{"id":25335,"date":"2025-07-31T08:06:21","date_gmt":"2025-07-31T06:06:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25335"},"modified":"2025-07-30T16:57:21","modified_gmt":"2025-07-30T14:57:21","slug":"johannes-630-35-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-630-35-3\/","title":{"rendered":"Johannes 6,30-35"},"content":{"rendered":"<h3>Im Restaurant Christi | 7. So. n. Trinitatis | 03.08.2025 | Joh 6,30-35 | Ralf Reuter |<\/h3>\n<p>Man geht nicht jeden Tag ins Restaurant. Auch nicht in die Kirche. Viele kochen selber. Es gibt Kochb\u00fccher. Doch da musst du dich selber bedienen. Bekommst nichts vorgesetzt, ist kein Platz f\u00fcr dich eingerichtet. Ohne Restaurant ist es wie ohne Kirche, dir fehlt Entscheidendes zum Leben, du wirst nicht an den Tisch des Herrn geladen.<\/p>\n<p>Also geh ins Restaurant \u201eJesus Christus\u201c. Im Evangelium des Johannes erz\u00e4hlt das ganze 6. Kapitel vom Brot des Lebens. Sp\u00e4ter wird das immer wieder reflektiert, im Bild des Weinstocks, in der Begegnung mit dem Auferstandenen am Tisch, in der Speisung des Volkes.<\/p>\n<p>Kirche wie in einem Sternerestaurant, kann diese Idee Geschmack machen auf die g\u00f6ttliche F\u00fclle? Klar, aber dann muss auch frisch gekocht werden. Nichts Vorgefertigtes auftischen, nicht k\u00fcnstliche Geschichten oder bibelferne M\u00e4rchen erz\u00e4hlen, nichts Gegoogeltes unterjubeln.<\/p>\n<p>Einzig Schwarzbrot des Glaubens servieren. Vielleicht etwas feiner, die hohe Schule des Kochens, der Theologie, die vielf\u00e4ltig ist und immer auch dauert. So m\u00fcssen die Worte geerntet, gesch\u00e4lt werden, geistvoll gekocht, mit Hoffnung anschwitzt, bissgerecht gereicht, liebevoll serviert.<\/p>\n<p>Der Gru\u00df aus der K\u00fcche, das Orgelvorspiel, muss zur Predigt passen. Also zu dem, was dann f\u00fcr 8 bis 12 Minuten auf den Teller kommt. Starter mit Psalm, Ehr sei dem Vater, Kyriegebet, und mit Gloria und der Lesung sind die Vorspeisen beendet. Und dazwischen trinken, Lieder als Weinbegleitung.<\/p>\n<p>Die Liturgie ist ein Men\u00fc, sie f\u00fchrt dich regional, saisonal, spirituell durchs Kirchenjahr. Lass dir an der Kirchent\u00fcr den Aperitif in die Hand dr\u00fccken, bei uns tut`s auch das Gesangbuch. Wenn hier der Pastor steht, schon im Talar, oder die Pastorin, und den Kommenden zul\u00e4chelt, beginnt es himmlisch.<\/p>\n<p>Bei allem Arrangement, allem Orgelrausch, allen Sommerblumen, Kerzenglanz und Leinendecken, im Spiel des Herrn z\u00e4hlt nur die Qualit\u00e4t des Produkts auf dem Teller. Was du isst, was dich n\u00e4hrt, von dem du wirklich satt wirst, vom lebendigen Wort Jesu Christi. \u201eIch bin das Brot des Lebens\u201c.<\/p>\n<p>Also Brot des Lebens, Sehnsuchtsspeise eines tragenden Glaubens, in allen Bereichen des Irdischen, wie soll ich es anders formulieren. Ganz himmlisch und zugleich auf Erden, voll und ganz Mensch sein, lebendig wie Gott selber der oder die werden, den oder die er in dir sieht, in dir angelegt hat.<\/p>\n<p>Leben von diesem Brot wird dann wohl bedeuten, bitte nicht erschrecken, diesen Christus mit Haut und Haaren zu verspeisen. Vielleicht erst einmal seine Worte kauen und zerkleinern. Erinnere dich an den Taufspruch oder dem zur Konfirmation. \u00dcberhaupt gepr\u00e4gte Worte, der Herr ist mein Hirte.<\/p>\n<p>Nicht die Z\u00e4hne ausbei\u00dfen, viel mehr probieren, auf der Zunge zergehen lassen wie einen Heilbutt vom Chefkoch. In sp\u00e4teren Jahren entfalten sich die Aromen noch mal anders und intensiver. Doch Vorsicht, schling nicht runter, meine nicht, du m\u00fcsstest gleich den Teller leerputzen und das ganze Evangelium lesen.<\/p>\n<p>Schon manches Gleichnis wird dir unverdaulich sein wie ein fetter Braten. Lass ihn dir vom Bodenpersonal in kleine Portionen teilen, finde dein Ma\u00df des Lesens und Durchdenkens. Und, als Idee dieser Predigt, fang doch mit den Geschichten des Essens an, schon im ersten Wunder wandelt Jesus Wasser zu Wein.<\/p>\n<p>Oft sind es die harten Ereignisse des Lebens, Krisen, Zweifel, Ungerechtes, all die Widerfahrnisse, die man nicht will, nicht braucht, die einen dann tiefer verstehen lassen, n\u00e4her an Kreuz und Auferstehung f\u00fchren. Dazu braucht es die St\u00e4rkung des Himmels, Christi Leib f\u00fcr dich gegeben, Christi Blut f\u00fcr dich vergossen.<\/p>\n<p>Luther kann als Folge dieser Speisung von einem Tausch reden, er \u00fcbernimmt mein Leid, ich bekomme sein Heil \u00fcbertragen. Johannes spricht von der Einwohnung Christi in unserem Herzen. Ob real erfahren oder zeichenhaft verstanden, es geht um die eigene Ich-Zentrale.