{"id":24592,"date":"2025-05-28T09:25:21","date_gmt":"2025-05-28T07:25:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24592"},"modified":"2025-05-28T09:25:21","modified_gmt":"2025-05-28T07:25:21","slug":"epheser-314-21-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-314-21-3\/","title":{"rendered":"Epheser 3,14\u201321"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Werdet stark am inneren Menschen | Exaudi (6. So. nach Ostern) | 01.06.2025 | Eph 3,14\u201321 | Thomas Bautz |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Ekklesiologie gilt als das zentrale Thema des Epheserbriefes. Der Begriff oder Ausdruck \u1f10\u03ba\u03ba\u03bb\u03b7\u03c3\u03af\u03b1 (ekkl<em>\u0113<\/em>sia, Kirche; Gemeinde) findet sich dort mehrfach.<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Es ist von der <em>Kirche<\/em> (allgemein) die Rede. Eine Unterscheidung zwischen Kirche und Gemeinde ist nicht zwingend. Anders als die Paulusbriefe benutzt der Verfasser des Epheserbriefs \u1f10\u03ba\u03ba\u03bb\u03b7\u03c3\u03af\u03b1 nicht als Bezeichnung einzelner Ortsgemeinden.<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Eine in irgendeiner Weise institutionalisierte rechtlich, staatlich vertraglich abgesicherte Verfasstheit mit den Privilegien, deren Nutznie\u00dfer die Kirchen heute sind, ist der ekkl<em>\u0113<\/em>s\u00eda des Fr\u00fchchristentums ganz fremd. Wohl aber gibt es geordnete Verh\u00e4ltnisse und transparente Strukturen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Zuge des Fortschreitens historisch-kritischer Bibelauslegung gibt es zwei kontroverse Positionen zur Beurteilung der ekkl<em>\u0113<\/em>s\u00eda im Fr\u00fchchristentum: W\u00e4re die Einf\u00fchrung eines Kirchen<em>rechts<\/em> mit der Erhebung kirchlicher <em>\u00c4mter<\/em> ein Widerspruch zum Selbstverst\u00e4ndnis der ekkl<em>\u0113<\/em>s\u00eda, der Berufenen, der Erw\u00e4hlten, der Heiligen, \u201eeingef\u00fcgt\u201c in den \u201eLeib Christi\u201c?<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> \u201eFaktisch ist das Selbstverst\u00e4ndnis der Ekklesia ein entscheidend wichtiger Faktor gewesen. Am deutlichsten ist das daran erkennbar, da\u00df die Verbindung der Einzelgemeinden zur Gesamt-Ekklesia\u201c relativ eng ist,<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> aber keine hierarchischen Strukturen erkennbar sind.<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Das Fundament der Gemeinden, begr\u00fcndet auf Charismata, Ordnungen des Geistes, gespeist aus Vertrauen, Glauben und gegenseitiges Zuvorkommen (\u201eLiebe\u201c erscheint mir zu hochgegriffen) \u2013 all das steht nicht im Gegensatz oder Widerspruch zu Rechtsbestimmungen und Ordnungen, die recht fr\u00fch notwendig wurden.<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6chte man ekkles\u00eda \u201enur auf dem Hintergrund des allgemeinen Sprachgebrauchs\u201c verstehen, sind etwa die \u201eKonnotationen zur B\u00fcrgerversammlung evident\u201c. Daher schreibt Paulus an die ekkles\u00eda der Thessaloniker<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> in dem Sinne wie \u201eB\u00fcrgergemeinde der Polis Thessalonike\u201c; der Zusatz \u201ein Gott, dem Vater, und in Jesus Christus\u201c kl\u00e4rt, dass die Versammlung der Glaubenden gemeint ist.<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Der Brief an die Epheser ist direkt adressiert: \u201e(\u2026) an die <em>Heiligen<\/em> (in Ephesus), die an Christus Jesus glauben.