{"id":24627,"date":"2025-06-05T19:46:58","date_gmt":"2025-06-05T17:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24627"},"modified":"2025-06-05T19:46:58","modified_gmt":"2025-06-05T17:46:58","slug":"matthaeus-1618-19-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1618-19-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 16,18-19"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u201eTu es Petrus.\u201c | Pfingstmontag | 09.06.2025 | Mt 16,18-19 | Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bevor ich den Predigttext vorlese, lassen Sie uns kurz in Gedanken verreisen. Es geht nach Rom. Auch wer noch nie in Rom war, wei\u00df sicher etwas \u00fcber \u201edie ewige Stadt\u201c [auch im Folgenden die Anf\u00fchrungszeichen mitsprechen\/anzeigen]. Das m\u00e4chtige Kolosseum, das Marsfeld, das Forum Romanum mit Thermen, Tempeln, Theatern und vielen anderem sind steinerne Zeugen der r\u00f6mischen Antike. Rom ist die Stadt der P\u00e4pste und reichen Familien: Petersdom, Museen, Palazzos. Oder sollte man besser Palazzi sagen? Und wer schon in Rom war, war sicher am Trevi-Brunnen, wo man M\u00fcnzen einwirft, um Gl\u00fcck zu haben, oder an der Spanischen Treppe, wo fr\u00fcher die Jugend ihr Gl\u00fcck genossen hat. Dolce Vita: Eis, Pizza und Caff\u00e8 \u2013 alles ein bisschen teurer, aber im Urlaub l\u00e4sst man auch mal f\u00fcnfe gerade sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum die Rom-Reise? Der heutige Predigttext f\u00fchrt uns in den Vatikan. Ich werde heute von P\u00e4psten reden und vom Petersdom und von Anliegen der Reformation. Vielleicht erinnern Sie sich an die Bilder, die vor einigen Wochen um die Welt gingen: Vor sieben Wochen sprach Papst Franziskus mit letzter Stimme den Ostersegen Urbi et Orbi; vor vier Wochen wurde Papst Leo gew\u00e4hlt und wendete sich erstmals mit demselben Segen an die Gl\u00e4ubigen in Rom und der Welt. Die Fernsehbilder zeigten uns nicht nur die Feierlichkeiten auf dem menschengef\u00fcllten Petersplatz, sondern auch den m\u00e4chtigen Petersdom im Hintergrund. Die Kuppel des Petersdoms ist das gr\u00f6\u00dfte freitragende Ziegelbauwerk der Welt. Die Besonderheit, auf die ich hinauswill, ist aber innen. Wer von innen in die Kuppel blickt, wird dort den heutigen Predigttext finden. In zwei Meter hohen Buchstaben sind im Kuppelring Worte aus dem Matth\u00e4us-Evangelium verewigt: \u201eTu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam, et tibi dabo claves regni caelorum.\u201c (<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Datei:SanPietroTuEsPetrus-SteO153.jpg\">https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Datei:SanPietroTuEsPetrus-SteO153.jpg<\/a>) Aus der Kirchensprache \u00fcbersetzt: \u201eDu bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und [\u2026] ich werde dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigttext<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe gerade f\u00fcr die \u00dcbersetzung die katholische Einheits\u00fcbersetzung benutzt. In der Luther-Bibel lautet der heutige Predigttext so:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">18 Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde [!] bauen, [&#8230;]. 19 Ich will dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden l\u00f6sen wirst, soll auch im Himmel gel\u00f6st sein. (Mt 16,18\u201319 Luther-Bibel)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie haben den Unterschied sicher geh\u00f6rt: \u201eDu bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche [!] bauen.