{"id":24776,"date":"2025-07-01T21:29:58","date_gmt":"2025-07-01T19:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24776"},"modified":"2025-07-01T21:38:11","modified_gmt":"2025-07-01T19:38:11","slug":"1-timotheus-1-12-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-timotheus-1-12-17\/","title":{"rendered":"1. Timotheus 1, 12-17"},"content":{"rendered":"<h3>Eine geniale Idee bzw. Befreit \u2013 Berufen \u2013 Loben | 3. So. n. Trinitatis | 06.07.2025 | 1. Tim. 1, 12-17 | verfasst von Berthold W. Haerter<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde<\/p>\n<p>Morgen werden wir zu unseren Gemeindewanderferien in die Berge reisen. Unsere Reise- und Wanderleiterin bekam von der Bahn Bescheid, dass der von uns gew\u00e4hlte Zug \u00fcberf\u00fcllt sei. Wir sollten doch eine Stunde sp\u00e4ter fahren. Kein Problem. Mit dem E-Mail hat sie uns letzte Woche alle benachrichtigt. Dieses E-Mail \u2013 eine geniale Erfindung unserer Zeit und eine geniale Idee, dieses zu nutzen.<\/p>\n<p>Der 1. Timotheusbrief, aus dem wir soeben h\u00f6rten, benutzt auch eine geniale Idee der damaligen Zeit, dem 1. Jahrhundert n.Chr.: Das Briefe schreiben. Wahrscheinlich wurde dieser Brief aus der Stadt Ephesus gesendet. Dort hat einmal der bekannte Missionar Paulus gewirkt. Wohlgemerkt, er hatte dort gewirkt. Zwischen 80 und 100. n. Chr., als der Timotheusbrief entstand, war Paulus schon verstorben.<\/p>\n<p>Die Verfasser und Verfasserinnen des Briefs an Timotheus, benutzten Paulus als Absender. Das bewirkt, dass man ihren Brief ernst nahm, las und weiterreichte. \u00abOh, ein Brief von Paulus\u00bb, dachten die Empfangenden, \u00abden m\u00fcssen wir unbedingt allen vorlesen.\u00bb Eine geniale Idee war das, und dazu Timotheus als Adressaten. Timotheus war ja ein bekannter Mitarbeiter des Paulus. So bekam der Brief Gewicht. Auch der 1. Timotheusbrief half, dass viele kleine christliche Gemeinden zu einer Kirche zusammenwuchsen. Einer Kirche, die sich auf Jesus Christus als Zentrum des Glaubens beruft, so, wie wir es auch als Reformierte Kirche tun.<\/p>\n<p>Die Verfasser*innen sorgten sich damals um das, was auch uns immer wieder besch\u00e4ftigt. Es besch\u00e4ftigt jede und jeden Einzelnen. Es besch\u00e4ftigt die Kirche. Wie glaubt man? Wie glaubt man richtig? Was ist der Inhalt unseres Glaubens? Was kann man tolerieren, akzeptieren, diskutieren und wo muss man klar Nein sagen, z.B. wenn eine Kirche bewusst einen Angriffskrieg unterst\u00fctzt?<\/p>\n<p>T\u00f6ten, um mehr Macht zu haben im Gegen\u00fcber zum Gebot der N\u00e4chstenliebe &#8211; da hat Jesus eine klare Position, die er im Auftrag von Gott vertritt.<\/p>\n<p>Die Verfasser damals wollten die Bedeutung Jesu hervorheben und am Beispiel des Paulus deutlich machen, wie zentral Jesus ist. Sie schreiben unter dem Namen von Paulus:<\/p>\n<p><sub>\u00ab<\/sub>Ich danke Christus Jesus, unserem Herrn, der mir die n\u00f6tige Kraft gegeben hat.\u00a0Denn er hat mir sein Vertrauen geschenkt und mich in seinen Dienst genommen.\u00a0Dabei habe ich ihn fr\u00fcher verh\u00f6hnt und verfolgt und mich voll \u00dcberheblichkeit gegen ihn gestellt.\u00bb<\/p>\n<p>Die Lesenden und H\u00f6renden des Briefes, dachten sofort: Typisch Paulus. Er beginnt mit einem Dank.\u00a0Und er nimmt Bezug auf seine eigene Glaubensgeschichte. Wir kennen das Sprichwort: \u00abDie oder der ist vom Saulus zum Paulus geworden\u00bb. Paulus, ehemals Saulus, so erz\u00e4hlt die Bibel, hat die ersten Christen verfolgt. Auf dem Weg nach Damaskus, hat er dann ein Erlebnis mit Jesus.<\/p>\n<p>Paulus wird zu einem begeisterten Christen, der anderen von seinem Glauben erz\u00e4hlt. Er wirkt <strong>so<\/strong> authentisch, dass andere sich auch f\u00fcr Jesus \u00f6ffnen. Paulus bewirkt Wunder und gr\u00fcndet Gemeinden.