{"id":23586,"date":"2025-05-07T08:14:10","date_gmt":"2025-05-07T06:14:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=23586"},"modified":"2025-05-07T08:14:10","modified_gmt":"2025-05-07T06:14:10","slug":"sprueche-822-36-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/sprueche-822-36-2\/","title":{"rendered":"Spr\u00fcche 8,22-36"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Weisheitlicher Jubel | Jubilate | 11.05.2025 | Spr 8,22-36 | Verena Salvisberg |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jubilate! Jauchzt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Name des heutigen Sonntags ist ein Befehl oder mindestens eine Aufforderung: Jubilate! Jubelt! Jauchzt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wie kommt das bei Ihnen an? Etwas befremdlich, oder nicht? Jedenfalls nicht etwas, was wir allt\u00e4glich zu tun pflegen. Oder anders gefragt: wann haben Sie das letzte Mal gejubelt? Beim entscheidenden Tor Ihrer Lieblingsfussballmannschaft? Als Sie selber beim Jassen oder Mensch-\u00e4rgere-dich-nicht gewonnen haben? Wobei man da besser etwas vorsichtiger ist. Es soll ja Menschen geben, die nicht gerne verlieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was soll also diese Aufforderung? Und was sollen wir mit ihr anfangen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich will Gott loben, die ganze Welt,<br \/>\nund singen f\u00fcr seinen Namen!<br \/>\nSingen wir f\u00fcr Gott, die ganze Welt,<br \/>\nund tanzen wir mit Musik!<br \/>\n<\/em>So haben wir vorhin zusammen mit dem Psalm 66 gebetet. Vielleicht ist ja das der Anlass f\u00fcr den Jubel. Ein ganz einfacher: Es ist Sonntag. Es ist Gottesdienst. Und da geh\u00f6rt der Jubel und das Gotteslob einfach dazu. Stimmen wir also ein: Jubilate!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einerseits f\u00e4llt uns das leicht. Die Natur gr\u00fcnt und bl\u00fcht. Die Fr\u00fchlingssonne lockt uns ins Freie. V\u00f6gel zwitschern und Bienen summen. Am Sonntag k\u00f6nnen wir ausruhen und aufatmen. <em>Geh aus, mein Herz, und suche Freud\u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Andererseits bleibt uns dieses Lob im Hals stecken. Schwere Nachrichten erreichen uns t\u00e4glich, ja st\u00fcndlich. Man kann die Augen nicht davor verschliessen. <em>Kampf und Krieg zerreisst die Welt, einer dr\u00fcckt den andern nieder, <\/em>so heisst es in einem anderen Lied.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jubeln? Sollte man da nicht eher klagen und schreien? Oder verstummen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und heute ist ja auch noch Muttertag. Ist das, bitte sehr, etwa ein Anlass zum Jubeln? Dabei mag ich gar nicht in die Dauerkritik einstimmen: Einmal im Jahr Dank f\u00fcr all die M\u00fchen und die Arbeit! Was ist mit den V\u00e4tern? Ist doch nur eine Gesch\u00e4ftemacherei. Der Tag mit dem h\u00f6chsten Umsatz f\u00fcr den Blumenladen und das Restaurant. Oh ja, bei all diesen Vorbehalten ist was dran. Aber das ist nicht das Entscheidende.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Muttertag \u2013 f\u00fcr mich war das schon immer ein Anlass, \u00fcber die M\u00fctter nachzudenken. Die M\u00fctter, die wir haben. Die M\u00fctter, die wir sind. Angefangen hat es mit meiner eigenen Mutter, die erz\u00e4hlt hat, wie sie und ihr Bruder in ihrer Kindheit jeweils am Samstag vor dem Muttertag vom Vater einen Zweifr\u00e4nkler in die Hand gedr\u00fcckt bekamen, um f\u00fcr die Mutter ein Geranium zu kaufen. Irgendwie scheint ihre tiefe Abneigung gegen diese Blume und gegen den Muttertag aus diesem Kindheitstrauma zu kommen. Jedenfalls wurde uns Kindern vermittelt: \u00abKomm mir ja nicht mit Muttertag!\u00bb. Das stand allerdings in einer gewissen Spannung zu den Geschenken, die wir in der Schule gebastelt hatten und den Gedichten \u00fcber die M\u00fchen des Haushalts, waschen, kochen, putzen, fleissig auswendig gelernt. Die waren zwar schon damals falsch. Nie habe ich die Gleichung Mutter = Hausfrau verstanden. Aber wohin also nun mit diesen liebevoll in der Schule erstellten Werken, wenn unsere Mutter den Muttertag so hasste? Nat\u00fcrlich hat sie sich zusammengenommen und Freude gezeigt, uns zuliebe. Sp\u00e4ter war die Abneigung unserer Mutter gegen diesen Feiertag f\u00fcr uns Jugendliche ganz praktisch. Wir konnten den Muttertag ohne schlechtes Gewissen ignorieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Tats\u00e4chlich ist diese kleine Episode symptomatisch. Der Muttertag ist f\u00fcr einige Menschen ein sch\u00f6ner Tag, mit Besuch, Familienfeiern, fr\u00f6hlichem Zusammensein. F\u00fcr viele aber ist er verbunden mit Erwartungen, die nicht erf\u00fcllt werden, mit dem Gef\u00fchl, nicht zu gen\u00fcgen, mit schlechtem Gewissen, Peinlichkeiten, mit Mutterbildern, die niemals stimmen, mit Dankbarkeit, die nicht ausreicht, mit Eifersucht und Sehnsucht, Trauer und Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jubilate? Na ja, wohl eher auch nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht hat die Pr\u00e4gung des Sonntags mit dem Kirchenjahr zu tun. Wir befinden uns in einer besonderen Zeit, kommen von Ostern her, gehen auf Pfingsten zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jubilate ist der Sonntag der Neusch\u00f6pfung: Erinnerung an die erste Sch\u00f6pfungsgeschichte, Jubel \u00fcber die Auferstehung als Neusch\u00f6pfung, Hoffnung auf den verheissenen neuen Himmel und die neue Erde.