{"id":2440,"date":"2020-04-07T08:32:24","date_gmt":"2020-04-07T06:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2440"},"modified":"2020-04-10T13:33:11","modified_gmt":"2020-04-10T11:33:11","slug":"so-werden-wir-in-christus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/so-werden-wir-in-christus\/","title":{"rendered":"\u2026so werden wir&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>\u2026 so werden wir in Christus alle lebendig gemacht werden | <span lang=\"DE\">Predigt zu 1. Korinther 15, 19-28 | verfasst von Gert-Axel Reu\u00df |<\/span><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frohe Ostern Ihnen allen!<\/p>\n<p>Bleiben Sie gesund und guten Mutes!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ostern ist ein Tag der Hoffnung im Vertrauen auf den, der gesagt hat: \u201eIch bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende!\u201c Jesus Christus. (Mt 28,20)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>in diesem Jahr ist vieles anders. Die Zeit scheint stillzustehen, aber das Leben geht weiter. Wie geht das Leben weiter \u2013 in der Schule und im Betrieb, in den Kinderg\u00e4rten und Pflegeheimen, mit der Arbeit und in den Familien?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen. <strong>Nun aber ist Christus auferstanden<\/strong> von den Toten.\u201c (1. Kor 15, 19.20a)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich sp\u00fcre ganz deutlich: Wir brauchen diese Botschaft in diesem Jahr mehr als sonst. Weil es ein \u201eWeiter so\u201c nicht gibt. Weil die Welt von morgen eine andere sein wird als die, die wir kennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist diese Krise trotz des Schocks \u00fcber all das Leid, das \u00fcber uns hereingebrochen ist, auch eine Chance. Weil sich viele Menschen im Angesicht der Not von ihrer besten Seite gezeigt haben: Die Hilfsbereitschaft ist gro\u00df, die R\u00fccksichtnahme auf die Schwachen auch. Ein \u201eWir-Gef\u00fchl\u201c ist neu gewachsen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist ganz klar: Das ist der Geist Jesu, der unter uns lebendig ist. \u201eDenn da durch <em>einen<\/em> Menschen (Adam) der Tod gekommen ist \u2026, so werden sie, die Menschen in Christus lebendig gemacht werden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist es doch, was wir gerade erleben. Dass ein gewinnorientiertes Unternehmen wie <em>adidas<\/em>, zun\u00e4chst ank\u00fcndigt, angesichts der enormen Umsatzeinbu\u00dfen die Mietzahlungen f\u00fcr seine Filialen nicht bezahlen zu wollen und nach einem <em>shitstorm <\/em>sich gen\u00f6tigt sieht, sich \u00f6ffentlich zu entschuldigen. Dass unser Land aus Sorge um die Staatsfinanzen sich zun\u00e4chst weigerte, Hilfsgelder f\u00fcr die schw\u00e4cheren EU-Nationen freizugeben (Euro-Bonds). Und heute \u2013 am Montag, dem 6. April 2020 (an dem ich meine Predigt zu Papier bringe) \u2013 schreiben die beiden wichtigsten deutschen Minister (Au\u00dfenminister Maas und Finanzminister Scholz) in den gro\u00dfen Tageszeitungen Spaniens, Frankreichs und Italiens: \u201eWir lassen Euch nicht im Stich!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir werden lebendig gemacht! Unser Eigensinn wird \u00fcberwunden. Und damit meine ich in diesem besonderen Fall eine latent vorhandene Grundhaltung, die sich damit zufrieden gibt, sein eigenes kleines Leben in Ordnung zu bringen bzw. in Ordnung zu halten. Nein! Sich mit diesem wenigen zufrieden zu geben, das ist nicht die Botschaft des Apostels. Nein! Das entspricht nicht dem Willen Christi, der erst dann zum Ziel kommt, wenn \u201eGott sei alles in allem\u201c (V. 28).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>in diesem Jahr ist Ostern ganz anders. Nichts ist, wie es immer war. Keine Gottesdienst in unseren Kirchen, keine Kerzen in der Osternacht, kein Abendmahl und auch kein Osterfr\u00fchst\u00fcck. Keine Osterfeuer auf dem Dorfplatz und anderswo auch nicht. Keine Verwandtenbesuche, keine Kurzurlaube. Die Familien sind herausgefordert, das Suchen der Ostereier f\u00fcr die Kinder neu zu erfinden. Im Haus. Im Garten, wenn vorhanden. Aber nicht auf einem gemeinsamen Spaziergang mit den Gro\u00dfeltern durch den Wald oder um den See.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Jahr ist Ostern ganz anders. Die alten Geschichten klingen neu. Und wir sind pl\u00f6tzlich mittendrin in diesen Geschichten. Verwirrt wie die Frauen am leeren Grab. Niedergeschlagen und mit Zukunftssorgen wie die J\u00fcnger auf dem Weg nach Emmaus. Vielleicht auch zornig \u00fcber die, die uns das alles vermeintlich (!) eingebrockt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eChristus ist auferstanden von den Toten!