{"id":24941,"date":"2025-07-08T11:35:26","date_gmt":"2025-07-08T09:35:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=24941"},"modified":"2025-07-08T11:35:26","modified_gmt":"2025-07-08T09:35:26","slug":"lukas-636-42-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-636-42-4\/","title":{"rendered":"Lukas 6,36-42"},"content":{"rendered":"<h3>4.Sonntag nach Trinitatis | 13.07.25 | Lukas 6,36-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p><strong>Der Balken und die Splitter im Auge<\/strong><\/p>\n<p>Es ist sch\u00f6n, dass die Leute Sport treiben, wenn es ihnen gef\u00e4llt, auch wenn ich meine, dass viele dabei leidend aussehen. In meinen Augen ist da mehr Stil bei Kirchg\u00e4ngern als bei Motionsl\u00e4ufern. Man sagt, dass man in die Kirche geht und nicht in die Kirche l\u00e4uft. Allein das ist beruhigend. Und dann haben Kirchg\u00e4nger ein ganz anderes Ziel mit dem Kirchgang als die Motionsl\u00e4ufer mit ihren L\u00e4ufen. Die Motionsl\u00e4ufer laufen, um drei bis vier Jahre l\u00e4nger zu leben. Die Kirchg\u00e4nger streben nach dem ewigen Leben. Viele laufen auch um abzunehmen. Die Kirchg\u00e4nger wollen auch gerne abnehmen, aber sie wollen ihr \u00fcbergewichtiges Ego loswerden. Sie wollen kleiner werden, damit Gott und ihre Mitmenschen mehr f\u00fcllen. Sie nehmen das Wort ernst, das Johannes der T\u00e4ufer einmal gesagt hat: \u201eEr \u2013 also Jesus \u2013 muss zunehmen und ich muss abnehmen\u201c. Sch\u00f6n wenn es mehr Kirchg\u00e4nger g\u00e4be als Motionsl\u00e4ufer!<\/p>\n<p>Ich besitze ein Sommerhaus am Deich auf der d\u00e4nischen Insel Falster, wo es viele Motionsl\u00e4ufer gibt. Der Deich wurde zwischen 1873 und 1875 gebaut, um vor Sturmfluten zu sch\u00fctzen. Man hatte bittere Erfahrungen gemacht bei der Sturmflut am 14.November 1872. Viel Wasser wurde in die Ostsee gedr\u00fcckt, und die Sturmflut verursachte viel Tod und Zerst\u00f6rung. Aber es gibt andere Arten von Deichen als die Deiche gegen Sturmfluten. Zum Beispiel ist die christliche Kirche ein Deich. Ein Schutz vor dem B\u00f6sen, vor der Sinnlosigkeit, vor der Gleichg\u00fcltigkeit, vor Leere und vor einer Ethik ohne Wurzeln im Christentum. In unserer Gesellschaft wird viel zu viel \u00fcber Gesundheit geredet und dar\u00fcber, dass man seinen K\u00f6rper pflegen, die Umwelt verbessern und die Natur bewahren soll. Nat\u00fcrlich sollen wir das. Aber wir sollen uns auch auf unser geistliches Leben konzentrieren und de destruktiv en Kr\u00e4fte, die uns zu \u00fcberschwemmen drohen wie eine Sturmflut.<\/p>\n<p>Im Matth\u00e4usevangelium findet man ein Gleichnis von einem Mann, der sein Haus auf losen Sand baut, und einem anderen Mann, der sein Haus auf einem Felsen baut. Und da steht: \u201eAls nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stie\u00dfen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegr\u00fcndet \u2026 Das Haus, das auf Sand gebaut war, hielt der Flut nicht stand.\u201c<\/p>\n<p>Der Krieg in der Ukraine wird immer brutaler. Die jungen Menschen werden immer abh\u00e4ngiger vom Handy und k\u00fcnstlicher Intelligenz. Immer mehr Leute in D\u00e4nemark sind ausgebrannt. Um uns herrschen Krankheit und Tod. Wir erleben Wolkenbr\u00fcche, die Fl\u00fcsse steigen und St\u00fcrme rasen. Wir m\u00fcssen deshalb feststehen und daran glauben, dass Jesus Christus mit uns ist als unser geistlicher Deich. Die Gesundheit kann uns nicht retten. Wie k\u00f6nnen nicht, wie uns das viele Motionsl\u00e4ufer einbilden, vom Untergang weglaufen. Der Glaube an den Sohn Gottes ist unsere Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>An diesem Sommer-Sonntag haben wir einen sch\u00f6nen Text, der vom Richten anderer handelt. Gott richtet uns, wenn es an der Zeit ist. Und