{"id":23568,"date":"2025-04-29T14:55:55","date_gmt":"2025-04-29T12:55:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=23568"},"modified":"2025-04-29T14:55:55","modified_gmt":"2025-04-29T12:55:55","slug":"johannes-1011-16-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1011-16-2\/","title":{"rendered":"Johannes 10,11-16"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Wenn das jeder t\u00e4te\u2026 | Misericordias Domini | 4.5.2025 | Predigt Johannes 10,11-16 | verfasst von Udo Schmitt |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Adonaj Ro\u00ef\u00a0 \u00a0so beginnt ein altes Lied, 3000 Jahre alt und doch bis heute ein Welthit, den jeder kennt. Sie auch. Glauben Sie nicht? Ist aber so. Adonaj Ro\u00ef hei\u00dft: der HERR ist mein Hirte. Und so beginnt der 23. Psalm. Ein Lied, das von David stammt, dem gro\u00dfen K\u00f6nig Israels. Ein Psalm, den Luther besonders sch\u00e4tzte. Ein Hit, der beliebt ist bis heute bei Taufen und Konfirmationen. Immer wieder w\u00e4hlen Leute diese Worte: Der Herr ist mein Hirte. Das sagt mir etwas. Das spricht mich an. Ich f\u00fchle mich gut bei dem Gedanken, dass da jemand ist, der auf mich aufpasst. Auf mein Kind. Der mich liebt, mich besch\u00fctzt bei allem, was da kommen mag. Bei mir ist. Auch in Angst und Gefahr. Mir kann quasi nichts passieren, Adonaj Ro\u00ef, der Herr ist mein Hirte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus sagt: ja. So ist Gott. Ein guter Hirte. Ein ganz besonderer Hirte. Ein Hirte, der keinen aufgibt. Nein, der gibt keinen verloren. Im Lukasevangelium erz\u00e4hlt Jesus die Geschichte, dass Gott auch das verlorene Schaf sucht. Nicht nur f\u00fcr die 99 Schafe da ist, die bei ihm sind, sondern alle, auch das eine, das sich verirrt hat, sucht, findet, aufnimmt und nach Hause tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Bildhinweis: Fresko aus den Calixt-Katakomben, 3. Jh. Rom) Eines der \u00e4ltesten Bilder f\u00fcr Gott. Oder f\u00fcr Jesus. Denn der sagt im Johannesevangelium: Ich bin der gute Hirte. Warum? Die Antwort gibt er selbst: Die anderen sind nur Mietlinge. Politiker, Beamte, Angestellte, wie auch immer. Sie laufen weg, wenn der Wolf kommt. Das hei\u00dft: Die anderen Menschen, die in Verantwortung stehen, aufpassen sollen, die tun das aus beruflichen Gr\u00fcnden. Sie tun es f\u00fcr Geld oder f\u00fcr Ruhm. Aber sie w\u00fcrden nie so weit gehen, sich selbst f\u00fcr diesen Job aufzuopfern, das eigene Leben riskieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin da anders, sagt Jesus &#8211; bei Johannes. Denn ich gebe mein Leben f\u00fcr die Schafe. Damit sie leben. Nanu? Wie das? Damit spielt Jesus auf das an, was an Ostern passiert ist. Jesus war tot und wurde wieder lebendig. Und er sagt: Wer mir nachfolgt, dem wird es auch so gehen. Wir werden nicht sterben, sondern leben. Darum bin ich in die Welt gekommen, damit die, die zu mir geh\u00f6ren, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im 1. Petrusbrief hei\u00dft es darum: \u201eChristus hat f\u00fcr euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fu\u00dfstapfen\u2026 Ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen\u201c (Epistel des Tages).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus ist der Hirte unserer Seelen. Was f\u00fcr ein sch\u00f6ner Gedanke. Er passt auf unsere Seelen auf. Er ist wie ein Coach, wie ein Trainer. Er stellt mich auf den Platz. Und wei\u00df, wo ich am besten was bewirken kann. Er motiviert mich, macht mir Mut. Er baut mich wieder auf, wenn wir mal eine Niederlage einstecken mussten. Geh\u00f6rt nun mal dazu. Aber dann sagt er: Kopf hoch! Beim n\u00e4chsten Mal &#8211; sind wir wieder dran.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Christus ist nicht nur Hirte und Trainer. Er ist auch ein Vorbild. Er hat uns gezeigt, wie man es macht. Er hat Fu\u00dfstapfen hinterlassen, dass wir ihm nachfolgen k\u00f6nnen. Ganz sch\u00f6n gro\u00dfe Fu\u00dfstapfen. Zugegeben. Ob ich mich aufopfern w\u00fcrde f\u00fcr andere\u2026 so wie er? Wer wei\u00df. Aber immerhin: F\u00fcr andere da sein. Das schon. Verantwortung \u00fcbernehmen. Nicht weggucken, wenn andere Hilfe brauchen, in Not sind. Dem Hirten folgen, ihn zum Vorbild nehmen, das hei\u00dft: Selber auch Hirte sein f\u00fcr andere.