{"id":24613,"date":"2025-06-03T11:04:47","date_gmt":"2025-06-03T09:04:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24613"},"modified":"2025-06-05T11:06:00","modified_gmt":"2025-06-05T09:06:00","slug":"johannes-1422-31-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1422-31-4\/","title":{"rendered":"Johannes 14,22-31"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Pfingstsonntag | Johannes 14,22-31 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Peter Skov Jakobsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Turm von Babel trennt \u2013 der Geist vereint<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201dEuer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht\u201c, sagte Jesus zu ihnen infolge des Johannesevangeliums, nachdem er gesagt hatte, dass ihre Aufgabe darin bestand, das Ger\u00fccht von ihm in die Zukunft zu \u00fcberliefern. Das war nicht, weil er sich nicht der Welt zu erkennen geben wollte! Keineswegs! Aber er kommt nicht unvermittelt. Das Heilige, das Ewige kommt stets vermittelt durch Worte, durch Musik, durch Kunst. Durch Menschen, durch Natur und Handlungen, durch die Stille, durch Arbeit, durch den Blick, im Schrei, in der Tiefe und in den H\u00f6hen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er ging fort \u2013 er starb \u2013 er stand auf von den Toten \u2013 er verlie\u00df uns- aber nur um gegenw\u00e4rtig zu sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kein Wunder, dass Menschen das eigenartig finden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Pfingstwunder. Das Kommen des Heiligen Geistes wird nur beschrieben vom Evangelisten Lukas in der Apostelgeschichte. Das ist fast eine Karikatur. Spass kommt jedenfalls auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sehen die J\u00fcnger mit den Augen unserer Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ging wohl ein Ger\u00fccht. Sie h\u00e4tten sich Mut angetrunken, sagte man von ihnen. Andere dachten nur, dass sie nun wieder auf der Bank sa\u00dfen und ihre betrunkenen Gedanken nachdachten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wirklich, arme Leute waren sie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber Lukas behauptet etwas ganz anderes. Er ist der letzte der Evangelisten, der die Feder aufs Papier setzt und seine Geschichte \u00fcber Jesus von Nazareth erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erst erz\u00e4hlt er vom Leben Jesu, und in der Apostelgeschichte finden wir die Kirchengeschichte der allerersten Zeit, die mit dem Pfingstwunder beginnt, die mit der Befreiung der Welt beginnt, mit dem Geist beginnt, der Sinn macht und Beziehungen herstellt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist eine andere Erz\u00e4hlung, die mitklingen muss, wenn wir vom Kommen des Geistes reden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erinnert ihr euch an damals in Babel. Die Menschen konnten nicht genug f\u00fcr sich selbst kriegen. Sie wollten sein wie Gott. Ihre Gier nach Macht und ihre Sehnsucht nach Reichtum trieb sie hinaus in eine ganz gro\u00dfe Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Da war freilich nichts anderes geschehen als das, was so oft geschieht, n\u00e4mlich wenn wir Menschen unser Spiegelbild erblicken \u2013 dann treten wir einen Schritt zur\u00fcck in Ehrfurcht und Beklemmtheit \u00fcber das, was wir sind \u2013 und werden leider oft eine Plage f\u00fcr unsere<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitmenschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damals wie heute wollen wir T\u00fcrme bauen, die bis in den Himmel reichen und uns Unfehlbarkeit geben und unverwundbar machen. Wir bauen Babel-T\u00fcrme, reden nicht nur davon, alle die anderen zu beherrschen, sondern das ganze Universum, auf dem Mars uns weiter jenseits. Alles soll uns untergeben sein, und es ist als s\u00e4hen wir gar nicht, dass die Erde und das Universum schon st\u00f6hnt unter der Art und Weise, wie wir sind. Vieles deutet darauf hin, dass wir zu weit gehen, und doch k\u00f6nnen wir es nicht sein lassen, wild zu pl\u00fcndern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erz\u00e4hlung vom Turm zu Babel ist die Erz\u00e4hlung Gottes dar\u00fcber, wie man versucht, die Begierde zu bek\u00e4mpfen, die aus dem Ruder l\u00e4uft mit Gier, Neid, L\u00fcge und Egoismus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott verhinderte das, indem er verschiedene Sprachen schuf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun waren es die Kulturen, die Sprachen, die Grenzen und die sozialen Gewohnheiten, die den Wahnsinn daran hinderten, Chaos anzurichten. Die Menschen mussten sich zur\u00fcckziehen hinter die Grenze und sich selbst Grenzen setzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zugleich entsteht dann der Gedanke von dem auserw\u00e4hlten Volk, das von der Barmherzigkeit Gottes in der Welt \u2013 von dem gesegneten Volk, dessen Aufgabe es ist, eine Erw\u00e4hlung zu tragen und die Wahrheit in der Welt zu behaupten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Solange die sprachliche Trennung und die Grenzen der Begierde nach totalit\u00e4rer Macht und Gleichschaltung im Wege standen, war es nicht so schlimm, als dass es f\u00fcr etwas gut sein konnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber etwas Neues geschieht zu Pfingsten! Lukas erz\u00e4hlt von der neuen Wirklichkeit, vom Geist, der Gemeinschaften und Verst\u00e4ndnis schafft. Er sprengt die Grenzen der Sprache.