{"id":24584,"date":"2025-05-28T09:14:56","date_gmt":"2025-05-28T07:14:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24584"},"modified":"2025-05-28T09:14:56","modified_gmt":"2025-05-28T07:14:56","slug":"johannes-1526-164-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1526-164-5\/","title":{"rendered":"Johannes 15,26-16,4"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Zeugen sein | Exaudi | 1. Juni 2025 | Joh 15,26-16,4 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir n\u00e4hern uns Pfingsten \u2013 der Zeit des Heiligen Geistes \u2013 der Zeit nach Jesus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort, das Fleisch wurde zur Weihnacht, das gekreuzigt wurde und auferstand zu Ostern, soll nun wieder Wort und Geist werden durch das Pfingstereignis und so seinen Platz in der Welt einnehmen. Uns auf die Pelle r\u00fccken sozusagen, und uns bewegen hinaus in das Leben, das so einen zwingenden und notwendigen Bedarf hat, der Liebe Gottes zu begegnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das wird jedoch nicht allein vom Heiligen Geist bewirkt \u2013 denn die Zeit des Heiligen Geistes ist die Zeit der Kirche und damit unsere Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So hei\u00dft es in den Texten f\u00fcr heute \u2013 wir werden dazu aufgerufen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. \u201eMacht euch auf\u201c hei\u00dft es mit dem Propheten Haggai, denn wir haben \u201eZeugnispflicht\u201c, sagt der Evangelist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben die Pflicht, all das, was wir empfangen haben, all das, was wir bezeugen k\u00f6nnen, weiterzugeben \u2013 all das, was uns \u00fcberliefert ist \u2013 alle Erz\u00e4hlungen und alle Erfahrungen, den Zweifel, den Glauben, die N\u00e4chstenliebe, die Vergebung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">All das weiter an die n\u00e4chste Generation.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn so ist es mit der Zeugenpflicht \u2013 was wir bezeugt haben, was wichtig ist und \u00fcberliefert werden soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das ist gesetzlich geregelt, wenn wir einberufen werden, haben wir die Pflicht zu kommen. So ist es, wenn du ein Verbrechen erlebt hast. So ist es, wenn du als Lehrer Umst\u00e4nde erf\u00e4hrst, die nicht so sind, wie sie sein sollten \u2013 so auch f\u00fcr uns Pastoren, wir sind nun auch einer strengeren Auskunftspflicht unterworfen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ist es immer, wenn Menschen ein Wissen bekommen, das brauchen, und das wir \u00fcber ihr Leben und Treiben teilen. Wir haben die Pflicht, das Wissen weiterzugeben, das wir haben. Das ist eine Sicherheit in unserem Rechtssystem, im Guten wie im B\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und eben im Guten \u2013 das ist die Geborgenheit in unserem Leben, dass Zeugen bereitstehen, nicht nur im Wehrdienst \u2013 sondern auch Lebenszeugen, die uns folgen. Deshalb die Paten bei der Taufe, oder die Trauzeugen bei der Hochzeit. Denn der Taufschein und die Heiratsurkunde sind nur Papier \u2013 die Zeugen waren da und k\u00f6nnen bezeugen, was geschah.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb auch der Verlust, wenn die Alten in der Familie sterben \u2013 denn mit ihnen verschwinden die Lebenszeugen gerade unseres Lebens, die uns folgten, f\u00fcr uns da waren, die unserem Leben eine extra Erz\u00e4hldimension gaben, Erinnerungen bewahrten, die der Vergangenheit Sinn verliehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber so ist es auch mit dem Glauben, sagt Johannes \u2013 der Glaube muss bezeugt werden \u2013 das Leben und Tun Gottes muss bezeugt werden \u2013 die J\u00fcnger haben Zeugnispflicht \u2013 wir haben Zeugnispflicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das heutige Evangelium stammt wie die meisten Evangelien-Texte der letzten Sonntage aus den letzten Reden Jesu an seine J\u00fcnger \u2013 und zu ihnen sagt er, dass all das, was erz\u00e4hlt und geschehen ist, dass was Jesus mit uns teilte und was er tat, das sollen wir bezeugen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch wenn es auf Widerspruch stie\u00df.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die alttestamentlichen Propheten wurden deswegen verfolgt und get\u00f6tet \u2013 und es verwundert nicht, wenn sie mit Botschaften kamen wie die, die wir vom Propheten Haggai h\u00f6rten: \u201eEs ist nur noch eine kleine Weile, dass ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene ersch\u00fcttere. Dann will ich alle V\u00f6lker ersch\u00fcttern, dass aller V\u00f6lker Kostbarkeiten kommen\u201c (Haggai 2,6-7) \u2013 das k\u00f6nnte gut etwas wie eine Drohung klingen, wenn man nun das Volk war, das keine Lust hatte, seine Sch\u00e4tze an einen fremden Gott abzugeben, der behauptetet: \u201eMein ist das Silber, und mein ist das Gold\u201c (2,8).