{"id":24625,"date":"2025-06-05T19:44:42","date_gmt":"2025-06-05T17:44:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24625"},"modified":"2025-06-05T19:44:42","modified_gmt":"2025-06-05T17:44:42","slug":"matthaeus-1613-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1613-17\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 16,13-17"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Pfingstmontag | 09.06.2025 | Mt 16,13-17 | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was sagen die anderen? Das ist eine Frage, die sp\u00e4testens als Teenager interessiert. Wie komme ich an? Mag man mich? Warum werde ich \u2013 nicht \u2013 eingeladen? Das sind Fragen \u2013 und Katastrophen \u2013 der Jugendzeit. Das ist schon schlimm genug. Schlimmer wird es, wenn man im Berufsleben nicht so ankommt, wie man\u2019s braucht. Manchmal ist man nicht mal schuld. Ohne zu ahnen, hat man schon einen Ruf. Man kennt das ja: Promis und Politikerinnen, Lehrkr\u00e4fte und Mitsch\u00fclerinnen, Nachbarn und wer-auch-immer werden bequatscht. Im echten Leben und zunehmend auch online. Offenbar war das auch schon in der Jesus-Zeit so. Gut, online nicht, aber in echt. Im heutigen Predigttext geht es \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 um Jesus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigttext<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mt 16,13\u201319 Petrus spricht aus, wer Jesus ist<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">13 Jesus kam in die Gegend von C\u00e4sarea Philippi.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er fragte seine J\u00fcnger:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbF\u00fcr wen halten die Leute eigentlich den Menschensohn?\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">14 Sie antworteten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbManche halten dich f\u00fcr Johannes den T\u00e4ufer,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">andere f\u00fcr Elija.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wieder andere meinen, dass du Jeremia<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">oder einer der anderen Propheten bist.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">15 Da fragte er sie: \u00bbUnd ihr, f\u00fcr wen haltet ihr mich?\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">16 Simon Petrus antwortete: \u00bbDu bist der Christus,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der Sohn des lebendigen Gottes!\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">17 Jesus sagte zu ihm:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00bbGl\u00fcckselig bist du, Simon, Sohn des Johannes!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Erkenntnis hast du nicht aus dir selbst,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sondern von meinem Vater im Himmel.\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Mt 16,13\u201319 Basis-Bibel)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute ist die Predigt einfach, denn der Predigttext gibt die Gliederung vor.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(1) \u201eWas sagen die Leute?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(2) \u201eWas sagt Ihr?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(3) \u201eWas sagst Du?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An dieser Frage sollten wir uns orientieren, doch tun wir zuerst so, als w\u00e4ren wir Zeitgenossen des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u201eWas sagen die Leute?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus fragt: \u201eF\u00fcr wen halten mich die Leute?