<\/p>\n<p>Die Verfasser*innen des Timotheusbriefes wollen, dass sich die Lesenden daran erinnern, ja, sich begeistern lassen. Alle jungen Christinnen und Christen hatten ja damals den gleichen Weg gemacht.<br \/>\nSie waren keine Christ*innen durch Geburt oder Kindstaufe, sondern wurden sp\u00e4ter bewusst erst zu diesen.<\/p>\n<p>Und jetzt kommen wir ins Spiel. Haben wir so eine nichtchristliche Vergangenheit wie Paulus?\u00a0Wohl die Wenigsten. Aber wir haben unterschiedliche Zeiten des Glaubens erlebt. Zeiten, in denen wir wenig bis gar nichts mit ihm anfangen konnten, und Zeiten, wo uns der Glaube immer wichtiger wurde.<\/p>\n<p>Da haben wir biblische Geschichten als Kind geh\u00f6rt, waren von Simson oder K\u00f6nig David begeistert oder von Maria und dem reisenden Paulus. Dann hat unser Glaube sich ver\u00e4ndert. Wir stellten Fragen, wurden unsicher, zweifelten. Und nun, im Erwachsenenalter, stellen wir hoffentlich immer noch Fragen, aber wir merken auch wie Glaube uns tragen kann. Mir geht es zum Beispiel so: Seitdem wir die Erwachsenenbildungsreihe zu Jesus gemacht haben, gewinnt er als gelebter Glaube aber auch als Befreier und Freiheit Schenkender f\u00fcr mich immer mehr Bedeutung.<\/p>\n<p>Und genau das wollen die Verfasser des 1. Timotheusbriefs erreichen. Die Christ*innen in den vielen, oft sehr kleinen Gemeinden, oft am Rande von grossen St\u00e4dten sich versammelnd, in einem Privathaus, wie es unser Bild andeutet, diese neuen Christ*innen sollen sich der Bedeutung von Jesus Christus bewusstwerden. Sie schreiben im Namen von Paulus:<\/p>\n<p>\u00abAber er hat mir [Paulus] sein Erbarmen geschenkt. Denn ungl\u00e4ubig, wie ich war, wusste ich nicht, was ich tat. Ja, unser Herr schenkte uns Gnade \u00fcber alle Ma\u00dfen.\u00a0Mit ihr schenkte er uns den Glauben und die Liebe, die aus der Verbundenheit mit Christus Jesus erwachsen.\u00bb<\/p>\n<p>Auf einmal erz\u00e4hlt der Brief nicht nur vom Weg des Paulus, sondern nimmt uns mit hinein. Wir sollen unser Leben selbst anschauen und \u00fcberlegen, was heisst der Glauben f\u00fcr mich: Jesus schenkte uns die Gnade, Gott als Lebenshilfe entdeckt zu haben. Denn wir entdecken seine Liebe zu uns im Alltag immer wieder neu, und wir entwickeln einen neuen dankbaren Blick auf das Alltagsgeschehen.<\/p>\n<p>Ein kleines Beispiel: Unsere inzwischen erwachsene Tochter sucht eine Wohnung in Luzern, ihrem neuen Arbeitsort. Immer wieder ruft sie uns an. Sie erz\u00e4hlt, wie sie sch\u00f6ne kleine Wohnungen angeschaut hat, aber immer nur Absagen bekomme. Sie ist entt\u00e4uscht. Ich meine ungef\u00e4hr: \u00abAus eigener Erfahrung weiss ich, es kommt eine L\u00f6sung und Gott wird sie Dir erm\u00f6glichen. Gib nicht auf, bleib dran.\u00bb Drei Tage sp\u00e4ter ruft sie an und meint: \u00abDu, ich habe die Wohnung bekommen, die ich wollte. Ich hatte erst eine Absage bekommen. Jetzt kam die Zusage.\u00bb<\/p>\n<p>Man kann das als Zufall bezeichnen. Man kann aber auch das sehen, was im 1. Timotheusbrief so heisst: \u00abJa, unser Herr schenkte uns Gnade \u00fcber alle Ma\u00dfen.\u00bb<\/p>\n<p>Gott schenkt uns Zuwendung, nicht verdientes Gl\u00fcck, eine echte, uns stark machende Freude. Gott erm\u00f6glicht uns Dinge, die zumindest wir als Glaubende nicht als selbstverst\u00e4ndlich wahrnehmen.<\/p>\n<p>Der Brief betont aber Jesu Bedeutung noch klarer, eindeutiger. Wieder lassen sie Paulus sprechen:<\/p>\n<p>\u00abChristus Jesus ist in diese Welt gekommen, um die S\u00fcnder zu retten. Und ich selbst bin der erste unter ihnen. Aber gerade deshalb hat er mir sein Erbarmen geschenkt.\u00a0Denn Christus Jesus wollte an mir als Erstem beispielhaft seine ganze Geduld zeigen.\u00a0Sie gilt allen, die k\u00fcnftig zum Glauben an ihn kommen und dadurch das ewige Leben empfangen.