{"id":25281,"date":"2025-07-16T20:46:42","date_gmt":"2025-07-16T18:46:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25281"},"modified":"2025-07-16T20:46:30","modified_gmt":"2025-07-16T18:46:30","slug":"lukas-51-11-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-51-11-5\/","title":{"rendered":"Lukas 5,1-11"},"content":{"rendered":"<h3>5. Sonntag nach Trinitatis | 20.07.2025 | Lk 5,1-11 | Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p>Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus dr\u00e4ngte, um ihn zu h\u00f6ren, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen, die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das Simon geh\u00f6rte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Er setzte sich hin und lehrte die Menge vom Boot aus.\u00a0Und als er aufgeh\u00f6rt hatte zu reden, sprach er zu Simon: \u201eFahre hinaus, wo es tief ist und werft Eure Netze zum Fang aus.\u201c\u00a0Simon antwortete und sprach: \u201eMeister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen, aber auf Dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.\u201c Und als sie das taten, fingen sie eine gro\u00dfe Menge Fische, und ihre Netze begannen zu rei\u00dfen. Da winkten sie ihren Gef\u00e4hrten, die am anderen Ufer waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Die kamen und f\u00fcllten zwei Boote voll, so dass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu F\u00fc\u00dfen und sprach: \u201eHerr, geh weg von mir, ich bin ein s\u00fcndiger Mensch!\u201c\u00a0Denn ein Schrecken hatte ihn und alle, die mit ihm waren, erfasst, \u00fcber diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die S\u00f6hne des Zebed\u00e4us, Simons Gef\u00e4hrten. Jesus sprach zu Petrus: \u201eF\u00fcrchte Dich nicht, von nun an wirst Du Menschen fangen.\u201c\u00a0Und sie brachten die Boote an Land, verlie\u00dfen alles und folgten ihm nach.<\/p>\n<p>Gott gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Viel ist in Bewegung in unserer Landeskirche, der pf\u00e4lzischen Landeskirche, zu der auch wir Saarl\u00e4nder geh\u00f6ren, jedenfalls dann, wenn wir in dem Teil des Saarlandes wohnen, das bis 1918 zu Bayern geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Sie haben es der Presse entnommen, im Presbyterium wird dar\u00fcber diskutiert, Schreiben der Kirchenpr\u00e4sidentin erreichen uns: Aber verstehen k\u00f6nnen wir es nicht.<\/p>\n<p>Ab 2029 sollen die Kirchengemeinden keine K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts mehr sein? Der Besitz und auch die Schulden gehen von der Kirchengemeinde zur Landeskirche \u00fcber? Ich\u00a0 denke, diese Reform ist vergleichbar mit der Entwicklung, die im Saarland\u00a0 1974 stattfand, als die D\u00f6rfer ihre Eigenst\u00e4ndigkeit verloren und den St\u00e4dten eingemeindet wurden, in unsrem Fall Blieskastel, von wo wir seitdem auch verwaltet werden. Unsere B\u00fcrgermeister und B\u00fcrgermeisterinnen waren von an nur noch Ortsvorsteher und Ortsvorsteherinnen. Als ich dieses Beispiel im Presbyterium nannte, sagte einer aus dem Gremium zurecht: \u201eDieser Stachel ist bis heute geblieben\u201c. Ich wei\u00df das. Ich wei\u00df aber auch, dass unsere kleinen D\u00f6rfer mit wenigen hundert Einwohnern und Einwohnerinnen heute nicht mehr lebensf\u00e4hig w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nun also m\u00fcssen wir diesen Schritt in der Kirche machen. Wohin genau der Weg f\u00fchren wird, ob er zum Erfolg f\u00fchren wird, das wissen wir heute noch nicht.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich als Pfarrerin so ein wenig wie Petrus. Wir Kollegen und Kolleginnen zusammen mit den Ehrenamtlichen haben in den vergangenen Jahren die \u00e4u\u00dfersten Kr\u00e4fte mobilisiert. Wir haben gearbeitet, so intensiv es ging. Wir waren Tag und Nacht unterwegs und haben kaum etwas erreicht.<\/p>\n<p>Ich bin \u00fcber die Anweisung meiner Kirchenpr\u00e4sidentin und Landessynode, die Netze nun noch einmal auszuwerfen, nicht froh. Ich wei\u00df nicht, ob ich, ob wir alle, fast alle \u00fcber 60 Jahre alt, die Kraft noch einmal dazu haben werden.<\/p>\n<p>Allerdings ist sind Kirchenpr\u00e4sidentin und Landessynode nicht Jesus. Im Predigttext ist es Jesus, der Petrus auffordert, die Netze noch einmal auszuwerfen. Da l\u00e4sst es sich leichter antworten: \u201eMeister, auf Dein Wort hin will ich die Netze noch einmal auswerfen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr uns alle bleibt die Situation ungewiss. Wir haben keine Sicherheit. Wir wissen nicht, was dabei herauskommen wird, wenn wir uns auf diesen neuen Weg begeben.