\u201c Die J\u00fcnger nennen drei bekannte Namen: Johannes der T\u00e4ufer, Elija, Jeremia.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gehen wir zum ersten Namen: \u201eManche halten dich f\u00fcr Johannes den T\u00e4ufer.\u201c Das kann so nicht sein. Bibelleser wissen: Johannes wurde wenige Kapitel vorher gek\u00f6pft. (Mt 14,1-12 Das Ende Johannes des T\u00e4ufers) Der Grund war nicht Sozialkritik, sondern Beziehungskritik. Wer mit wem \u2013 das ist auch heute Thema auf dem Schulhof wie in den Medien. Wer mit wem nicht darf \u2013 damit w\u00fcrde man sich auch heute Feinde machen. Damals ging es um Herodes Antipas und Herodias. Herodes war urspr\u00fcnglich mit der Tochter des Nabat\u00e4er-K\u00f6nigs Aretas IV. verheiratet. Doch Herodes verstie\u00df Phaselis und nahm sich die Frau seines Halbbruders. Dieser doppelte Ehebruch war Tagesgespr\u00e4ch und sorgte sogar f\u00fcr einen Grenzkrieg mit den Nabat\u00e4ern. Die Evangelien erz\u00e4hlen, dass auch Johannes der T\u00e4ufer Herodes kritisiert hat. Die Reaktion: Johannes wurde eingekerkert und fiel, so die Evangelien, einer Palastintrige zum Opfer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf zum zweiten Namen: Manche s\u00e4hen in Jesus auch den wiedergekommenen Elija. Das war tats\u00e4chlich eine biblisch begr\u00fcndete Erwartung. Elija war ein m\u00e4chtiger Prophet in der Zeit, als Israel noch K\u00f6nige hatte. Kein fehlerloser Prophet und dennoch der gr\u00f6\u00dfte Prophet Israels. Von ihm wurde am Ende sogar eine Himmelfahrt erz\u00e4hlt. (2. K\u00f6n 2,11) Also konnte man ihn auch aus dem Himmel zur\u00fcckerwarten. Im Buch Maleachi wird Elija als wiederkommender Prophet verhei\u00dfen. Er w\u00fcrde vor dem J\u00fcngsten Gericht noch einmal f\u00fcr Ordnung zu sorgen versuchen. (Maleachi 3,23)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt auch Namensnennungen, f\u00fcr die wir keinen biblischen Anhalt haben: \u201eWieder andere meinen, dass du Jeremia oder einer der anderen Propheten bist.\u201c Vielleicht waren das bibelunkundige Ideen. Aber: Was wissen wir schon, was damals als Heilige Schriften gelesen oder was gelehrt wurde. [Anm 1] Tats\u00e4chlich haben wir Heutigen keinen Grund, uns \u00fcber Irrt\u00fcmer Fr\u00fcherer erhaben zu f\u00fchlen. Auch heute wird viel dummes Zeug als \u201ebiblisch\u201c unters Volk gebracht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[Etwas m\u00f6chte ich hier noch anf\u00fcgen: Es gibt einiges, was die J\u00fcnger in dieser Stelle nicht sagen, aber Jesus sicher wei\u00df. \u201eManche Leute halten Dich f\u00fcr einen Verr\u00fcckten oder sogar f\u00fcr eine Gefahr.\u201c Ist es nicht zum Beispiel ein verr\u00fccktes Projekt, ganz aus der N\u00e4he Gottes leben zu wollen? Kein Zimmermannsalltag mehr wie bei Jesu Vater, keine regelm\u00e4\u00dfige Arbeit als Fischer wie bei Petrus und anderen J\u00fcngern. Vielmehr sind Jesus und seine J\u00fcnger als Verk\u00fcndiger des Gottesreichs unterwegs: \u201eTrachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen\u201c, was Ihr braucht (Mt 6,33). Wer ein bisschen im Matth\u00e4us-Evangelium gelesen hat, wei\u00df: Jesu Familie kam einmal, um Jesus nach Hause zu holen und ihn so vor sich selbst zu sch\u00fctzen. Aber Jesus lie\u00df sich nicht mitnehmen. Er hielt an seiner Mission fest. \u201eEr streckte die Hand aus \u00fcber seine J\u00fcnger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Br\u00fcder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.