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie erz\u00e4hlen vom Auferstandenen. Sie erz\u00e4hlen von seinem Leben und Taten, von seiner Liebe zu den Menschen. Er erz\u00e4hlt davon, dass die Zersplitterung \u00fcberwunden werden kann und dass die Sprachen und die Grenzen und Kulturen keine Hindernisse zu sein brauchen. Vielmehr k\u00f6nnen jede einzelne Sprache und jede Kultur zum Verst\u00e4ndnis und einem Einblick in die Wirklichkeit beitragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Es lohnt, sich daran zu erinnern in einer Welt, wo Geopolitik eine wesentliche Rolle spielt, in einer Welt, wo die Eroberung eines anderen Landes und die Unterdr\u00fcckung ihrer Bev\u00f6lkerung als die einzige Befreiung aus einem Konflikt gesehen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir erleben, wie die sch\u00e4umende Wut den Untergang des Gegners rechtfertigt, und wir erleben eine Verzweiflung \u00fcber die Ohnmacht und die Rachsucht, die sich vor unseren Augen darbieten,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sin religi\u00f6s dazu erzogen, dass Gnade alles bedeutet \u2013 das ist Vergebung und Hingabe zu einem anderen Menschen. Aber wir sehen eine gnadenlose Ausgabe der Gnade, wenn Menschen verlangen, dass die andren von unserer Gnade leben sollen. Wenn die Gnade mir geh\u00f6rt, die Gnade meiner Sprache, meiner Kultur ist, dann vergreifen wir uns an der Vergebung und machen Gott von unserer eigenen Kultur und unserer eigenen Sprache abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir feiern, dass der Geist uns miteinander verbindet \u2013 auch wenn da eine Sprache zwischen uns ist. Wir feiern auch das 1700-Jubil\u00e4um des Niz\u00e4nischen Glaubensbekenntnisses, das 325 formuliert wurde, und deshalb haben wir das nik\u00e4nokonstantinopolitanische Bekenntnis aus dem Jahre 381 gesungen, das das urspr\u00fcngliche Bekenntnis erweitert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sangen vom Heiligen Geist, dass er Herr ist und lebend macht, der ausgeht vom Vater und dem Sohn. Es gab Streit \u00fcber die Dreieinigkeit \u2013 vor allem \u00fcber die Bedeutung des Heiligen Geistes, Sie wurden bei dieser Gelegenheit beigelegt. Soweit es also nun m\u00f6glich war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir Theologen sind streitbare Leute und mit dem Bau unseres eigenen Turms von Babel besch\u00e4ftigt, und wir g\u00f6nnen nicht immer unseren Widersachern auch nur einen kleinen Teil der Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man von dem Bekenntnis liest, entdeckt man, dass der Kaiser die Streitereien satthatte, und dann hei\u00dft es, dass man die Bisch\u00f6fe mit etwas heftigen Methoden dazu brachte, einig zu werden. Das mit der Heftigkeit war nicht nur eine Redensart. Als die Bisch\u00f6fe zum Konzil nach Konstantinopel kamen, waren einige von ihnen geschlagen, verletzt und gefoltert \u2013 und sie wussten, was ihnen bl\u00fchte, wenn sie nicht zustimmten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Kirchengeschichte hat ihre finsteren Seiten und ist nichts f\u00fcr zarte Seelen. In diesem Zusammenhang sollte man auch daran denken, anstatt die Glaubenspolizei aufeinander loszulassen, vielleicht auf die vielen Weisen der Sprachen, Gedanken und Kulturen zu h\u00f6ren, in denen das Edwige zu Worte kommt. Anstatt aggressiv rechthaberisch zu sein, sollte man dem Geist eine M\u00f6glichkeit geben. Anstatt das Glaubensbekenntnis und die \u00fcbrigen Bekenntnisse als ein schlaues Buch zu sehen, aus dem man Einsichten heraushackt, sollte man sich damit begn\u00fcgen, die Glaubensbekenntnisse als Fenster zur Ewigkeit zu sehen und sich von all dem \u00fcberw\u00e4ltigen lassen, was man sieht, anstatt gegen andere zu polemisieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Danach k\u00f6nnte man ganz einfach auf die Einsicht des d\u00e4nischen Theologen Knud Hansen verweisen: \u201eDie Wahrheit des Evangeliums ist Jesus Christus, eine Behauptung, dass die eigentliche Wirklichkeit des Daseins weder L\u00fcge ist noch Machtbegier, sondern absolute und unbedingte Barmherzigkeit. Ob diese Behauptung wahr ist, lasst ich weder beweisen noch widerlegen, aber wenn sie wahr ist, ist sie ein Evangelium\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich w\u00fcnsche mir, dass der Geist uns Mut gibt, dies zu behaupten und das Morden in der Welt zu beenden \u2013 den wahnsinnigen Hass zu beenden und das Leben der Barmherzigkeit und der Vergebung zu schaffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6ge der Geist uns verwandeln und in die Richtig des Friedens f\u00fchren! Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Peter Skov-Jakobsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00f8rregade 11, DK-1165 K\u00f8benhavn K<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: pesj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag | Johannes 14,22-31 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Peter Skov Jakobsen | Der Turm von Babel trennt \u2013 der Geist vereint \u201dEuer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht\u201c, sagte Jesus zu ihnen infolge des Johannesevangeliums, nachdem er gesagt hatte, dass ihre Aufgabe darin bestand, das Ger\u00fccht von ihm in die Zukunft zu \u00fcberliefern. 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