\u201c So die katholische \u00dcbersetzung. Schon Martin Luther \u00fcbersetzte 1522 statt Kirche Gemeinde (<a href=\"https:\/\/www.deutschestextarchiv.de\/book\/view\/luther_septembertestament_1522?p=40\">https:\/\/www.deutschestextarchiv.de\/book\/view\/luther_septembertestament_1522?p=40<\/a>). Die meisten evangelischen Bibel\u00fcbersetzungen sind Luther gefolgt und bevorzugen Gemeinde (Luther 2017, Gute Nachricht, Elberfelder, Menge, Neue Genfer, Neues Leben usw. Ausnahme Z\u00fcrcher: Kirche). Gemeinde \u2013 das Wort hat etwas von N\u00e4he und Gemeinschaft, von Kindergruppe, Jugendkreis, Frauenfr\u00fchst\u00fcck usw. Kirche \u2013 das klingt nach Institution, Hierarchie und Kirchensteuer. Aus der Kirche kann man austreten. Gemeinde \u2013 das ist etwas, was man nach einem Umzug vermisst, wenn man \u201efr\u00fcher\u201c in einer \u201eguten Gemeinde\u201c war und \u201eheute\u201c keinen Anschluss mehr findet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Noch eine kurze Erkl\u00e4rung zum \u201eBinden und L\u00f6sen in Himmel und Erde\u201c. Man hat das auf die Beichte und die Vergebung der S\u00fcnden bezogen, weshalb Petrus in der christlichen Kunst immer mit einem Schl\u00fcssel dargestellt wird. Wenn man auf den historischen Sprachgebrauch schaut, ging es wohl um das entscheidende Urteil in religi\u00f6sen Fragen. Beides werden wir im Hinterkopf behalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Und mitten hinein in die Kontroverse<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Wir wissen nun: Das Felsenwort Mt 16,18 ist ein wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der r\u00f6misch-katholischen Kirche. Zugleich sind wir damit mittendrin in alten Auseinandersetzungen zwischen katholisch und evangelisch. Petrus als Fundament der Kirche? \u201eNein!\u201c wird der bibelkundige Protestant sagen. Hei\u00dft es nicht in der Bibel: \u201eEinen andern Grund kann niemand legen au\u00dfer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.\u201c (1. Kor 3,11). Wenn es hei\u00dfen w\u00fcrde \u201ePetrus-Felsen vs. Jesus-Fundament\u201c, dann geht Jesus sicher vor. Im \u00dcbrigen: \u201eAuch P\u00e4pste k\u00f6nnen irren!\u201c Das hat Martin Luther 1519 gesagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was sollen wir nun tun? Die traditionelle (\u201ekonfessionelle\u201c) Variante w\u00e4re: Wir entscheiden uns f\u00fcr eines der beiden Bibelworte. Dann schreibt die r\u00f6misch-katholische Kirche eben das Petrus-Felsenwort in riesigen Buchstaben in den Petersdom. Und die Protestanten fordern \u201ekein anderes Evangelium\u201c (Gal 1,7) als das von Jesus. Jesus ist das Fundament des Glaubens und der Gemeinde! Nicht Petrus und seine Nachfolger auf dem Stuhl Petri! Aber wir spielen keinen Bibelskat, wo ein Bibelwort das andere \u00fcbertrumpfen k\u00f6nnte. Beide Aussagen sind biblisch. So bleibt uns nur die \u201e\u00f6kumenische\u201c Variante. Wir m\u00fcssen fragen: Haben vielleicht beide Worte recht? Und wenn ja, wo? Ich werde also zuerst fragen: Wo hat das Felsenwort Mt 16,18 Recht? Dann werde ich nach dem Recht von 1. Kor 3,11 fragen. Und zuletzt werde ich zeigen m\u00fcssen, wie beides zusammenstimmen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Petrus \u2013 der Felsen, auf dem die Kirche aufbaut<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus ist ein Lebens- und Auferstehungszeuge Jesu. Damit hat er vielen etwas voraus, auch vielen in der ersten Christenheit und uns sowieso. Zusammen mit den anderen J\u00fcngern in Jerusalem war Petrus eine zentrale Autorit\u00e4t, die auch in die Nachbarschaft von Israel reichte. Man muss also gute Gr\u00fcnde haben, wenn man Petrus challengen will. Schon Paulus hat das zu sp\u00fcren bekommen. Er war kein J\u00fcnger der ersten Stunde. Deshalb wurde er von Teilen der ersten Christenheit nicht als echter Apostel