{"id":24621,"date":"2025-06-05T19:39:35","date_gmt":"2025-06-05T17:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24621"},"modified":"2025-06-05T19:39:35","modified_gmt":"2025-06-05T17:39:35","slug":"matthaeus-1613-19-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1613-19-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 16,13-19"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Schl\u00fcsselszenen eines h\u00f6chst Begnadeten | Pfingstmontag | 09.06.25 | Mt 16,13-19 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sanft dr\u00fcckt es ihn ins Offene wie einen Schirmflieger im Wind. Der Mann geht seine Tour unter Sonnenblau von Stadt zu Stadt in einem Land mit Grassteppen, B\u00fcschen und B\u00e4umen, \u00fcber das Ocker von W\u00fcste und Bergen oder entlang des Laufs von Gew\u00e4ssern. Wieder eine Rundreise, die er sich traut. Sein erster Aufbruch damals hatte sich, obwohl eine f\u00fcr ihn sehr gewagte Jungfernfahrt, als von Erfolg gekr\u00f6nt gezeigt. Seine Spur wendet sich von der K\u00fcste eines Binnensees weg in den S\u00fcden des Landes und steigt an. Am liebsten will er gleich nach diesem Besuch zur\u00fcck in seine Heimat, dort seiner Aufgabe nachgehen. Aber als ob ihm verwehrt sei, die einmal erreichte H\u00f6he zu verlassen, geht er nun \u00fcber das Hochland Richtung S\u00fcden, einmal mehr in die Hauptstadt. Wenn es l\u00e4uft, dann l\u00e4uft es! Auch dort liefen ihm, dem Landei, Menschen zu. Die St\u00e4dter h\u00f6ren auf ihn, auf seine Reden und seine Ratschl\u00e4ge, bewundern seine Taten. Die Mitstreiter, die er j\u00fcngst in der Hauptstadt gewonnen hatte, die brauchen ihn, denen muss er beistehen. Die werden doch verfolgt, bedroht und bek\u00e4mpft. Ein paar mussten sogar schon sterben, und doch bleiben die neuen Leute meist bei seiner Sache und ihr treu. Da kann er doch nicht so tun, als w\u00e4r\u00b4 nix und einfach zu Hause bleiben \u2013 obwohl ihm das ehrlich gesagt am liebsten w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Hauptstadt wird er zweimal angegangen. Einmal von den eigenen Anh\u00e4ngern, zum Gl\u00fcck nur in Diskussion und Gespr\u00e4ch. Die werfen ihm vor, zu eng mit gewissen Leuten geworden zu sein, deren Umgang man besser meiden soll. Er kann ihnen klar machen, dass das durchaus im Sinne Gottes geschehen ist. Ja, dass Gott ihm zu diesem Thema extra eine Himmelsschau geg\u00f6nnt hat \u2013 die er nat\u00fcrlich auch diesen seinen Leuten schildert. Im zweiten Fall sieht es anders aus. Er kriegt von h\u00f6chster Stelle gewaltige Probleme, findet sich unversehens im Gef\u00e4ngnis wieder. Der dortige Herrscher hat n\u00e4mlich Blut geleckt. Hat gemerkt, dass er mit dem Blut von Christen politisch an Boden gewinnt. Ganz ohne Prozess und Verhandlung, geschweige denn Anh\u00f6rung. Obwohl der Staat dieser Gegend f\u00fcr sein gutes Rechtswesen bekannt war. Nur ja keine Zeugen! Vielleicht nimmt man es deshalb besonders genau mit den Pflichten. Und l\u00e4sst ihn von vier Trupps zu je vier Mann bewachen, dazu ab in die hinterste Zelle. Dort mit zwei Ketten gefesselt und mit zwei Bewachern an beiden Seiten, und wiederum zwei halten Wache vor der Zellent\u00fcr. Von wegen, wenn es l\u00e4uft, dann l\u00e4uft es! Nichts geht mehr, Pustekuchen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit Einschlafen wird das wohl nix, zu unbequem und ungewohnt, hier zu liegen \u2013 und dazu noch gerahmt von zwei Wachm\u00e4nnern. Leon w\u00e4lzt sich hin und her, so gut das eben geht und fixiert, wie er ist. Eine Melodie kommt ihm in den Sinn. Er summt mit aneinander gepressten Lippen vor sich hin, vielleicht hilft das ja, um runterzukommen. Er ger\u00e4t dar\u00fcber ins D\u00e4mmern. Pl\u00f6tzlich schreckt er hoch, diffus leuchtet es in der Zelle. Und ein neuer und Dritter steht in der Zelle \u00fcber ihm, beugt sich zu seinem Ohr und meint: Steh auf, wir gehen. Leon glaubt sich verh\u00f6rt zu haben. Oder befindet er sich in einem Traum. Und das, was er sieht, geschieht au\u00dferhalb der wirklichen