{"id":23768,"date":"2003-09-08T15:58:08","date_gmt":"2003-09-08T13:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=23768"},"modified":"2025-05-08T16:01:24","modified_gmt":"2025-05-08T14:01:24","slug":"markus-731-37-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-731-37-3\/","title":{"rendered":"Markus 7,31\u201337"},"content":{"rendered":"<h3>12. Sonntag nach Trinitatis | 7. September 2003 | Mk 7,31\u201337 | Jan Ulrik Dyrkj\u00f8b |<\/h3>\n<p>La\u00dft uns an zwei Dinge denken, ein Ereignis, eine einfaches Ereignis, und eine Aussage, eine kurze und einfache Aussage!<\/p>\n<p>Das erste ist das Ereignis, von dem wir eben geh\u00f6rt haben. Das findet zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort statt.<\/p>\n<p>Da kommt ein Mann. Er kommt zum galil\u00e4ischen Meer &#8211; oder dem See Genezareth, wie er auch hei\u00dft. Er war au\u00dferhalb Galil\u00e4as gewesen. Er war unter den Heiden gewesen. Und nun kommt er zur\u00fcck zu seiner Gegend.<\/p>\n<p>Dieser Mann ist bekannt als einer, der heilen kann. Und als er an den See kommt, sind da einige Menschen, die einen Taubstummen zu ihm f\u00fchren. Das ist ein Mann, der nicht h\u00f6ren kann und dem es schwer f\u00e4llt zu sprechen.<\/p>\n<p>Das ist nicht nur ein physischer Mangel. Das ist viel mehr. Das wissen wir.<\/p>\n<p>H\u00f6ren und sprechen k\u00f6nnen, das ist entscheidend, wenn ein Mensch Gemeinschaft haben k\u00f6nnen soll mit anderen. H\u00f6ren und verstehen k\u00f6nnen, was andere sagen, sprechen k\u00f6nnen und seine Auffassungen und Meinungen ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, mit anderen Menschen durch das gesprochene Wort verbunden zu sein, das ist etwas Grundlegendes im Leben. Das geh\u00f6rt zu der Ordnung selbst dazu, wie sie im Leben und in der Welt ist.<\/p>\n<p>Jesus begegnet also wirklich einem Menschen in Not. Das ist die denkbar tiefste Not. Als Jesus den Mann sieht, der zu ihm gebracht wird, da sieht er, wie die grundlegende Ordnung des Sch\u00f6pfungswerkes selbst zerst\u00f6rt werden kann.<\/p>\n<p>Und Jesus heilt den Taubstummen. Er heilt ihn durch sein Handeln und durch sein Wort. Mit seinen H\u00e4nden und seinem Speichel und mit seinem Wort r\u00fchrt Jesus den Taubstummen an. Und die Ber\u00fchrung macht, da\u00df der Taubstumme h\u00f6ren und deutlich und klar sprechen kann.<\/p>\n<p>Dieser Mensch erh\u00e4lt seine Menschlichkeit zur\u00fcck. Die Ordnung der Sch\u00f6pfung wird wiederhergestellt. Jesus heilt und richtet wieder auf. Seine Taten und seine Worte schaffen neu.<\/p>\n<p>Die Heilung des Taubstummen geschieht zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie ist nur ein ganz kurzer Augenblick in der langen Geschichte der Menschheit. Sie geschieht an einem bestimmten Ort. Der ist nur eine ganz kleine Stelle in der gro\u00dfen Welt. Sie geschieht einem ganz bestimmten Menschen. Nur einem einzigen unter den unendlichen vielen Menschen, die gelebt haben und noch leben werden.<\/p>\n<p>Das war das eine. Das war ein Ereignis. Etwas, was geschehen ist. Das andere, woran ich denke, ist eine Aussage. Oder nennen wir es Verk\u00fcndigung. Wir finden die Aussage oder Verk\u00fcndigung als eine Inschrift. Die Inschrift ist in einen Stein gehauen. Sie steht auf dem Deckstein \u00fcber dem alten Tor zur gro\u00dfen Omajademoschee in Damaskus.<\/p>\n<p>Die Omajademoschee ist eine der \u00e4ltesten Moscheen der Welt. Sie wurde am Anfang des 8. Jahrhunderts erbaut, fast hundert Jahre nach dem Tode Mohammeds.<\/p>\n<p>Das war aber kein Neubau, sondern ein Umbau. Mitten in der alten Stadt Damaskus stand vor der Ankunft der Araber eine sehr gro\u00dfe Kirche, die Johannes dem T\u00e4ufer geweiht war. Und einige Jahre, nachdem das Zentrum des Islam von Mekka und Medina in Arabien nach Damaskus in Syrien verlegt worden war, wurde diese Kirche zu einer Moschee umgebaut.