\u00bb<\/p>\n<p>Jesus wird hier klar beschrieben. Kirchen, die den Angriffskrieg gegen ein Nachbarland unterst\u00fctzen, oder Gemeinschaften, die Pr\u00e4sident*innen unterst\u00fctzten, die autorit\u00e4r bis diktatorisch gegen das eigene Volk und andere vorgehen, die selbstverliebt und selbstherrlich sind und die Menschen als nationale Retter feiern, diese christlichen Gruppen leben nicht wie Jesus es will, nicht in N\u00e4chstenliebe, nicht in Offenheit gegen\u00fcber allen. Sie s\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Der Bibeltext heute sagt: Aber Jesus kam als Retter. Er will retten, auch aus Egozentrik und Egoismus, bis heute. Jesus rettet bis heute, wie er Paulus rettet, aus erbarmen als Menschenfreund, als andere Liebender, als anderen Verst\u00e4ndnis Entgegenbringender.<\/p>\n<p>Jesus rettet auch uns immer wieder, wenn wir genau den Weg des Paulus nicht nur einmal, sondern immer wieder neu beschreiten, indem wir Jesus Christus Raum in unserem Denken und Handeln geben. Wir sollten uns im Denken und Handeln immer wieder fragen: Was w\u00fcrde Jesus dazu sagen?<\/p>\n<p>Letzthin bin ich bei einem Telefonat richtig w\u00fctend geworden. Ich fand die Art und Weise des Vorgehens so unm\u00f6glich. Dazu kamen noch Vorw\u00fcrfe. Ich wollte jegliche weitere Zusammenarbeit, es ging um unsere drei Gemeinden als Nachbarn, absagen. Dann fiel mir zum Gl\u00fcck rechtzeitig ein, warum wir telefonierten. Es ging um uns als Christinnen und Christengemeinschaft. Es ging darum, Menschen zu erm\u00f6glichen, Glauben zu leben und zu erfahren, es ging um die Taufen am Pfingstsamstag am See.<\/p>\n<p>Geduld, heisst es in unserem Brief, hat Jesus. Er zeigt sie an uns. Also wurde auch ich barmherziger und geduldiger. Irgendwie hat Jesus, Gottes Geist, mich da in meiner Wut rechtzeitig gebremst.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Es ist genial, wenn der Glaube uns erreicht. Es ist grossartig, wenn wir durch den Glauben zum Guten ver\u00e4ndert werden. Glaube wird so zur Befreiung und Glaube versichert uns durch Jesus Christus: Es gibt eine Auferstehung bei Gott.<\/p>\n<p>Ich bemerke:<\/p>\n<p>Glauben an Gott, Jesus, seinen Geist, erreicht und ver\u00e4ndert mich immer wieder neu, und Sie hoffentlich auch. Und offensichtlich braucht Gott uns, dass wir, jede und jeder auf seine Weise diesen Glauben leben und weitergeben. Wir werden gebraucht, ob nun 0 (Taufe), 14, 20, 65, 70, 80, 90 Jahre oder noch \u00e4lter.<\/p>\n<p>Wenn man das versteht und verinnerlicht, so meint der 1. Timotheusbrief, dann kann man nur noch eines: Gott loben. So schreiben die Autor*innen:<\/p>\n<p><strong>&#8222;Dem ewigen K\u00f6nig, <\/strong><strong>dem unverg\u00e4nglichen, unsichtbaren und einzigen Gott\u00a0<\/strong><strong>geb\u00fchrt die Ehre.\u00a0<\/strong><strong>Er regiert in Herrlichkeit<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><strong>f\u00fcr immer und ewig. Amen!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Dieses \u00abGott loben\u00bb, macht f\u00fcr uns stellvertretend nun der \u00f6kumenische Kirchenchor, wenn er auf Suhaeli singt: <strong>Utukufu ni wa Mungu. <\/strong>\u00abEhre sei Gott in der H\u00f6he. Hosianna im Himmel. Wir werden im Himmel singen\u00bb. AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p>Berthold W. Haerter<br \/>\nPfarrer der Ev.-ref. Landeskirche des Kantons Z\u00fcrich seit 1993<br \/>\nOberrieden<br \/>\nBerthold.haerter@bluewin.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine geniale Idee bzw. Befreit \u2013 Berufen \u2013 Loben | 3. So. n. Trinitatis | 06.07.2025 | 1. Tim. 1, 12-17 | verfasst von Berthold W. Haerter Liebe Gemeinde Morgen werden wir zu unseren Gemeindewanderferien in die Berge reisen. 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