{"id":24640,"date":"2025-06-12T13:46:01","date_gmt":"2025-06-12T11:46:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24640"},"modified":"2025-06-12T13:46:01","modified_gmt":"2025-06-12T11:46:01","slug":"johannes-31-15-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-31-15-4\/","title":{"rendered":"Johannes 3,1-15"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Trinitatis | 15.06.25 | Johannes 3,1-15 (d\u00e4nische Perikopemordnung) | Von Anna Jensen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-24638\" src=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pasted-Graphic.jpg\" alt=\"\" width=\"134\" height=\"256\" \/><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wiedergeburt in der Finsternis, die lebendige Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An der Hauteingangst\u00fcr unseres Pfarrhauses sieht man den<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Asklepios-Stab im Eichenholz ausgeschnitten. Er ist zum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verwechseln \u00e4hnlich mit der Kupferschlange, die heute im<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Evangelium erw\u00e4hnt wird. Im 4. Buch Mose findet man die<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erz\u00e4hlung, wie die Israeliten die Geduld mit Gott verloren, als<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sie auf ihrer W\u00fcstenwanderung waren. Sie klagten zu Gott, daf\u00fcr<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sandte Gott Schlangen, die sie bissen, und viele starben. Als die<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Israeliten ihren Fehler einsahen, bat Moses f\u00fcr sie. Dann befahl Gott,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0dass Moses eine Schlange herstellen und sie auf eine hohe Stange<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">befestigen sollte. Jeder, der von einer Schlange gebissen wurde, aber auf diese Schlange hinaufblickte, rettete sein Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Schlange des Moses befindet sich nicht an der Eingangst\u00fcr des Pfarrhauses, sondern der Stab des Asklepios, Symbol der \u00e4rztlichen Wissenschaft und Medizin. Das Haus wurde 1928 errichtet als Wohnung und Praxis f\u00fcr einen Amtsarzt. In der griechischen Mythologie war Asklepios der Heilungsgott, an seinen Tempeln hielt man \u00c4skulapschlangen, die man medizinisch verwendete, zudem kann die Schlange die Haut wechseln, und damit symbolisiert sie die lebenserneuernde Kraft. Diese beiden Symbole &#8211; die Kupferschlange des Moses und der Stab des Asklepios \u2013 \u00e4hneln einander, und vielleicht haben sie sich einmal im Laufe der Geschichte gegenseitig beeinflusst. Eine Schlange kann die Haut wechseln, sie kann einen neuen Anfang machen. Das Evangelium von Trinitatis handelt auch von einem neuen Anfang, von der Wiedergeburt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nikodemus war ein vornehmer Mann, er war Pharis\u00e4er, Mitglied im Rat der Juden und eine Bewunderer Jesu. Ein Mann in seiner Position konnte nicht offen den selbsternannten Propheten Jesus aufsuchen, deshalb kam Nikodemus zu Jesus in der Nacht. Ein denkw\u00fcrdiges Gespr\u00e4ch fand zwischen ihnen statt. Es ist als spr\u00e4chen sie nicht dieselbe Sprache. Jesus sprach von Geist und dem Himmlischen, Nikodemus vom Irdischen. Jesus wollte gerne Nikodemus das Reich Gottes zeigen, aber das erforderte, dass Nikodemus bereit war, auf etwas zu verzichten. Er musste seine Weltanschauung \u00e4ndern, um das geistliche Reich Jesu zu verstehen. Nikodemus war ein traditioneller Jude. Wenn ein Jude Gott begegnen wollte, musste er etwas im Tempel opfern, das konnte eine Taube sein oder ein Kitz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Jesus dem Nikodemus zeigte war dies, dass Gott Geist ist, er ist nicht nur im Tempel. Wenn du Gott begegnen willst, musst du im Glauben in deinem Herzen suchen. Im Johannesevangelium findet die Situation mit der Tempelreinigung statt kurz vor der Begegnung mit Nikodemus. Es war Ostern, und Jesus war nach Jerusalem gekommen. Als er den Tempel sah und den Handel mit Opfertieren, machte eine Peitsche aus Stricken und verjagte alle Handelnden. \u201eRei\u00dft den Tempel nieder\u201c, sagte er, \u201eund ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen\u201c. Der alte j\u00fcdische Glaube sollte einem Glauben an das geistliche Reich Gottes weichen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In allen guten Erz\u00e4hlungen muss der Held eine Verwandlung durchmachen. Um seinen Charakter zu zeigen. So wie eine Schlange die Haut wechselt, muss der Held das Alte ablegen, um in seiner neuen Gestalt zu erscheinen. Die Entkleidung geschieht durch Pr\u00fcfungen und Leiden in der Finsternis. In Harry Potter muss Harry ganz in den finsteren Wald. Er glaubt nicht, dass er das durchsteht, er ergibt sich ohne Kampf, so dass Voldemort ihn t\u00f6tet, aber es zeigt sich, dass nur ein Teil von Harry untergegangen ist. Abgekl\u00e4rt kommt er aus dem Wald, nun mit voller Kraft zu k\u00e4mpfen und zu gewinnen. Im Herr der Ringe soll der kleine gutgl\u00e4ubige Hobbit durch grauenhafte L\u00e4nder