{"id":24607,"date":"2025-06-03T18:09:05","date_gmt":"2025-06-03T16:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24607"},"modified":"2025-06-03T18:09:05","modified_gmt":"2025-06-03T16:09:05","slug":"johannes-1423-27-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1423-27-4\/","title":{"rendered":"Johannes 14,23-27"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Der Geist der Haltbarkeit | Pfingstsonntag | 8 Juni 2025 | Predigt zu Johannes 14,23-27 &lt; verfasst von Rudolf Rengstorf<strong> |<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(Judas, nicht der Ischarioth, fragte Jesus: Herr, was ist\u2019s, dass du dich uns willst offenbaren und nicht der Welt?)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jesus sprach zu seinen J\u00fcngern<strong>: <\/strong><strong>wird mein Wort halten; und mein Vater Wer mich liebt, der wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. <\/strong>Wer aber mich nicht liebt, der h\u00e4lt meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr h\u00f6rt, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber <strong>der Tr\u00f6ster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. <\/strong>\u00a0<strong>Den Frieden lasse ich euch,<\/strong> <strong>meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ganz unterschiedlich sind die beiden Lesungen, die wir im Gottesdienst am Pfingstsonntag h\u00f6ren. Bei der ersten aus der Apostelgeschichte geht ja regelrecht die Post ab. Wenn der Heilige Geist das kleine H\u00e4uflein der J\u00fcnger einem Sturme gleich so packt, dass sie mit Feuer und Flamme von Jesus erz\u00e4hlen und deshalb sofort verstanden werden, auch von denen, die aus L\u00e4ndern mit schier unaussprechlichen Namen kommen. Eine story voller action, die sich sofort einpr\u00e4gt, weil man sie f\u00f6rmlich vor Augen hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Davon hat die zweite Lesung aus dem Johannesevangelium nichts. Die Begriffe wie Liebe, Wort Jesu, Tr\u00f6ster und Friede bleiben blass. Sie malen keine Bilder, geschweige dass sie die H\u00f6rer in eine Geschichte hineinziehen. Und ausgerechnet \u00fcber diese zweite Lesung soll nun gepredigt werden. Und das &#8211; so mag man und frau bef\u00fcrchten &#8211; verhei\u00dft nichts Gutes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch. Denn was hilft es, wenn wir hier ganz gegen unsere norddeutsche Art in Begeisterung machten \u00fcber eine Kirche, die im Anfang vom Brausen des Geistes erf\u00fcllt und Feuer und Flamme war f\u00fcr den Glauben an Jesus und damit einen unglaublichen Erfolg hatte &#8211; nur um dann am Ende ern\u00fcchtert festzustellen. So ist das bei uns nicht. Macht nichts. Muss auch nicht. Weil das eine Sonntags- oder Kalenderblattgeschichte ist. Nicht dass es so was nicht g\u00e4be &#8211; solche Festtage des Glaubens. Auf dem Kirchentag in Hannover haben das Zehntausende wieder erlebt.\u00a0 Tage voller Schwung und geistlicher Hochstimmung; Tage, an denen es eine Freude ist, Christ zu sein und zu erleben, wie der Glaube spielend die Grenzen von Konfessionen und auch Parteien \u00fcberspringt und einen nicht nur innerlich in Fahrt bringt. Doch die Regel ist das nicht. War es auch damals in den Anf\u00e4ngen der Kirche nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das zeigt die Frage eines J\u00fcngers, die der zweiten Lesung unmittelbar vorausgeht: &#8222;Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?&#8220; Da k\u00f6nnen wir direkt ankn\u00fcpfen: Was bedeutet es, dass alle Welt sich &#8222;sch\u00f6ne Pfingsten&#8220; w\u00fcnscht, aber kaum jemand damit etwas zu verbinden wei\u00df? Was bedeutet es, dass wir mit unserem Glauben nicht unser Umfeld auf unserer Seite haben, sondern eher von Gleichg\u00fcltigkeit umgeben sind oder sogar &#8211; wie weithin in den Medien &#8211; von arroganter Blasiertheit, die die christlichen Hinterweltler mitleidig bel\u00e4chelt? Solange die Christen am Gekreuzigten festhielten, war das nicht anders und wird es nie anders sein. Es wird nie und nimmer zum Volkssport, nie und nimmer zum massenattraktiven event werden, einen Gott zu verehren, der sich auf die Seite der Opfer und der Verlierer stellt. Und da m\u00fcssen wir gar nicht auf die da drau\u00dfen sehen. Da brauchen wir nur ins eigene Herz zu schauen. Das h\u00e4tte doch auch lieber einen Gott, der uns vor Unangenehmem bewahrt und sich nach unseren W\u00fcnschen und Sehns\u00fcchten richtet. Das steckt in uns drin von Natur aus und ist ja auch sympathisch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch Gottes Sympathie geht weiter bis zu denen, die ganz unten sind und bis hin in die Dunkelheiten und Abgr\u00fcnde unseres Herzens. Wie diese tiefgr\u00fcndige Liebe nach uns greift, davon handelt das Pfingstevangelium. Sehen Der Tr\u00f6ster, der heilige Geist, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.