{"id":24673,"date":"2025-06-23T11:56:55","date_gmt":"2025-06-23T09:56:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24673"},"modified":"2025-06-23T11:56:55","modified_gmt":"2025-06-23T09:56:55","slug":"lukas-1416-24-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1416-24-4\/","title":{"rendered":"Lukas 14,16-24"},"content":{"rendered":"<h3>2. Sonntag nach Trinitatis | 29.06.25 | Lukas 14,16-24 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wenn wir am Fest im Reich Gottes teilnehmen wollen, dann m\u00fcssen wir die Einladung annehmen. <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Grauer Star, Gr\u00fcner Star. Es gibt unter uns viele verschiedene Sichtprobleme. Grundtvig schreibt in seinem d\u00e4nischen Adventslied \u201eBl\u00fchen wie ein Rosenhag\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/C7AFAE87-72F5-4C54-8B75-1D053D3BF149#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> vom \u201eschwarzen Star\u201c (V. 4), von dem wir befreit werden sollen, und er bezieht sich hier mit dem schwarzen Star auf die Blindheit, die die m\u00e4chtigen Kr\u00e4fte Gottes heilen sollen. Abgesehen von den verschiedenen dezidierten Augenkrankheiten sind ein Drittel der D\u00e4nen entweder kurzsichtig oder weitsichtig. Es gibt auch eine Augenkrankheit, die Tunnelsicht hei\u00dft. Man sieht die Welt als s\u00e4he man sie durch einen Tunnel. Die periphere Sicht ist verschwunden. Man kann nicht sehen, was an den Seiten ist. Das d\u00fcrfte sehr unangenehm sein. Zurzeit ist es als habe eine Art mentale Tunnelsicht die D\u00e4nen befallen. Das k\u00f6nnen wir z.B. an der Debatte \u00fcber das Klima sehen. Aus irgendeinem Grund ist man so sehr auf das Klima konzentriert und auf die Frage, was man tun kann, um das Leben der Erde zu verl\u00e4ngern, dass man dann nichts anderes mehr im Blick hat. Es ist fast so als sehnte man sich nach einem Leben, wo uns gesagt wird: \u201eDas muss ich tun, um ein guter Mensch zu sein. Das darf ich nicht tun, um ein guter Mensch zu sein\u201c. Die periphere Sicht ist verschwunden. Man beurteilt nicht mehr, ob das, was f\u00fcr das Klima unternommen werden muss, n\u00fctzlich ist oder nicht, ob es wissenschaftlich bewiesen ist oder nicht, ob es unserer Wohlfahrtsgesellschaft schadet oder ob es das nicht tut. Man hat nur eines im Kopf. Weg mit den roten Steaks, keine Flugreisen, keine Umweltverschmutzung, kein Missbrauch der Ressourcen in der Welt. Manchmal dr\u00e4ngt sich der Gedanke auf, dass die kommenden Terrorhandlungen nicht nur von radikalisierten Moslems ausgehen sondern auch von radikalisierten Veganern, die schon Botschaften vertreten haben wie die, dass Fleischverzehr genauso schlimm ist wie P\u00e4dophilie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im heutige Gleichnis Jesu von dem Mann, der zu einer Festmahlzeit einl\u00e4dt, begegnen uns viele Personen, die an einer heftigen mentalen Tunnelsicht leiden. Da ist ein Mann, der die Einladung zum Fest ausschl\u00e4gt, weil er gerade einen Acker gekauft hat. Er kann nichts anderes sehen als den bl\u00f6den Acker, den er gerade gekauft hat. Er erinnert an richtig viele Menschen, die viel besitzen. Sie sehen, was sie haben. Aber sie sehen nicht mehr. Erst wenn sie sterben m\u00fcssen, begreifen sie, dass all das, was sie zusammengerafft haben, keine Bedeutung hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da sind auch einige andere Personen in dem Gleichnis, die sich durch ihre Tunnelsicht bemerkbar machen. Einer hat sich f\u00fcnf Ochsen angeschafft und schl\u00e4gt die Einladung zum Fest aus, weil er sich um seine Ochsen k\u00fcmmern muss.\u00a0 Er ist das Bild f\u00fcr alle die, die stark an ihrer Arbeit interessiert waren und nicht anderes als dies im Sinn hatten. Die australische Krankenschwester Bronnie Ware, die viele sterbende Menschen interviewt hat, erz\u00e4hlt, dass die meisten vor ihrem Tod bereuten, zu viel gearbeitet zu haben. Aber nat\u00fcrlich sollen wir alle hart arbeiten, wenn D\u00e4nemark weiter ein gutes Land sein soll. Wir sollen dabei nur auf den Tunnel-Effekt achten. Es gibt im Leben anderes als die Arbeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine besonders interessante Person mit Tunnelsicht ist der, der geheiratet hat und nur seine Geliebte im Blick hat. Er ist ein seltenes Ph\u00e4nomen. In der Wirklichkeit sind wir nicht besonders fixiert auf unseren Ehepartner oder Geliebten. Es sei denn, es geht um deren Fehler.