Welt, nur in seinem Gehirn. Der Mensch nickt ihm aufmunternd zu. Und als w\u00e4r\u2018 er dessen Marionette, folgte Leon schlie\u00dflich seinem Puppenspieler. Als er sich aufrichtet, merkt er, dass die Ketten ihn freigeben und er sie also irgendwie losgeworden sein mu\u00df. Richte Deine Kleidung und ziehe Deine Schuhe an, sagt der Neue. Schl\u00fcpfe auch gleich in deinen Mantel und dann folge mir. Aber leise! Der fremde Mensch h\u00e4lt seinen rechten Zeigefinger hochkant aufgerichtet an seine Lippen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Traum oder Wirklichkeit? Beim Schleichen durch die G\u00e4nge schie\u00dft es Leon durch den Kopf. Es gibt ja immer Sachen, die genau da sind, wo sie eigentlich auf keinen Fall sein sollen. Feuerwerk im Stadion zum Beispiel. Offiziell ist der Verein und nat\u00fcrlich seine F\u00fchrung dagegen. Aber wie durch ein Wunder und allen Kontrollen beim Eintritt zum Trotz \u2013 die Ultras kriegen es immer fertig, was rein zu schmuggeln. Und ziehen dann ihre Pyroshow ab. Auch vom Gef\u00e4ngnis kennt man das ja, werden dort doch z.B. Drogen gehandelt oder noch h\u00e4rtere Waren. Es passieren darin auch noch andere Sachen, die laut Knastordnung nicht nur nicht vorgesehen, sondern sogar ausdr\u00fccklich verboten sind \u2013 und da ist von Ausbr\u00fcchen gar nicht die Rede. Es mu\u00df sich jemand gefunden haben, der sich auskennt und Ordnung samt Kontrolle hintergeht und \u00fcberlistet. Besucher oder W\u00e4rter oder Fachkr\u00e4fte, die von au\u00dfen kommen oder wer und was auch immer. Trotzdem merkw\u00fcrdig das alles! Leon wiegt kurz und heftig sein Haupt. Erf\u00fcllter Traum oder nur ein Alptraum? Fast sehnt er sich in die Zelle zur\u00fcck, da sind die Verh\u00e4ltnisse n\u00e4mlich sch\u00f6n einfach und klar. Indessen passieren sie den ersten und zweiten Wachposten, auch das letzte Tor zur Stadt l\u00e4sst sich ohne Probleme \u00f6ffnen. Dahinter laufen sie den Gehweg entlang und biegen bei der ersten Querstra\u00dfe um die Ecke. Als Leon gleich danach in die Flucht dieser Gasse blickt, ist sein Begleiter verschwunden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jetzt mu\u00df der Traum doch aufh\u00f6ren! Er steht immer noch allein am Rand der Gasse im Dunkeln. Er kneift sich, erst in den Unterarm und dann in die Brust. Aus der Traum vom Traum. Aber immer noch f\u00fchlt er sich am selben Platze, wenn auch im Dunkeln. Leon besinnt sich. Ein Traum, weil kein Traum, er ist tats\u00e4chlich frei. Was nun? \u2013 Schnell untertauchen, klar! Am besten bei jemandem von seinen Leuten. Bald danach wei\u00df er, was er will und vorhat. Und geht zum Haus der Marie, der Mutter von Jan. Die werden \u00fcberrascht sein, wenn er da so pl\u00f6tzlich vor ihnen auftaucht, statt im Gef\u00e4ngnis zu schmoren. Die Freude wird gro\u00df sein. Gro\u00df genug jedenfalls, so dass ihnen nur am Rand in den Kopf kommt: Wir sind ja Mitt\u00e4ter, falls man dem Fl\u00fcchtling auf die Spur kommt und ihn fasst. Seine Gedanken springen weiter. Wer wei\u00df, was das f\u00fcr ein Typ war, der junge Mensch, der ihn da aus dem Knast hinaus gelotst hat. Vielleicht ein Doppelagent. Um noch mehr Leute von ihm zu fassen zu kriegen. Aber das bek\u00fcmmert seinen Kopf nur wenig l\u00e4nger als die Frist, die er veranschlagt f\u00fcr das Sorgen im Kopf seiner Leute um eine Anklage wegen Mitt\u00e4terschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wieder \u00f6ffnet sich ihm eine fremde Welt und wieder verschlie\u00dft sich ihm eine vertraute. Eine fremde Welt \u00f6ffnet sich ihm, als er aus der Zwinghaft \u00fcberraschend befreit worden ist. Und Vertrautes verschlie\u00dft sich ihm, als er sich auf das Wirken Gottes in dieser Sache keinen Reim zu machen wei\u00df. \u00c4hnliches passiert ihm im Haus der Marie. Dass ihm dort die Aufnahme verweigert werden w\u00fcrde, das liegt au\u00dferhalb seines Sinnens und Denkens. Aber so tr\u00e4gt es sich zu. Leon schl\u00e4gt am Hoftor seiner Leute den Schlegel auf die Eisenplatte, um