{"id":24661,"date":"2025-06-17T17:31:25","date_gmt":"2025-06-17T15:31:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24661"},"modified":"2025-06-17T17:31:25","modified_gmt":"2025-06-17T15:31:25","slug":"johannes-539-47-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-539-47-4\/","title":{"rendered":"Johannes 5,39\u201347"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Glauben wir an Jesus Christus? | 1.Sonntag nach Trinitatis | 22.06.2025 | Joh 5,39\u201347 | Klaus Wollenweber |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>39 Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>40 Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, obwohl ihr bei mir das Leben finden w\u00fcrdet.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>41 Ich bin nicht darauf aus, von Menschen Anerkennung zu bekommen. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>42 Aber \u00b4bei euch ist es anders`. Ich kenne euch und wei\u00df, dass ihr der Liebe zu Gott keinen Raum in eurem Leben gebt. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>43 Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr lehnt mich ab. Doch wenn jemand anders in seinem eigenen Namen kommt, werdet ihr ihn mit offenen Armen aufnehmen. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>44 Wie solltet ihr auch glauben k\u00f6nnen? Bei euch ist jeder darauf aus, von den anderen Anerkennung zu bekommen; nur die Anerkennung bei dem einen, wahren Gott sucht ihr nicht. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>45 Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde. Mose wird euch anklagen \u2013 er, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>46 Denn wenn ihr Mose wirklich glauben w\u00fcrdet, w\u00fcrdet ihr auch mir glauben; er hat ja \u00fcber mich geschrieben. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>47 Wenn ihr aber dem nicht glaubt, was Mose geschrieben hat, wie wollt ihr dann dem glauben, was ich euch sage?\u00ab\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/strong>(Neue Genfer \u00dcbersetzung)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">das ist ein eigenartiger biblische Abschnitt, in dem der Evangelist eine Reihe von Behauptungen, Unterstellungen und Warnungen Jesus in den Mund legt. Kurzum: Wir h\u00e4tten keinen wahren Glauben an Gott und Jesus Christus! Schon der Anfang wirft Fragen auf: Wer ist denn mit dem <em>\u201e<strong>ihr<\/strong> forscht in der Schrift\u201c<\/em> gemeint? F\u00fchlen Sie sich angesprochen? Bin ich als Theologe gemeint, der sich beruflich mit den mosaischen Schriften und den neutestamentlichen Botschaften auseinandersetzt? Und dann der letzte Satz: <em>\u201eWenn ihr aber dem nicht glaubt, was Mose geschrieben hat, wie wollt ihr dann dem glauben, was ich euch sage?\u201c <\/em>Ich kann daraus zun\u00e4chst schlie\u00dfen, dass Jesus bzw. der Verfasser des Johannes-Evangeliums die Vieldeutigkeit der biblischen Schriften der hebr\u00e4ischen Bibel kennt. Er wei\u00df wohl um den \u201egarstig breiten Graben\u201c (Lessing), der zwischen Redner, Schreiber und Leser bestehen bleibt, \u2013 auch dann noch, wenn so manche kunstvollen Br\u00fccken des Verst\u00e4ndnisses gebaut sind oder werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich denke: Wer von uns meint, die biblischen Schriften eindeutig auf unsere jetzige Zeit anwenden und einfach so f\u00fcr unsere Denk- und Verhaltensweisen in Anspruch nehmen zu k\u00f6nnen, macht es sich zu leicht! Denn in allen Texten geht es um die Lesenden und die H\u00f6renden, um ihren Tod und ihr Leben. Es handelt sich also um eine \u201etodernste\u201c Sache: Wie lebe und praktiziere ich die Zuwendung Gottes und Jesu in meinem eigenen Leben und im Zusammenleben mit anderen Menschen heute? Jesus verhei\u00dft ganz positiv das ewige Leben und f\u00e4hrt zugleich so kritisch verurteilend fort: \u201e<em>Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, obwohl ihr bei mir das Leben finden w\u00fcrdet. Ich bin nicht darauf aus, von Menschen Anerkennung zu bekommen.