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und so wusste es der Evangelist Johannes \u2013 er schrieb ca. im Jahr 100 und stand mitten in der Zeit der Christenverfolgungen. Und wie es aus dem Text hervorgeht, erlebte er dabei, wie wegen des Glaubens Verfolgung geschah, Hinrichtungen und Exklusionen. Die Christen mussten sich verbergen, wenn sie Gottesdienst feierten, und heimliche Fischzeichen machen, um Gleichgesinnte zu finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und auch wenn sich die Gesellschaft ver\u00e4ndert hat, auch wenn neue Generationen vielleicht nicht so sehr am Glauben und Christentum interessiert sind \u2013 wir haben immer noch die Pflicht, es weiterzugeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr den N\u00e4chsten, und deshalb auch f\u00fcr uns und nicht zuletzt f\u00fcr Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und selbst unsere Regierungschefin Mette Frederiksen ist darin einig, wenn die in den Zeitungen geistige Aufr\u00fcstung verlangt und die Kirche darum bittet, dazu beizutragen. Und wenn unser Kirchenminister von einer Aufr\u00fcstung des Glaubens im Heer spricht, ist das derselbe Gedanke. Wir n\u00e4hern uns sicherlich einer Kreuzzugsrhetorik \u2013 lasst uns die Fahnen wehen lassen und die Lanzen erheben \u2013 ich glaube aber, dass er das so nicht gemeint hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielmehr klingt das tats\u00e4chlich so, als frage man danach, dass die Kirche und wir, die wir in die Kirche gehen, wieder Zeugnis ablegen sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und aus meiner Sicht nicht als Antwort auf die Herausforderungen unseres Landes und Europas \u2013 sondern als Wahrnehmung und Festhalten und Beitrag in einer Erneuerung eines Fragens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn ich denke nicht, dass Mette Frederiksen vom einem Fazit-Christentum redet wie dem, das Putin aus der Reliquienbox der russisch-orthodoxen Kirche entnommen hat, die in der religi\u00f6sen Orthodoxie gegen den Verfall des Westens ins Feld gef\u00fchrt wird \u2013 ich denke auch nicht, dass es das evangelikale Christentum ist, vom dem Trump getragen ist, wenn es gegen Abtreibung, Homosexualit\u00e4t und Darwinismus geht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich h\u00f6re die Aufforderung zu geistlicher Aufr\u00fcstung, wo das Christentum nicht ein feststehendes Fazit ist, sondern eine Stimme, die stets eingeht in einen Prozess von Geist und Wundern \u2013 ein Gespr\u00e4ch getragen von Demut und dem Wunsch, kl\u00fcger zu werden \u2013 Gespr\u00e4che in Gemeinschaften, wo wir geborgen sind, fragen d\u00fcrfen und Antworten geben d\u00fcrfen. Gespr\u00e4che, wo eine christliche Auffassung vom Menschen und ein christlicher Glaube volle G\u00fcltigkeit besitzen als sinnvolle Haltung in einer Welt, wo Ideologien und Meinungen ausgerufen werden als Wahrheiten des Daf\u00fcr oder Dagegen, Gespr\u00e4che als lebendig machende Angebote eines Standpunktes und eines Denkens in einer Zeit, wo Wankelmut und Minderwertigkeitsgef\u00fchl nicht nur die Jugend, sondern alle Menschen pr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wir sollen daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass diese Gespr\u00e4che stattfinden. Innerhalb von Gemeinschaften, quer durch Gemeinschaften \u2013 Gespr\u00e4che, die dort drau\u00dfen stattfinden, wo wir sind und leben \u2013 mit Aufmerksamkeit f\u00fcr das, was sich um uns bewegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ergriffen von jedem von uns zum Zeugnis von der Wahrheit, das in unsere Herzen gelegt ist und das wir nun tragen sollen mit Mund und Hand.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn diese Pflicht haben wir vers\u00e4umt \u2013 die Kirchen kreisten um sich selbst, wir verga\u00dfen, die Kinder mit zum Gottesdienst zu nehmen, im Namen der freien Wahl, verga\u00dfen, f\u00fcr die Werte des Christentums einzutreten an den Mittagstischen \u2013 dachten vielleicht, wenn wir sie lebten f\u00fcr sie und die anderen, dann w\u00fcrden sie das verstehen und dem folgen \u2013 aber das ist ja nicht geschehen, und es kann auch schwer sein, allgemeine humane Mitmenschlichkeit zu unterscheiden von dem christlichen Liebesgedanken \u2013 wir predigten Moral und Verantwortung \u2013 aber ohne Autorit\u00e4t \u2013 ohne Bezug auf Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann geht es leicht wie mit der Spinne, die in einen Busch fiel und sich das sch\u00f6nste und symmetrischste Gewebe baute \u2013 es wurde gr\u00f6\u00dfer und sch\u00f6ner als alle anderen Spinnengewebe in dem Busch. Aber als die Spinne selbstzufrieden umherwanderte und sich dar\u00fcber freute, was sie selbst gemacht hatte, kam sie auf die eigene Fluglinie, die sie zu dem Busch gebracht hatte \u2013 die ja absolut nicht in die Spindelwegeben-Symmetrie passte, sondern schief nach oben lief, und riss sie ab \u2013 und das Spinnengewebe fiel zusammen \u00fcber der hochm\u00fctigen Spinne (Ich liebe die alten frommen Erz\u00e4hlungen f\u00fcr Kinder) \u2013 denn die Symbolik ist deutlich \u2013 ohne eine Verbindung zu Gott, k\u00e4mpft die Moral allzu leicht f\u00fcr das eigene Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sollen Zeugen sein \u2013 hei\u00dft es, und dies auch wenn die Welt das nicht immer annimmt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn so ist es gewesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute ist der Text klar \u2013 legt Zeugnis ab, auch wenn es kostet und auch wenn wir blo\u00dfgestellt werden oder wir das Selbstverst\u00e4ndnis der guten Gesellschaft st\u00f6ren \u2013 denn es ist notwendig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eKomm in Gang\u201c, hei\u00dft es, \u201elege Zeugnis ab\u201c, hei\u00dft es, \u201etrage Verantwortung\u201c hei\u00dft es heute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott helfe uns!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeugen sein | Exaudi | 1. 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