\u00a0 Ich mag diese biblische Person durchaus, der seine Ehefrau so sehr liebt. Aber daf\u00fcr haben wir dann Tunnelsicht, wenn es um unsere Kinder geht. Das erleben die d\u00e4nischen Volksschulen, Kinderg\u00e4rten, Freischulen und weiterf\u00fchrende Schulen. Eltern kommen dauernd und verlangen, dass man sich besonders um ihre Lieblingskinder k\u00fcmmern soll. Nur selten geht es um das Gemeinsame \u2013 was allen dient.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einige Religionen haben auch eine starke Tunnelsicht. Wenn man in seinem Glauben nur an seinen eigenen Gott denkt und vergisst, dass es andere gibt, hat man seine periphere Sicht verloren und wird f\u00fcr eine Umgebung mehr oder weniger zu einer Gefahr. Es gibt auch christliche Gruppierungen, die unter Tunnelsicht leiden. Jesus ist alles. Und er ist auch alles. Aber man muss beachten, wie das christliche Kreuz aussieht. Da ist ein Strich, der von Gott herabgeht zu uns, damit wir unseren Blick auf ihn richten, auf das Himmlische, auf die Ewigkeit. Aber da ist auch ein Querstrich am Kreuz. Und das ist die periphere Sicht. Es ist wichtig, dass wir die Menschen sehen, mit denen wir zusammenleben, und die Welt, zu der wir geh\u00f6ren. Tun wir das nicht, dann werden wir fanatische, intolerante, unertr\u00e4gliche Christen mit starker Tunnelsicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An und f\u00fcr sich kann man die Leute gut verstehen, die in dem Gleichnis die Einladung zu einem Fest ablehnen. Feste k\u00f6nnen oft sehr anstrengend sein und sind es auch. Man muss sich gut anziehen, das ist nicht bequem. Man hat dann vielleicht eine langweilige Tischdame f\u00fcr sieben Stunden, man muss freundlich sein, l\u00e4chelnd und gespr\u00e4chig. Und man kommt allzu sp\u00e4t ins Bett. Es ist angenehmer, zuhause zu bleiben vor dem Fernseher in Jogging-Kleidung mit einer Portion aufgetauter Fleischkl\u00f6\u00dfe mit Curry vor sich. Heute gibt es Leute, die Einladungen zu Festen wegen ihrer Tunnelsicht ablehnen. Zum Beispiel die, die so sehr an Motion und rechter Kost interessiert sind, dass sie es nicht wagen, eine Einladung zu einem Fest anzunehmen, weil es vielleicht zu fettes Essen gibt, weil man gen\u00f6tigt ist, Alkohol zu trinken und sonst viel fr\u00fcher ins Bett geht. Ich denke, die Zukunft wird zeigen, ob da viele Menschen sind mit Klima-Tunnelsicht, die eine Einladung zu einem Fest ablehnen, weil sie nicht riskieren wollen, rote Steaks zu essen und in einem Raum zu sitzen, der von umweltsch\u00e4dlichen Gasen geheizt wird, und vielleicht einen Tischherren haben, der mindestens f\u00fcnf Mal im Jahr in der Welt herumfliegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Pointe im Gleichnis Jesu ist nicht, dass das Leben ein gro\u00dfes Fest ist. Wir wissen sehr wohl, dass das nicht stimmt. Das Leben ist hart \u2013 und manchmal auch sch\u00f6n. Aber dennoch sollen wir an dem Leben teilnehmen, zu dem Jesus uns einl\u00e4dt, zusammen sein mit den Menschen, zu denen wir im Guten wie im B\u00f6sen geh\u00f6ren, und so unsere periphere Sicht erweitern, so dass wir nicht schlie\u00dflich der Tunnelsicht verfallen, in der wir auf uns selbst sehen, auf unseren Besitz und unsere Arbeit. Und zugleich besteht eine Pointe in dem Gleichnis Jesu auch darin, dass uns nach unserem Tod ein Leben im Reich Gottes erwartet, das zu dem Fest wird, nach dem wir uns im ganzen Leben gesehnt haben. Aber scheinbar erfordert das ein Ding, damit wir teilhaben k\u00f6nnen an diesem jenseitigen Fest. Wir m\u00fcssen ja sagen zur Einladung von Jesus Christus. Und wenn ich als Pastor nun anfange zu behaupten, dass wir alle ins Reich Gottes kommen, egal was wir tun, was wir sagen und wie sehr wir dagegen sind, ja dann leide ich an der \u00fcblichen volkskirchlichen Tunnelsicht, wo Christus zu einem \u00fcbertoleranten Gott wird, der nichts von uns verlangt. Irgendetwas sagt mir, vielleicht ist es meine periphere christliche Sicht: Wenn wir am Fest im Reich Gottes teilnehmen wollen, dann m\u00fcssen wir die Einladung annehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/C7AFAE87-72F5-4C54-8B75-1D053D3BF149#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> D\u00e4nisch \u201dBlomstre som en roseng\u00e5rd\u201d, D\u00e4nisches Gesangbuch Nr. 78, deutsche \u00dcberersetzung im Deutsch-d\u00e4nischen Kirchengesangbuch Nr. 78.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Trinitatis | 29.06.25 | Lukas 14,16-24 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Poul Joachim Stender | Wenn wir am Fest im Reich Gottes teilnehmen wollen, dann m\u00fcssen wir die Einladung annehmen. Grauer Star, Gr\u00fcner Star. Es gibt unter uns viele verschiedene Sichtprobleme. 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