akzeptiert, obwohl Paulus das f\u00fcr sich beanspruchte. Noch mehr: Man hat seiner Theologie nicht getraut. Am Ende hat man sich zusammengerauft und schiedlich-friedlich getrennt: Paulus bekam den Auftrag zur Mission unter den V\u00f6lkern, w\u00e4hrend sich die Jerusalemer Apostel um Israel k\u00fcmmern wollten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Petrus war wichtig, aber keineswegs so allein, dass er der einzige Felsen war. Paulus nennt Petrus zusammen mit Jakobus und Johannes als \u201eS\u00e4ulen\u201c der Urgemeinde. (Gal 2,9) Auch heute f\u00fchrt der Papst die r\u00f6misch-katholische Kirche nicht allein. Der Papst \u00fcbt seine Leitungsaufgabe in Gemeinschaft mit den Bisch\u00f6fen und Priestern aus. In jeder Eucharistiefeier kommt das sogar im Gebet zum Ausdruck: Wir bringen Brot und Wein \u201edar vor allem f\u00fcr deine heilige katholische Kirche in Gemeinschaft mit deinem Diener, unserem Papst N., mit unserem Bischof N. und mit allen, die Sorge tragen f\u00fcr den rechten, katholischen und apostolischen Glauben. Schenke deiner Kirche Frieden und Einheit, beh\u00fcte und leite sie auf der ganzen Erde.\u201c Einheit und Leitung, das ist genau die Aufgabe des Petrus-Amts, und man muss hoffen, dass der Papst das in Gemeinschaft mit den Geistlichen und der ganzen Gemeinde tun kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAber der Papst gilt doch als unfehlbar\u201c, k\u00f6nnten manche einwenden. Ganz so wie das klingt, ist es nicht. Der Papst ist auch nach katholischer Lehre nicht grunds\u00e4tzlich unfehlbar. Er ist es nur dann, wenn er eine strittige Frage abschlie\u00dfend entscheidet, \u201eex cathedra\u201c spricht, wie es im Kirchenlatein hei\u00dft. Unfehlbarkeit bedeutet also nur, dass der Papst bei einem Streit in der Kirche das \u201eletzte Wort\u201c hat. Diese Lehre wurde 1870 auf dem Ersten Vatikanischen Konzil gegen Widerstand aus dem deutschsprachigen Raum als Dogma festgelegt, aber seither nur zwei Mal beansprucht. Es k\u00f6nnen nur solche Glaubens\u00fcberzeugungen als verpflichtend erkl\u00e4rt werden, die nicht im Widerspruch zur Bibel und zur katholischen Tradition stehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer wissen will, wof\u00fcr die r\u00f6misch-katholische Kirche steht, schaut mit Recht auf den Papst. Man kann seine Predigten h\u00f6ren und Lehrschreiben lesen. Aber man muss immer mitwissen, dass ein Papst so redet, wie ein Papst eben reden muss. Er sieht sich als Nachfolger Petri und vieler anderer P\u00e4pste in Jahrhunderte-langer Verantwortung. Das ist in der evangelischen Kirche anders. Sie behauptet semper reformanda zu sein, \u201eimmer reformbed\u00fcrftig\u201c, was offensichtlich jeden Wandel begr\u00fcnden kann. \u201eMan muss ja mit der Zeit gehen.\u201c Aber im Ernst: Wer wei\u00df schon, wer \u201ebei uns\u201c f\u00fcr die evangelische Kirche \u201espricht\u201c. [Evtl. Beispiele regionalisieren: Wir k\u00f6nnten jetzt ein Quiz machen, wie der Pr\u00e4ses oder die Bisch\u00f6fin unserer Kirche hei\u00dft. Kennt jemand die Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche in Deutschland? Oder die Pr\u00e4sidenten der Lutherischen, Reformierten, Methodistischen oder Baptistischen Weltb\u00fcnde? Oder soll man vielleicht eher lesen, was in Denkschriften steht?] Und so gibt es das b\u00f6se Wort, dass bei den Protestanten jeder Pfarrer sein eigener Papst ist. Will sagen: Der eine sagt so, der andere so, und ein dritter wieder anderes. Was soll man da jetzt denken, geschweige denn glauben. Und manchmal fragt sich die Gemeinde, ob das noch christlicher Glaube ist, was sie da h\u00f6ren. Angesichts dieser Verwirrungen leuchtet einem das Modell eines Bischofs von Rom