{"id":23401,"date":"2003-02-26T09:29:40","date_gmt":"2003-02-26T08:29:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=23401"},"modified":"2025-04-26T09:31:57","modified_gmt":"2025-04-26T07:31:57","slug":"matthaeus-171-9-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-171-9-9\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 17,1\u20139"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Letzter Sonntag nach Epiphanias | 9. Februar 2003 | Mt 17,1\u20139 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p align=\"left\">1 Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und f\u00fchrte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er ward verkl\u00e4rt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden wei\u00df wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.<\/p>\n<p>4 Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist f\u00fcr uns gut sein! Willst du, so will ich hier drei H\u00fctten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.<\/p>\n<p>5 Als er noch so redete, siehe, da \u00fcberschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr h\u00f6ren!\u201c<\/p>\n<p>6 Als das die J\u00fcnger h\u00f6rten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, r\u00fchrte sie an und sprach: \u201e Steht auf und f\u00fcrchtet euch nicht!\u201c<\/p>\n<p>8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.<\/p>\n<p>9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: \u201e Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Jedes Dorf im Harz hat seinen Berg, auf dem jeder, der hier l\u00e4nger wohnt, schon einmal gewesen ist und zu dem neben vielen G\u00e4sten auch immer Einheimische alltags wie sonntags unterwegs sind.<\/p>\n<p>Auch ich bin gerne unterwegs dorthin und um \u00fcber die Geschichte von Jesu Verkl\u00e4rung auf dem Berg nachzudenken, stand deswegen f\u00fcr mich der Weg schon fest, nur gegangen war er noch nicht.<\/p>\n<p>Also lie\u00df ich lie\u00df die Zeitung mit den neuen Nachrichten \u00fcber den drohenden Krieg und den alten \u00fcber die wirtschaftliche Talfahrt liegen, um mich auf den Zwei-Stundenweg zum Gro\u00dfen Knollen, dem Hausberg f\u00fcr alle S\u00fcdharzer, zu machen.<\/p>\n<p>Wie gew\u00f6hnlich ging ich den kleinen Flu\u00df aufw\u00e4rts, der am Fu\u00dfe des Knollens entspringt, aber dessen Qelle ich noch nie entdeckt habe und deren genaue Lage mir bisher auch die Einheimischen nie zeigen konnten, kam am Schwimmbad vorbei, von dem noch nicht sicher ist, ob es nach dem Winter wieder ge\u00f6ffnet werden kann, und h\u00f6rte bald kaum noch die Schnellstra\u00dfe, die hier vor Jahren gebaut worden ist und seitdem das Dorf vom Harz abschneidet.<\/p>\n<p>Der lange Weg war nicht \u00fcberall frei, Holz war noch vor kurzem geschlagen worden und bisweilen mu\u00dfte ich \u00fcber gef\u00e4llte B\u00e4ume hinwegklettern.<\/p>\n<p>An den Stellen, an denen die Holzhauer schon fertig geworden waren, s\u00e4umten lange Strecken von Festmetern Holz den Weg, beeindruckende Wahrzeichen daf\u00fcr, wie \u00fcber Generationen Natur und menschliche Arbeit ihr Ma\u00df finden konnten.<\/p>\n<p>Am Ende des gro\u00dfen Weges sieht der Wanderer dann schon Knollenturm und ich schaute auch diesmal wieder etwas sorgenvoll nach Rauch aus dem Schornstein der H\u00fctte. Zumindest an Wintertagen hab ich stets diese Sorge, die H\u00fctte k\u00f6nnte geschlossen sein, obwohl der H\u00fcttenwirt f\u00fcr seine Zuverl\u00e4ssigkeit ber\u00fchmt ist und sogar in den Weihnachtstagen f\u00fcr den Wanderer da ist.<\/p>\n<p>Rauch stieg kr\u00e4ftig auf und der kurze steile Aufstieg auf engen verschneiten Pfaden unter schwer vom Schnee herabgedr\u00fcckten Fichten\u00e4sten ging umso schneller.