{"id":25324,"date":"2025-07-31T08:03:47","date_gmt":"2025-07-31T06:03:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25324"},"modified":"2025-07-28T18:06:52","modified_gmt":"2025-07-28T16:06:52","slug":"25324-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/25324-2\/","title":{"rendered":"Lukas 19,1-10"},"content":{"rendered":"<h3><strong>\u201dWenn \u2026\u201d\u00a0<\/strong>| 7. So. n. Trinitatis | 03.08.2025 | Lk 19,1-10 |\u00a0Von Anne-Marie Nybo Mehlsen\u00a0|<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201dWenn \u2026\u201d<\/strong><\/p>\n<p>An diesem Tag zollte man Zach\u00e4us Respekt, was er sonst nicht gewohnt war. Er war mehr daran gewohnt \u00fcbersehen zu werden, schlecht angesehen \u2013 und kritisch auf Distanz gehalten. Es ist dem\u00fctigend, so \u201eangesehen\u201c zu werden, von oben bis unten oder besser von Fu\u00df bis Kopf kritisch. Darauf reagieren wir instinktiv und werden unsicher, verlegen oder nur \u00e4rgerlich angesichts dieser Arroganz. Sicher ist aber, dass dies etwas mit uns macht.<\/p>\n<p>Wir ziehen es vor, dass wir in Augenh\u00f6he gesehen werden, etwa auch gleicher H\u00f6he, von Angesicht zu Angesicht. Die Erinnerungen der Kindheit zeugen davon, wie wir auf Knieh\u00f6he umherliefen und auf alles hinaufsahen, St\u00fchle, Tische, T\u00fcrgriffe, Ladentische \u2013 und nicht zuletzt Menschen. Die meisten Kinder lernen, hinaufzuklettern und werden das aus diesem Grunde versuchen. Wir, die wir erwachsen sind, m\u00fcssen uns herabb\u00fccken oder das Kind emporheben, wenn wir in Augenh\u00f6he sein wollen \u2013 und wenn wir dem Kind Aussicht verschaffen wollen.<\/p>\n<p>Zach\u00e4us ist kein Kind. Er ist Oberz\u00f6llner in einem besetzten Land, und das ist keine ehrw\u00fcrdige Besch\u00e4ftigung. Die R\u00f6mer zogen Zoll und Steuern ein als Besatzungsmacht und ernannten gerne die eigenen Landsleute der besetzten Bev\u00f6lkerung dazu, dieses schmutzige Gesch\u00e4ft wahrzunehmen. Schmutzig war es, denn mit Drohungen und Machtanwendung konnten die Z\u00f6llner Zoll einziehen und mehr als das, n\u00e4mlich Bezahlung f\u00fcr ihre Arbeit. R\u00f6mische Soldaten \u00fcbten keine Nachsicht mit denen, die nicht bezahlten.<\/p>\n<p>Das sind leider aktuelle Bilder, die vor uns stehen von Z\u00f6llen und Machtanwendung nach Belieben \u2026<\/p>\n<p>Wir nehmen schon Ansto\u00df wie damals die Menge.<\/p>\n<p>Das passiert immer wieder, wenn die Menschen, die bei uns angesehen sein sollten und f\u00fcr ihre Arbeit unseren Respekt verdient haben sollten, sich als korrupt erweisen, unehrlich und kriminell. Ein s\u00fcndiger Mann!<\/p>\n<p>Zach\u00e4us hat wenigstens Format. Die Versprechen, die er gibt, als er von Jesus gesehen wird, haben das Format eines gro\u00dfen Betr\u00fcgers. Zach\u00e4us muss steinreich sein, wenn er, nachdem er die H\u00e4lfte seines Besitzes den Armen gegeben hat, vierfach zur\u00fcckgeben will, <em>wenn <\/em>er jemanden um Geld betrogen hat, <em>wenn<\/em> da etwas an der Bilanz auszusetzen ist. Schwindel mit der Mehrwertsteuer, mit der Einkommenssteuer, Konkursbetrug, Schwarzarbeit, Menschenschmuggel und Menschenhandel \u2013 die Liste \u00fcber Schwindel und Betrug in dieser Welt ist lang.