{"id":24617,"date":"2025-06-05T19:37:13","date_gmt":"2025-06-05T17:37:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24617"},"modified":"2025-06-05T19:37:13","modified_gmt":"2025-06-05T17:37:13","slug":"johannes-316-21-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-316-21-3\/","title":{"rendered":"Johannes 3,16-21"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gegen Geistlosigkeit |Pfingstmontag | 09.06.2025 | Joh 3,16-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Leise Christensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor etwa einem halben Jahr gab es eine heftige Diskussion \u00fcber das Angebot von Mahlzeiten f\u00fcr \u00c4ltere, also denen, denen das Essen zuhause geliefert wird, oder denen, die in den Pflegeheimen essen d\u00fcrfen. Es zeigte sich, dass die gelieferten Mahlzeiten zehn bis vierzehn Tage vorher zubereitet waren, ehe sie den \u00c4lteren gebracht wurden. Das \u00fcberraschte mich etwas. Ich dachte ja daran, ob sich das Essen \u00fcberhaupt so lange halten konnte, nachdem es zubereitet war. Hier dachte ich an meine eigenen Esspakete, die manchmal nicht ausgepackt wurden, weil irgendetwas Unerwartetes im Lauf eines Arbeitstages geschieht, so dass ich es nicht essen konnte und ich jedenfalls keine Lust hatte, es am Tage danach nach einem ganzen Tag in der Schultasche zu essen, oder ich dachte an die Esspakete meiner Kinder \u2013 damals als ich noch Kinder in diesem Alter hatte \u2013 wo ich manchmal im Schulranzen eine Ration vom Montag am Freitag ungegessen fand, und das war nicht besonders appetitlich. Also wie k\u00f6nnen die Mahlzeiten, die von der Kommune geliefert werden, sich 14 Tage lang halten mit roten Beeten, Gurkenscheiben, Leberwurst usw.? Ja es gibt da einen n\u00fctzlichen Begriff, der Vakuum hei\u00dft. Die Luft wird einfach aus der Verpackung herausgezogen, so dass die Bakterien das Essen nicht gleich verschimmeln lassen k\u00f6nnen. Im Englischen nennt man einen Staubsauger einen \u201evaccuumcleaner\u201c, und das ist ja deshalb, weil ein vacuumcleaner reinigt, indem er den Schmutz aufsaugt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich sehe eigentlich die Vakuumsrationen f\u00fcr die \u00c4lteren als ein Bild f\u00fcr viele Zust\u00e4nde in unserer Gesellschaft. Unsere Gesellschaft ist ein wenig vakuumverpackt. Die Luft ist herausgesaugt, der Geist ist abgesaugt. Nun geht es darum zu bedenken, dass im Sch\u00f6pfungsbericht dasselbe Wort f\u00fcr Luft und Geist verwendet wird. Wenn Gott Luft und Geist in die Nase des Menschen bl\u00e4st, wird er ein lebendes Wesen, ja da kann das Wort, das <em>ruah<\/em> hei\u00dft, sowohl mit Luftstrom als auch Lebensgeist \u00fcbersetzt werden. Wenn wir das in unsere vakuumverpackten Essrationen \u00fcbersetzen, dann ist es nicht nur die Luft, die der Ration entzogen wird, sondern auch der Geist. Der Geist, in dem gutes Essen gemacht werden sollte. Mit Frische und Liebe und F\u00fcrsorge. Worum es uns vor allem geht, das ist Geld zu sparen, und das kann schnell zu einem geistlosen Unternehmen f\u00fchren, z.B. in den 14 Tage alten Rationen, wo der Geist mit einer Maschine herausgesaugt ist. Ja sicher, der Ern\u00e4hrungswert ist wohl derselbe, aber die, die sich 14 Tage alte Mahlzeiten ausgedacht haben, essen das nicht selbst. Warum wohl?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun ist nicht nur das Essen aus der Vakuums-K\u00fcche, das geistlos wird. Das geschah neulich auch in Hvide Sande. Fast Jahrhunderte lang hatte man auf der D\u00fcne \u201eDabs\u201c gegessen, ein luftgetrocknetes Fischgericht. Ja ich kannte das nicht, ehe ich nach Westj\u00fctland zog, wo ich in den ersten Jahren glaubte, dass man sehr hygienisch mit den Kochlappen umging, die immer offensichtlich zum Trocknen im Wind aufgeh\u00e4ngt waren. Das waren aber Dabs, also getrocknete Fische. Die sind nun verboten \u2013 jedenfalls d\u00fcrfen sie nicht verkauft werden. Das liegt wohl daran, dass M\u00f6wen m\u00f6glicherweise auf einen solchen Fisch schei\u00dfen k\u00f6nnten, und es ist ungesund und unhygienisch, M\u00f6wenschisse zu essen. Deshalb weg mit \u201cDabs\u201c. Dass niemand bislang daran gestorben ist, \u201eDabs\u201c zu essen, ist dann weniger wichtig. Weg damit. Man denke nur, wenn man Bakterien dabei einnimmt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist geistlos zu glauben, dass das Leben gr\u00f6\u00dfer und reicher wird, wenn man den Schmutz vermeidet \u2013 oder es versucht \u2013 der unvermeidbar ist. Luther nannte das tapfer s\u00fcndigen. Der Mensch kann nicht s\u00fcndlos leben, wie sehr er sich auch