{"id":25278,"date":"2025-07-16T20:45:51","date_gmt":"2025-07-16T18:45:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25278"},"modified":"2025-07-16T20:45:50","modified_gmt":"2025-07-16T18:45:50","slug":"lukas-51-11-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-51-11-3\/","title":{"rendered":"Lukas 5,1-11"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Wir sind das Wunder dieses Sonntags\u00a0<\/strong>|\u00a05. Sonntag nach Trinitatis | 20.07.2025 | Lk 5,1-11 |\u00a0Marianne Frank Larsen\u00a0|<\/h3>\n<p>Unm\u00f6glich sie alle zu z\u00e4hlen,<br \/>\ndie Arten von Moos und Flechten,<br \/>\ndie auf dem Steindamm wachsen<br \/>\nam Wege. Ich muss mich damit begn\u00fcgen,<br \/>\neine neue Art zu finden,<br \/>\nwann immer ich vorbeigehe,<br \/>\ndas ist ein Wunder,<br \/>\nbesonders wenn der Regen f\u00e4llt,<br \/>\nund der Nebel sich dicht legt<br \/>\nzwischen den Birken, und die Farben gl\u00fchen.<\/p>\n<p>So schreibt der Dichter Eske K. Matthiesen in einem seiner Gedichte, und so findet er Worte und Bilder f\u00fcr ein Wunder. Das Wunder, dass es viele verschiedene Arten gibt von Moos und Flechten in verschiedenen Farben, dass er sich damit begn\u00fcgen muss, eine neue Art zu finden, wenn er vor\u00fcbergeht. Das ist eines der Wunder, bei denen uns die Dichter helfen m\u00fcssen, sie zu entdecken und nicht nur vor\u00fcberzugehen &#8211; die Wunder des allt\u00e4glichen Lebens, an denen die Welt um uns gerade jetzt ganz voll ist. Die Schwalben, die Rosen, die Kornfelder. Und hier danken wir dem guten Gott daf\u00fcr, dass er so freigiebig und reichlich damit segnet.<\/p>\n<p>Ich beginne hier, mit den zahllosen Wundern des Alltags, um damit zu sagen, dass das Wunder, das wir im heutigen Evangelium sehen, nicht darin besteht, dass Jesus etwas \u00dcbernat\u00fcrliches und Au\u00dfergew\u00f6hnliches schafft, dass man zuvor nie gesehen hat. Es gibt ja schon Fische im See Genezareth. Das sind nur allzu wenige f\u00fcr alle die m\u00fcden Fischer an diesem Sonntagmorgen. Das Wunder besteht darin, dass Jesus die wenigen Fische in einen enormen Schwarm verwandelt, eine so gro\u00dfe Menge, dass die Netze fast gesprengt werden und die Boote zu versinken drohen. Das ist mehr als zu viel f\u00fcr Petrus, Jakobus und Johannes, und auch mehr als reichlich daf\u00fcr, dass die Scharen an Land sich satt essen k\u00f6nnen. Es ist ganz wie die Speisung in der W\u00fcste, wo Jesus die f\u00fcnf kleinen Brote in ein \u00fcppiges Abendmahl f\u00fcr f\u00fcnftausend Leute verwandelte. Weil Jesus das Wenige, was da ist, ein bisschen Fisch und etwas Brot, nimmt und verwandelt, mit einer Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, die \u00fcberw\u00e4ltigend ist. Wo er am Werk ist, ist keine Not. Da ist Nahrung und neues Leben f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Und deshalb verstand Petrus, wer er ist, der Mann, der sein Boot geliehen hatte als Kanzel an diesem Morgen. Denn so wie Jesus die Fische im See vermehrte, genauso vervielf\u00e4ltigt der gute Gott ja die Arten von Moos und Flechten auf dem Steinwall am Weg und die Samen, wenn wir sie in die Erde s\u00e4en. Und auch die Zeichen der Liebe und warmen Worte, die wir einander geben. Das versteht Petrus. Die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, die Kraft, das Wenige in ganz Gro\u00dfes zu verwandeln, die Jesus heute offenbart, das kann nur von einem Ort kommen. Deshalb f\u00e4llt Petrus auf die Knie und bittet Jesus, von ihm fortzugehen, denn er ist ein s\u00fcndiger Mann, gar nicht bereit, dem Angesicht des guten Gottes von Angesicht zu Angesicht zu begegnen an einem gew\u00f6hnlichen Sonntag am See Genezareth.