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So lautet die Beschreibung des Sonntags auf einer Webseite, auf der die einzelnen Sonntage des Kirchenjahrs und ihre Bedeutung erl\u00e4utert werden<a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht um die Sch\u00f6pfung. Die Entstehung allen Lebens. Um die Auferweckung aus dem Tod. Und um die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Verse aus den Spr\u00fcchen, die heute als Predigttext vorgesehen sind, geben dazu inspirierende Impulse. Zun\u00e4chst sind sie recht ungewohnt. Von der Weisheit als Person ist hier die Rede, die als erstes Sch\u00f6pfungswerk schon da war, bevor alles entstand und dabei war, als alles entstand. H\u00f6ren Sie nun also diesen Hymnus auf die Frau Weisheit, die ganz nahe bei Gott Himmel und Erde verbindet und die Menschen zu einem Leben in Recht und Gerechtigkeit anleiten und anhalten kann. Sie lobt Gott und feiert seine Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lesung aus der \u00dcbersetzung der Bibel in gerechter Sprache<a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Die Weisheit spricht:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Die Ewige schuf mich, (die Weisheit), zu Beginn ihrer Wege, als Erstes all ihrer Werke von jeher. Gewoben wurde ich in der Vorzeit; zu Urbeginn, vor dem Anfang der Welt.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Bevor es das Urmeer gab, wurde ich geboren. Bevor die Quellen waren, von Wasser schwer. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Bevor die Berge verankert wurden, vor den H\u00fcgeln wurde ich geboren. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Noch hatte sie weder Erde noch Felder erschaffen oder den ersten Staub des Festlands.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Als sie den Himmel ausspannte, war ich dabei, als sie den Erdkreis auf dem Urmeer absteckte, als sie die Wolken oben befestigte, als die Quellen des Urmeers kr\u00e4ftig waren, als sie das Meer begrenzte, damit das Wasser ihren Befehl nicht \u00fcbertr\u00e4te, als sie die Fundamente der Erde einsenkte: Da war ich der Liebling an ihrer Seite. Die Freude war ich Tag f\u00fcr Tag und spielte die ganze Zeit vor ihr. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich spielte auf ihrer Erde und hatte meine Freude an den Menschen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Nun, T\u00f6chter und S\u00f6hne, h\u00f6rt auf mich: Gl\u00fccklich k\u00f6nnen sich alle sch\u00e4tzen, die auf meinen Wegen gehen. H\u00f6rt auf die Ermahnungen und werdet weise; gebt nicht auf! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gl\u00fccklich k\u00f6nnen sich alle sch\u00e4tzen, die auf mich h\u00f6ren, die Tag f\u00fcr Tag meine T\u00fcren bewachen und meine T\u00fcrpfosten h\u00fcten. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn wer mich findet, hat Leben gefunden und wird von der Ewigen Freude erhalten. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wer mich verfehlt, f\u00fcgt sich selbst Gewalt zu. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.<a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stellen Sie sich das vor. Da ist ein Gesch\u00f6pf, eine Frau, die sich in diesen Versen vorstellt. Sie erinnert sich, wie sie Gott zugeschaut hat bei der Erschaffung der Welt. Deshalb versteht sie etwas von Gott und von der Welt. Sie freut sich und sie spielt. Vielleicht hat sie noch mehr als zugeschaut. Kurt Marti hat sich das ganz konkret vorgestellt und erz\u00e4hlt wunderbar davon in seinem Gedicht: Die gesellige Gottheit<a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Gott ist nicht allein t\u00e4tig in einem einsamen Sch\u00f6pfungsakt. H\u00f6ren Sie, wie er sich das vorstellt. Sophia heisst die Weisheit hier:<br \/>\n<em>Von Ur an<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gott in Geselligkeit,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gott mit Sophia,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>der Frau, der Weisheit,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>geboren,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>noch ehe alles begann.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sie spielte<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Vor dem Erschaffer,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>umspielte, was er geschaffen,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>und schlug, leicht h\u00fcpfend von Einfall zu Einfall, neue Erschaffungen vor:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Warum nicht Myriaden pfiffiger Molek\u00fcle?