&#8220; wir noch einmal hin::<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>&#8222;Wer mich liebt\u201c, sagt Jesus, \u201eder wird mein Wort halten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus lieben \u2013 irgendwie ist mir das zu intim, zu unmittelbar. Ihm geh\u00f6rt\u00a0 meine Sympathie und mein Respekt, ja. Aber zur Liebe geh\u00f6rt\u00a0 der direkte Austausch, und der fehlt bei Jesus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist mir auch unwohl, wenn fromme Menschen von ihrer Liebe zu Jesus<strong> schw\u00e4rmen <\/strong>und das auch von mir erwarten. \u00a0Aber es geht hier auch gar nicht um Gef\u00fchle sehr privater Art- In der Beziehung zu Jesus geht es um Handfestes, es geht ums Halten, Festhalten seiner Worte, seiner Geschichten, in denen er uns in unverwechselbarer Weise begegnet und in die Pflicht nimmt. Uns dran zu halten, dass wir als Gotteskinder nicht nur ein Ego haben, sondern N\u00e4chste sind und so auch leben. Dass wir bereit sind, uns Jesu Worten und Zumutungen immer von neuem auszusetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">, Darum geht es.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und weiter: &#8222;<em>Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr eine Perspektive, die uns zu Pfingsten er\u00f6ffnet wird! Wir werden zu Gott kommen, statt im Tode zu enden. Und mehr noch, viel mehr Wenn wir kommen, werden wir nicht kritisch be\u00e4ugt, ob wir da auch wirklich hinpassen, ob wir das verdient haben, von ihm angesehen und empfangen zu werden. Nein, alle T\u00fcren stehen offen, so weit offen, dass<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wir ihn nicht nur besuchen, sondern mit Sack uind Pack dort einziehen d\u00fcrfen. Gottes Welt ist nicht zu heilig f\u00fcr das, was wir unter einem lebenswerten Leben verstehen. Er braucht nicht nur Halleluja-S\u00e4nger um sich herum. Er will Hausgenossen, die mitbringen, was sie hier im<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">irdischen Leben sch\u00e4tzen und lieben gelernt haben. Nichts davon brauchen wir hinter uns lassen, nichts davon m\u00fcssen wir uns m\u00f6glichst schon im Vorhinein abtrainieren. Alles kommt mit und ist willkommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wer soll das glauben, dass der unfassbare Gott uns, Ihnen und mir, so nahe kommt aus Interesse, ja aus Liebe zu dem bisschen Leben, das wir darstellen und mitbringen? Weil solche Fragen und Zweifel nicht abzusch\u00fctteln sind, haben wir seit Pfingsten einen Helfer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Tr\u00f6ster, der heilige Geist, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Wort Tr\u00f6ster l\u00e4sst sich ebenso mit dem Wort &#8222;Beistand&#8220; wiedergeben. Und beides ist gemeint. Beides brauchen und bekommen wir mit dem heiligen Geist. \u00a0Trost, wenn wir am Boden liegen, wenn der Glaube erstickt wird von allem, was gegen ihn spricht: Was f\u00fcr ein Segen, Worte. Bilder, Musik zu haben, die zu Herzen gehen, uns zu Tr\u00e4nen r\u00fchren und \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0uns zu verstehen geben: Da ist in allem Unheil noch eine ganz andere, eine heile Welt, und du geh\u00f6rst dazu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und genauso brauchen wir den Beistand, der daf\u00fcr sorgt, dass wir uns nicht verlieren in dem, was das Leben leicht und bequem macht. Denn Jesus ist beileibe ja nicht nur der Tr\u00f6stende, sondern auch der uns in die Quere Kommende, auf unbequeme Wege Rufende, gegen den Strom Schwimmende. Gott sei Dank haben seine Worte immer von neuem eine so aufr\u00fcttelnde Kraft, dass sie uns ins Gewissen gehen und uns ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>&#8222;Den Frieden lasse ich euch. Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Welt, wie Jesus und Johannes sie kannten, gab es den Frieden der Pax Romana &#8211; die Weltherrschaft der R\u00f6mer. Da wurde alles Aufbegehren alles Freiheitsstreben mit eiserner Faust unterdr\u00fcckt. Christen haben dagegen aufgemuckt. Und sie werden aufmucken, wo immer irdische Machthaber f\u00fcr ihre Politik g\u00f6ttliche oder totale Geltung beanspruchen. Der Friede Christi verkl\u00e4rt keine menschliche Herrschaft und lebt nicht auf Kosten von Unterworfenen. Er stellt sich Konflikten und arbeitet an ihnen. Das Heil aber erwartet er allein von Gott. Dieser Friede richtet verunsicherte Herzen auf und belebt die Furchtsamen. Deshalb: Frohe Pfingsten!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Geist der Haltbarkeit | Pfingstsonntag | 8 Juni 2025 | Predigt zu Johannes 14,23-27 &lt; verfasst von Rudolf Rengstorf | (Judas, nicht der Ischarioth, fragte Jesus: Herr, was ist\u2019s, dass du dich uns willst offenbaren und nicht der Welt?) 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