wieder ein, der mit letzter Autorit\u00e4t sagen kann, was Sache ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das bringt uns zu dem anderen Bibelwort \u00fcber<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Jesus \u2013 das einzige Fundament der Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Reformationszeit haben Luther, Zwingli und andere gegen den Wildwuchs der Tradition protestiert. Sie wollten zur\u00fcck zu dem, was urspr\u00fcnglich gegolten hat. \u201eSola fide\u201c \u2013 \u201esola gratia\u201c \u2013 \u201esola scriptura\u201c \u2013 \u201esolus Christus\u201c. Vielleicht kennen Sie diese Schlagworte. \u201eAllein aus Glauben\u201c werden die Menschen selig, nicht durch Werke, die die Kirche lehrt, aber wom\u00f6glich nicht in der Bibel stehen. \u201eAllein durch die Gnade Gottes\u201c werden die Menschen selig, und keinesfalls durch Werke, die nicht in der Bibel stehen. \u201eAllein die Schrift\u201c soll n\u00e4mlich gelten, denn \u201eallein Christus\u201c rettet, nicht aber Maria, Anna oder all die anderen Heiligen. Vom Glauben, von Gnade, von Jesus Christus hat auch die katholische Kirche damals gesprochen, aber die Protestanten haben das etwas anders betont. Der entscheidende Unterschied war das \u201eallein die Schrift\u201c als Ma\u00dfstab f\u00fcr Lehre und Leben. Die Kritiker haben das den papiernen Papst der Protestanten genannt. Aber eigentlich ging es den Reformatoren um die Inhalte, das Evangelium von Jesus. Und jeder sollte das unverstellt selbst erforschen k\u00f6nnen. Deshalb Bibel\u00fcbersetzungen, deshalb Bibeldruck, deshalb Predigt in volksnaher Sprache.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe vorhin die Luther-Bibel \u00fcber den \u201eeinzigen Grund\u201c zitiert. Die Basis-Bibel ist unserer heutigen Sprache etwas n\u00e4her: \u201eNiemand kann ein anderes Fundament legen als das, das schon gelegt ist. Und das ist Jesus Christus.\u201c (1. Kor 3,11) Vielleicht schreibt Paulus das auch in Erinnerung an die Auseinandersetzungen mit Petrus und den Jerusalemer Aposteln. Das k\u00f6nnen wir nicht wissen. Aber wir wissen, woran er beim Schreiben des 1. Korinther-Briefs denkt. Paulus schreibt an eine Gemeinde, die gerade am Zerfallen ist. Nicht, weil sie vom Glauben abfiel, sondern weil sie sich \u00fcber den Glauben nicht mehr einig war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus hat die Gemeinde gegr\u00fcndet. Aber er wollte an m\u00f6glichst vielen Orten Gemeinden gr\u00fcnden. Das hei\u00dft: Er gr\u00fcndete, schob an und zog weiter. Andere mussten vor Ort \u00fcbernehmen. Das darf man nicht geringsch\u00e4tzen. Wir kennen das auch heute aus unseren Gemeinden. Die Pfarrstelle ist vakant oder gar gestrichen worden. Gott sei Dank treten Leute hervor, die die Gemeinde zusammenhalten wollen. Manche \u00fcbernehmen sogar den Predigtdienst. Sie punkten vielleicht nicht mit theologischen Kenntnissen, aber mit ihrer Lebenserfahrung als Christen und mit Einsatz und gutem Willen. Man kann den Ansatz des Paulus als basis-orientiert loben. Man muss aber dann auch wissen: Nicht nur Pfarrer k\u00f6nnen sich verirren wie oben, sondern auch Gemeinden k\u00f6nnen sich problematisch entwickeln. Und das ist offenbar in Korinth passiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die einen wollen sich an Paulus halten, andere an Apollos, wieder andere halten an Jesus fest. Das zeigt immerhin: Auch bei diesen Auseinandersetzungen wusste man noch, eigentlich muss doch Jesus die Basis von allem sein. Paulus versucht das aufzunehmen. \u201eIch habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.