{"id":24769,"date":"2025-07-01T21:09:31","date_gmt":"2025-07-01T19:09:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24769"},"modified":"2025-07-02T18:17:54","modified_gmt":"2025-07-02T16:17:54","slug":"lukas-151-10-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-151-10-2\/","title":{"rendered":"Lukas 15,1-10"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Finden und gefunden werden |\u00a0<\/strong>3. So. n. Trinitatis | 06.07.2025 | Lk 15.1-10 | verfasst von Mikkel Tode Raahauge<\/h3>\n<p>Das liegt wohl in der Natur der Sache, das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Je nach dem wie, wann und unter welchen Umst\u00e4nden es geschieht. Aber sicher ist es, dass sich jeder von uns im Laufe seines Lebens in irgendeinem Umfang der sehr wesentlichen und entscheidenden Frage stellen muss: Wer bin ich? Und die endg\u00fcltige Antwort auf diese Frage, die ist tief davon abh\u00e4ngig, wie man auf eine andere sehr wesentliche Frage antwortet, und darauf werde ich sicher zur\u00fcckkommen. Lasst uns aber zun\u00e4chst etwas bei der ersten Frage danach bleiben, wer wir jeder f\u00fcr sich im Grunde sind.<\/p>\n<p>Auch wenn es n\u00e4mlich durchaus m\u00f6glich ist, darauf sicher und unzweideutig zu antworten: In einer Welt, wo wir \u00fcberall h\u00f6ren, dass wir uns selbst <em>finden<\/em> sollen \u2013 als w\u00e4re das irgendetwas, was verlorengegangen ist \u2013 so kann es sehr wohl schwierig sein zu beurteilen, wo in aller Welt man beginnen soll. Denn die M\u00f6glichkeiten sind fast unendlich. Und wenn das Gef\u00fchl der Verlorenheit sich erst tief im Herzen eingeschlichen hat, so l\u00e4sst einen das verzweifeln, und dann geht es nur darum, mit dem Suchen zu beginnen.<\/p>\n<p>Ich kenne eine Frau, die lange Zeit in ihren jungen Jahren f\u00fcr einen Galerie-Besitzer in \u00c5rhus gearbeitet hat. Mit der Zeit war der Galeriebesitzer im Dasein wohl festgefahren \u2013 er hatte jedenfalls dieses wohlbekannte und unangenehme Gef\u00fchl, das etwas Entscheidendes verloren gegangen war, und er beschloss, in den fernen Osten zu reisen, eben um sich selbst zu finden. Und als die Frau ihm einige Jahre sp\u00e4ter auf der Stra\u00dfe begegnete, fragte sie ihn nat\u00fcrlich, ob er sich selbst gefunden habe auf seiner Reise \u2013 worauf er antwortete: \u201eJa, aber das war eine zweifelhafte Bekanntschaft \u2026\u201c.<\/p>\n<p>Das ist vorbildlich ehrlich gesagt, und ich habe oft an diesen Galeriebesitzer gedacht, auch wenn ich ihn nie selbst getroffen habe. Denn seine Antwort zeigt, wie schnell das schief gehen kann, wenn man sich selbst einbildet, dass Identit\u00e4t nicht nur etwas ist, was man hat, weil man von Gott geschaffen ist und ihm geh\u00f6rt, sondern etwas, was man selbst finden oder schaffen muss. Und man braucht ja nicht den ganzen Weg in den fernen Osten zu reisen, um sich darauf einzulassen.<\/p>\n<p>Einige wollen sicher damit beginnen, in der Bank-Box zu suchen. Denn hast du Geld, dann kannst du alles bekommen, und es ist fast nur die Phantasie, die Grenzen setzt f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten, die Geld einem gibt. Man sagt zwar, dass man davon nicht gl\u00fccklicher wird, in einem Mercedes zu weinen statt auf einem Fahrrad. Aber man denke nur, was das Geld ansonsten mit sich bringen kann an Geborgenheit, Sicherheit, Einfluss \u2026 Und dann kann man versuchen, auf die Frage zu antworten: \u201eWer bin ich?\u201c \u2013 indem man einen Blick auf das Bankkonto wirft und sagt: \u201eIch bin der, der im \u00dcberfluss lebt\u201c. Oder umgekehrt, wenn das Konto nun leer ist: \u201eIch bin der, der nichts wei\u00df\u201c.<\/p>\n<p>Andere wiederum wollen auf die feine Gesellschaft setzen. Denn in der richtigen Gesellschaft findet man die richtigen Leute \u2013 mit einem guten Netzwerk, wie es hei\u00dft \u2013 da l\u00e4sst sich vieles machen. Es ist wesentlich k\u00fcrzer zur Spitze und zu dem Status, den viele von uns brennend w\u00fcnschen, und jeder, der sich jemals in einem Schulhof befunden hat oder in den sozialen Medien wie <em>Linkedin<\/em>, wird wissen, dass es sich sehr wohl lohnt, mit Leuten befreundet zu sein, die popul\u00e4r sind. Und dann kann man ja auf die Frage: \u201eWer bin ich?