\u201c (Mt 12,46-50 Jesu wahre Verwandte, 49-50) Man kann das aus Jesu Sicht vielleicht nachvollziehen. Von au\u00dfen betrachtet war das aber sehr unfreundlich. Und wenn ich eine Erz\u00e4hlung dazu schreiben m\u00fcsste, dann w\u00fcrde ich dar\u00fcber schreiben, wie man sich dar\u00fcber den Mund zerrissen hat. \u201eDas hat Maria nicht verdient! Oder doch?\u201c \u201eWas ist da bei der Erziehung blo\u00df schiefgelaufen?\u201c Jesu Gegner wiederum glaubten, dass Jesus mit dem Teufel im Bunde war: \u201eDieser treibt die D\u00e4monen [&#8230;] aus [&#8230;] durch Beelzebul, den Obersten der D\u00e4monen.\u201c (Mt 12,22-37 Jesus und die D\u00e4monen, 24)]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach dem Au\u00dfenblick auf Jesus, folgt nun der Innenblick. Johannes, Elija, Jeremia oder ein anderer der Propheten \u2013 das sagen die Leute, aber was sagen die J\u00fcnger?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u201eWas sagt Ihr?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich stelle mir vor, dass erst einmal Schweigen eingetreten ist. Ich lasse die J\u00fcnger von einem zum anderen blicken. Wer wird das Wort ergreifen? Und Jesus folgt ihrem Blick. Wer kann jetzt etwas Richtiges sagen? Jesu Frage steht im Raum. \u201eWas sagt Ihr!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit k\u00f6nnen wir zu Petrus kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Simon Petrus antwortete: \u00bbDu bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!\u00ab<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das sind zwei Bekenntnisse in einem: (1) Du bist der erwartete Messias. Christus ist nur das griechisch-lateinische Wort. (2) Du bist Sohn Gottes. Beides ist damals verst\u00e4ndlich. Der Messias ist der erwartete Retter Israels. Das wissen Sie bestimmt. Bei \u201eSohn Gottes\u201c ist mehr Vorsicht geboten. Diese Bezeichnung steht im Judentum f\u00fcr eine besondere Aufgabe. Nicht f\u00fcr einen Halbgott wie bei den Griechen! Die Vorstellung einer k\u00f6rperlichen Abkunft w\u00e4re Gottesl\u00e4sterung gewesen. So erkl\u00e4ren sich die beiden Bekenntnisse gegenseitig: (1) Jesus ist der erwartete Messias, und den erwartete man aus der N\u00e4he Gottes. (2) Jesus hat eine besondere Aufgabe und deshalb hat ihn Gott sozusagen als Sohn auserw\u00e4hlt und adoptiert. Das mag etwas schockierend klingen, weil wir mehr zu wissen gewohnt sind. Aber selbst der Katechismus der r\u00f6misch-katholischen Kirche sagt: \u201e\u2019Gottessohn\u2018 ist im Alten Testament ein Titel, der den Engeln gegeben wird, dem auserw\u00e4hlten Volk, den Kindern Israels und seinen K\u00f6nigen. Er bedeutet eine Adoptivsohnschaft, die zwischen Gott und seinem Gesch\u00f6pf eine besonders innige Verbindung herstellt. Wenn der verhei\u00dfene Messias-K\u00f6nig \u201aSohn Gottes\u2018 genannt wird, so hei\u00dft das dem w\u00f6rtlichen Sinn dieser Texte nach nicht unbedingt, dass er mehr als ein blo\u00dfer Mensch ist. Jene, die Jesus als den Messias Israels so bezeichneten, wollten vielleicht damit nicht mehr sagen.\u201c (Anm 2) Und Petrus konnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr wissen und sagen, f\u00fcr den Evangelisten Matth\u00e4us jedoch sagt Petrus mit seinem Bekenntnis mehr, als er wei\u00df. Petrus sagt im richtigen Moment das Richtige und wird f\u00fcr diesen Geistesblitz gelobt. Allerdings sagt Jesus auch: \u201eDiese Erkenntnis hast du nicht aus dir selbst, sondern von meinem Vater im Himmel.