<\/p>\n<p>Aber eines der alten Tore blieb erhalten als Teil der Mauer der Moschee, und noch heute kann man die griechische Inschrift \u00fcber dem Tor lesen. Die Inschrift lautet: &#8222;Dein Reich, o Christus, ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft w\u00e4hrt durch alle Geschlechter&#8220;.<\/p>\n<p>Es kam einmal ein Mann aus den heidnischen Gegenden am See Genezareth, und durch die Taten und Worte dieses Mannes konnte ein Taubstummer wieder h\u00f6ren und sprechen.<\/p>\n<p>Der Mann lebte und wirkte nur ganz kurz. Er wurde von seinem eigenen Volk und der Welt versto\u00dfen. Die Herrscher dieser Welt brachten ihn um. Aber er stand auf aus dem Grabe. Er lebte jenseits des Todes. Er wurde gesehen. Er wurde in den Himmel erhoben. Und er erhielt die Herrschaft \u00fcber den Himmel und die Erde. &#8222;Dein Reich, o Christus, ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft w\u00e4hrt durch alle Geschlechter&#8220;.<\/p>\n<p>Seine heilende und neuschaffende Macht, seine heilenden und neuschaffenden Taten und Worte wurden eingesetzt, wo er hinkam. Und so wird es weiter geschehen, solange die Welt besteht, bis alles vollendet und in die ewige Herrlichkeit Gottes eingegangen ist. Alles ist ihm unterstellt, damit Gott schlie\u00dflich alles in allen werden kann.<\/p>\n<p>Christus ist ewig gegenw\u00e4rtig. Er ist das ewige Wort Gottes. Er ist die ewige Wahrheit und die ewige Liebe. Er ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.<\/p>\n<p>Der fromme Moslem stellt sich in dem t\u00e4glich wiederholten Gebet vor das Angesicht Gottes. &#8222;Beuge dich in Anbetung und komme n\u00e4her zu Gott!&#8220; So hei\u00dft es in einem der \u00e4ltesten Abschnitte im Koran. &#8222;Richte deine ganze Aufmerksamkeit auf deinen Herrn!&#8220; So hei\u00dft es an einer anderen Stelle.<\/p>\n<p>Das ist sch\u00f6n und gut. Das ist einfach und gro\u00dfartig und ergreifend. Die Aufforderung ergeht an alle Menschen, und als Christen k\u00f6nnen wir nicht anders als ihr nachzukommen. Aber als Christen k\u00f6nnen wir der Aufforderung des Propheten nur in einer ganz bestimmten Weise folgen.<\/p>\n<p>Im zweiten Korintherbrief (nach der d\u00e4nischen Ordnung Lesung dieses Sonntags) spricht Paulus von der Herrlichkeit des alten Bundes (2. Kor. 3,4-9). Das Gesetz konnte letztlich nichts anderes bewirken als Gericht und Verdammnis und ewigen Tod. Der Mensch konnte durch das Gesetz nicht mit Gott vereint werden. Das Gesetz mu\u00dfte uns letztlich von Gott trennen. Denn im Gesetz begegnen wir nur der Macht Gottes und der Unerbittlichkeit Gottes.<\/p>\n<p>Und doch war im Gesetz Herrlichkeit. Im Gesetz dr\u00fcckte sich ja die Sorge Gottes f\u00fcr das Leben aus. Und als Moses vom Berg Sinai herabstieg, strahlte sein Angesicht, weil der Herr mit ihm geredet hatte. So lesen wir im zweiten Buch Mose.<\/p>\n<p>Aber die Herrlichkeit entschwand. Und wir sollten eine andere Herrlichkeit sehen. Paulus sagt das etwas sp\u00e4ter im zweiten Korintherbrief: &#8222;Ja, die Herrlichkeit dort ist nimmerdar f\u00fcr Herrlichkeit zu achten gegen die \u00fcberschwengliche Herrlichkeit hier. Denn wenn das Herrlichkeit hatte, was da aufh\u00f6rt, wieviel mehr wird das Herrlichkeit haben, was da bleibt&#8220; (2. Kor. 3,10-11).<\/p>\n<p>So ist es mit allem, was von Gott kommt. Es wird immer gr\u00f6\u00dfer. Gott \u00fcberschreitet sich selbst. Gott gibt mehr und mehr. Das wird zu \u00fcberschwenglicher Herrlichkeit.