrend er betete &#8230;&#8220;: Als Jesus vor den drei Aposteln in verkl\u00e4rter Gestalt stand, wird sein Gebet sichtbar. Er ist seinem himmlischen Vater so nahe, er ist so tief mit ihm verbunden &#8211; da\u00df man es pl\u00f6tzlich sehen kann! Petrus und Jakobus und Johannes sind ganz durchsichtig f\u00fcr die Herrlichkeit Gottes. Sie sehen, da\u00df er ohne Schatten und ohne Finsternis ist. Sie sehen, da\u00df er das Licht der Welt ist.<\/p>\n<p>Das war einmal. Das ist erz\u00e4hlt worden. Viel Zeit ist vergangen. Und nun kommen wir in die Kirche als die unsicheren heutigen Menschen, die wir sind. Wir kommen in die Kirche. Und wir h\u00f6ren von Jesus. Wir h\u00f6ren das Bekenntnis des Apostels: &#8222;Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes&#8220;. Wir h\u00f6ren von der Verkl\u00e4rung auf dem Berge. Wir k\u00f6nnen es vor uns sehen. Wir sp\u00fcren die tiefe Verwunderung der Apostel. Wir k\u00f6nnen die Stimme Gottes h\u00f6ren, die zu ihnen spricht.<\/p>\n<p>Aber ist das Wahrheit? Ist das Wahrheit auch f\u00fcr uns? Ist das Wahrheit f\u00fcr dich?<\/p>\n<p>Die st\u00e4rkste Kraft in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft ist die Kraft, die alles in den Strom der Zeit rei\u00dft. Das ist die Kraft, die alle Wahrheit zu etwas historischem macht, etwas, was einmal war, etwas, was sozusagen kommt und geht, etwas, was nur zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort gilt. Unsere Zeit sagt uns: Ja, es hat Menschen gegeben, die so und so geglaubt haben. Aber das war einmal. Jetzt haben wir eine andere Zeit. Und wir haben nur die \u00dcberlieferung, und die ist genauso unsicher wie alle anderen \u00dcberlieferungen. Und sie ist auch nicht die einzige. Wir sind von Lebensanschauungen und vielen derartigen \u00dcberlieferungen umgeben. Sie sind alle im Laufe der Geschichte entstanden. Es sind Erfahrungen, Gedanken und Ideen von Menschen. Vieles kann etwas auf sich haben. Aber es hat alles seine Begrenzung.<\/p>\n<p>Gott offenbart sich in Jesus. Er ist Christus. Die Apostel und die J\u00fcnger erfahren es, und sie nennen ihn den Sohn. Den lebendigen Sohn Gottes. Ihre Erfahrung und ihr Glaube verdichtet sich in diesem Bekenntnis.<\/p>\n<p>Wir aber sind von Unsicherheit gepr\u00e4gt. Wie sollen wir so reden k\u00f6nnen wie die Apostel? Wie sollen wir ihr Bekenntnis zu dem unseren machen? So k\u00f6nnen wir fragen. Dabei vergessen wir aber etwas. Wir vergessen, da\u00df das ganze auf das Leben Jesu mit dem Vater zur\u00fcckgeht. Wir vergessen sein Gebet.<\/p>\n<p>Und das ist wohl der Kern der Sache! Auch f\u00fcr uns! Wir k\u00f6nnen uns nicht zur Wahrheit des Evangeliums h\u00f6ren! Auch wenn Paulus sagt, da\u00df der Glaube aus dem H\u00f6ren kommt. Wir k\u00f6nnen uns nicht zur Wahrheit h\u00f6ren. Wir k\u00f6nnen \u00fcberhaupt nicht zur Wahrheit hin schlu\u00dffolgern. Wir k\u00f6nnen die Wahrheit nicht finden, wenn wir auf sicherem Boden stehen bleiben, aus sicherer Distanz h\u00f6ren und urteilen. Wir k\u00f6nnen die Wahrheit nur finden, indem wir ihr entgegengehen. Und Jesus &#8211; der Wahrheit \u00fcber Jesus, da\u00df er Christus ist &#8211; gehen wir entgehen, indem wir an seinem Gebet teilhaben.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns nur zur Wahrheit beten!<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die Wahrheit im Gebet finden! Im Gebet Jesu an den Vater. Er hat es uns selbst gelehrt! Im Gebet in seinem Namen. Im Gebet zusammen mit ihm. Im Gebet zu ihm!<\/p>\n<p>&#8222;Vater unser im Himmel &#8230;&#8220;. Das ist sein Wort. Das ist sein Vater. &#8222;Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; auf den sollt ihr h\u00f6ren!&#8220; So lautet die Stimme Gottes auf dem Berg.<\/p>\n<p>Er ist der Sohn Gottes. Gott ist sein Vater. Aber er lehrt uns, zu sagen: &#8222;Unser Vater&#8220;. Wir sind nicht allein mit Gott. Wir haben Gott als unseren Vater zusammen mit Jesus. Zusammen mit den anderen. Zusammen mit allen Menschen.