<\/p>\n<p>Doch Jesus vermehrt nicht die Fische im See, um die S\u00fcndenerkenntnis in Petrus zu wecken. Er tut das, um Petrus wissen zu lassen, wer der ist, der ihn nun ruft, ihn mitnimmt und in Arbeit bringt. Dass es der gute Gott ist, der ihn in seine Arbeit einbezieht, Leben zu sch\u00fctzen und neues Leben zu schaffen f\u00fcr die Menschen. Er steht hier auf der Erde als ein Mensch von Fleisch und Blut mitten im gew\u00f6hnlichen Dasein von Petrus, er hat Petrus erw\u00e4hlt und ihn berufen, und von nun an wird er Petrus dort mitnehmen, wo er hingeht, Petrus und den anderen folgen, mitten unter ihnen sein alle Tage. Es ist wohl m\u00f6glich, dass er in Petrus einen s\u00fcndigen Mann sieht, aber er bleibt stehen und ruft ihn, weil er ihn vor allem als einen Menschen sieht, der etwas kann! Oder jedenfalls als einen Menschen, der etwas k\u00f6nnen wird. Ein Mensch der imstande ist, mit ihm zusammenzuarbeiten, andere Menschen mit seinem Wort und seinen Taten zu fangen. Sein Leben in anderen Menschen hervorzurufen. Menschenfischer zu sein wie Jesus selbst. Das ist die gro\u00dfe Aufgabe, die Jesus Petrus und den anderen anvertraut.<\/p>\n<p>Und wenn sie alles liegen lassen, was sie in den H\u00e4nden haben, und Garn und Boote und Frauen und Kinder verlassen, um Menschenfischer zu werden zusammen mit ihm, so gehen sie mit der Erinnerung daran, wie gro\u00dfz\u00fcgig er die Fische im See Genezareth vermehrte, so dass genug f\u00fcr alle da war. Genau so m\u00fcssen sie darauf vertrauen, dass er ihre ungen\u00fcgenden Worte und Taten k\u00fcnftig vermehren wird, so dass sie <em>seine<\/em> Worte und Taten werden und genug f\u00fcr alle da ist. Das ist die Verhei\u00dfung, die unausgesprochen in dem mirakul\u00f6sen Fischzug des Petrus liegt.<\/p>\n<p>So wie wir es verstehen, ist dies eine Verhei\u00dfung, die der Auferstandene jeden Sonntagmorgen erf\u00fcllt, auch im Juli 2025. Denn wir kommen ja, um die die Wunder zu sehen und zu h\u00f6ren, die er hier tut: Es handelt sich nicht um etwas Extremes oder \u00dcbernat\u00fcrliches, sondern darum, dass er die gew\u00f6hnlichen kleinen Dinge nimmt, die nun vor der Hand liegen, und sie vermehrt. Ein paar Handvoll Wasser am Taufbecken. Die unsichtbaren Striche des Kreuzes. Ein kleines St\u00fcck Brot und ein Schluck Wein. Das sieht nach wenig aus wie der Fischbestand im See Genezareth in der Nacht, bevor Jesus kommt. Aber der Auferstandene nimmt das Wasser und das Brot und den Wein und die kleinen Striche des Kreuzes und macht sie wunderbar gro\u00df, denn sie werden Zeichen daf\u00fcr, dass er auch heute unter uns ist, so wie er bei ihnen an jenem Morgen am See Genezareth war. Er steht hier und teilt aus nach rechts und links aus seinem eigenen Leben. Das Leben, das immer beginnt. Hier ist kein Mangel. Hier ist genug f\u00fcr alle, die wollen.<\/p>\n<p>Mit gew\u00f6hnlichen Worten und Zeichen ruft er uns heute. Und das ist das wirkliche Wunder im heutigen Evangelium. Dass er auch zu uns kommt und uns ruft, weil er uns ausersehen hat und dort dabeihaben will, wo er hingeht. Ein kluger Kollege sagt es einfach so, dass <em>wir<\/em> das Wunder des 5. Sonntages nach Trinitatis sind. Nicht dass etwas v\u00f6llig Neues geschieht, sondern dass <em>wir<\/em> neu werden! Das werden wir durch seinen Blick und seinen Ruf und das neue Leben, das er uns gibt. Weil wir es heute sind, die seine J\u00fcnger werden, und er will bei uns sein, unseren Worten und Taten, in denen er sich offenbaren will. Wir, die er als Menschen sieht, die andere fangen k\u00f6nnen mit Taten, in denen er sich selbst wiedererkennen kann, sein Leben in anderen Menschen wirksam sein zu lassen. Wir haben schon Petrus sagen h\u00f6ren wie: Indem wir Mitgef\u00fchl zeigen, br\u00fcderliche Liebe, Barmherzigkeit und Demut. Indem wir nicht B\u00f6ses mit B\u00f6sem oder Schimpfworten vergelten, sondern vielmehr mit Segen, denn zum Segnen sind wir berufen. So haben wir die M\u00f6glichkeit, sein neues Leben bei jedem Menschen hervorzurufen, mit dem wir zu tun haben. Wenn wir von hier gehen mit dieser Aufgabe, gehen wir gottseidank zusammen mit ihm, der die Kraft hat, das Wenige, was er vorfindet, in unermesslich Gro\u00dfes zu verwandeln. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastorin Marianne Frank Larsen<br \/>\nDK 8000 Aarhus C<br \/>\nmfl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind das Wunder dieses Sonntags\u00a0|\u00a05. Sonntag nach Trinitatis | 20.07.2025 | Lk 5,1-11 |\u00a0Marianne Frank Larsen\u00a0| Unm\u00f6glich sie alle zu z\u00e4hlen, die Arten von Moos und Flechten, die auf dem Steindamm wachsen am Wege. 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