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Ekkles\u00eda ist weniger an politischen oder gesellschaftlichen Kategorien zu messen als vielmehr an ihrem Selbstverst\u00e4ndnis, n\u00e4mlich gegr\u00fcndet zu sein auf dem Fundament des Jesus, genannt Christus, vermittelt durch Propheten und Apostel, allen voran Paulus. F\u00fcr einzelne Gemeinden ist es schwierig, den anspruchsvollen Ma\u00dfst\u00e4ben der Apostel nachzukommen, besonders in ethischen Fragen und bei den Kriterien f\u00fcr eine glaubw\u00fcrdige <em>Gemeinschaft<\/em>. Denn Glaubw\u00fcrdigkeit, gegenseitige Achtung und liebevolles Zuvorkommen reichen tiefer als die <em>Teilnahme<\/em> an Verk\u00fcndigung und Sakrament in der\u00a0 gottesdienstlichen <em>Versammlung<\/em>. Die an Gemeinden intern gestellten Anforderungen sowie die von andersdenkenden religi\u00f6sen Gruppen und dem Problem gesellschaftlicher Integration oder n\u00f6tiger Abgrenzung gegen\u00fcber Praktiken, denen man nicht konform sein konnte oder wollte \u2013 all das lie\u00df die \u00fcberlieferten Briefe verschiedener Apostel notwendig werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Briefe enthalten nicht nur praktische Anweisungen, Empfehlungen oder Ermahnungen; sie wollen auch ermutigen und tr\u00f6sten. Sie bedienen sich dabei aber, besonders Paulus und seine Sch\u00fcler, einer schwierigen Sprache der Christusmystik: \u201eChristus in mir\u201c, \u201eChristus in euch\u201c, \u201ein Ihm\u201c, Leib Christ und dogmatischem Sprachgebrauch: Herrlichkeit, Reichtum Christi, Geheimnis Christi, ewiger Vorsatz, Plan (Gottes), \u201eeure Verherrlichung\u201c, \u201eda\u00df mir gem\u00e4\u00df Offenbarung das Geheimnis kundgetan wurde\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Ausdr\u00fccke finden sich im Epheserbrief, in Variation freilich auch in paulinischen Briefen. Sehnt man sich nicht nach der anschaulichen, klaren Sprache verschiedener Textsorten der Evangelien? Das Dilemma besteht darin, dass die Briefe ein paar Jahrzehnte <em>vor<\/em> den Evangelien geschrieben wurden. Paulus z.B. hat sie nie gekannt! Und der Apostel hat darunter gelitten, dem Nazarener nie begegnet zu sein, weshalb er sich selbst als \u201eunzeitige Geburt\u201c bezeichnete. Der zun\u00e4chst m\u00fcndliche und erst anschlie\u00dfende \u00dcberlieferungsprozess der Evangelien erforderte eben l\u00e4ngere Zeit als die Abfassung einiger Briefe. Es mag f\u00fcr manchen Bibelleser verwirrend sein, dass die Reihenfolge in Bibelausgaben nicht chronologisch ist. Aber vermutlich kommt es der Beliebtheit der Evangelien entgegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun aber zur Lesung aus Eph 3,14\u201317: eine Steilvorlage, \u201eH\u00f6hepunkt einer theologischen Reflexion\u201c, verpackt in F\u00fcrbitte und Lobpreis. \u201eEine Steigerung ist unverkennbar. Das innere Erstarken (V 16) in Glauben und Liebe (V 17) soll zu einem umfassenden Verstehen der g\u00f6ttlichen Offenbarung (V 18), letztlich der Liebe Christi (V 19a) f\u00fchren, in einer Weise, da\u00df die Christen dadurch selbst zur Heilsvollendung (in der F\u00fclle Gottes) gelangen (V 19b).\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Hauptthema der F\u00fcrbitte besteht in dem Wunsch, die Gemeinde \u201em\u00f6ge durch den Geist Gottes am \u201ainneren Menschen\u2018 erstarken; dem entspr\u00e4che \u201edas Wohnen Christi \u201ain euren Herzen\u2018.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Oder: \u201e(\u2026) dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und St\u00e4rke zunehmt\u201c (V 16b). Wer oder was ist der \u201einnere Mensch\u201c?