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich frage mich, wie es den anderen J\u00fcngern gegangen sein k\u00f6nnte. War die Antwort des Petrus f\u00fcr sie entlastend, weil Petrus in die Bresche gesprungen war? Oder war es f\u00fcr sie belastend. Immerhin war ihnen dieses Wirken des Heiligen Geistes nicht zuteilgeworden. Der Predigttext schweigt. Auch heute machen sich manche Christen dar\u00fcber Gedanken. Sie werden still, wenn andere so freim\u00fctig von Glaubenserfahrungen berichten. Dazu dieses: Es gibt in der Gemeinde Jesu Petrusse, Matth\u00e4usse und andere Glaubensprominente, und es gibt andere, die andere Aufgaben und Glaubenswege haben. Wir kennen das auch offiziell in unseren Kirchen. Zwar sollen alle Gemeindeglieder zum Glauben stehen, Pfarrer aber sind zur \u00f6ffentlichen Verk\u00fcndigung und Verwaltung der Sakramente berufen. Und das sollen sie \u2013 bitte sch\u00f6n \u2013 gut und richtig machen, so wie eben die Gemeindeglieder ihr Ding.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kommen wir zu der Frage, auf die der Predigttext zul\u00e4uft. Die Leute haben was gesagt; Petrus hat was gesagt. Und nun:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u201eWas sagst Du?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es geht nicht einfach darum, was von Petrus und anderen im Lauf der Geschichte \u00fcber Jesus gesagt worden ist. Es geht darum, was \u201ef\u00fcr mich in Jesu Angesicht\u201c das Richtige ist. Und nun wird es schwieriger, sich auszudr\u00fccken, vielleicht auch das Richtige zu sagen. \u00dcber die Jahrhunderte hinweg sind viele falsch-richtige und richtig falsche Antworten dazugekommen. Manche trafen etwas Richtiges. Andere eher weniger. Wir sind also mit unseren falsch-richtigen Antwortversuchen nicht allein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die R\u00f6mer haben Jesus als \u201eK\u00f6nig der Juden\u201c gekreuzigt. Pilatus lie\u00df INRI als Grund f\u00fcr die Verurteilung ans Kreuz nageln. \u201eJesus von Nazareth \u2013 K\u00f6nig der Juden\u201c. Tats\u00e4chlich konnte man die Messias-Idee so verstehen. Manche haben vom Messias die Befreiung von den R\u00f6mern erwartet, und manche Guerilla-F\u00fchrer der Jesus-Zeit haben sich als K\u00f6nig bezeichnen lassen. Jesus war aber kein irdischer K\u00f6nig, und doch hat er bis heute eine Gefolgschaft, die gr\u00f6\u00dfer ist als Pilatus je f\u00fcrchten konnte. Jesu Reich ist nicht so, wie sich Pilatus das vorgestellt hat, sondern die Gemeinde der Gl\u00e4ubigen. Jesus, so eine andere Aussage, sei der Weltenherrscher und -richter. An jeder gotischen Kathedrale ist das \u00fcber den Portalen Stein geworden. Das ist richtig, aber auch falsch. Falsch jedenfalls dann, wenn man sich das Weltgericht als blo\u00dfe Besch\u00e4mung vorstellt, in der alles ans Licht gezerrt wird. Ja, es wird eine Besch\u00e4mung sein, wenn alles ans Licht kommt. Aber Jesus wird mit uns \u00fcber das gelebte und das ungelebte Leben weinen. Der Weltenrichter ist eben auch der Mensch, den die R\u00f6mer ans Kreuz geschlagen haben und von dem die Gl\u00e4ubigen Erl\u00f6sung erhoffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jahrhunderte lang wurde den Menschen gesagt, was \u201erichtig\u201d ist. Die Menschen haben Katechismus-Antworten gelernt. Lutheraner zum Beispiel aus Martin Luthers Kleinem Katechismus. Sie sollten mit Martin Luther sagen: \u201eIch glaube, da\u00df Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erl\u00f6set hat, erworben, gewonnen von allen S\u00fcnden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewi\u00dflich wahr.