{"id":24569,"date":"2025-05-23T10:30:11","date_gmt":"2025-05-23T08:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24569"},"modified":"2025-05-23T11:34:35","modified_gmt":"2025-05-23T09:34:35","slug":"markus-1416-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1416-20\/","title":{"rendered":"Markus 14,16-20"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Himmelfahrt | Markus 14,16-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | 29.05.25 | Von Anna Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Himmelverbindung darf nicht entfernt werden<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eErdung darf nicht entfernt werden\u201c. So steht es auf einem alten Emallieschild an der Kellerwand eines Pfarrhauses. Eine Erdung darf nicht entfernt werden, wenn man elektrische St\u00f6\u00dfe vermeiden will. Erdung ist in unserer hektischen Welt ein positives Wort. Wenn du es allzu eilig hast und mit fl\u00fcchtigen Themen besch\u00e4ftigt bist, kann es gut tun, einen Spaziergang im Wald zu machen oder direkt Erde unter den Fingern\u00e4geln zu bekommen, wenn du deinen K\u00fcchengarten pflegst. Der gro\u00dfe Flow von Dingen, Informationen und Themen, zu denen wir uns verhalten sollen in unserer Welt, entfremdet uns, so dass wir den Kontakt zur Welt und uns selbst verlieren. Ohne Erdung sind wir freischwebend.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen auch heute die Verbindung zur Erde bewahren, wenn wir das Markusevangelium lesen. Die Erz\u00e4hlung von der Himmelfahrt Christi ist schwebend, und sie steht im Gegensatz zum \u00fcbrigen Markusevangelium. Zu Ostern h\u00f6rten wir von den drei Frauen, Maria, die andere Maria und Salome, die wohlduftende Salben gekauft hatten und zum Grabe gingen. Zu ihrer gro\u00dfen \u00dcberraschung war das Grab leer, stattdessen begegnete ihnen ein Engel, der ihnen erz\u00e4hlte, dass sie sich nicht erschrecken sollten. Jesus war auferstanden, ja er war ihnen vorausgegangen nach Galil\u00e4a.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist aber <em>nicht<\/em> in Galil\u00e4a, wo wir Jesus im heutigen Evangelium antreffen. Drei Mal nach seiner Auferstehung zeigte sich Jesus. Das erste Mal war Ostermorgen selbst, wo sich Jeses Maria Magdalene zeigte, danach erz\u00e4hlte sie das alles den J\u00fcngern, aber die glaubten ihr nicht. Das zweite Mal zeigte er sich zwei J\u00fcngern, w\u00e4hrend sie auf dem Wege ins Land waren. Die Auferstehung Jesu geschah in Jud\u00e4a, um nach Galil\u00e4a zu kommen, muss man Samaria passieren, aber das ist kaum das \u201eLand\u201c, auf das das Evangelium hinweist. Lesen wir das Lukasevangelium, so begegnen die beiden J\u00fcnger Jesus nahe dem Dorf Emmaus, das 23 km von Jerusalem liegt. Die beiden J\u00fcnger erz\u00e4hlten auch den anderen von ihrer Begegnung mit Jesus, aber die andren wollten ihnen nicht glauben. Zum dritten Mal \u201eschlie\u00dflich\u201c, wie es im heutigen Evangelium hei\u00dft, begegnet Jesus dann allen elf J\u00fcngern zugleich. Zun\u00e4chst wirft er ihnen ihren Unglauben vor.\u00a0 Warum glaubten sie nicht den Frauen und den beiden J\u00fcngern? Dann wechselt das Anliegen seiner Rede. Er gibt ihnen eine Aufgabe, eine Mission. \u201eGeht hin in alle Welt und verk\u00fcndigt das Evangelium f\u00fcr die ganze Sch\u00f6pfung\u201c, d.h. f\u00fcr alle oder jeden Menschen. Wer das glaubt und getauft wird, wird erl\u00f6st werden, wer das aber nicht tut, wird gerichtet. Es ist leicht, die zu kennen, die daran glauben, denn bei ihnen geschehen Wunder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erl\u00f6sung ist Befreiung. Davon befreit sein, f\u00fcr sich selbst leben und \u00fcberleben zu sollen, befreit zu sein von allen finsteren Kr\u00e4ften. Wer nicht an Christus glaubt, ist sich selbst \u00fcberlassen, selbst den Weg seines Lebens zu sichern und zu finden. Das Gericht besteht also nicht darin, dass man in die H\u00f6lle kommt, wie es bei Dante beschrieben wird, wo man langsam im Feuer gebraten wird. Nein, das Gericht besteht darin, dass man au\u00dfen vor ist, dass man keinen Vater im Himmel kennt, an den man sich halten kann, wenn man von Schrecken heimgesucht wird, von Einsamkeit oder Versagen. Das Gericht bedeutet, dass man keinen Gott kennt, dem man danken kann, einen Gott, zu dem man mit seinen Hoffnungen und Gebeten kommen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer glaubt und erl\u00f6st wird, wird dagegen ein Leben in enger Zugeh\u00f6rigkeit zu Gott leben, in diesem und im kommenden Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man kann die Glaubenden erkennen, sagt Jesus, denn Wunder oder Mirakel geschehen bei ihnen. Er gibt einige Beispiele: Z.B. Austreibung von D\u00e4monen, so wie wird das auch sahen in Kapitel 6, wo Jesus den J\u00fcngern Macht \u00fcber die unreinen Geister verlieh, und Kapitel 9, wo die J\u00fcnger nicht einen anderen Mann daran hindern durften, unreine Geister auszutreiben, solange er das im Namen Jesu tut. Ein anderes Beispiel ist die Zungenrede, die auch an mehreren Stellen in der Apostelgeschichte und im ersten Korintherbrief. Das Beispiel vom Trinken