{"id":24716,"date":"2025-06-28T12:50:16","date_gmt":"2025-06-28T10:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24716"},"modified":"2025-06-28T12:50:16","modified_gmt":"2025-06-28T10:50:16","slug":"jesaja-551-5-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-551-5-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 55,1-5"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Satt, wie es satter nicht mehr geht | 2. So. nach Trinitatis | 29.6.2025 | Predigt Jesaja 55,1-5| verfasst von Udo Schmitt|<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(1. Es geht um Aufmerksamkeit)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das \u00d6ffnen einer Bierflasche, das lustvolle St\u00f6hnen einer Frau, der Jubel einer Menschenmenge nach einem Tor f\u00fcr die Heimmannschaft. Diese drei Ger\u00e4usche am Anfang eines Radiowerbespots und sofort h\u00f6ren \u00fcber 90% der M\u00e4nner zu. Es geht um Aufmerksamkeit. Hamburger Marktschreier wie Wurst-Achim und Aal-Axel rufen, schreien, ohne Punkt und Komma und bringen es dabei locker auf 100 Dezibel. Sind also in etwa so laut wie ein vorbeifahrender LKW oder eine Motors\u00e4ge. Es geht um Aufmerksamkeit. Keiner soll sie \u00fcberh\u00f6ren und vor\u00fcbergehen. Das aber ist noch gar nichts im Vergleich zu einem orientalischen Basar wie etwa dem \u201eKhan el-Kalili\u201c in Kairo. Da schreien sie nicht nur von allen Seiten, um in den engen Gassen ihre Ware anzupreisen, sie laufen einem nach, zupfen einem am \u00c4rmel, wollen einem mit breitem L\u00e4cheln und vielen einladenden Gesten an ihren Stand lotsen: \u201eKomm mein Freund, komm, hier kriegst du, was du brauchst. Stell dich nicht so an, Mann. Komm schon. Alles, was du willst. Und billig, ganz billig!\u201c Nicht jedermanns Sache, so viele wohlmeinende Zudringlichkeit. Aber es geht. Um Aufmerksamkeit. H\u00e4ttet ihr gedacht, dass Gott auch so sein kann? Nein? Dann h\u00f6rt mal zu: TEXT (Jesaja 55,1-5)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(2. Die Seele in der Kehle)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer h\u00e4tte das gedacht. Gott redet also wie ein Marktschreier auf einem orientalischen Basar: \u201eKommt her zu mir, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!\u201c so ruft er. Aus vollem Hals. Und genau um den geht es hier. Dazu muss man wissen, was \u201eHals\u201c im Hebr\u00e4ischen bedeutet. Im Deutschen kennen wir eine Menge Redewendungen: Jemandem um den Hals fallen. Den Hals nicht voll kriegen. Es schn\u00fcrt mir die Kehle zu, ich habe einen Klo\u00df im Hals, das Herz schl\u00e4gt mir bis zum Hals vor Aufregung. Wer seinen Hals nicht retten kann, den kann es seinen Hals kosten (stammt \u00fcbrigens aus 1. Chronik 12,19). Und wer zu viel von einem verlangt, ist ein Halsabschneider. Das alles kann man im Hebr\u00e4ischen auch so sagen. Aber die Hebr\u00e4er gehen noch einen Schritt weiter: Meine \u201en\u00e4f\u00e4sch\u201c, sagen sie, also meine \u201eKehle\u201c ist betr\u00fcbt bis an den Tod. Und wir \u00fcbersetzen: Meine \u201eSeele\u201c ist betr\u00fcbt bis an den Tod. Und die \u00dcbersetzung ist richtig. Denn tats\u00e4chlich ist im Hebr\u00e4ischen nicht das Herz der Sitz der Seele, dort sitzt eher der Wille. Nein, bei ihnen sitzt die Seele in der Kehle. Meine \u201en\u00e4f\u00e4sch\u201c ist also meine Kehle und meine Seele, kurz gesagt: ich bin es selbst. Meine Kehle: C\u2019est moi. Meiner einer. Ich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(3. Seelen-Durst-L\u00f6scher)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn nun Gott auftritt wie ein Marktschreier, der Wasser anpreist. Dann will er Durst l\u00f6schen. Das klingt in einem Land, das hei\u00df und trocken ist und reich an W\u00fcsten, schon einmal sehr positiv. Wasser bedeutet Leben. Und wenn wir in der Mitte Europas uns \u00e4rgern \u00fcber den verregneten Fr\u00fchling und die \u00fcberflutenden Fl\u00fcsse beklagen, wissen wir vielleicht auch nicht, was wir da reden und was f\u00fcr ein Segen das ist. Immer genug Wasser zu haben. Regen ist Segen. Wenn es nun Gott ist, der wie ein Marktschreier auftritt und Wasser anpreist. Dann will er nicht nur Durst l\u00f6schen. Es geht nicht nur um Segen. Es geht auch um unsere Seelen. Er will unsere Sehnsucht stillen. Nach Leben. Gott ist der Seelen-Durst-L\u00f6scher: \u201eH\u00f6ret, so werdet ihr Leben!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(4. Schaum f\u00fcr Brot)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was lauft ihr Dingen nach, die nichts bringen? Was taucht ihr nach sch\u00e4tzen, die nichts taugen? Was tragt ihr euer sauer verdientes Geld hin und kauft daf\u00fcr Brot, das nicht satt macht? Viele verkaufen euch Schaum f\u00fcr Brot. Wenn man Menschen heute fragt, dann geben sie sich gerne \u201eaufgekl\u00e4rt\u201c und \u201eunabh\u00e4ngig\u201c.