<\/p>\n<p>Oben angekommen war ich dann wie immer ein wenig au\u00dfer Atem und f\u00fcr die im Schnee leicht geblendeten Augen verkl\u00e4rte sich aus Ersch\u00f6pfung und Zufriedenheit das Geschaute: Die anderen Wanderer hier oben\u00a0<strong>erschienen<\/strong>\u00a0eher, als da\u00df sie mir begegneten und die D\u00f6rfer und Siedlungen unter mir offenbarten aus den Rodungen, auf den wei\u00dfen Feldern und entlang der engen T\u00e4ler neu ihre Namen. Auch das riesige Gebirgsmassive des Brocken verdient von hier oben gesehen seinen Namen neu.<\/p>\n<p>\u00dcber mir zogen D\u00fcsenj\u00e4ger ihre wei\u00dfen Linien am Himmelszelt, die noch bevor das bedrohliche Ger\u00e4usch auch meine Ohren erreichte, wieder mit den Wolken eins geworden waren.<\/p>\n<p>Die Radart\u00fcrme auf den umgebenden Bergen verlieren von hier aus gesehen ihre strategische Bedeutung und gehen ganz auf in die Namen ihrer Berge.<\/p>\n<p>Es sind heute nur wenige Besucher hier oben und deshalb erinnere ich mich an fr\u00fchere Gebirgswanderungen. Die Erinnerungen aber reichen weit zur\u00fcck zu anderen Gebirgen und ihren Bergen, die fr\u00fcher mit den Eltern oder mit Lehrern erwandert wurden.<\/p>\n<p>Damals war die Luft immer voll von Stimmen und Gespr\u00e4chen und immer noch klingen die gutgemeinten Ratschl\u00e4ge und Prophezeiungen im Ohr, vor denen man sich gerade nach dem beschwerlichen Aufstieg kaum sch\u00fctzen konnte, und an die unsere Kinder heute wunderbarerweise schon wieder glauben wollen.<\/p>\n<p>Doch das erste hei\u00dfe Getr\u00e4nk versprach damals wie heute hier oben nicht mehr, als es halten kann: der Gipfel ist erreicht, die Herausforderung bestanden und das Leben wird leicht, so leicht, da\u00df man hier bleiben m\u00f6chte, und wie es damals einen der Erwachsene anflog, so flog das gefl\u00fcgelte Wort mich auch jetzt an: \u201eHier ist gut f\u00fcr uns sein- hier will ich eine H\u00fctte bauen.\u201c<\/p>\n<p>Berge laden wohl deswegen so zum Bleiben ein, weil sie au\u00dferhalb der Zeit zu stehen scheinen und sich an ihnen jede Welle bricht. Es ist gerade ihre Stille und Unbeweglichkeit, die die Menschen einl\u00e4dt, hier oben zu bleiben und zu bauen.<\/p>\n<p>Kaum einer mochte damals wissen, von woher dieses Wort eigentlich geflogen kam, und heute suche ich es hier oben auf in der Geschichte von der Verkl\u00e4rung Jesu auf dem Berg. Ich lese im Evangelium und begreife nocheinmal neu, da\u00df dieses Wort des Petrus nicht das letzte Wort auf dem Gipfel ist. Denn ein Schatten f\u00e4llt auf den Berg den Verkl\u00e4rung, \u00fcber den gerade eine Wolke zieht, aus der Gott endlich selbst spricht: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr h\u00f6ren.\u201c Die J\u00fcnger erschrecken und fallen auf ihr Angesicht. Sie k\u00f6nnen nicht eher aufstehen, als bis Jesus sie anr\u00fchrt und spricht: \u201e Steht auf und f\u00fcrchtet euch nicht!\u201c<\/p>\n<p>So lese ich und das Gelesene wird f\u00fcr mich zum Signal aufzubrechen: Eine neue Zeit ist geschenkt von dem, der auch den Bergen ihre Zeit stundet und der Weg hinab in die M\u00fchen der Ebene wird mir gewiesen von dem, auf den ich h\u00f6ren soll. Seinen J\u00fcngern hat er beim Abstieg noch befohlen, sie sollen niemandem etwas sagen, bis der Menschensohn auferstanden ist\u201c, ich wei\u00df bei meinem Abstieg, da\u00df der Bann zu Ostern gebrochen worden ist und das Gespr\u00e4ch mit Gott und in der Gemeinde \u00fcber den Frieden f\u00fcr diese Welt deswegen schon lange n\u00f6tig und m\u00f6glich ist.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Friedrich Seven<br \/>\n<a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\">friedrichseven@compuserve.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 9. 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