<\/p>\n<p>Wir sind das neue Volk Gottes. Wie sind die Br\u00fcder und Schwestern Jesu. Wir sind Gottes Kindes zusammen mit ihm. Im Gebet. Und im Leben. Aber zuerst im Gebet. Das Christenleben entspringt dem Gebet &#8211; so wie das Leben Jesu dem Gebet entspringt. Dort ist die Wahrheit. Im Gebet ist die wahre Erkenntnis. Von ihm. Und vom Vater, Und vom Geist, der Kraft, der Inspiration, der Klarheit, der Liebe.<\/p>\n<p>Das ist eine andere Erkenntnis als die Erkenntnis der Welt und unserer Zeit. Das ist eine andere Art zu sehen und zu h\u00f6ren und wahrzunehmen und zu begreifen. Das ist &#8211; wenn man so will &#8211; die Erkenntnistheorie des Evangeliums.<\/p>\n<p>Da ist kein Abstand. Das ist nur Mitleben, Teilnahme, Gemeinschaft, Dialog. Da\u00df hei\u00dft nahe sein am Wunderbaren selbst, an seinem Geheimnis. Mit Jesus beim Vater. Das ist pers\u00f6nlich. Wir werden in Anspruch genommen. So wie Jesus die Apostel und J\u00fcnger ganz in Anspruch nahm.<\/p>\n<p>Seht nur, was sp\u00e4ter Paulus widerfuhr! Auf dem Weg nach Damaskus wird er von himmlischem Licht umstrahlt, auf die Erde geworfen, und der Auferstandene spricht zu ihm. Er verliert sein Augenlicht und mu\u00df nach Damaskus gef\u00fchrt werden. Und in Damaskus ist ein J\u00fcnger namens Hananias. Und Jesus erscheint dem Hananias und sagt zu ihm: &#8222;Steh auf und geh in die &#8222;Gerade Stra\u00dfe&#8220; und frage in dem Hause des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet und hat in einer Erscheinung gesehen, wie ein Mann mit Namen Hananias zu ihm hereinkam und ihm die Hand auflegte, damit er wieder sehen k\u00f6nnte&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Er betet &#8230;&#8220;. W\u00e4hrend Paulus blind ist, betet er. Und schon sein Gebet ist der Weg zum Sehen. Er ist geblendet gewesen durch das Licht vom auferstandenen Christus, damit er die Wahrheit sehen sollte. Und in der Verwandlung, in diesem Proze\u00df, wird er in das Gebet hineingezogen.<\/p>\n<p>&#8222;Er betet&#8230;&#8220;. Ja, im Gebet vollzieht sich die Bekehrung des Paulus. Im Gebet beginnt das neue Leben. Im Gebet lernt er, mit Christus zu leben. Im Gebet wird er ganz und gar in Beschlag genommen. Er mu\u00df alles geben, und er bekommt alles.<\/p>\n<p>Wir haben den Hinweis auf die Verkl\u00e4rung auf dem Berg im zweiten Petrusbrief geh\u00f6rt. In der Einleitung zu dem selben Brief lesen wir die verwunderlichen Worte, da\u00df uns die M\u00f6glichkeit geschenkt ist, an der g\u00f6ttlichen Natur teilzuhaben: Gott hat &#8222;uns die kostbarsten und allergr\u00f6\u00dften Verhei\u00dfungen geschenkt, damit ihr dadurch an der g\u00f6ttlichen Natur Anteil bekommt, da ihr ja dem Verderben entronnen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht!&#8220;<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, da\u00df wir zu G\u00f6ttern werden, oder da\u00df wir wie Gott werden. Aber das bedeutet, da\u00df wir in dem Leben sein d\u00fcrfen, das der Sohn mit dem Vater hat. Wir werden in das Gebet hineingezogen. Es ist sein und unser Gebet. Dort ist alle Furcht vertrieben. Da ist alles Licht und Herrlichkeit und Freude. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Jan Ulrik Dyrkj\u00f8b<br \/>\nKnud Hjorts\u00f8vej<br \/>\nDK-3500 V\u00e6rl\u00f8se<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 44 48 06 04<br \/>\n<a href=\"mailto:jukd@vaerloesesogn.dk\">e-mail: jukd@vaerloesesogn.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 9. Februar 2003 | Mt 17,1\u20139 | Jan Ulrik Dyrkj\u00f8b | Die Apostel haben alles verlassen, um Jesus zu folgen. Sie hatten ihn begleitet in St\u00e4dten und auf allen Wegen. Sie waren weit herumgekommen. Sie hatten sein Wort geh\u00f6rt. 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