\u00a0 Religion und \u201eKirche\u201c? Sich dazu zu bekennen, ist nicht angesagt. Andererseits hat der Aberglaube Konjunktur. Es werden die absurdesten Dinge getan: Erdstrahlen abgewehrt, Feinstoffe vermessen, Wasserlinien ausgependelt, Energiequellen ge\u00f6ffnet und Schr\u00e4nke von rechts nach links verschoben, damit der \u201eDrache\u201c unter dem Haus \u201ewieder fliegen kann\u201c. Rituale werden angeboten schamanisch oder keltisch oder fern\u00f6stlich und nat\u00fcrlich alle \u201euralt\u201c. Ganz ehrlich? Ich halte das alles f\u00fcr Quatsch. Schaum statt Brot. Hier wird nur Geld gemacht mit der Dummheit der Menschen. Und ihrer Leichtgl\u00e4ubigkeit. Und ihrem Bed\u00fcrfnis nach Spiritualit\u00e4t und Religion. Sie ahnen ja irgendwie doch, dass es da etwas gibt. Tief drinnen sehnen sie sich nach dem lebendigen Gott und seinem heiligen Geist. Aber in der Kirche danach suchen\u2026 das w\u00e4re ja irgendwie auch zu einfach, oder? \u201eH\u00f6ret, so werdet ihr Leben!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(5. Jesus \u2013 Brot und Wasser des Lebens)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich will mit euch einen Bund schlie\u00dfen, sagt Gott. \u201eUnd Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes\u201c. Nun wer sind diese Heiden? Wir sind es! Wir waren Heiden, die nichts von dem lebendigen Gott wussten. Wir sa\u00dfen im Finstern. In Jesus Christus ist uns ein Licht aufgegangen. In Jesus Christus, unserm Herrn und Bruder, sind auch wir zu Kindern und Geliebten Gottes geworden. Sind Miterben seines Bundes, seines Segens. Wenn wir auf Jesus Christus h\u00f6ren, dann sollen auch wir leben &#8211; h\u00f6rt ihr? \u2013, leben und nicht sterben. Jesus ist es, der von sich sagt: \u201eIch bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr d\u00fcrsten\u2026 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens\u201c (Johannes 6,35 + 47f). Und weiter sagt er: \u201eKommt her zu mir, alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken\u201c (Matth\u00e4us 11,28). Und schlie\u00dflich: \u201eWen da d\u00fcrstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Str\u00f6me lebendigen Wassers flie\u00dfen\u201c (Johannes 7,37f).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(5. Satt, wie es satter nicht mehr geht)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Worte Jesu kennen wir nun schon sehr, sehr gut. Zu gut, um vielleicht die darin liegende Widerspr\u00fcchlichkeit zu h\u00f6ren. Ein Mensch geht hin und sagt: Ich bin Brot. Ich bin Wasser. Ist das nicht Quatsch? M\u00fcsste es nicht hei\u00dfen: Ich bin wie Brot, wie Wasser? (She\u2019s like the wind\u2026) Nein. Nicht \u201ewie\u201c sondern \u201edas\u201c. Ich bin DAS Brot des Lebens, n\u00e4mlich das, von dem Gott hier schon bei Jesaja sagt: Ich werde es f\u00fcr umsonst an die V\u00f6lker der Welt, an die Heiden verschenken. Kommt her, kommt her alle, von \u00fcberall her. Kauft, kauft ohne Geld, ihr kriegt es umsonst und geschenkt! Brot zum Leben, Wasser und Milch und Wein, damit ihr satt werdet. Kommt her, s\u00e4ttigt eure Kehlen, eure Seelen, euer Selbst! Mit Leben. S\u00e4ttigt euch und werdet satt an Leben! Werdet satt, wie es satter nicht mehr geht. So satt, dass es euch zu jeder Pore wieder rauskommt, das Leben. Str\u00f6me lebendigen Wassers werden von euch flie\u00dfen. Ihr werdet so viel Leben in euch haben, so viel Hoffnung, so viel Liebe, so viel Segen, dass es euch an allen Ecken und Enden wieder herauskommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist das nicht ein gutes Angebot? Wer will es ausschlagen? Wer will noch etwas Anderes suchen? Dahinein investiert euer Geld, eure Zeit, eure Aufmerksamkeit. Lauft nicht den Schaumschl\u00e4gern und Sp\u00f6kenkiekern hinterher. H\u00f6rt nicht auf die Angstmacher und Aufmerksamkeitsheischer! Lasst sie euch ruhig hinterherschreien bis sie heiser sind. Gott hat den l\u00e4ngeren Atem. Den l\u00e4ngsten von allen. Denn sein ist das Reich und die Herrlichkeit in Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 168\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Du hast uns, Herr, gerufen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 363\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 610\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jesus hat seine Herrschaft bestellt<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 EG 659\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ins Wasser f\u00e4llt ein Stein<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Satt, wie es satter nicht mehr geht | 2. 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