weil der Herrgott diese unangenehme Aufgabe \u00fcbernimmt, brauchen wir nicht so eifrig zu sein, einander zu verurteilen. Aber wenn das gesagt ist, sind wir dennoch gen\u00f6tigt, einander zu rich ten. Das tun wir in unseren Gerichten. Aber auch wir m\u00fcssen Urteile f\u00e4llen, wenn die Freiheit der Volkskirche, der christliche Glaube und unsere Demokratie bedroht sind. Dann m\u00fcssen wir den Splitter im Auge unseres Bruders sehen, wohl wissend, dass wir einen Balken im eigenen Auge haben, und das Urteil f\u00e4llen, dass wir nicht alles akzeptieren k\u00f6nnen. Man sich auch daf\u00fcr entscheiden, den Splitter im Auge des Bruders oder des Staates oder der weltanschaulichen Lage zu \u00fcbersehen. Aber ist dies gute christliche Ethik? Was, wenn der Splitter darin besteht, dass die Frauen in Afghanistan unterdr\u00fcckt werden und die Unterst\u00fctzung von Frauen aus christlichen L\u00e4ndern brauchen, um f\u00fcr ihre Rechte zu k\u00e4mpfen? Oder was, wenn der Splitter im Auge des Staates in der Gleichg\u00fcltigkeit in Bezug auf unser christliches Erbe besteht? Es ist eine Tatsache, dass wir Menschen nicht fehlerfrei sind. Es ist auch eine Tatsache, dass wir den Fehler vor allem bei einander sehen k\u00f6nnen. Aber wenn man Menschen gerne hat, ist man auch gen\u00f6tigt, ihre Fehler zu sehen. Fehler soll man nicht \u00fcbersehen, man soll sie berichtigen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war das das Gesetz des Moses im Alten Testament. Die Gebote waren einfach. Man war M\u00f6rder, wenn man jemanden t\u00f6tete, ein Dieb, wenn man gestohlen hatte, ein Hurensohn, wenn man dem Ehepartner untreu war. Aber Jesus Christus versch\u00e4rft das Gesetz des Moses. Er wird so radikal, dass wir das Gef\u00fchl haben, dass f\u00fcr ihn in der Volkkirche kein Platz ist. Man ist nicht nur M\u00f6rder, wenn man jemanden umgebracht hat. Man ist schon M\u00f6rder, allein weil man daran gedacht hat zu t\u00f6ten oder jemanden einen Idioten genannt hat. Man ist nicht nur seiner Liebsten untreu, wenn man ein Verh\u00e4ltnis zu einer anderen Frau oder einem anderen Mann eingegangen ist, es gen\u00fcgt schon, dass man einen l\u00fcsternen Blick auf jemand anderes geworfen hat. Wir sind alle gleich gut. Aber auch gleich schlecht. Es gibt unter uns niemanden, der nicht in Gedanken get\u00f6tet hat oder nicht mit l\u00fcsternem Blick auf andere gesehen hat als den Ehepartner. Da sitzt ein Balken in unserem Auge. Aber gottseidank gibt es im Christentum eine Lehre von der Erbs\u00fcnde. Es ist schwer zu verstehen, dass die S\u00fcnden der V\u00e4ter in den Kindern wiederkehren. In Wirklichkeit aber ist diese Lehre f\u00fcr uns eine Befreiung. Sie macht es m\u00f6glich, mit der Tatsache zu leben, dass man mit einem Balken im Auge heruml\u00e4uft. Das B\u00f6se, das ich tue, tue ich, weil ich ein Mensch bin. Wir sind im Grunde nicht gut genug. Deshalb m\u00fcssen wir unsere schlechten Neigungen bek\u00e4mpfen, indem wir Jesus Christus annehmen und nach dem Vollkommenen streben. Aber auch wenn man einen Balken im Auge hat, ist man weiterhin in seinem guten Recht, den Splitter in den Augen seiner Mitmenschen zu sehen, wenn dieser Splitter eine Bedrohung ist f\u00fcr unsere Freiheit, unsere Demokratie, unser Recht, an Jesus Christus als dem Erl\u00f6ser der ganzen Menschheit zu glauben.<\/p>\n<p>Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4.Sonntag nach Trinitatis | 13.07.25 | Lukas 6,36-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Poul Joachim Stender | Der Balken und die Splitter im Auge Es ist sch\u00f6n, dass die Leute Sport treiben, wenn es ihnen gef\u00e4llt, auch wenn ich meine, dass viele dabei leidend aussehen. 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