{"id":25314,"date":"2025-07-24T10:00:44","date_gmt":"2025-07-24T08:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25314"},"modified":"2025-07-24T10:26:14","modified_gmt":"2025-07-24T08:26:14","slug":"markus-520-26-roemer-63-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-520-26-roemer-63-11\/","title":{"rendered":"Markus 5,20-26; R\u00f6mer 6,3-11"},"content":{"rendered":"<h3>6. Sonntag nach Trinitatis | 27.07.25 | Markus 5,20-26; R\u00f6mer 6,3-11 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Tine Illum<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Erneut befreit zu uns selbst<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt einen guten Zorn \u2013 und es gibt b\u00f6se Vers\u00f6hnung. Ich finde, das sollten wir laut sagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn worum geht es hier? Um Nettigkeit? Oder um Therapie? Nach dem Motto: \u201eVergib nun lieber ihm oder ihr, das w\u00e4re f\u00fcr dich am besten\u201c. \u2026 \u201eVersuche nun, den zu verstehen, der sich an dir vergangen hat \u2013 sie, die dich gemobbt hat \u2026\u201c. Ist Zorn immer etwas B\u00f6ses? Soll die Gerechtigkeit unter den Teppich gekehrt werden um des lieben Friedens willen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00fcrden wir einer Frau, die verpr\u00fcgelt und voller Angst ins Krisenzentrum kommt mit ihren verschreckten Kindern, dass sie ihrem Mann nicht b\u00f6se sein soll, sondern sich mit ihm vers\u00f6hnen soll? Die Wahrheit ist ja leider, dass man das viel zu oft gesagt hat. Und das hat Menschen f\u00fcr ihr ganzes Leben zerst\u00f6rt. Oder sollten wir zu Bruce Springsteen und Taylor Swift sagen, dass sie sich an das Singen halten und nicht in Politik einmischen und ihre Stimme nicht den Unterdr\u00fcckten widmen und die Tyrannen kritisieren sollen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Oder sollen wir all denen, die an den kleinen wei\u00dfen Leichens\u00e4cken mit Kindern sitzen, die erschossen wurden, als sie Essen holen wollten: \u201eIhr d\u00fcrft nicht w\u00fctend sein. Es ist auch nicht leicht, Soldat f\u00fcr die Besatzungsmacht zu sein?\u201c Haben wir nicht genug Beispiele daf\u00fcr erlebt, dass Menschen wegsehen, w\u00e4hrend Tyrannen ihr t\u00f6dliches Spiel treiben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nichts tun ist auch handeln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir h\u00f6ren in Wirklichkeit oft, dass Jesus zornig wird. Und auch wenn die Episoden ganz unterschiedlich sind, so haben sie das gemeinsam, dass es immer darum geht, dass lieblos gehandelt wird. Der Zorn richtet sich gegen die, die ihre wirtschaftliche und religi\u00f6se Macht ausnutzen. Oder gegen die, die nur das Ihre im Sinn haben. Tische werden umgeworfen und Leute werden \u201eHeuchler\u201c genannt \u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0 Und immer, wenn wir die Taufe feiern, h\u00f6ren wir, dass Jesus zornig wurde, weil die J\u00fcnger die Kinder weghalten wollten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das tun, was Jesus will, kann Zorn bedeuten \u2013 weil Gewalt und Unterdr\u00fcckung und \u00fcble Nachrede die Macht gewonnen haben. Ihr redet so viel \u00fcber Gerechtigkeit, sagt Jesus immer wieder. Aber die Gerechtigkeit Gottes \u00fcbertrifft Regeln und Systeme. Es geht um das Leben der Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Es geht darum, gut zu sein ohne Grund. Jedenfalls ohne einen anderen Grund als den, dass ihr selbst von der Gerechtigkeit lebt, die Liebe ist und G\u00fcte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das h\u00f6rten wir auch \u2013 etwas verwickelt \u2013 in einem der Briefe des Paulus. Hier sagt er, dass die Vergebung Gottes verschmolzen ist mit dem Tod und der Auferstehung und dem Leben Christi. Die Gerechtigkeit Gottes ist Vergebung. Da ist eine Verwandlung geschehen, und so sollen wir von uns selbst und einander denken, \u201elebend f\u00fcr Gott in Christus\u201c. Das Leben sollen wir leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zugleich wissen wir auch \u2013 und