<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Was bedeutet es, am \u201ainneren Menschen\u2018 zu erstarken?<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Sprachlich und inhaltlich einfacher ist folgende Aussage des Paulus (2 Kor 4,16):<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDarum werden wir nicht m\u00fcde; wenn auch unser \u00e4u\u00dferer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag f\u00fcr Tag erneuert.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder auch (R\u00f6m 7,22): \u201eDenn in meinem Innern (nach dem inneren Menschen) freue ich mich am Gesetz Gottes.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Zunehmen an Kraft und St\u00e4rke geschieht durch den Geist, damit \u201eChristus in euren <em>Herzen<\/em> wohne\u201c (Eph 3,17a). Auch hier bleibt der Verfasser dem Denken des Paulus treu; der Geist ist nichts anderes als \u201edie von Christus ausgehende Lebensmacht\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jede Kultur entwickelt einen eigenen Sprachgebrauch,<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> doch manches findet sich bei fast allen Kulturen. Unsere verwendet vielfach die Metapher <em>Herz<\/em>, wie zahlreiche Redensarten belegen:<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jemandem ans Herz gewachsen sein; jemandem sein Herz schenken; sich etwas zu Herzen nehmen; etwas nicht \u00fcbers Herz bringen; sich ein Herz fassen; das Herz auf dem rechten Fleck haben; das Herz aussch\u00fctten; jemanden ins Herz schlie\u00dfen; ein Herz und eine Seele sein; das Herz verlieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch in der hebr\u00e4ischen Bibel verwendet man h\u00e4ufig die Metapher <em>Herz<\/em>. Dort ist <em>Herz<\/em> \u201enicht prim\u00e4r der Sitz der Gef\u00fchle, schon gar nicht der Liebe\u201c, sondern \u201evor allem der Sitz der Vernunft und des Verstandes\u201c, des Planens, \u00dcberlegens und der Entscheidungen. Im Lied der Lieder (Hohelied) kommt das Wort Herz \u201enur dreimal\u201c vor, \u201eanders als in den \u00e4gyptischen Liebesliedern, die in vielen Bildern beschreiben, wie das Herz rast (\u2026), wenn ein Mensch sich so richtig verliebt hat.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSich ein Herz fassen\u201c k\u00f6nnte also bedeuten \u201eZu Vernunft kommen\u201c, \u201eDen Verstand gebrauchen\u201c. Mose, der gro\u00dfe F\u00fchrer des Volkes Israel, erinnert r\u00fcckblickend an die Befreiung aus der Sklaverei in \u00c4gypten: \u201eDie gro\u00dfen Pr\u00fcfungen, die deine Augen gesehen haben, jene gro\u00dfen Zeichen und Wunder. Aber JHWH hat euch bis zum heutigen Tag noch kein Herz gegeben, das versteht (einen Verstand, der wirklich erkennt), keine Augen, die sehen, und keine Ohren, die h\u00f6ren\u201c (Dtn 29,3).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Salomo bittet \u201eGott\u201c um ein h\u00f6rendes Herz, d.h. einen wachen, aufmerksamen Verstand und Geist: \u201eVerleih daher deinem Knecht ein h\u00f6rendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom B\u00f6sen zu unterscheiden versteht\u201c (1 K\u00f6n 3,9). Und Salomo wird die erstaunliche Antwort zuteil: \u201eWeil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu h\u00f6ren, werde ich deine Bitte erf\u00fcllen. Sieh, ich gebe dir ein (so) weises und verst\u00e4ndiges Herz (\u2026)\u201c (1 K\u00f6n 3,11\u201312).