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, wie realistisch, was wir hier aus dem Munde Jesu h\u00f6ren! Er hat seinen H\u00f6rerinnen und H\u00f6rern \u2013 vielleicht seinen J\u00fcngern \u2013 nicht vorenthalten, wie wenig man ihm in seinem Umfeld, besonders seinen Worten, glaubt und vertraut. Denn es tauchen immer wieder andere Menschen auf, falsche Jesusse, und wollen uns \u2013 an Gott glaubende Christen \u2013 verf\u00fchren. Die lange Geschichte der Christenheit erz\u00e4hlt davon, dass Christenmenschen immer wieder auf gro\u00dfe Namen hereingefallen sind. Und nichts spricht daf\u00fcr, dass Menschen in unserer Gegenwart immun dagegen w\u00e4ren. Die Menschen heute, die ihren eigenen Namen herausstellen und um die eigene Ehre und Anerkennung buhlen, setzen ja gerade wie fr\u00fcher dort an, wo sich die Not der Zeit auftut und wo die Sehnsucht nach einem besseren Leben handgreiflich wird. Sie nehmen brennende Themen der Gegenwart auf und entsprechen den jeweiligen Trends mit dem Zeitgeist; z.B. zu viele Asylanten im Land, die Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen, die auf unsere Kosten leben, die Verbrechen begehen. Die falschen Jesusse greifen auf, wonach den Menschen unserer Zeit die Ohren jucken, und sie reden den Leuten nach dem Mund. Das ist nichts Neues: der Unglaube wechselt je nach Situation seine Kleider, aber im Wesen bleibt er gleich \u2013 b\u00f6sartig, verf\u00fchrerisch, eigenm\u00e4chtig und lieblos! Beispielhaft k\u00f6nnen wir an Machthaber denken, die ihrer eigenen Ideologie folgen, die nur Eigenliebe kennen und eher zerst\u00f6ren als aufbauen, denen das Leben anderer Gesch\u00f6pfe keinen Wert hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich frage mich und Sie: Wie weit ist unser Denken und Entscheiden, unser Verhalten, unser Tun und Unterlassen von solchen sinngem\u00e4\u00df falschen Jesus-Menschen gepr\u00e4gt oder bestimmt? Nat\u00fcrlich m\u00f6chte keiner von uns ungeliebt sein, abgelehnt werden, einfach beiseitegeschoben sein. Jede und jeder von uns lebt menschlich von Anerkennung und Akzeptanz durch andere. Nicht umsonst strampeln wir uns ab, so gut wir k\u00f6nnen. Eine Menge in unserer jeweiligen Lebensgeschichte geschah, um zu gl\u00e4nzen; und eine Menge haben wir unterlassen oder haben wir verschwiegen, um das eigene Wohl und das der anderen in der Gemeinschaft \u2013 in der Familie und am Arbeitsplatz \u2013 nicht aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, Jesus leuchtet hier mit seinen Worten tief in unsere menschlichen Lebens-Zusammenh\u00e4nge hinein. Er will uns nicht anklagen. Er deckt vielmehr auf, wie Mose es bereits \u00fcber den Menschen gesagt hat, dass unser Streben nach Ehrung durch andere Menschen mit der Zur\u00fccksetzung der Ehre Gottes verbunden ist und deshalb dem Glauben an Gott, den ehrenvollen Sch\u00f6pfer, im Tiefsten widerspricht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus sieht uns Menschen in unserer Zerrissenheit: Suchen wir das sinnvolle Leben oftmals in falschen, reizvollen und aktuell einleuchtenden Verbindungen und verlieren zugleich unseren Sch\u00f6pfergott aus den Augen? So verlieren wir Leben und Liebe, Vertrauen und den Vater Jesu Christi. Doch die Ehre, die Gott allein jedem von uns gibt, \u2013 diese Ehre stillt bereits alle menschliche Sehnsucht nach Angenommensein und Anerkennung. Diese Ehre Gottes \u00fcberwindet bei Ihnen und bei mir alle Angst, in der irdischen Gemeinschaft zu kurz zu kommen; sie l\u00f6st