{"id":24571,"date":"2025-05-25T19:41:27","date_gmt":"2025-05-25T17:41:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24571"},"modified":"2025-05-25T19:41:27","modified_gmt":"2025-05-25T17:41:27","slug":"1-koenige-822-24-26-28-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-822-24-26-28-3\/","title":{"rendered":"1 K\u00f6nige 8,22-24. 26-28"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Salomo schaut nach oben | Christi Himmelfahrt | 29. 05. 2025 |1 K\u00f6nige 8,22-24. 26-28 | Katharina Wiefel-Jenner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Jerusalem gibt es keinen Tempel mehr. M\u00e4chtige Kriegsherren sind gekommen und haben getan, was m\u00e4chtige Kriegsherren von Anbeginn der Welt an immer wieder tun. In Jerusalem gibt es keinen Tempel mehr. Einst ragten seine Tr\u00fcmmer in den Himmel. Zwischen den Steinen sammelte sich der Staub. Die Stadt lag w\u00fcst, es war nicht mehr erkennbar, wo die Stra\u00dfen verliefen; H\u00e4user standen wie hohle Z\u00e4hne im Nirgendwo, Kinder suchten vergeblich nach Essbarem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo wohnt Gott jetzt? Hat sich Gott in den Himmel zur\u00fcckgezogen? War das mit der Treue und Barmherzigkeit nicht ernst gemeint? Wozu waren die Opfer n\u00f6tig? Die Menschen sind einen sinnlosen Tod gestorben und die Klagen und das Weinen sind gar nicht bis an Gottes Ohr gedrungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jerusalem ist weit, weit weg. Und wom\u00f6glich ist es Gott genauso. Fern im Himmel, unerreichbar, nicht mehr zust\u00e4ndig. Wie soll man da noch beten? Wo soll man jetzt noch Trost und Hoffnung suchen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Predigttext: 1 K\u00f6nige 8<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>22 Und Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine H\u00e4nde aus gen Himmel 23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du h\u00e4ltst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erf\u00fcllt, wie es offenbar ist an diesem Tage.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. 27 Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel k\u00f6nnen dich nicht fassen \u2013 wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, auf dass du h\u00f6rst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was waren das f\u00fcr Zeiten, als der Tempel noch neu war. Das war eine Vergangenheit! Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein. Wie hatte Salomo damals gebetet, als er endlich den Tempel errichtet hatte, den sein Vater David schon gerne gebaut h\u00e4tte! Beten konnte der weise Salomo, der sich ein h\u00f6rendes Herz gew\u00fcnscht hat und dem Gott offenbar manches verzieh, was bei anderen geahndet wurde. Man denke nur an seinen Harem. Salomo, der mit dem h\u00f6renden Herz, der hatte die richtigen Worte zum Beten. Salomo wusste, wo Gott ist und wo nicht. Er wusste, dass sich Gott nicht in den Tempel einsperren l\u00e4sst und nur bei Bedarf die T\u00fcr \u00f6ffnet. Sollte Gott f\u00fcr sich einen Tempel brauchen, dann wird die ganze Welt zu seinem Heiligtum \u2013 ohne Ausnahme, ohne blinde Flecken oder Orte, die niemand zu betreten wagt. Salomo wei\u00df, dass Gott gr\u00f6\u00dfer ist und deswegen h\u00e4lt er Gott das ganze Elend der Welt hin \u2013 ohne Ausnahme, ohne blinde Flecken oder Orte, die niemand zu betreten wagt. Nichts verschwieg Salomo vor Gott. Er z\u00f6gerte nicht, Gott daran zu erinnern, wo die zugesagte Bundestreue und Barmherzigkeit gebraucht werden. Gott soll sich eilen. Mit seinem h\u00f6renden Herzen hatte Salomo alles im Blick und schonte weder sich noch Gott. Krieg, D\u00fcrre, Hunger, Pest, Belagerung, Exil und Gefangenschaft, Fl\u00fcchtlinge, die eigene bittere Verzweiflung und die Verf\u00fchrbarkeit durch die dunkle Seite der Macht \u2013 Salomo hielt Gott alles hin.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, Salomo konnte beten. Und wenn man genau auf seine Worte achtet, h\u00f6rt man, wie sich Salomo fragt, ob er den Tempel nicht vielmehr f\u00fcr sich selbst errichtet hatte. Salomo ahnte, dass <u>er<\/u> den Tempel n\u00f6tiger hat als Gott. Salomo brauchte ein Haus zum Beten, sein h\u00f6rendes Herz brauchte den Ort, an dem es auf den Atem Gottes h\u00f6rt. Mitten im L\u00e4rm der Welt kann das Herz nicht innehalten und lauschen. Erst in Gottes Haus konnte es aufatmen und h\u00f6ren, lauschen, atmen, singen, sich an Gott h\u00e4ngen, neu werden. Der Himmel \u00fcber der Erde und das ganze Universum k\u00f6nnen Gott nicht fassen, aber das h\u00f6rende Herz findet den Ort, an dem es sich nach Gott ausstrecken kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ach Salomo, weiser K\u00f6nig, der die Liebe besungen hat und in der Welt bewundert wurde. Sein Tempel, den er f\u00fcr Gott und sein h\u00f6rendes Herz gebaut