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem Epheserbrief ist nun wichtig, dass \u201eChristus in eurem Herzen wohne\u201c, \u201edurch seinen Geist am inneren Menschen\u201c, \u201edurch den Glauben\u201c, \u201ein der Liebe verwurzelt und gegr\u00fcndet\u201c. Christus im Herzen, die Ausrichtung christlicher Existenz \u201eim Glauben\u201c kann zu einer totalen Identifikation f\u00fchren, wie sie Paulus im Brief an die Galater (Gal 2,19b.20a) anspricht: \u201e(\u2026) Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei aller Konzentration auf die an Christus orientierte Innerlichkeit des Glaubens darf nicht vergessen werden, dass es sich bei dem geh\u00f6rten Briefabschnitt des Epheserbriefes um eine F\u00fcrbitte, um ein Gebet handelt, auch wenn ihm sprachlich etwas Dogmatisches anhaftet. Mit dem anschlie\u00dfenden Lobpreis verst\u00e4rkt der Verfasser die Erinnerung an die Kraft des Gebets (Eph 3,20):<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDem aber, der \u00fcber alles hinaus zu tun vermag, \u00fcber die Ma\u00dfen mehr, als was wir erbitten oder ersinnen k\u00f6nnen, nach der Kraft, die in uns wirkt, (\u2026).\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott\u201c, dem \u201eVater Jesu Christi\u201c wird das Vertrauen geschenkt, dass er weit \u00fcber Menschen M\u00f6gliches handeln und vollbringen kann \u2013 \u201egem\u00e4\u00df der Kraft, die in uns wirkt\u201c. Ist das wiederum auf den inneren Menschen oder auf Christus im Menschen bezogen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gebet schlie\u00dft mit dem vollmundigen Lobpreis (Eph 3,21):<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEr (\u201eGott\u201c) werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, f\u00fcr ewige Zeiten. Amen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein hoher Anspruch gegen\u00fcber der Kirche (ekkles\u00eda), auch wenn es \u201enur\u201c Abschluss eines Gebets bzw. einer F\u00fcrbitte ist. Da aber eben nicht allein die Ortsgemeinde, sondern die \u201eKirche\u201c allgemein gemeint ist, muss man schon fragen, ob Kirche mit der Verherrlichung Gottes zusammengedacht werden kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit Christuslehre (Christologie), Lehre vom Heiligen Geist (Pneumatologie), Ekklesiologie, Dogmatik und selektiver Bibelauslegung (Exegese) l\u00e4sst sich ein musterg\u00fcltiges Bild von Kirche formen. Damit wollen wir keine einzelnen Theorien oder Forschungsrichtungen auf Bausch und Bogen verdammen. Zu einer gewissen Bescheidenheit kann das Studium der Kirchengeschichte f\u00fchren. Wir m\u00f6chten nur der immer wieder lauernden Gefahr der \u201estinkigen Selbstverliebtheit\u201c wehren, vor der zu warnen ein norddeutscher lutherischer Pfarrer nicht m\u00fcde wurde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Kirche braucht ein stetes kritisches Gegen\u00fcber, auch in Gestalt der einzelnen Ortsgemeinden. Die eben genannten theologischen Disziplinen sollten sich messen lassen an den Erkenntnissen der noch relativ jungen Praktischen Theologie,<a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> weil diese dauerhaft den Austausch sucht mit der Soziologie, Psychologie, den Kognitionswissenschaften und Literatur- wie auch Sprachwissenschaft. Es sei nicht unterstellt, dass die anderen Disziplinen nicht \u201e\u00fcber die Z\u00e4une schauen\u201c, aber sie k\u00f6nnen sich nicht so darauf konzentrieren, wie die Praktische Theologie es vermag. Henning Schr\u00f6er (1931\u20132002) war Prakt. Theologe in Bonn und meinte, dass die Prakt. Theol. die Erkenntnisse anderer (theologischer) Disziplinen kritisch aufnehmen, verarbeiten m\u00fcsse; er war auch ein Kenner