\u201c (1. Kor 3,6) So versucht er, allen ihr Recht zu geben, aber vor allem Gott die Ehre. Und deshalb will Paulus sich und sollen die anderen ebenfalls sich nicht selbst wichtiger nehmen als Jesus. Jeder soll es einfach so gut machen, wie er kann. Gemeinde geht nicht ohne Menschen und erst recht nur mit den Menschen, die man hat. Es geht nicht ohne Leute, die vorangehen. Leute wie Petrus, Paulus, Apollos. Es geht auch nicht ohne die Gro\u00dfmutter, die mit den Enkeln in der Kinderbibel gelesen hat, eine Gruppenleiterin, Kindergottesdienst- oder Konfi-Teamer, Religionslehrkr\u00e4fte. Vielleicht, ja sogar sehr wahrscheinlich, geht es auch nicht ohne Dich. Manchmal ist es nur wichtig, dass Leute kommen, damit etwas weitergeht. Manchmal ist das Ehrenamt erm\u00fcdend, manchmal auch die Ergebnislosigkeit der Anstrengungen. Da ist dann entlastend, wenn man sich von der Bibel erinnern l\u00e4sst: Nicht du bist das Fundament der Gemeinde, Jesus ist die Basis.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Komm, Heiliger Geist<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe versucht, die Berechtigung des \u201ekatholischen\u201c Felsenworts und seiner \u201eprotestantischen\u201c Antwort mit Jesus darzulegen. Die Kirche braucht immer Leute, die im Glauben vorangehen. Gerne Petrus, gerne ein guter Papst, gerne ein Paulus. Auch evangelische Gemeinden brauchen Menschen mit religi\u00f6ser Kompetenz und Autorit\u00e4t. Aber egal, wie wichtig sie sind oder wie wichtig sie sich nehmen: Auch sie brauchen Ausrichtung und gegebenenfalls Korrektur. Das leistet die Bibel, manchmal auch gegen das, was aus einer Kirche oder Gemeinde geworden ist. In der Reformationszeit hat sich das eindrucksvoll gezeigt, und auch danach immer wieder einmal in der einen oder anderen Bibelbewegung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ungl\u00fccklicherweise gibt es zwei gro\u00dfe Aber. Die \u00dcberzeugungskraft der Zeugen kann leiden, und die \u00dcberzeugungskraft der biblischen Botschaft von Jesus auch. Man muss das nicht gro\u00df erkl\u00e4ren. (1) Die katholische Kirche baut auf Petrus und seine Nachfolger. Aber: Was hilft es, wenn ihre Repr\u00e4sentanten keine heiligen M\u00e4nner sind! \u201eAuf Dich kann ich meine Kirche bauen\u2026\u201c Man darf bezweifeln, dass Jesus das dem einen oder anderen Nachfolger Petri noch zugesagt haben w\u00fcrde. (2) Ungl\u00fccklicherweise sind die Protestanten mit ihrer Betonung des Evangeliums von Jesus nicht besser dran. Jeder sollte sich ein eigenes Bild vom Glauben machen k\u00f6nnen. Aber: Was hilft es, wenn die Bibel nicht gelesen und Jesus nicht geh\u00f6rt wird. Und noch schlimmer: Es mag gut sein, dass die, die guten Willens sind, die Bibel aufschlagen, aber nicht verstehen. In beiden F\u00e4llen ist kein allzu gro\u00dfes konfessionelles Selbstbewusstsein mehr angebracht. Und damit kommt ins Spiel, was wir am Pfingstfest feiern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist gut, dass sich die beiden Kirchenmodelle am Ende in einer gemeinsamen Hoffnung treffen: Dass n\u00e4mlich der Heilige Geist in ihnen wirkt. Der Katechismus der Katholischen Kirche ist da vielleicht ein bisschen zuversichtlicher, dass das auch in der Institution der Fall ist. Um es mit dem Katholischen Katechismus zu sagen: \u201eDer Heilige Geist, den Christus, das Haupt [der Kirche, HjB] in seine Glieder str\u00f6men l\u00e4\u00dft, erbaut, beseelt und heiligt die Kirche. Diese ist das Sakrament der Gemeinschaft zwischen der heiligsten Dreifaltigkeit und den Menschen.