hat, steht nicht mehr. Es gibt nicht einmal mehr den Tempel, der aus den Ruinen auferstand, von dem Hesekiel getr\u00e4umt hat, in dem Jesus diskutiert und auch einmal aufger\u00e4umt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen ohne diesen Tempel beten. Wir k\u00f6nnen ohne diesen Tempel beten. Israel hat unter Tr\u00e4nen gelernt, dass ein Abschied von seinem Tempel aus Holz und Stein kein Abschied von Gott ist. Die J\u00fcnger haben das gelernt, als sie mit dem Evangelium in alle Welt aufgebrochen sind. Sie haben wie einst Jakob auf der Flucht Schutzr\u00e4ume und Kraftorte gefunden und dort Jesus Christus gefeiert. Unsere M\u00fctter und V\u00e4ter haben die Tempel ihrer Kindheit zur\u00fcckgelassen und \u00a0an sicherer Stelle neue gebaut. Und unsere Generation fragt, was aus unseren Orten werden soll, an denen wir Gott begegnet sind, den Frieden Christi das erste Mal gesp\u00fcrt haben und wo wir die Lieder des Glaubens miteinander gesungen haben. Weil nicht einmal der Himmel Gott fassen kann, ist jeder Tempel nur ein Ort auf Zeit, an dem das h\u00f6rende Herz seinen Atem auf Gott ausrichten kann. Gott bleibt selbst in unseren Abschieden von gemauerten H\u00e4usern gegenw\u00e4rtig, denn Gott ist gr\u00f6\u00dfer als unser Herz ist und sch\u00f6ner als alle R\u00e4ume, die wir schaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ach, wenn das so einfach zu ergreifen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Salomo musste den Abschied vom Tempel nicht erleben und hat bereits geahnt, dass sich das Vertrauen auf Gottes Treue und Barmherzigkeit nicht an Zedernholz und Marmor binden darf. Es ist leichter Salomos Liebeslieder zu singen, als die Liebe zu den Orten loszulassen, an denen einmal Gottes Heiligkeit zu uns gesprochen hat. Auch die J\u00fcnger brauchten dabei Hilfe. Ihr Tempel war Jesus; hatte er doch von sich als Tempel gesprochen, der niedergerissen und in drei Tagen neu aufgebaut werden wird. Der Auferstandene war ihr Tempel und doch mussten sie ihn hergeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch f\u00fcr das h\u00f6rende Herz ist es schwer, Gottes Gr\u00f6\u00dfe, ohne einen festen und geschm\u00fcckten Ort zu loben, an dem es sich auf Gott ausrichten kann. Die J\u00fcnger haben es vermocht, weil der Auferstandene sie zum Abschied von ihrem Tempel gesegnet hat. Der Auferstandene war bei ihnen und w\u00fcrde es immer bleiben. Sie mussten ihn nicht festhalten. Sie brauchten sich nicht an ihn zu klammern. Als ihre Augen ihn nicht mehr fassen konnten, sp\u00fcrten sie ihn auf neue Weise.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie haben die heilige Geisteskraft erfahren. Nur mit der war es ihnen m\u00f6glich, wie einst Salomo f\u00fcr den Auferstandenen Kirchen zu errichten und doch zu wissen, dass kein Himmel ihn fassen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die J\u00fcnger damals in Betanien sind uns schon vor langer Zeit vorausgegangen. Jerusalem ist weit weg, und unter Tr\u00fcmmern suchen Kinder wieder vergeblich nach Essbarem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Menschen sterben einen sinnlosen Tod. Die Klagen und das Weinen hallen durch die Welt. Das h\u00f6rende Herz schaut nach oben, sucht den Himmel ab und wei\u00df, dass der Himmel und aller Himmel Gott nicht fassen k\u00f6nnen. Aber es glaubt, dass sich der Auferstandene nicht hinter den Wolken verbirgt. Das h\u00f6rende Herz erinnert sich daran, gerade dann, wenn Kinder in Tr\u00fcmmern nach Essbaren suchen und wenn die Lieder der verboten werden, an das Versprechen des Auferstandenen. Das h\u00f6rende Herz findet seinen Ort, an dem es zu Atem kommt, die Welt ohne Ausnahme und blinde Flecken dem Auferstandenen hinh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann h\u00e4lt es sich auch selbst dem Auferstandenen hin. Das h\u00f6rende Herz stellt sich dem Frieden des Auferstandenen zur Verf\u00fcgung und bricht auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Katharina Wiefel-Jenner<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Berlin<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:wiefel_jenner@hotmail.com\">wiefel_jenner@hotmail.com<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Katharina Wiefel-Jenner, geb.1958, Pfarrerin i.R., bildet als Dozentin f\u00fcr Liturgik und Homiletik Ehrenamtliche f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsdienst aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salomo schaut nach oben | Christi Himmelfahrt | 29. 05. 2025 |1 K\u00f6nige 8,22-24. 26-28 | Katharina Wiefel-Jenner | In Jerusalem gibt es keinen Tempel mehr. M\u00e4chtige Kriegsherren sind gekommen und haben getan, was m\u00e4chtige Kriegsherren von Anbeginn der Welt an immer wieder tun. In Jerusalem gibt es keinen Tempel mehr. 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