<\/p>\n<p>Aber: Wir haben keine Wahl. Wir k\u00f6nnen gar nicht ablehnen. Es ist alles bereits beschlossen. \u201eIhr werdet noch\u00a0 einmal hinausfahren m\u00fcssen.\u201c So lautet die Botschaft heute.<\/p>\n<p>Welchen Grund habe ich, haben wir, diesem Befehl zu folgen? Nun zu allererst einmal diesen: Es f\u00fchrt kein Weg zur\u00fcck. Wir haben es mit alle unserem bisherigen Einsatz, mit gutem Willen und Engagement und Gebet nicht geschafft, besonders erfolgreich zu sein. Die Netze blieben weitgehend leer.<\/p>\n<p>Wir haben also gar keine Alternative, als nach vorne zu sehen, es noch einmal zu versuchen, noch einmal hinauszufahren, die Netze noch einmal auszuwerfen, aber dieses Mal nach der anderen Seite, wie es in einer \u00e4hnlichen Stelle bei Johannes (21,6) hei\u00dft.<\/p>\n<p>Neue Wege geh\u00f6ren zum Leben. Meistens werden wir nicht gefragt, ob wir uns diesen Weg zutrauen. Wir m\u00fcssen ihn gehen. Einfach deshalb, weil kein Weg zur\u00fcck f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ver\u00e4nderungen betreffen uns als Einzelne, als Gesellschaft, als Kirche. Wir haben keine Wahl, so scheint es.<\/p>\n<p>Wir haben allerdings doch eine Wahl. N\u00e4mlich die, ob wir diesen neuen Weg mitgestalten oder \u00fcber uns ergehen lassen. Verbringen\u00a0 wir die wenigen verbleibenden Jahre bis zur Neuordnung unserer Kirche mit r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Diskussionen und Schuldzuweisungen oder \u00fcberlegen wir uns sehr genau, wie wir unsere M\u00f6glichkeiten jetzt nutzen. Dazu geh\u00f6rt zu allererst, dass wir uns dar\u00fcber klar werden, welche M\u00f6glichkeiten wir jetzt \u00fcberhaupt noch haben. Welche Ressourcen und welche Ziele. Und dazu geh\u00f6rt vor\u00a0 allem auch, dass wir zusammenarbeiten. Petrus, Johannes und Jakobus haben nicht angefangen, hin und her zu sprechen und sich gegenseitig Schuld zuzuschieben. Sie haben das Netz genommen, sind ins Boot gestiegen und sind losgefahren. Sie haben, als sie merkten, dass sie es alleine nicht schaffen werden, die anderen um Hilfe gebeten, die dann mit ihrem Boot unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>Wir in Mimbach, Webenheim und B\u00f6ckweiler sind eine Fusion eingegangen. Wir sind nur noch eine Gemeinde, nicht mehr drei. Viele f\u00fchlen sich zurecht von dieser Fusion \u00fcberfahren. Sie wurde nicht in der Gemeinde diskutiert und beraten. Aber in der jetzigen Situation die Kr\u00e4fte damit zu verbrauchen, die Fusion r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, wird uns nicht voranbringen. Wir sitzen gemeinsam im Boot, daran l\u00e4sst sich nun mal nichts \u00e4ndern. Ich meine fast, wir sollten die andern, die auch in ihrem Boot auf der Blies fahren, zu Hilfe rufen. Die Blieskasteler, und Bierbacher und Breitfurter und Gersheimer und Herbitzheimer und Bliesdalheimer\u2026. Weil wir das Netz alleine nicht mehr packen.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re Jesu Worte, die er am See zu den J\u00fcngern gesprochen hat, f\u00fcr mich, f\u00fcr uns: \u201eF\u00fcrchte Dich nicht\u201c<\/p>\n<p>Ich bin wesentlich \u00e4lter als Petrus. Ich bem\u00fche mich seit Jahrzehnten das Boot zu steuern und das Netz zu f\u00fcllen. Aber das h\u00e4lt mich nicht davon ab, das Netz noch einmal auszuwerfen. Auf Dein Wort hin Jesus, einmal mehr.<\/p>\n<p>Ich kann das nur zusammen mit denen tun, die mit mir im Boot sind.<\/p>\n<p>Am Samstag bei der Kanutour mit \u201eKirche unterwegs\u201c waren wir viele. Einmal ist unser Boot gekentert. Wir haben es umgedreht und haben uns gegenseitig dabei geholfen, wieder einzusteigen und weiterzufahren. Auch der Menschenfischer Petrus braucht die anderen. Und ich alte Pfarrerin sowieso. Der Vorteil dieses Alters ist, dass man mehr sieht, als nur das unmittelbare Umfeld. Es kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man versteht: Hinterm Horizont geht\u2019s weiter.\u00a0 Das, was jetzt in der Kirche passiert, ist ein Weg, dessen Ende wir noch nicht kennen. Ich kann mich auf diese Entwicklung einlassen, ohne das Ende zu kennen. Weil Jesus, an dem ich mich orientiere, meinen ganzen Weg im Blick hat. Auch den hinter meinem, hinter unserem Horizont.<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger haben sich nach dieser Begegnung ganz neu auf den Weg gemacht. Ich wei\u00df, die biblischen Geschichten erz\u00e4hlen von damals. Aber sie erz\u00e4hlen auch von heute. Von uns, wir d\u00fcrfen sie f\u00fcr uns h\u00f6ren. Also: F\u00fcrchtet Euch nicht.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Trinitatis | 20.07.2025 | Lk 5,1-11 | Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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