\u201c Ob die Menschen das alles verstanden haben? Das steht f\u00fcr mich dahin. Fest steht, dass es sich hier zuerst um das Bekenntnis von Martin Luther handelt. Es ist das Bekenntnis eines Theologen. Das merkt man zum Beispiel an: Wahrer Mensch \u2013 wahrer Gott. Das ist hohe Theologie. Er ist ein Zitat aus dem Glaubensbekenntnis von Chalcedon 451. Ein Theologe kann sich \u00fcber diese Bez\u00fcge zur Glaubensgeschichte freuen. Andererseits: Die Antwort Luthers ist weit weg von der Welt Mitteldeutschlands in der Reformationszeit oder Westmittelfrankens, wo der Kleine Katechismus vor dem Abendmahlsgang noch lange abgefragt wurde. Selbst etwas, was so einfach klingt wie Sohn Gottes, muss, wie wir gesehen haben, erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im 20. Jahrhundert sind noch ein paar Ideen dazugekommen, die Jesus mit den modernen Zeiten gehen lie\u00dfen. Aber Jesus war weder \u201eRevolution\u00e4r\u201c noch \u201eGammler\u201c. F\u00fcr das eine war er nicht militant genug, f\u00fcr das andere hatte er viel zu viel Kontakt mit der Welt der Normalen, und ja auch den in einem Dorf oder einer Stadt Angesehenen. Als Holzhandwerker kam Jesus nicht von der Stra\u00dfe, sondern, wie wir heute sagen w\u00fcrden, aus dem Mittelstand. Auch war Jesus kein \u201eneuer Mann\u201c, wenn die Ideen nicht vom Vorbild Jesus abgenommen werden, sondern auf Jesus projiziert werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist immer leichter, etwas zu sagen, was man wei\u00df, als etwas pers\u00f6nlich zu bekennen. Am sympathischsten w\u00e4re mir einfach \u201eMein Herr\u201c, und jemand versucht das dann mit seinem Leben zu f\u00fcllen. Kyrios Iesous (R\u00f6m 10,8) Das ist ein altes Glaubensbekenntnis, das im R\u00f6merbrief mit der Verhei\u00dfung des ewigen Lebens verbunden wird, und modern gesprochen ein gro\u00dfes Projekt, dass man ein Leben f\u00fchrt, das Ewigkeitswert gewinnen soll. \u201eIch habe keine anderen Herren au\u00dfer dem Herrn Jesus.\u201c Nicht Klatschbasen, Influencer und Trendsetter, nicht Wortf\u00fchrer und Chefs, vor denen man verstummt, nicht meinungsstarke, aber wissensschwache Glaubenskritiker und Glaubensvertreter. Keine anderen Herren, wenn man sp\u00fcrt \u201eJetzt bist Du gefragt\u201c, etwas Richtiges zu sagen oder etwas Richtiges zu tun. Kyrios Iesous \u2013 Jesus, mein Herr. Das ist, finde ich, ein gutes Bekenntnis. Aber vielleicht ist das immer noch eine Petrus-Antwort f\u00fcr Leute, denen besondere Geistesgegenwart geschenkt ist. Dann wird man es mit einer anderen Petrusgeschichte halten, in der Jesus Petrus immer wieder fragt \u201eHast du mich lieb.\u201c und Petrus am Ende nur noch antwortet: \u201eIch wei\u00df es nicht, sag du es mir.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an der Wilhelm-L\u00f6he-Schule in N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[Anm 1] Im Judas-Brief wird in Vers 9 Bezug auf eine heilige \u00dcberlieferung\/Schrift genommen, die wir nicht kennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[Anm 2] Katechismus der Katholischen Kirche, M\u00fcnchen u. a. 1993, S. 143 Nr. 441.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Literaturhinweise<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luz, Ulrich: Das Evangelium nach Matth\u00e4us (Mt 8-17) (EKK I\/2), Z\u00fcrich\/Neukirchen-Vluyn, 3. Auflage 1999, S. 450-483.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schweizer, Eduard: Das Evangelium nach Matth\u00e4us (NTD 2), G\u00f6ttingen, 15. Auflage\/3. Auflage einer Neubearbeitung 1981, S. 218-224.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag | 09.06.2025 | Mt 16,13-17 | Hansj\u00f6rg Biener | Was sagen die anderen? Das ist eine Frage, die sp\u00e4testens als Teenager interessiert. Wie komme ich an? Mag man mich? Warum werde ich \u2013 nicht \u2013 eingeladen? Das sind Fragen \u2013 und Katastrophen \u2013 der Jugendzeit. Das ist schon schlimm genug. 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