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich geb zu: Das ist heutzutage nicht modern. Viele Menschen wollen Spa\u00df haben. Hauptsache ich. Haben nur ein Lebensziel und ein Lebensthema: Ich. Fahren Autorennen nur zum Spa\u00df, weil es den Kick gibt. Die andern sind mir egal, die feg\u2018 ich von der Bahn. Platz da hier komm ich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die R\u00fccksichtslosigkeit dieser Menschen erschreckt mich. Immer mehr Berichte von Rettungskr\u00e4ften, Polizei, Feuerwehr, Not\u00e4rzten belegen, dass es einige ganz besonders krasse Gestalten unter uns gibt, und es werden immer mehr, die die Helfer nicht nur nicht respektieren, sondern st\u00f6ren, behindern, anp\u00f6beln, attackieren, blo\u00df weil\u2026 was? Sie weiter ihren Spa\u00df haben wollen. Gaffen wollen. Nicht wollen, dass ihnen jemand die Ausfahrt versperrt, blo\u00df weil er einem andern das Leben retten will. Ist mir doch egal. Platz da! Ich lieg ja nicht da. Soll der doch wo anders\u2026 oder was?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese R\u00fccksichtslosigkeit ist verst\u00f6rend. Was denken diese Menschen \u00fcberhaupt? Es scheint keinen Gott in ihrem Leben zu geben. Keine Liebe. Und kein Gesetz. Nur das eine: Ich. Und Hauptsache: Spa\u00df. Oder was? Hatten sie keine Mutter, die ihnen Mitgef\u00fchl mitgegeben hat. Keinen Vater, der ihnen gesagt, dass man Respekt haben und auch andere achten soll. Keine Schule, keine Lehrer, die ihnen beigebracht h\u00e4tten, wie wir als Menschen uns verhalten sollen. Egal von welcher Religion, egal von welcher Konfession, gibt es ein paar Spielregeln, die f\u00fcr alle gelten sollten. Und zu jeder Zeit. Immanuel Kant hat das den kategorischen Imperativ genannt. Darin hat er gefordert, dass man sich stets so verhalten solle, dass das, was man tut, als Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung dienen k\u00f6nnte. Weniger kompliziert gesagt: \u00dcberleg dir mal, wie die Welt auss\u00e4he, wenn das jeder t\u00e4te, was du tust. \u2013 Wer soll noch einen Helferberuf ergreifen, Erzieher, Lehrer, Pfleger, Retter, Sanit\u00e4ter werden, wenn er dann auch noch beschimpft wird, daf\u00fcr, dass er anderen hilft? Wer soll noch Verantwortung \u00fcbernehmen in Vereinen, in Schulen, im \u00f6ffentlichen Raum, auf dem Fu\u00dfballplatz? Bis hinauf zur Kreisliga werden h\u00e4nderingend Schiedsrichter gesucht. Warum eigentlich? Weil keiner mehr f\u00fcr andere da sein will. Hauptsache ich. Und alles andere: Ohne mich. Erstens. Und weil zweitens die wenigen, die es noch gibt, die sich engagieren, sich einsetzen, ehrenamtlich, f\u00fcr Kinder und Jugendliche, f\u00fcr Arme, f\u00fcr Alte oder eben als Schiedsrichter auf dem Fu\u00dfballplatz, dann auch noch beschimpft und bespuckt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In was f\u00fcr einem Land leben wir eigentlich? Jedenfalls in keiner guten Zeit. F\u00fcr gute Hirten. Zu viele schlechte Vorbilder unter uns Erwachsenen geben der Jugend ein schlechtes Beispiel ab. Zeigen nur, wie man es nicht machen sollte. Zu viele Ich-Menschen ohne R\u00fccksicht, ohne jeden Anstand und ohne jeglichen Respekt. Zu wenig Helfer, zu wenig K\u00fcmmerer. Zu wenig, die sagen, na gut, ich mach\u2019s. Ich trage die Verantwortung. Opfere meine freie Zeit. Komm runter vom Sofa. Raus aus der Komfortzone. Nehme es auf mich, f\u00fcr andere da zu sein. Und nicht immer nur \u201eIch\u201c zu schreien. Ich will auch ein Hirte sein. Eine Hirtin. F\u00fcr andere. Die Hilfe brauchen. Ich lass sie nicht im Stich. Lass sie nicht allein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann&#8230; wenn das jeder t\u00e4te. S\u00e4he die Welt ein bisschen besser aus. Vielleicht sogar sehr viel besser. Ein Ort, an dem es sich lohnt zu leben, wo einer den andern achtet. Wo einer zum andern sagt: Mensch, wie geht\u2019s dir. Ich interessiere mich daf\u00fcr. Ehrlich. Du bist mir nicht egal. Und was es auch ist. Wir werden schon eine L\u00f6sung finden, einen Weg. Gemeinsam. Du wirst schon sehen. Denn wir gehen ihn ja nicht allein. Der Herr ist mein Hirte. Und auch deiner. Unser Hirte. Er gibt uns die Kraft. Den Mut. Er ist bei uns und hilft uns. Schritt f\u00fcr Schritt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 HuE 2 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Da ber\u00fchren sich Himmel und Erde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">HuE 248\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Du bist mein Zufluchtsort<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 380 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ja, ich will euch tragen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 673\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das jeder t\u00e4te\u2026 | Misericordias Domini | 4.5.2025 | Predigt Johannes 10,11-16 | verfasst von Udo Schmitt | Adonaj Ro\u00ef\u00a0 \u00a0so beginnt ein altes Lied, 3000 Jahre alt und doch bis heute ein Welthit, den jeder kennt. 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