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>So sei es, lachte Gott,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>denn alles ist m\u00f6glich,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>doch muss auch Ordnung ins Ganze \u2013<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>durch Schwerkraft zum Beispiel.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Dazu aber w\u00fcnschte Sophia sich<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>ebensoviel Leichtigkeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Da ersann Gott die Zeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und Sophia klatschte in die H\u00e4nde.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sophia tanzte, leicht wie die Zeit,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>zum wilden melodischen Urknall ,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dem Wirbel, Bewegungen, T\u00f6ne entsprangen,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>R\u00e4ume, Zuk\u00fcnfte, erste Vergangenheiten \u2013<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der kosmische Tanz,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>das sich freudig ausdehnende All.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Fr\u00f6hlich streckte Sophia Gott die Arme entgegen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und Gott tanzte mit.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Weisheit \u2013 Sophia, die dabei ist, wenn alles entsteht. Die zuschaut. Die sogar Vorschl\u00e4ge macht f\u00fcr neue Erschaffungen. Wie w\u00e4r\u2019s mit einem gekr\u00fcmmten Raum, mit Molek\u00fclen und Wirbeln? Mit Materie, schwebend, fliegend, rotierend? Usw.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kurt Marti weiter:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Am Anfang also: Beziehung.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Am Anfang: Rhythmus.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Am Anfang: Geselligkeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und weil Geselligkeit: Wort.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und im Werk, das sie schuf,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>suchte die gesellige Gottheit sich<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>neue Geselligkeiten.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Weder Ber\u00fchrungs\u00e4ngste<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>noch hierarchische Attit\u00fcden.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Eine Gottheit, die vibriert<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>vor Lust, vor Leben.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Die \u00fcberspringen will<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>auf alles,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>auf alle.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses vibrierende Leben, das \u00fcberspringen will auf alle und alles, wie w\u00e4re es, wenn wir uns davon anstecken liessen?Wie w\u00e4re es, wenn wir mal auf diese Weise auf das M\u00fctter- und V\u00e4tersein schauten? Sind M\u00fctter und V\u00e4ter nicht auch wie Frau Weisheit Zeuginnen und Zeugen der Entstehung ihrer Kinder? Nicht genauso sehr wie Erschaffer:innen auch Beobachter:innen? Ist es nicht die Erfahrung jeder Mutterschaft, dass das Kind und seine Entwicklung nicht gemacht oder geplant werden k\u00f6nnen. Es geht um ein Mitgehen, ein Mitschwingen. Ein Annehmen der Entwicklung. Ein Aushalten der eigenen Grenzen. Ein Kind zur Welt zu bringen, bedeutet, eine ganze Welt zu geb\u00e4ren. Eine Welt, die sich nach und nach entfalten und entwickeln soll, die lachen und spielen, sich freuen und wundern und sich auch verlieren d\u00fcrfen soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ein Kind geboren wird, kommen auch die Eltern auf die Welt, ebenfalls ein Universum f\u00fcr sich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jubilate ist der Sonntag der Neusch\u00f6pfung: Erinnerung an die erste Sch\u00f6pfungsgeschichte, Jubel \u00fcber die Auferstehung als Neusch\u00f6pfung, Hoffnung auf den verheissenen neuen Himmel und die neue Erde.