sich bemerkbar zu machen und um Einlass zu bekommen. Darauf wird eine Servicekraft zum Tor geschickt, um zu h\u00f6ren, wer da was begehre. Und als diese die Stimme von Leon h\u00f6rt und erkennt, l\u00e4uft sie ganz aufgeregt wieder zur\u00fcck ins Haus und berichtet, dass er drau\u00dfen vor der T\u00fcr stehe. Als die Leute das h\u00f6ren, halten sie die Frau f\u00fcr durchgedreht und plemplem. Und als sie sich dagegen verwahrt und darauf besteht, dass sie die Wahrheit sagt, tun sie das wiederum ab und spotten, dass der da drau\u00dfen wohl sein Engel sein muss. Leon aber klopft drau\u00dfen weiter an, leicht verzweifelt und angefressen zugleich. Schlie\u00dflich gehen einige zum Tor, \u00f6ffnen es, rei\u00dfen die Augen auf und staunen nicht schlecht. Peinlich ber\u00fchrt tuscheln sie aufgeregt durcheinander. Und \u00fcberspielen so vielleicht, was sie insgeheim erwarten: N\u00e4mlich von ihm ordentlich in Harnisch gestellt zu werden, weil sie das Wunder seiner Befreiung und seines Hierseins so freiweg von der Hand gewiesen und hartn\u00e4ckig abgewehrt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Szenenwechsel. Drinnen hebt Leon seine Hand und bedeutet ihnen zu schweigen. Und dann erz\u00e4hlt er, was ihm im Gef\u00e4ngnis widerfahren ist. Die Strafpredigt l\u00e4sst er ganz wegfallen. Und er erkl\u00e4rt auch warum. Schlie\u00dflich ist es ihm bei seiner Flucht aus dem Gef\u00e4ngnis \u00e4hnlich ergangen wie ihnen mit seiner Befreiung. Unterwegs aus dem Bau hat er doch sehr lange gefragt und gezweifelt: Wenn sich mir verschlossene T\u00fcren wie durch ein Wunder \u00f6ffnen \u2013 erlebe ich da einen erf\u00fcllten Traum? Oder einen Alptraum, der mit einem b\u00f6sen Erwachen endet? Und dem weiteren Entzug von Freiheit? Da kann er ihnen wegen ihrer falschen Erwartung kaum ernsthaft b\u00f6se sein. Jeder von ihnen, der vorher ernsthaft Leons Freilassung behauptet h\u00e4tte, dem h\u00e4tten doch die anderen den Respekt entzogen. Ja sogar die Vernunft dessen in Abrede gestellt, der das behauptet. Und doch ist das Unm\u00f6gliche wahr geworden. Mit der Zeit bringt sich Gott immer wieder ins Spiel. Weder Leon noch die Seinen wissen immer, sich auf das gute Wirken Gottes einen rechten Reim zu machen. Aber wie durch ein Wunder geschieht es doch. Manchmal ganz sch\u00f6n Nerven aufreibend und anstrengend, die gute Sache. Das auf und ab, das hin und her, das ist ihm inzwischen vertraut und kaum mehr fremd. Und doch sehnt sich Leon in die Ruhe seiner Heimat zur\u00fcck. Da war alles so einfach und klar geordnet, als er von dort aufgebrochen ist. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>13 Da kam Jesus in die Gegend von C\u00e4sarea Philippi und fragte seine J\u00fcnger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? 14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der T\u00e4ufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. 15 Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: \u201eDu bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!\u201c 17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. 18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der H<\/em><em>\u00f6<\/em><em>lle sollen sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. 19 Ich will dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden l<\/em><em>\u00f6<\/em><em>sen wirst, soll auch im Himmel gel<\/em><em>\u00f6<\/em><em>st sein.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Markus Kreis<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>W. v. Siemens Schule, Neckarpromenade 17<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>D-68167 Mannheim<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:markus_kreis@web.de\"><em>markus-kreis@t-online.de<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schl\u00fcsselszenen eines h\u00f6chst Begnadeten | Pfingstmontag | 09.06.25 | Mt 16,13-19 | Markus Kreis | Sanft dr\u00fcckt es ihn ins Offene wie einen Schirmflieger im Wind. 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