<\/p>\n<p>Hier \u00fcbernimmt Christus und kocht mit dir f\u00fcr andere. Das ist, so glaube ich, die Weiterf\u00fchrung vom Glauben zum Handeln. Es braucht etwas Besinnung, um zu sehen, wo man selber f\u00fcr andere kocht. Ist dein Wochenplan nicht der eines Restaurants? Niemals arbeitest und sorgst du nur f\u00fcr dich, oder?<\/p>\n<p>Immer sind es die Eins\u00e4tze f\u00fcr andere, f\u00fcr Kunden, Mitarbeitende, Kinder, f\u00fcr Enkel und Gemeinde, in denen sie dich ebenso aufessen wie du den Herrn Jesus Christus. Die ganzen Unternehmen und Engagements, als Folge des Glaubens, sie werden zu Werken des Heiligen Geistes.<\/p>\n<p>So beginnt das gelebte Evangelium von Jesus Christus mit der selbstgekochten Suppe, die mir meine Mutter nach schweren Infektionen in der Kindheit kochte und L\u00f6ffel f\u00fcr L\u00f6ffel zu schl\u00fcrfen gab. Ist nicht ihr Einsatz die Inkarnation des Lebensbrotes, ihre Zuwendung die des sich erbarmenden Christus?<\/p>\n<p>Und geht dies, um nur dieses Beispiel einmal weiterzudenken, auf das Kochen auf der Jugendfreizeit \u00fcber, wie es bei uns einige aus dem Kirchenvorstand tun. Schade, wenn 70j\u00e4hrige sagen, ich koche nicht mehr, damit bin ich durch. Ich kenne 90j\u00e4hrige, die selbst noch im Altersheim die So\u00dfe verfeinern.<\/p>\n<p>Brot des Lebens ist g\u00f6ttliches Manna auf dem Weg in die Ewigkeit. Hier gehen wir als Volk Gottes von Station zu Station. Immer warten neue Herausforderungen, immer wirst du mehr gefordert als du erst einmal magst. Erst sp\u00e4ter, in den R\u00fcckblicken, wirst du sp\u00fcren: Das war die sch\u00f6nste Zeit.<\/p>\n<p>Man geht nicht jeden Tag ins Restaurant, nicht in die Kirche, und steht doch am Herd, am Tresen, auf der Kanzel, im Bem\u00fchen um eine bessere, ehrliche Welt, in Sorge um die Seinen, unterwegs, mitgenommen auf dem gro\u00dfen Weg in die Ewigkeit. All das vollbringt Christus in dir, er ist dein Brot des Lebens.<\/p>\n<p>Der K\u00e4se kommt vor dem Dessert, klar, aber dann ran an den Nachtisch. Das Spielerische, Sch\u00f6ne, Verzaubernde, vielleicht einfach Erdbeeren mit etwas Minze im Juni, Pflaumenkompott im Herbst. \u00dcberhaupt, Christus schenkt ein, vergesst auch die Getr\u00e4nke nicht. Und schenkt selber aus, was andere belebt, nehmt vom Besten.<\/p>\n<p>Und unsere lieben Kirchen: Sommergottesdienste in und vor den Kirchen sind Feste, mit Eis und Kinderlachen und Seniorentischen im Schatten. Dann die Einschulungen, das Segnen der Kleinen in den Kirchen. Bald kommen auf den Bauernh\u00f6fen die Erntedankgottesdienste, mit diesem Geruch von Kartoffeln und Erde.<\/p>\n<p>Das Brot des Lebens l\u00e4sst die Tage zum Fest werden. Immer begrenzt, nie gesichert, sind sie geschenkte Zeit. Darin ist Hiersein herrlich, k\u00f6stlich wie Champagner. Doch es h\u00e4ngt nicht am Geld, \u00fcberall wird gekocht, gebacken, gesungen, oft ganz einfach und schlicht.<\/p>\n<p>Lass es geschehen, lass es gut sein mit deiner Ungeduld, der Unzufriedenheit. Kehre immer wieder in die Gasth\u00e4user des G\u00f6ttlichen ein, betreibe sie selber in Beruf und Familie, auf der Erde und zuhause. Niemals mehr wirst du hungern und d\u00fcrsten, mit dem Brot des Lebens im Restaurant Christi.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Ralf Reuter<br \/>\nG\u00f6ttingen<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>Ralf Reuter, Pastor der Ev.-luth. Weststadt-Kirchengemeinde G\u00f6ttingen, der G\u00f6ttinger Westd\u00f6rfer und der Region G\u00f6ttingen-West, gelegentlich auch als Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte im Kloster Loccum t\u00e4tig<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Jean Zumstein: Das Johannesevangelium 2016, bes. S. 240-286 (zur Auslegung von Kap. 6)<\/p>\n<p>Reinhard Schwarz: Martin Luther, Lehrer der christlichen Religion 2015, bes. 205-227 (zum Tausch bei Luther)<\/p>\n<p>Vincent Moissonnier\/Joachim Frank: Der K\u00e4se kommt vor dem Dessert, 2023<\/p>\n<p>Vincent Moissonnier\/Bert Gamerschlag: Ein Tisch am Fenster. Geschichten aus einem besonderen Restaurant, 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Restaurant Christi | 7. So. n. Trinitatis | 03.08.2025 | Joh 6,30-35 | Ralf Reuter | Man geht nicht jeden Tag ins Restaurant. Auch nicht in die Kirche. Viele kochen selber. Es gibt Kochb\u00fccher. Doch da musst du dich selber bedienen. 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