<\/p>\n<p>\u201e<em>Wenn<\/em> ich mich schuldig gemacht habe in Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten oder in etwas, was Anlass gibt zu Missverst\u00e4ndnissen \u2026\u201c. So formulieren die heutigen gro\u00dfen und kleinen Schwindler gerne in den Medien, wenn sie zu ihren Aff\u00e4ren befragt werden.<\/p>\n<p><em>Wenn \u2026<\/em><\/p>\n<p>Wenn da irgendeine \u00c4hnlichkeit besteht, wenn wir in irgendeiner Weise eine \u00c4hnlichkeit mit Zach\u00e4us sehen. Wenn \u2026?<\/p>\n<p>\u2026 Nein, wohl kaum, unwahrscheinlich, wir sind trotz allem ehrliche Leute.<\/p>\n<p>Dies soll am liebsten nicht zu einer Geschichte dar\u00fcber werden, wie Jesus indirekt den Betr\u00fcger belohnt, indem er letztlich alle f\u00fcnf gerade sein l\u00e4sst und sich mit jedem zu Tisch setzt. Genau das war es ja, was die Leute \u00e4rgerte. Es muss eine Grenze geben, ein Abstand zwischen der guten und der mehr ber\u00fcchtigten Gesellschaft? Oder wie?<\/p>\n<p>\u201eDer Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist\u201c, sagt Jesus und setzt sich mit dem zu Tische, mit dem niemand etwas zu tun haben will. Jesus setzt sich zu Tische mit uns und all unseren Vorbehalten, unseren \u201e<em>Wenn\u2018s\u201c<\/em> \u2013 all die vielen Ausfl\u00fcchte und Entschuldigungen, die wir anwenden, um Schw\u00e4chen und Untaten zu verbergen. Denn wir wissen es ja sehr wohl, wenn wir schuldig werden an unserem N\u00e4chsten und der geforderten Liebe.<\/p>\n<p>Jesus sieht einen Menschen, der die Arme ausstreckt, um aufgehoben zu werden. Den Menschen, der wie ein Kind auf einen Baum geklettert ist, um zu sehen. Ihn zu sehen, von dem gesagt wird, dass er Kranke gesund macht, Tote auferweckt und S\u00fcndern vergibt; ihn, der auf Augenh\u00f6he sieht und geradeheraus redet, ihn, in dessen liebenden Blick die Quelle zu allem neuen Anfang hervorbricht. Jesus setzt sich zu Tische mit s\u00fcndigen Menschen \u2013 mit uns, um etwas Neues zu beginnen, um Altes hinter uns zu lassen. Sch\u00e4den k\u00f6nnen vielleicht repariert werden, vielleicht erinnern wir uns nur allzu gut und haben keinen Anlass, <em>wenn <\/em>zu sagen \u2026, sondern nur den Wunsch eines Herzens, das zu heilen, was zerbrochen ist.<\/p>\n<p>Gl\u00fcckspilze sind wir, wenn wir imstande sind, wenn da etwas zu tun ist, was dem abhilft, was wir verbrochen haben. Dann gilt es nur, sich an die Arbeit zu machen! Was aber ist mit all dem, was nicht zu retten ist, trotz allem guten Willen? Neuer Anfang, ganz im Gegensatz zu schwarzer Hoffnungslosigkeit. Neue Aufgabe. Gabe. Dein Leben, dein N\u00e4chster dir zur\u00fcckgegeben. Von ihm, der zu Tische sitzt, sich auf Augenh\u00f6he begibt, uns aufnimmt wie Kinder.<\/p>\n<p>All das neue ist Ernst, dass wahrlich Aufbruch ist in dem, was unumg\u00e4nglich ist. Das kommt davon, bei Christus zu sein. Steige herab von deinem Baum, Zach\u00e4us, komm hervor. Da ist einer, der deine Gesellschaft will, einer, der dich gerne aufmerksam sehen und dein Brot und dein Leben teilen will. Das ver\u00e4ndert dich wirklich, wenn es geschieht. Du wirst auf lange Sicht ein anderer durch die Bewegungen des Gottesdienstes. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastorin Anne-Marie Nybo Mehlsen<br \/>\nDK 4930 Maribo<br \/>\nEmail: amnm(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201dWenn \u2026\u201d\u00a0| 7. 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