der Literatur und Poesie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Widerspruch ist virulent: Einerseits \u201eekklesiologische Grundlegung\u201c der Praktischen Theologie, andererseits \u201edie Realit\u00e4t von <em>Kirche<\/em> (\u2026),\u201c oder besser: die <em>Realit\u00e4t<\/em> von Kirche. Das ehrgeizige und ehrlich gemeinte Programm einer \u201eEcclesia reformata semper reformanda\u201c wird de facto nur noch halbherzig vertreten, obwohl es die \u00dcberzeugung ausdr\u00fcckt, dass Kirche und Ortsgemeinden stets einer Selbstpr\u00fcfung und Reformfreudigkeit unterliegen sollten. Dabei geht es weniger oder gar nicht um \u00c4u\u00dferes wie Bauma\u00dfnahmen, Ver\u00e4nderungen der Liturgie, neue Gesangb\u00fccher usw. Vielmehr geht es um Elementares wie z.B. lebenspraktisch orientiertes Bibelstudium, nicht nur unter Anleitung der Profis, sondern unter intensiver Beteiligung der Laien, auch der Nichtgemeindeglieder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kirche muss immer wieder um ihre Glaubw\u00fcrdigkeit bem\u00fcht sein, in Einzelf\u00e4llen geradezu darum ringen. Das betrifft keineswegs nur ihr Wirken nach au\u00dfen, gegen\u00fcber Politik und Gesellschaft und Hochschulen; es geht ebenso um einen ehrlichen, fairen, glaubw\u00fcrdigen Umgang innerhalb der Ortsgemeinden. Es entspricht weder der Kirchenordnung, geschweige der Theologie der Evangelien noch den Empfehlungen ntl. Briefe zu Fragen der Gemeindeleitung und dem Gemeindeleben, wenn einzelne Menschen ausgegrenzt und gemobbt werden. Solches Verhalten grassiert immer h\u00e4ufiger seitens Presbyterien (Kirchenvorst\u00e4nden) gegen Geistliche (m\u00e4nnliche, weibliche Pfarrer).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir d\u00fcrfen nicht \u201eN\u00e4chstenliebe\u201c verk\u00fcnden oder Gemeinde als Hort der Freiheit und (wom\u00f6glich) Liebe propagieren und gleicherma\u00dfen die W\u00fcrde einzelner Menschen missachten, sie \u00fcbervorteilen oder ihnen \u201eauch nur\u201c gleichg\u00fcltig begegnen. Kirche hat durch ihre Vorgaben wie biblische Tradition, durch das noch bestehende Vertrauen ihr gegen\u00fcber, durch gottesdienstliche Formen einen gro\u00dfen Fundus, den etwa die Politik so nicht hat, und sie hat die Unterst\u00fctzung durch den Staat. Lasst uns die uns geschenkten Gaben nutzen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfarrer Thomas Bautz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(\u201eim Unruhestand\u201c)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bonn<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<a href=\"mailto:bautzprivat@gmx.de\">bautzprivat@gmx.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Cf. Hanna Roose: Epheserbrief (2015): (5.) Theologie (5.1) Ekklesiologie, wibilex, pdf-Datei, S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Roose: Epheserbrief (2015): (5.1) Ekklesiologie, S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Rudolf Bultmann. Theologie des NT (8., durchges., um Vorw. u. Nachtr. Erw. Aufl., hg.v. Otto Merk (1980): 3. Teil. Die Entwicklung zur Alten Kirche (I.) Entstehung und erste Entwicklung der kirchlichen Ordnung (\u00a7 51.) Eschatologische Gemeinde und kirchliche Ordnung (1.) Diskussion Sohm-Harnack, 447; (2.) Selbstverst\u00e4ndnis der Gemeinde, 447\u2013449: 448; bei Bultmann werden die entsprechenden Begriffe griechisch aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Roose: Epheserbrief (2015): (5.) Theologie (5.1) Ekklesiologie, 5.