bem\u00fcht. Deshalb m\u00fcssen wir tapfer s\u00fcndigen. Sonst weichen wir dem Leben aus, wo es gelebt werden soll. Eben das ist geistlos. Und wir brauchen den Geist wieder in der Gesellschaft, in unserem Umgang miteinander. Darum geht es zu Pfingsten. Gott gab uns seinen Geist, den Heiligen Geist, damit wir nicht geistlos in der Welt umherirren, sondern jeden Tag die Augen \u00f6ffnen f\u00fcr noch einen geistreichen Tag. Der Geist gibt uns Mut, uns ins Leben zu begeben und es zu f\u00fcllen mit Wirksamkeit, R\u00fccksicht und Mut. Weg mit der Furcht, dass eine M\u00f6we vielleicht jedes f\u00fcnfzigste Jahr auf einen getrockneten Fisch schei\u00dft und dass dies m\u00f6glicherweise mehrere Stunden lang Bauchweh verursacht. Nein, der Geist soll wiederkommen, lass ihn auch in deinem Leben eine Rolle spielen. Manchmal kann man ja wie die J\u00fcnger Lust haben, hinter heruntergelassenen Gardinen zu sitzen, ganz still und mit der Furcht, was das Leben einem bieten kann. Manchmal kann man sich sehr wenig vom Geist ber\u00fchrt f\u00fchlen, uninspiriert, wie es auf Lateinisch hei\u00dfen w\u00fcrde, ohne imstande zu sein, das Leben aufzunehmen. Das ist zu schwierig, zu gef\u00e4hrlich, zu unvorhersehbar, und man kann vielleicht daran sterben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nein, sagt der Geist. Der Tr\u00f6ster, den uns Jesus heute gibt. Wirf dich in das Leben, sp\u00fcre den Geist, k\u00e4mpfe gegen die vakuumverpackte Tyrannei der Geistlosigkeit und sage: \u201eNein, da ist mehr im Leben als sich blo\u00df immer vor dem Tod zu sch\u00fctzen\u201c. Diesen Kampf muss man sowieso verlieren. Sterben m\u00fcssen wir. Aber an dem Tag, wo wir den Geist aufgeben, soll da ja am besten ein Geist da sein, den wir aufgeben! Wir sollen nicht vor der Zeit den Geist aufgeben! Wir sollen nicht vorzeitig im Geist sterben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich vor bald sehr vielen Jahren aufs Gymnasium ging, hatten wir einen Begriff, den die damalige Regierung einf\u00fchrte, und der hie\u00df, dass man nat\u00fcrlich registriert w\u00fcrde, wenn man physisch abwesend war, aber auch wenn man geistig abwesend war. Es war nat\u00fcrlich manchmal etwas schwierig f\u00fcr einen Lehrer zu durchschauen, ob der Sch\u00fcler nun mit seinem Geist anwesend oder abwesend war, und trotz des offensichtlich t\u00f6richten Gesetzesvorschlages war damit doch die Einsicht verbunden, dass da ein Unterschied <em>besteht<\/em>, ob man geistig anwesend oder abwesend ist. Der Tr\u00f6ster, der Heilige Geist sorgt daf\u00fcr, dass wir wirklich die M\u00f6glichkeit haben, im Leben geistesgegenw\u00e4rtig zu sein, dass wir die M\u00f6glichkeit haben, einander zu ergreifen in Liebe und Vertrauen. Manchmal neigen wir dazu zu glauben, dass die Sch\u00f6pfung an dem Tag aufh\u00f6rte, wo alles war, wie es heute ist auf unserer Erde, ob man nun auf die poetische Beschreibung der Bibel sieht oder eine mehr harte wissenschaftliche Version. So ist es nicht im christlichen Sinn Da ist die Sch\u00f6pfung heute genauso aktiv wie am Anfang der Sch\u00f6pfung. Neusch\u00f6pfung hei\u00dft das. Jeden Tag! Jeden Morgen, wo wir die Augen \u00f6ffnen, geschieht eine Sch\u00f6pfung. Der Geist weht uns ein ordentliches St\u00fcck, so dass wir Mut und Freude empfangen, in die Welt zu gehen wie die J\u00fcnger damals in Jerusalem, um aktiv am Leben teilzuhaben, vor allem dem Leben anderer, kann man sagen. Ich meine wirklich, dass man sich dem Geist anheimgeben und etwas wagen soll. Ja, das geht manchmal schief, ja es k\u00f6nnte manchmal besser gehen, aber so ist das Leben. Der Geist gibt uns Kraft und Mut zu widerstehen, anzunehmen und uns zu widersetzen. Der Geistlosigkeit zu widerstehen. Jesus sagt: \u201eEuer Herz sei nicht mutlos\u201c. Darum geht es zu Pfingsten. Das ist das Bad in der Quelle des Geistes, die das Leben neu macht und gut zu leben. Und am j\u00fcngsten Tag auferstehen \u2013 physisch und geistlich! Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Leise Christensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 8200 Aarhus N<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: lec(at)km<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen Geistlosigkeit |Pfingstmontag | 09.06.2025 | Joh 3,16-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Leise Christensen | Vor etwa einem halben Jahr gab es eine heftige Diskussion \u00fcber das Angebot von Mahlzeiten f\u00fcr \u00c4ltere, also denen, denen das Essen zuhause geliefert wird, oder denen, die in den Pflegeheimen essen d\u00fcrfen. 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