todbringenden Gifts, ohne zu erkranken, ist mehr kryptisch, daf\u00fcr gibt es keine anderen biblischen Beispiele, aber dass ein frommer Mann Gift trinken kann, ohne Schaden zu nehmen, ist Teil einer Legende im Christentum. Das letzte Beispiel, die Heilung durch Handauflegung, ist in der Bibel weit verbreitet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Jesus seine Abschiedspredigt gehalten hatte \u2013 kommen wir zum Bericht \u00fcber das Ereignis der Himmelfahrt selbst. Sie wird nicht in gro\u00dfen Worten beschrieben, ganz n\u00fcchtern wird erz\u00e4hlt, dass Jesus in den Himmel aufgenommen wird und sich zur Rechten Gottes niederlie\u00df. K\u00fcnstler haben uns im Laufe der Zeit mit Bildern von der Himmelfahrt und Thronbesteigung bereichert, wir sehen es vor uns. Markus schlie\u00dft sein Evangelium damit, dass die J\u00fcnger taten, was ihnen aufgetragen war, sie gingen in alle Welt. Wo bleibt da die Verbindung zur Erde und zu Galil\u00e4a?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus begegnete nach dem Markusevangelium den J\u00fcngern also <em>nicht<\/em> in Galil\u00e4a, aber vielleicht ist der Schluss des Evangeliums, den wir hier heute in der Kirche lesen, nicht der originale? Unsere Bibel ist \u00fcbersetzt aus einer Sammlung vieler unterschiedlicher Handschriften. Eine der Handschriften, der \u201eCodex Biobiensis\u201c, hat einen anderen Schluss, mehrere andere Handschriften haben beide Abschl\u00fcsse. Vielleicht w\u00fcrde dann das Evangelium am Ostertag so schlie\u00dfen: Nachdem der Engel den Frauen verk\u00fcndet hatte, dass Jesus auferstanden war, gingen sie hinaus und fl\u00fcchteten vom Grabe, denn sie waren entsetzt und au\u00dfer sich. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie f\u00fcrchteten sich. Aber alles, was ihnen befohlen war, berichteten sie kurz den Leuten um Petrus. Aber danach sandte auch Jesus selbst von Ost bis West die heilige und unverg\u00e4ngliche Botschaft von der ewigen Erl\u00f6sung\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Schluss erscheint Jesus nicht nach seiner Auferstehung, und das ist eine wichtige Pointe. Nicht die J\u00fcnger werden ausgesandt, sondern das Evangelium wird durch sie ausgesandt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der l\u00e4ngere Schluss, der der Text f\u00fcr diesen Tag ist, deutet darauf hin, dass man einige Dinge zusammenbringen wollte. Die Szene mit Maria Magdalene, die Jesus am Ostermorgen begegnete, kennen wir auch aus dem Johannesevangelium. Die beiden J\u00fcnger, die Jesus in einer anderen Gestalt auf dem Wege begegneten, kennen wir aus dem Lukasevangelium, so wie wir den Bericht von der Himmelfahrt sowohl bei Lukas als auch in der Apostelgeschichte finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie bewahren wir die Erdgebundenheit in all dem? Was geschiert hier? Ja, wenn wir uns hier heute am Himmelfahrtstag versammeln, so feiern wir nicht, dass Jesus wie eine Neujahrsrakete gen Himmel fuhr, sondern wir feiern, was Himmelfahrt bedeutet. Wir feiern, dass Jesus in die Welt kam, ein Mensch wie wir wurde, am Kreuz f\u00fcr uns starb und dann gen Himmel fuhr, denn damit wurde Jesus selbst unsere himmlische Verbindung. Durch Jesus erhalten wir Eingang und Einblick i das Reich Gottes, Jesus \u00f6ffnet nicht nur die T\u00fcr f\u00fcr uns, nein, er ist selbst die himmlische Verbindung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eErdung darf nicht entfernt werden\u201c, steht auf dem Schild im Keller. Nein, das ist nicht so, dass wir freischweben wie ein Helium-Ballon, der sich von einem Mann im Tivoli losgerissen hat. Wir brauchen eine Schnur, die uns festh\u00e4lt. Es muss eine Erdung geben, die uns an unseren irdischen Ursprung bindet, dass wir Gesch\u00f6pfe sind. Aber es muss auch eine himmlische Verbindung geben, die uns sagt, dass wir nicht nur Staub sind. Wir sind freigekauft, teuer erkauft von Jesus, und als Gottes ewig geliebte Kinder haben wir einen Platz im Reich Gottes. Wir sind Staub und Geist, wir sind Leben und Blut. Die Freude, der Friede, das Licht, der Glaube, die Hoffnung, die Liebe sind mit Jesus ein teil unseres Lebens geworden. Der Himmel ist offen f\u00fcr uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Keller, dicht \u00fcber dem Fu\u00dfboden, h\u00e4ngt das Schild. Ich w\u00fcnsche mir ein entsprechendes Schild, das ganz oben unter dem Dach des Pfarrhauses h\u00e4ngen soll: \u201eHimmelverbindung, darf nicht entfernt werden!\u201c Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Anna Jensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5230 Odense<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: ansj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Himmelfahrt | Markus 14,16-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | 29.05.25 | Von Anna Jensen | Himmelverbindung darf nicht entfernt werden \u201eErdung darf nicht entfernt werden\u201c. So steht es auf einem alten Emallieschild an der Kellerwand eines Pfarrhauses. Eine Erdung darf nicht entfernt werden, wenn man elektrische St\u00f6\u00dfe vermeiden will. 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