<\/p>\n<p>Wir haben eine noch gr\u00f6\u00dfere Herrlichkeit gesehen als die Israeliten. Nicht eine Herrlichkeit in Macht und Pracht. Sondern eine Herrlichkeit dort, wo es eigentlich keine Herrlichkeit geben d\u00fcrfte. Eine Herrlichkeit in Armut und Niedrigkeit und Machtlosigkeit. Eine Herrlichkeit in dem Menschen, der nichts anderes wollte als heilen und Neues schaffen. Eine Herrlichkeit in dem Menschen, der sich selbst ganz gibt. Eine Herrlichkeit, die uns entgegenleuchtet aus einem finsteren und blutigen Kreuz. &#8222;Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit&#8220;.<\/p>\n<p>Wir beugen uns anbetend und kommen ihm n\u00e4her, der uns nahe gekommen ist und noch immer nahe kommt. Wir richten unsere ganze Aufmerksamkeit auf ihn. Wir beten zusammen mit ihm und in seinem Namen.<\/p>\n<p>Das Wort, das Jesus zu dem Taubstummen sagt: &#8222;Hephata! Tu dich auf!&#8220; wurde fr\u00fcher zum Taufkandidaten oder Taufkind als Einleitung zur Taufe gesprochen.<\/p>\n<p>Der Sinn ist ja deutlich. Der Mensch, der getauft werden sollte, sollte h\u00f6ren k\u00f6nnen, nicht nur h\u00f6ren im Allgemeinen, sondern etwas Bestimmtes h\u00f6ren, n\u00e4mlich das Wort Gottes. Das Ohr sollte ge\u00f6ffnet werden f\u00fcr das wichtigste aller Worte.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren Gottes Wort, und der Glaube kommt vom H\u00f6ren &#8211; sagt Paulus. Was hei\u00dft das eigentlich, h\u00f6ren, in diesem Sinne?<\/p>\n<p>Das hei\u00dft annehmen ohne Vorbehalt, ohne Bedenken, ohne Frage, ohne Abw\u00e4gung. Das ist f\u00fcr uns moderne Menschen fast undenkbar. Wir haben ja gelernt, Vorbehalte zu machen. Wir haben gelernt, kritische Fragen zu stellen. Wir haben gelernt, Stellung zu nehmen und alles von dem her zu bewerten, was wir h\u00f6ren, ehe wir uns eventuell darauf verlassen und danach handeln.<\/p>\n<p>Aber so kann man das Wort Gottes nicht h\u00f6ren!<\/p>\n<p>Alle wahre Verk\u00fcndigung beginnt mit diesem: &#8222;H\u00f6re!&#8220; &#8222;H\u00f6re Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein!&#8220; Und das ist ganz einfach und w\u00f6rtlich zu verstehen:<\/p>\n<p>H\u00f6re Jesu Wort! H\u00f6re von seinen Taten! H\u00f6re von den gro\u00dfen heiligen Ereignissen! La\u00df die Worte deine Sinne ber\u00fchren und durch deine Sinne gehen! La\u00df die Worte dein Herz bewegen! La\u00df die Worte deine Phantasie n\u00e4hren und erweitern! La\u00df die Worte dein Denken leiten! La\u00df eben diese Worte, die Worte des Evangeliums, das Grundmuster und der Grundrhythmus in deinem Sinnen und Denken, in deinem Tun und deinem Leben sein!<\/p>\n<p>Ohne diese Worte, dieses Muster, diesen Rhythmus wird alles dunkel und unklar und chaotisch. Mit diesem Grundmuster und mit diesem Grundrhythmus erh\u00e4lt alles die allertiefste und st\u00e4rkste Bedeutung. Du kannst frei leben und atmen, und gleich wie dein Lebensstil sich gestaltet, so wird dies ein Weg zu Gott sein.<\/p>\n<p>Das ist ja das Ziel: Da\u00df wir vor Gottes Angesicht stehen und Gott von Angesicht zu Angesicht sehen sollen. Wir sollen h\u00f6ren und h\u00f6ren, dann k\u00f6nnen wir schlie\u00dflich sehen und sehen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Pfarrer Jan Ulrik Dyrkj\u00f8b<br \/>\nKnud Hjorts\u00f8vej 26<br \/>\nDK-3500 V\u00e6rl\u00f8se<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 44 48 06 04<br \/>\n<a href=\"mailto:jukd@vaerloesesogn.dk\">e-mail: jukd@vaerloesesogn.dk<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. Sonntag nach Trinitatis | 7. September 2003 | Mk 7,31\u201337 | Jan Ulrik Dyrkj\u00f8b | La\u00dft uns an zwei Dinge denken, ein Ereignis, eine einfaches Ereignis, und eine Aussage, eine kurze und einfache Aussage! Das erste ist das Ereignis, von dem wir eben geh\u00f6rt haben. 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