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Bultmann. Theologie des NT (1980): (\u00a7 51.) Eschatologische Gemeinde und kirchliche Ordnung, 447;\u00a0 (2.) Selbstverst\u00e4ndnis der Gemeinde, 448.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Bultmann. Theologie des NT (1980): (\u00a7 51.) Eschatologische Gemeinde und kirchliche Ordnung (3.) Geist und Recht, 448\u2013452.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Traugott Holtz: Der erste Brief an die Thessalonicher, EKK XIII (1986), 35.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ekkehard W. Stegemann\/ Wolfgang Stegemann: Urchristliche Sozialgeschichte. Die Anf\u00e4nge im Judentum und die Christusgemeinden in mediterranen Welt (1995): (III.) Sozialgeschichte der christusgl\u00e4ubigen Gemeinden in St\u00e4dten des r\u00f6mischen Reiches (1.) Begriff und grundlegende Merkmale christusgl\u00e4ubiger Gemeinden (1.1) Zum Begriff ekkles\u00eda, 228\u2013230: (a) Ekkles\u00eda als aktuelle Versammlung, 228\u2013229;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Rudolf Schnackenburg: Der Brief an die Epheser, EKK X (1982), 37. Die Ortsangabe \u201ein Ephesus\u201c ist textkritisch nicht sicher; sie fehlt in den \u00e4ltesten Handschriften (ebd.).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Schnackenburg: Der Brief an die Epheser, EKK X (1982), 146\u2013147.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Schnackenburg: Der Brief an die Epheser, EKK X (1982), 147.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> S. Theo K. Heckel: Der innere Mensch. Die paulinische Verarbeitung eines platonischen Motivs (1993).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> S. Schnackenburg: Der Brief an die Epheser, EKK X (1982), 150f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Schnackenburg: Der Brief an die Epheser, EKK X (1982), 151.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> S. Rainer Schwindt: Das Weltbild des Epheserbriefes. Eine religionsgeschichtlich-exegetische Studie (2002).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Cf. Silvia Schroer\/ Thomas Staubli: Die K\u00f6rpersymbolik der Bibel (1998): (1.) Ein Herz mit Verstand, 45\u201360: 45.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Schroer\/ Staubli: Die K\u00f6rpersymbolik der Bibel (1998): Herz und Herzlosigkeit: Verstand und Dummheit, 47ff.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/574B8D87-34F3-4BC2-AF7A-D821FB0061D6#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> TRE 18 (1989), Art. Kirche (IX.) Praktisch-theologisch (Henning Schr\u00f6er), 334\u2013344: (1.) Kirche als Grundbegriff Praktischer Theologie, 334\u2013336.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein wichtiger Beitrag zum Thema \u201cBeteiligung der Laien&#8220;:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die theologische Kompetenz des Laien im kirchenleitenden Handeln: <\/strong>(1.) Beweggr\u00fcnde, in: Henning Schr\u00f6er. In der Verantwortung gelebten Glaubens. Praktische Theologie zwischen Wissenschaft und Lebenskunst, hg.v. Gotthard Fermor et al., PTh 39 (2003), 187-203: 187ff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werdet stark am inneren Menschen | Exaudi (6. So. nach Ostern) | 01.06.2025 | Eph 3,14\u201321 | Thomas Bautz | Liebe Gemeinde! Die Ekklesiologie gilt als das zentrale Thema des Epheserbriefes. Der Begriff oder Ausdruck \u1f10\u03ba\u03ba\u03bb\u03b7\u03c3\u03af\u03b1 (ekkl\u0113sia, Kirche; Gemeinde) findet sich dort mehrfach.[1] Es ist von der Kirche (allgemein) die Rede. 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