\u201c<\/p>\n<p>Nach und nach entdecken die Frauen und M\u00e4nner um Jesus, dass sein Geist quicklebendig ist in ihnen selbst. Entdecken sie, dass sie selbst vorangehen m\u00fcssen. Weiter, auf seinem Weg. Und dass er bei ihnen ist, wie er gesagt hat: \u201eIch bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus \u2013 so scheint es \u2013 ist in Sorge, dass Christinnen und Christen in Korinth von diesem Weg abkommen k\u00f6nnten. Eine nicht ganz unbegr\u00fcndete Sorge, wenn man daran denkt, dass wir zwar unser Wirtschaftssystem in die ganze Welt \u201eexportiert\u201c haben, die sozialen Errungenschaften aber ganz gerne f\u00fcr uns behalten m\u00f6chten. \u201eSich selbst genug sein\u201c hei\u00dft das Gift, das am Ende einen viel gr\u00f6\u00dferen Schaden anrichten kann als das Corona-Virus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Exportstopps f\u00fcr Schutzmasken und Beatmungsger\u00e4te. Ein \u201eWir-Gef\u00fchl\u201c, das gr\u00f6\u00dfer ist als die Grenzen unseres Landes, als die Grenzen Europas, als die Grenzen der westlichen Welt hat es schwer, wenn die Kapazit\u00e4ten und Ressourcen begrenzt sind.<\/p>\n<p>Das ist ja nicht unverst\u00e4ndlich. Aber haben nicht auch viele hier die \u201eAmerica first\u201c-Politik des US-Pr\u00e4sidenten beklagt. Und zwar mit Recht! Weil dieses Land eben auch andere Werte verk\u00f6rpert hat. Gerade wir in der westlichen Bundesrepublik haben davon stark profitiert nach dem Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Heilmittel dagegen verabreicht uns Paulus eine kosmologisch-eschatologische Vision, die in der Auferstehung Christi ihren Anfang genommen hat. Er nennt ihn den \u201eErstling\u201c, was bedeutet, dass danach noch andere folgen werden. Und zwar alle, \u201edie Christus angeh\u00f6ren\u201c (V. 23). Dieses \u201ealle, die Christus angeh\u00f6ren\u201c ist nicht das Ende. Das kommt \u2013 zumindest in der Argumentation des Paulus \u2013&nbsp; erst danach. \u201eDer letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.\u201c (V. 26)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was also passiert davor, vor diesem Ende?<\/p>\n<p>Zu denen, die Christus angeh\u00f6ren, z\u00e4hle ich Dietrich Bonhoeffer. In den letzten Wochen des Krieges wurde er verschleppt und am 9. April 1945 geh\u00e4ngt. (In diesen Tagen j\u00e4hrt sich seine Ermordung zum 75. Mal). Sind denn nicht auch Bonhoeffers Gedanken und Bekenntnisse unter uns lebendig? Haben sie nicht gerade nach seinem Tod, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre gro\u00dfe Wirkung entfaltet? Und ist das nicht Christi Geist, der lebendig ist in Versen wie \u201eVon guten M\u00e4chten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.\u201c?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christus ist auferstanden von den Toten! Als Erstling unter denen, die entschlafen sind. (V. 20)<\/p>\n<p>Da kommt noch was. \u201aUnd das\u2018 \u2013 so der Apostel Paulus an die Korinther \u2013 \u201ak\u00f6nnt Ihr Euch gar nicht gro\u00df genug vorstellen.\u2018 Und wir k\u00f6nnen es auch nicht. Uns vorstellen, wie das sein kann, dass \u201eGott sei alles in allem\u201c (V. 28).<\/p>\n<p>Aber dass wir uns das nicht recht vorstellen k\u00f6nnen, bedeutet ja nicht, dass wir diese Vision aufgeben. Nein! Sie ist der Anspruch auch f\u00fcr das, was davor geschehen soll und geschieht, vor diesem Ende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eJetzt z\u00e4hlt das <strong>WIR<\/strong>.\u201c hei\u00dft es profan in einer (Internet-)Brosch\u00fcre der Bundesregierung \u00fcber das Corona-Virus.<\/p>\n<p>Die Brosch\u00fcre enth\u00e4lt Ratschl\u00e4ge und informiert \u00fcber Hilfsprogramme. Alles sehr praktisch und weit entfernt von einer wie auch immer religi\u00f6s gef\u00e4rbten Botschaft.<\/p>\n<p>Trotzdem sage ich: Genauso m\u00fcssen wir vom Ende her (dass Gott sei alles in allem) denken und handeln. Und es geschieht! Wir werden aufgeweckt, lebendig!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frohe Ostern Ihnen allen!<\/p>\n<p>Bleiben Sie beh\u00fctet. Denn Sie sind es ja!<\/p>\n<p>Jesus Christus ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gert-Axel Reu\u00df<\/p>\n<p>Domprobst<\/p>\n<p>Domhof 35<\/p>\n<p>23909 Ratzeburg<\/p>\n<p>Mail: <a href=\"mailto:reuss@ratzeburgerdom.de\">reuss@ratzeburgerdom.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gert-Axel Reu\u00df, geb. 1958, Pastor der Nordkirche, seit 2001 Domprobst zu Ratzeburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 so werden wir in Christus alle lebendig gemacht werden | Predigt zu 1. Korinther 15, 19-28 | verfasst von Gert-Axel Reu\u00df | &nbsp; Frohe Ostern Ihnen allen! 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