gehen und der Versuchung des schweren Rings widerstehen. Auf dem Wege wird er abgeh\u00e4rtet, so dass er das Wesen wird, das die Welt vor dem F\u00fcrsten der Finsternis rettet. Die Erz\u00e4hlungen lassen uns etwas wiedererkennen, denn so ist unser Leben auch. Wenn du eine Ver\u00e4nderung willst, musst du etwas opfern, etwas von dir selbst wegwerfen. Etwas geht verloren in der Finsternis, aber du kommst verwandelt und hoffentlich gest\u00e4rkt da hindurch. Diese Geschichten geben uns Mut, wenn sie uns erz\u00e4hlen, dass die Leiden nicht vergeblich sind, dass uns etwas Gutes auch auf der anderen Seite des Todes erwartet und dass eine Peron alles ver\u00e4ndern kann. Ob das Harry Potter ist, der L\u00f6we in Narnia oder Neo in dem Film Matrix. Auch die Evangelien beruhen auf der archetypischen Erz\u00e4hlung. Jesus widersteht der Versuchung aufzugeben, er stirbt f\u00fcr seine Sache und erscheint nun in einer neuen Gestalt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Insoweit \u00e4hnelt das Christentum anderen Erz\u00e4hlungen, aber das Christentum ist etwas ganz entscheidend Neues in zweierlei Hinsicht, denn etwas ist anders. Erstens ist der Tod Jesu keine Niederlage. Im Johannesevangelium sind die letzten Worte am Kreuz: \u201eEs ist vollbracht!\u201c Gott selbst stirbt am Kreuz. Nicht etwas ist in der Finsternis verlorengegangen, nicht etwas, das weggeworfen wird. Leiden und Tod werden verwandelt aus Schw\u00e4che in St\u00e4rke. Die alten Werte, etwas zu werden, Gold und Ber\u00fchmtheit zu erlangen, ver\u00e4ndern sich. Wer gro\u00df ist unter euch, soll euer Diener sein. Es geht nicht darum, Sch\u00e4tze zu erwerben, denn wer reich ist im Reich Gottes, ist reich an Liebe. Liebe kann man niemals verlangen, sie kann nur empfangen und geschenkt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch Nikodemus musste eine Ver\u00e4nderung durchmachen, wenn er das Reich Gottes sehen wollte. Hier am Sonntag Trinitatis begegnen wir Nikodemus als einen suchenden und unsicheren Mann, der im Schatten der Dunkelheit zu Jesus kommt. Sp\u00e4ter im Evangelium, als der j\u00fcdische Rat diskutierte, wie sie Jesus stoppen k\u00f6nnten, verteidigte Nikodemus indirekt Jesus. Und endlich nach dem Tode Jesu bekannte Nikodemus voll Farbe und bekannte sich zu seinem Glauben. Zusammen mit Josef von Arimath\u00e4a beerdigte er den Leib Jesu. Nikodemus w\u00e4chst im Glauben im Johannesevangelium. Aber im heutigen Text versteht er nicht die Worte von der Wiedergeburt, als Jesus sagte: \u201eWahrlich ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen\u201c. Nikodemus hatte seine Augen auf die Erde gerichtet, er sah nicht das Reich Gottes und er verstand es nicht, man kann ja nicht neu geboren werden. Doch, sagt Jesus, eine Wiedergeburt ist notwendig, eine Geburt aus Wasser und Geist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Geist ist eben das, was anders ist im Christentum. Als Jesus nach seiner Auferstehung erschien, hatte sich etwas ver\u00e4ndert. Jesus fuhr gen Himmel, aber sandte daf\u00fcr den Heiligen Geist. Nikodemus und die anderen Juden konnten nicht mehr in den Fu\u00dfspuren der Vorv\u00e4ter zum Tempel laufen, wenn sie Gott begegnen wollten. Gott ist Geist, und der Geist wohnt in unseren Herzen. Jeder Mensch muss deshalb den Blick heben vom Irdischen, wenn er sich zum Himmlischen wenden will. Das ist nicht leicht, denn aus Erde sind wir gekommen, und oft ist unser Blick auf die Erde gerichtet. Deshalb ist die Taufe wichtig. Die Taufe ist unsere Reinigung, unsere Wiedergeburt aus Wasser und Geist. Sowohl bei der Taufe als auch an einem Sarg erklingt der Lobpreis:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gelobt sein Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der uns nach seiner gro\u00dfen Barmherzigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(1. Petrus 1,3)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sind in der Taufe wiedergeboren aus Wasser und Geist zu der lebendigen Hoffnung. Trotzdem geschieht es, dass wir unseren Blick auf die Erde richten, und wir irren in der Finsternis wie einst Nikodemus. Vielleicht ist da etwas, was wir loslassen m\u00fcssen, etwas, was wir ableben m\u00fcssen, damit wir uns dem Reich Gottes zuwenden k\u00f6nnen? Aber mitten in der Finsternis kommt Jesus uns entgegen. Er ist unsere lebendige Hoffnung. Sein Geist lebt in uns, arbeitet in uns und hilft und, den Blick zu heben, so dass wir sehen k\u00f6nnen, dass das Reich Gottes uns nahegekommen ist. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Anna Jensen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5230 Odense M<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: <a href=\"mailto:ansj@km.dk\">ansj(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis | 15.06.25 | Johannes 3,1-15 (d\u00e4nische Perikopemordnung) | Von Anna Jensen | Wiedergeburt in der Finsternis, die lebendige Hoffnung An der Hauteingangst\u00fcr unseres Pfarrhauses sieht man den Asklepios-Stab im Eichenholz ausgeschnitten. Er ist zum Verwechseln \u00e4hnlich mit der Kupferschlange, die heute im Evangelium erw\u00e4hnt wird. Im 4. 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