{"id":24576,"date":"2025-05-23T13:32:07","date_gmt":"2025-05-23T11:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24576"},"modified":"2025-05-27T13:33:23","modified_gmt":"2025-05-27T11:33:23","slug":"1-koen-822-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koen-822-28\/","title":{"rendered":"1.K\u00f6n 8,22-28"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Wo Wohnt Gott? | Christi Himmelfahrt |\u00a029.5.2025\u00a0|\u00a0Predigt 1.K\u00f6n 8,22-28| verfasst von\u00a0Udo Schmitt\u00a0|<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo wohnt Gott? &#8211; Hierzu eine kleine Erz\u00e4hlung, sie hei\u00dft: Eine Geschichte von Gott, und stammt von Herrmann van Veen. \u201eAls Gott nach langem Z\u00f6gern wieder mal nach Haus ging, war das Wetter sch\u00f6n, sagenhaftes Wetter. Und das Erste, was Gott tat, war die Fenster sperrangelweit zu \u00f6ffnen um sein H\u00e4uschen zu l\u00fcften. Und Gott dachte: &#8222;Vor dem Essen wird\u2018 ich mir noch kurz die Beine vertreten.&#8220; Und er lief den H\u00fcgel hinab zu einem Dorf von dem er genau wusste, dass es da lag. Und das Erste, was Gott auffiel war, dass da mitten im Dorf w\u00e4hrend seiner Abwesenheit etwas geschehen war, was er nicht erkannte. Mitten auf dem Platz stand eine Masse mit einer Kuppel und einem Pfeil, der pedantisch nach oben wies. Und Gott rannte mit Riesenschritten den H\u00fcgel hinab, st\u00fcrmte die monumentale Treppe hinauf &#8211; und befand sich in einem unheimlichen, nasskalten, halbdunklen, muffligen Raum. Und dieser Raum hing voll mit allerlei merkw\u00fcrdigen Bildern. Viele M\u00fctter mit Kind und Reifen \u00fcber dem Kopf &#8211; und ein fast sadistisches Standbild von einem Mann an einem Lattenger\u00fcst. Und der Raum wurde erleuchtet von einer Anzahl fettiger, gelblichwei\u00dfer triefender Substanzen aus denen Licht leckte. Er sah auch eine h\u00f6chst unwahrscheinliche Menge kleiner Kerle herumlaufen, mit dunkelbraunen und schwarzen Kleidern und dicken B\u00fcchern unter m\u00fcden Achseln, die selbst aus einiger Entfernung leicht modrig rochen. &#8222;Komm mal her, was ist das hier? Was ist das hier?&#8220; &#8222;Das ist eine Kirche, mein Freund. Das ist das Haus Gottes, mein Freund.&#8220; &#8222;Ahh, wenn das hier das Haus Gottes ist, Junge, warum bl\u00fchen dann hier keine Blumen, warum str\u00f6mt denn hier kein Wasser und warum scheint hier die Sonne nicht, B\u00fcrschchen?!?&#8220; &#8222;Das wei\u00df ich nicht.&#8220; &#8222;Kommen hier viele Leute her, Knabe?&#8220; &#8222;Na es geht in letzter Zeit ein bisschen zur\u00fcck, mein Freund.&#8220; &#8222;Und woher kommt das deiner Meinung nach, oder hast du keine?&#8220; &#8222;Es ist der Teufel. Der Teufel ist in die Menschen gefahren. Die Menschen denken heutzutage, dass sie selbst Gott sind, und sitzen lieber auf ihren Hintern in der Sonne.&#8220; &#8222;Aha!&#8220; Und Gott lief fr\u00f6hlich pfeifend aus der Kirche auf den Platz. Da sah er auf einer Bank einen kleinen Kerl in der Sonne sitzen. Und Gott schob sich neben das M\u00e4nnlein, schlug die Beine \u00fcbereinander und sagte: &#8222;Kollege&#8220;.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo wohnt Gott?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Himmel? Auf Erden? In einem Haus mit Dach? Oder gef\u00e4llt es ihm nicht unter freiem Himmel besser? Die Frage war schon damals ein wenig heikel, als Salomo der ber\u00fchmte K\u00f6nig den Tempel in Jerusalem fertig gebaut hatte, den sein Vater, der noch ber\u00fchmtere K\u00f6nig David nur planen, aber nicht fertig stellen konnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zuvor hatte Gott kein Haus aus Stein. Er zog mit dem Volk mit. Durch die W\u00fcste vierzig Jahre lang. In einem Zelt durch das man tags die Sonne und nachts die Sterne sehen konnte. Ein Zelt ist ein sehr leichtes und sehr praktisches Haus, da man es zusammenrollen und mitnehmen kann. Jahwe, der Gott Israels, war ein mitziehender Gott. Durfte man ihn einsperren in ein Geb\u00e4ude aus Steinen, von Menschenhand gemacht? Die Sache war ein wenig heikel. Und so betete Salomo am Tag der Einweihung des Tempels und er tat es laut und \u00f6ffentlich. Doch h\u00f6rt selbst, wie es im ersten Buch der K\u00f6nige in 8. Kapitel steht: TEXT 1. K\u00f6n 8,22-28 (L)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo wohnt Gott &#8211; Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Salomo wei\u00df, dass kein Ort gro\u00df genug ist und kein Geb\u00e4ude sch\u00f6n genug, um Gott gerecht zu werden: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel k\u00f6nnen dich nicht fassen \u2013 wie sollte es dann dieses Haus hier tun, das ich gebaut habe?