\u201c (Katechismus der Katholischen Kirche, M\u00fcnchen u. a. 1993, S. 225 Nr. 747) Protestanten w\u00fcrden da sicher mehr an die zwischenmenschliche Erfahrung in der Gemeinde denken, die an und mit den biblischen Schriften lernt. Ich zitiere aus einer Ver\u00f6ffentlichung der Freien evangelischen Gemeinden: \u201eOhne den Heiligen Geist sind sie weder als lebendiges Wort Gottes zu vernehmen noch als solches auszulegen. [\u2026]\u00a0 Die Inspiration umfasst somit alle biblischen Schriften und die Schrift als Ganze, sie umfasst aber auch die Leserinnen und Leser, die Ausleger wie die Gemeinden als Auslegungsgemeinschaften. Das \u00e4u\u00dfere Wort der Bibel vermag nichts ohne das Wirken des Heiligen Geistes in der Gemeinde und im Menschen.\u201c (Gottes Wort im Menschenwort. Impuls zum Schriftverst\u00e4ndnis, in: Christsein heute. Sonderdruck 5\/2019, S. 16 https:\/\/feg.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/CsH_5_Sonderheft_low1.pdf)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDu bist Petrus\u201c \u2013 und lass dir sagen: Um Fels zu sein, brauchst Du den Geist Gottes, der heiligt. Und Du, der Protest einlegst im Namen Jesu \u2013 erinnere dich: Es muss tats\u00e4chlich um den lebendigen Jesus gehen und nicht um einen stummen papiernen Papst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an der Wilhelm-L\u00f6he-Schule in N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Literaturhinweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gnilka, Joachim: Das Matth\u00e4usevangelium. Kommentar zu Kapitel 14,1-28,20 (HThK), Freiburg \/ Basel \/ Wien, Sonderausgabe, S. 46-80, bes. S. 71-80 Die Petrusverhei\u00dfung in Geschichte und Gegenwart.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Katechismus der Katholischen Kirche, M\u00fcnchen u. a. 1993, zu Petrus S. 143 Nr. 441-442, S. 172-173 Nr. 551-553, S. 261 Nr. 881, zu Jesus als Fundament der Kirche S. 228 Nr. 756, zum Papst S. 260-263 Nr. 880-892 Papst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Luz, Ulrich: Das Evangelium nach Matth\u00e4us (Mt 8-17) (EKK I\/2), Z\u00fcrich \/ Neukirchen-Vluyn, 3. Auflage 1999, S. 450-483, bes. 467-483 Exkurs: Petrus im Matth\u00e4usevangelium.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schnackenburg, Rudolf: Matth\u00e4usevangelium (NEB 1,1), W\u00fcrzburg 1985, S. 150-153, au\u00dferdem S. 11-12 Petrus und seine Bedeutung f\u00fcr das Mt-Ev.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schweizer, Eduard: Das Evangelium nach Matth\u00e4us (NTD 2), G\u00f6ttingen, 15. Auflage\/3. Auflage einer Neubearbeitung 1981, S. 218-224.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eTu es Petrus.\u201c | Pfingstmontag | 09.06.2025 | Mt 16,18-19 | Hansj\u00f6rg Biener | Bevor ich den Predigttext vorlese, lassen Sie uns kurz in Gedanken verreisen. Es geht nach Rom. Auch wer noch nie in Rom war, wei\u00df sicher etwas \u00fcber \u201edie ewige Stadt\u201c [auch im Folgenden die Anf\u00fchrungszeichen mitsprechen\/anzeigen]. Das m\u00e4chtige Kolosseum, das Marsfeld, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":24619,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,727,157,853,114,271,433,349,3,392,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-24627","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hansjoerg-biener","category-kapitel-16-chapter-16","category-kasus","category-nt","category-pfingstmontag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24627"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24628,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24627\/revisions\/24628"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24627"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=24627"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=24627"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=24627"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=24627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}