haben immer gewusst \u2013 dass G\u00fcte es schwer hat. Wenn die G\u00fcte dann <em>nicht<\/em> da ist, dann muss man sich an das Zweibeste halten: Gesetz und Gerechtigkeit. Das wusste man auch, als man vor fast 800 Jahren das alte J\u00fctl\u00e4ndische Gesetz schrieb:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0 \u201eG\u00e4be es kein Gesetz im Lande, dann h\u00e4tte der am meisten, der sich am meisten aneignen k\u00f6nnte. Deshalb muss das Gesetz allen gerecht werden, dass die Rechtsinnigen und Friedlichen und Unschuldigen ihren Frieden haben k\u00f6nnen und die Ungerechten und B\u00f6sen sich f\u00fcrchten vor dem, was im Gesetz geschrieben ist, und deshalb nicht das B\u00f6se tun, was sie im Sinn haben\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em>\u00a0Es ist gut, dass man im Lande ein Gesetz hat, das daf\u00fcr sorgt, dass der St\u00e4rkste nicht tun kann, was er will. Dass man nicht \u2013 nur weil man ein gro\u00dfes Heer hat oder sich auf einen Mythos beruft, der einem Privilegien zuerkennt \u2013 \u00fcber dem Gesetz erhaben ist. Dass man nicht, blo\u00df weil der St\u00e4rkste ist, am meisten verdient oder versteht \u2013 seinen Willen auf Kosten anderer bekommt. Gut, dass es einen Zorn gibt, der jemanden eingreifen l\u00e4sst, wenn die Schwachen unterdr\u00fcckt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist keine christliche Tugend, dem Unrecht und der Misshandlung den R\u00fccken zuzukehren \u2013 ob es nun um einzelne Personen oder Nationen geht. Und das Gebot, nicht zornig zu werden, sich nicht daf\u00fcr verwenden, Tyrannen an der Macht zu halten \u2013 weder in der Schulklasse noch in unseren Familien, im politischen Spiel \u2013 oder wo wir nun sehen und sp\u00fcren, dass Unterdr\u00fcckung und Gewalt am Werk sind. Christliche Ethik kann niemals bedeuten, dass man wegsieht, wenn andere unterdr\u00fcckt werden \u2013 weil ich nicht zornig sein will, mich nicht einmischen will und der Meinung bin, die Leute sollen sich doch vertragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kann man aber dann \u00fcberhaupt etwas mit dem anfangen, was Jesus heute sagt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lasst uns wieder auf das St\u00fcck aus einem Brief eingehen, den wir am Beginn des Gottesdienstes geh\u00f6rt haben. \u201eDu bist ja getauft\u201c, sagt Paulus \u2013 \u201edu lebst vor Gott in Christus\u201c. Du bist eins mit ihm. Diese Einheit ist das, was Gott seine Gerechtigkeit nennt, Und die ist eigentlich v\u00f6llig ungerecht, wenn das nach unseren normalen Gedanken \u00fcber Gerechtigkeit beurteilt. Aber nun sagt Gott also, dass es so ist: Ich liebe dich- und ich tue das, was meinem Wesen entspricht \u2013 das bedeutet, dass du in das Leben hinein geliebt wirst, das Christus lebt. In seinen Tod und seine Auferstehung. Und das hat kein Ende. Die Liebe \u00fcberwindet alles.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Das<\/em> muss ich wissen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn i.ch habe viel schlimmere Dinge gesagt als \u201eTor\u201c oder \u201eIdiot\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und was ich gedacht habe, ja das ist noch schlimmer gewesen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und ich war furchtbar w\u00fctend auf diesen und jenen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich verstehe so gut die, die in einem Gebet sagte:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDer Zorn wohnt in mir,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ein riesengro\u00dfes Tier mit st\u00e4hlernem Pelz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und Klauen, die in meinem Herzen graben\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Immer wieder muss ich so zu mir sprechen. Als der, der <em>nicht<\/em> das tut, was Gott haben will, was nicht gerecht und gut ist. Als jemand, der so unertr\u00e4glich w\u00fctend wird. Und dem es so schwerf\u00e4llt, sich mit anderen zu vers\u00f6hnen und zu vergleichen \u2013 vielleicht am meisten denen, denen ich selbst wehgetan habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Und zugleich muss ich mich selbst sehen als den, dem gesagt wird: Wenn ich am elendsten bin, am feigsten oder unvers\u00f6hnlich, trennt mich das nicht von Christus. Daran erinnere ich mich vielleicht am besten, wenn ich ganz einfach daran denke, dass ich getauft bin \u2013 und dass ich vor Gott in Christus lebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Leben \u2013 dem Leben als getauft \u2013 lebe ich mitten in der wirklichen Welt und nicht in einer Phantasiewelt, wo es das B\u00f6se nicht gibt oder wo es leichte L\u00f6sungen und ein einfaches Leben ohne Leiden gibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist jedoch nie eine Welt, die sich selbst und den M\u00e4chten \u00fcberlassen ist, die alles verzerren und zerst\u00f6ren, was gut ist. Niemals eine Welt in einem mutlosen Warten, stets eine Welt in freudiger Erwartung. Das ist stets eine Welt in Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine deutsche Frau hat von dieser Hoffnung geschrieben. Es n\u00fctzt nichts, sagt sie, von einer Landschaft jenseits der Tr\u00e4nengrenze zu tr\u00e4umen oder davon, dass man von allem b\u00f6sen verschont wird oder dass alles perfekt ist \u2026 das alles einfach ist. So ist das Leben nicht. Es ist voll von Situationen, als denen wir nicht einfach einen Ausweg finden oder eine L\u00f6sung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eines ihrer langen Gedichte endet mit dem Wunsch, dass wir \u201estets mehr verwundet und geheilt, stets erneut befreit zu uns selbst\u201c leben m\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Befreit zu uns selbst. Befreit. Wir haben einen Platz hier in der wunderbaren und furchtbaren Welt. Gut, weil wir jeden Tag aufstehen d\u00fcrfen \u2013 verwundet, geheilt, frei, befreit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier sollen wir leben als Menschen, die glauben, dass wir vor Gott in Christus leben. Wir sollen leben und handeln aus der tiefen Vers\u00f6hnung, die mit dem Zeichen des Kreuzes auf unser Gesicht und unsere Brust geschlagen ist. Ohne einen anderen Grund als den, dass wir selbst eben davon leben: Hoffnung, Befreiung, Vers\u00f6hnung, Barmherzigkeit. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Tine Illum<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-6091 Bjert<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: ti(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. Sonntag nach Trinitatis | 27.07.25 | Markus 5,20-26; R\u00f6mer 6,3-11 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Tine Illum Erneut befreit zu uns selbst Es gibt einen guten Zorn \u2013 und es gibt b\u00f6se Vers\u00f6hnung. Ich finde, das sollten wir laut sagen. Denn worum geht es hier? Um Nettigkeit? Oder um Therapie? Nach dem Motto: \u201eVergib nun [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":25298,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,41,440,1,185,157,853,114,760,844,349,3,109,414],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-25314","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-roemer","category-6-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-05-chapter-05-markus","category-kapitel-06-chapter-06-roemer","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-tine-illum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25314","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25314"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25314\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25315,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25314\/revisions\/25315"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25314"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25314"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25314"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=25314"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=25314"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=25314"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=25314"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}