<br \/>\nSeltsam: Salomo hat den Tempel f\u00fcr Gott gebaut, und stellt dann dessen Zweck gleich bei der Einweihung in Frage. Er bittet Gott quasi von Vorneherein mal um Entschuldigung. Verglichen mit dem \u00fcberstrahlenden Glanz Gottes ist alles, was ein Mensch bauen kann nur eine Bruchbude. Wir m\u00f6gen goldene Leuchter mit echten Bienenwachs-Kerzen darin aufstellen und bunte Blumen-Bilder an die Wand malen. Und dennoch: Alles zu billig. Viel zu billig. Nichts kommt ihm gleich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dennoch bauen wir H\u00e4user. Und brauchen sie auch. F\u00fcr uns. Gott braucht sie nicht. Aber wir brauchen sie. Damit unsere Kinder ein Zuhause und unsere D\u00f6rfer eine Mitte haben. Ein Dorf ohne Kirche ist wie tot. Es mag noch so sch\u00f6n sein. Aber es fehlt die Mitte. Ein Dorf ohne Kirche ist wie ein Mensch mit Demenz. Die Lichter sind an, aber es ist keiner zu Hause. Vergessen die Worte, vergessen die Sprache und alles, was wichtig ist, vergessen das Glauben und das Lieben und das Hoffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum lassen wir mal lieber die Kirche im Dorf. Allerdings \u2013 und da hat Salomo recht (man nennt ihn nicht umsonst weise) \u2013 nichts, was wir tun, kann an Gott heranreichen. Kein Gott im Himmel. Und kein Gott auf Erden. Ist wie du Gott. Du bist gr\u00f6\u00dfer als alle G\u00f6tter. Und gr\u00f6\u00dfer als alle Bilder, die wir uns machen. Alle Begriffe, die wir benutzen. Alle Weisheit, die wir besitzen. Alle H\u00e4user, die wir bauen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das hei\u00dft: Gott l\u00e4sst sich nicht einsperren noch festlegen. Ist wie der Wind, der weht, wo er will. Wo er sich finden lassen will. Der eine Mensch geht in eine Kirche und findet Gott. Die Gebete, die Ges\u00e4nge, die Gemeinschaft \u2013 herrlich. Der andere findet nichts oder findet es gr\u00e4sslich (so wie Herman van Veen).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der eine Mensch geht in die Natur, bewundert die Berge, B\u00e4ume, die Blumen und sagt: Siehe, sie alle sind Sch\u00f6pfung. Der andere findet nichts. Nichts dabei. Und gegen Blumen ist er sowieso allergisch.<br \/>\nDer eine geht auf den Kirchentag und jubelt: so viele Menschen, so viel Stimmung und findet Gott. Der andere findet nichts \u2013 meidet die Masse, alles viel zu viel.<br \/>\nDer eine Mensch geht in die W\u00fcste, seufzt: Endlich Ruhe. Endlich Stille \u2013 satt! Und findet darin Gott. Der andere findet nichts \u2013 und f\u00fcrchtet zu verdursten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo ist also Gott? Im Himmel, auf Erden? Innen, au\u00dfen? Drinnen, drau\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott l\u00e4sst sich nicht einsperren. Wo wir es wollen. Er l\u00e4sst sich finden, wo er es will. Himmelfahrt ist ein guter Tag, um daran zu erinnern. dass wir Gottes Volk sind. Und also noch immer unterwegs sind. Nicht fertig, nicht am Ziel. Was wir bauen und errichten, was wir denken und erdichten, ist ein Provisorium nur. Ein Unterstand, eine Baracke, eine Zuflucht auf Zeit. Nicht Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Himmelfahrt ist ein guter Tag, um daran zu erinnern, dass Gott um uns ist, wohin wir auch gehen. Ob wir uns in der Kirche versammeln oder heute hier in der Natur. Auf dem Bauernhof. Wenn wir zusammen sind und fr\u00f6hlich sind, fr\u00f6hlich wie ein Zimmer ohne Dach, wie es im Lied hei\u00dft: happy, like a room without a roof. Wenn wir also heiter und gelassen, fr\u00f6hlich und nach oben offen sind, dann wandeln wir von ganzem Herzen vor Gott. Wie es hier bei Salomo hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser Herz ist der Ort der Begegnung, das Zelt, das ihm gef\u00e4llt. Denn Gott ist kein Gerne-gro\u00df, sondern ein Gerne-klein. Er will mit uns, und mitten unter uns und in unserer Mitte sein. In unserem Herzen, wenn wir miteinander beten, singen, wenn wir heiter und gelassen und gottesfr\u00f6hlich sind. Dann ist Himmelfahrt. Und der Himmel ist mitten unter uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">HuE 2 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Da ber\u00fchren sich Himmel und Erde<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG.E 6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir feiern deine Himmelfahrt<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 611\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Himmel geht \u00fcber allen auf<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">NN\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Heaven is a wonderful place<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo Wohnt Gott? | Christi Himmelfahrt |\u00a029.5.2025\u00a0|\u00a0Predigt 1.K\u00f6n 8,22-28| verfasst von\u00a0Udo Schmitt\u00a0| Wo wohnt Gott? &#8211; Hierzu eine kleine Erz\u00e4hlung, sie hei\u00dft: Eine Geschichte von Gott, und stammt von Herrmann van Veen. \u201eAls Gott nach langem Z\u00f6gern wieder mal nach Haus ging, war das Wetter sch\u00f6n, sagenhaftes Wetter. 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