alle Verkrampfung im menschlichen Umgang miteinander. Durch Gottes Zuneigung zu uns werden wir wertvoller als wir sind, als wir je waren, \u2013 mehr als wir durch unsere eigene Anstrengung werden k\u00f6nnten. Gott, der Vater, zeigt uns in Jesus Christus den mit Ehre gekr\u00f6nten Menschen. Diese Wirklichkeit gilt es, im christlichen Glauben zu entdecken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So k\u00f6nnen wir heute im Vertrauen auf Gottes Vertrauen zu uns sagen: Wer sich von der Liebe Gottes schon angenommen wei\u00df, hat bereits festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen in dieser Welt; er oder sie brauchen sich nicht mehr um die Gunst Gottes abzustrampeln. Und sie sind frei von der Sorge um das eigene Ansehen, um Ehre und Geltung; sie sind frei von dem unbarmherzigen Gesetz des Geltenm\u00fcssens vor anderen, von dem Druck, sich in den Mittelpunkt stellen zu m\u00fcssen. Letztlich sind wir Christen frei von der Meinung und dem Urteil der anderen und brauchen keine Maske zu tragen, mit der wir uns anpassen k\u00f6nnten oder m\u00fcssten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit diesem christlichen Glauben kann ich mich mit meinen eigenen Schw\u00e4chen und Fehler ehrenvoll wahrnehmen und mich auch ver\u00e4ndern. Ich kann ebenso andere Menschen in dieser \u00e4hnlichen Lebenssituation ermutigen, statt sie wegen ihrer Schw\u00e4chen zu dem\u00fctigen. Denn ich kann so, wie ich bin, Gott die Ehre geben. Zu dieser Lebenseinstellung will uns Jesus Christus mit seinen Worten ermutigen und befreien. Denn mit diesem Glauben haben wir bereits eine Existenz im ewigen Leben, das er uns zusagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo vieles um uns herum wankt und zerbricht, schenkt uns diese Wahrheit Christi Kr\u00e4fte der Geduld und Lebensfreude. Sie befreit uns von dem Nebel der T\u00e4uschungen, der \u00dcberforderungen und der Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Forschen wir ruhig in der Schrift und lesen in den Schriften der Moseb\u00fccher; der uns rettende Glaube h\u00e4ngt am Wort Christi, nicht an den falschen Jesus-Machthabern. Glaubw\u00fcrdigkeit und Wahrheit eines biblischen Schriftwortes wirken im Miteinander von uns Menschen, die dieses Wort h\u00f6ren und leben! Nicht nur h\u00f6ren, sondern auch praktizieren! Das ist gewisslich wahr!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lieder: EG Nr. 183\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir glauben all an einen Gott<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 EG Nr. 184\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wir glauben Gott im h\u00f6chsten Thron<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof em. Klaus Wollenweber<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">53129 Bonn<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: <a href=\"mailto:Klaus.Wollenweber@posteo.de\">Klaus.Wollenweber@posteo.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Jahre Gemeindepfarrer in der Ev. Keuzkirchengemeinde Bonn; ab 1988 theologischer Oberkirchenrat in der Ev. Kirche der Union (EKU) Berlin ( heute: Union Ev. Kirchen (UEK) in Hannover ); ab 1995 Bischof der \u201eEv. Kirche der schlesischen Oberlausitz\u201c mit dem Amtssitz in G\u00f6rlitz \/ Nei\u00dfe\u00a0 (heute: \u201eEv. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz\u201c (EKBO) ); seit 2005 im Ruhestand wohnhaft in Bonn. H\u00e4ufig aktiv in der Vertretung von Pfarrerinnen und Pfarrern in Bonn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glauben wir an Jesus Christus? | 1.Sonntag nach Trinitatis | 22.06.2025 | Joh 5,39\u201347 | Klaus Wollenweber | 39 Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. 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