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anstelle der entt\u00e4uschten Erwartungen, anstelle des schlechten Gewissens dieses pulsierende, vibrierende Leben. Die Erinnerung wie alles entstand und sich entfaltete und entwickelte. Und das meine ich ganz konkret. Das erste L\u00e4cheln. Das erste Wort. Der erste Schritt. Die Tobsuchtsanf\u00e4lle und die Kuschelstunden. Die Elterngespr\u00e4che in der Schule. Streit und Vers\u00f6hnung. Halten und Loslassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erleben wie alles mit allem zusammenh\u00e4ngt und wie viel man aush\u00e4lt und \u00fcbersteht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Neuanf\u00e4nge und nie die Hoffnung verlieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Muttertag in seiner heutigen Form wurde in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung erfunden. Aus einer M\u00fctterbewegung entstand der Mothers Friendships Day. An Treffen konnten sich M\u00fctter zu aktuellen Fragen austauschen. Es wurde eine Friedenstag-Initiative gestartet. Sie hatte das Ziel, dass die S\u00f6hne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das war vor \u00fcber hundert Jahren und hat eine grausame Aktualit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier noch einmal der eindringliche Appell der Frau Weisheit am Schluss des Predigttextes:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Nun, T\u00f6chter und S\u00f6hne, h\u00f6rt auf mich: Gl\u00fccklich k\u00f6nnen sich alle sch\u00e4tzen, die auf meinen Wegen gehen. H\u00f6rt auf die Ermahnungen und werdet weise; gebt nicht auf! <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gl\u00fccklich k\u00f6nnen sich alle sch\u00e4tzen, die auf mich h\u00f6ren, die Tag f\u00fcr Tag meine T\u00fcren bewachen und meine T\u00fcrpfosten h\u00fcten. Denn wer mich findet, hat Leben gefunden und wird von der Ewigen Freude erhalten. Wer mich verfehlt, f\u00fcgt sich selbst Gewalt zu. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.<a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Frau Weisheit \u2013 nahe bei Gott und nahe bei den Menschen \u2013 erinnert an die Entstehung des Lebens. An die \u00dcberwindung des Todes in all seinen Formen und an die Hoffnung auf eine Welt des Friedens, in alle leben d\u00fcrfen. Wer auf sie h\u00f6rt, erfreut sich an allem, das Leben sch\u00fctzt und bewahrt und erm\u00f6glicht. So wie es sich eben entfalten und entwickeln will. Vielleicht anders als wir uns das vorgestellt haben. Wie k\u00f6nnte das konkret aussehen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Letzte Woche habe ich von einem eindr\u00fccklichen Projekt in Pal\u00e4stina geh\u00f6rt. Es gibt einen israelisch-pal\u00e4stinensischen Elternkreis Parents Circle Families Forum<a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>. Dort treffen sich pal\u00e4stinensische und israelische M\u00fctter und V\u00e4ter, die im Krieg ein Kind verloren haben. Sie f\u00fchlen sich aufgehoben und verstanden in der geteilten Trauer um ihre Kinder. Sie treffen eine Wahl. Sie entscheiden sich gegen den Hass. Sie leben ein M\u00fctter- und V\u00e4tersein, das sie sich so nie vorstellen wollten und konnten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf der Webseite des PCFF stehen folgende Worte:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00abDie vergangenen eineinhalb Jahre sind die h\u00e4rtesten, die wir erfahren haben. Der gegenw\u00e4rtige Krieg hinterl\u00e4sst Zerst\u00f6rung, Schmerz und Verlust. Angesichts dieser harschen Realit\u00e4t ist es einfach, in Verzweiflung und Wut zu versinken und den Glauben zu verlieren. Aber genau jetzt, wenn die Finsternis und der Hass wachsen, treffen wir die Wahl, zusammenzustehen und nach aussen zu leuchten.\u00bb<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sind das nicht Menschen, die auf Frau Weisheit h\u00f6ren? Die sich erinnern, die sich am Leben orientieren und daran festhalten trotz des unendlichen Leids, das sie erfahren haben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Freude \u00fcber solches ist gross. Jubilate!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfrn. Verena Salvisberg Lantsch, Merligen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:verenasalvisberg@bluewin.ch\">verenasalvisberg@bluewin.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verena Salvisberg Lantsch, geb. 1965, Gemeindepfarrerin in Roggwil BE, Frick und Laufenburg, seit 2022 Regionalpfarrin der Berner Kirche im Kreis Berner Oberland\/Oberes Emmental<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> www.kirchenjahr-evangelisch.de<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0gelesen von einer Lektorin<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Spr 8, 22-36, aus: BiGS<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Aus: Kurt Marti, Die gesellige Gottheit, Radius 2004, S. 7f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Spr 8, 22-36, aus: BiGS<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/48B35233-E78E-4350-BC00-5E26190C3B19#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> www.theparentscircle.org\/en\/homepage-en\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weisheitlicher Jubel | Jubilate | 11.05.2025 | Spr 8,22-36 | Verena Salvisberg | Jubilate! Jauchzt! Der Name des heutigen Sonntags ist ein Befehl oder mindestens eine Aufforderung: Jubilate! Jubelt! Jauchzt! Liebe Gemeinde, wie kommt das bei Ihnen an? Etwas befremdlich, oder nicht? Jedenfalls nicht etwas, was wir allt\u00e4glich zu tun pflegen. 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