\u201c antworten: \u201eIch bin der, der zum engsten Kreis geh\u00f6rt\u201c, oder umgekehrt: \u201eIch bin der, der au\u00dfenvor steht\u201c \u2013 und das kann man seine Identit\u00e4t sein lassen.<\/p>\n<p>Und auf derselben Weise kann man sich auf die Suche begeben im Studium, am Arbeitsplatz oder sogar in der Familie \u2013 an allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Orten. Wir wissen am besten bei uns selbst, wo wir eifrig herumlaufen und uns selbst finden wollen. Ich glaube aber, die allermeisten von uns haben eine Ahnung davon, dass die Antwort wohl vor allem tief in uns selbst verborgen ist. Und so k\u00f6nnen wir dann versuchen, alle die Seiten in uns selbst zu untersuchen und zu erforschen, die ein Mensch erreichen kann: Psyche, Erbe, Umwelt, Voraussetzungen &#8211; was wei\u00df ich.<\/p>\n<p>Die Frage ist jedoch die, ob man \u00fcberhaupt erwarten kann, sich selbst an all diesen Orten zu finden, ob man nicht \u2013 wenn es tats\u00e4chlich gelingt \u2013 Gefahr l\u00e4uft zu entdecken, dass sich das zu einer zweifelhaften Bekanntschaft entwickeln kann. Denn auch wenn das zweifellos ein gewisses Erfolgsgef\u00fchl vermitteln kann, wenn man selbst etwas findet, an das man seine Identit\u00e4t binden kann \u2013 was dann, wenn etwas pl\u00f6tzlich schief geht \u2013 wegen eigener Dummheit oder einem Schicksal? Was, wenn das Geld aufgebraucht ist? Wenn das Ged\u00e4chtnis pl\u00f6tzlich beginnt nachzulassen? Wenn alle Freunde einen pl\u00f6tzlich im Sich lassen? Was wenn der Tod einmal kommt, um das Seine zu fordern, ohne irgendetwas zu hinterlassen? Wer ist man dann?<\/p>\n<p>Um auf diese Frage zu antworten, m\u00fcssen wir, wie erw\u00e4hnt, auf die andere Frage antworten, n\u00e4mlich die Frage: \u201eWer ist Gott?\u201c Und Gott, h\u00f6ren wir im Evangelium, wie wir es heute geh\u00f6rt haben, ist der, der uns unerm\u00fcdlich und unaufh\u00f6rlich mit seiner Liebe folgt und verfolgt, um zu finden und zu \u201eerl\u00f6sen, was verloren war\u201c, wie es an anderer Stelle im Lukasevangelium hei\u00dft. Das ist es, was Gott uns offenbart hat in seinem Sohn, der das Hohe und Heilige verlie\u00df, um bei denen zu sein, deren Herzen gebrochen sind und deren Geist darniederliegt. Der S\u00fcnder annimmt und mit ihnen zu Tisch sitzt, um den gebeugten Geist aufzurichten und das gebrochene Herz zu heilen. Der mit seinem Leiden und Tod sein Leben hingab, um das entlaufene Schaf und den verlorenen Groschen zu finden, der mit seiner Auferstehung ein f\u00fcr alle Mal deutlich machte: Ganz gleich wie verloren wir uns auch hier in der Welt finden, f\u00fcr Gott sind wir niemals verloren.<\/p>\n<p>Das bedeutet ja nat\u00fcrlich nicht, dass wir nun in magischer Weise davon befreit w\u00e4ren, das Gef\u00fchl der Verlorenheit in uns selbst oder die Verzweiflung zu erfahren, die das mit sich bringt. Aber vielleicht kann es sein, dass wir damit besser leben k\u00f6nnen, weil wir schon hier und jetzt h\u00f6ren k\u00f6nnen, dass wir von Gott gewollt und geliebt sind und dass wir deshalb auch nicht umherzulaufen brauchen, um uns selbst an allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Orten zu finden. Dass wir vielmehr hier \u2013 im Lichte der Gnade Gottes \u2013 schlie\u00dflich uns selbst gefunden haben. Uns selbst gefunden haben, ja \u2013 und gefunden worden sind.<\/p>\n<p>Im Namen Jesu, Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Mikkel Tode Raahauge<br \/>\nSkovshoved, DK 2930 Klampenborg<br \/>\nEmail: mitr(at) km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finden und gefunden werden |\u00a03. So. n. Trinitatis | 06.07.2025 | Lk 15.1-10 | verfasst von Mikkel Tode Raahauge Das liegt wohl in der Natur der Sache, das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Je nach dem wie, wann und unter welchen Umst\u00e4nden es geschieht. 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