{"id":25358,"date":"2025-08-12T21:29:18","date_gmt":"2025-08-12T19:29:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25358"},"modified":"2025-08-12T21:29:28","modified_gmt":"2025-08-12T19:29:28","slug":"lukas-161-9-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-161-9-4\/","title":{"rendered":"Lukas 16,1-9"},"content":{"rendered":"<p>9.Sonntag nach Trinitatis | 17.08.25 | Lukas 16,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Rasmus N\u00f8jgaard |<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Generosit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was verstehen wir unter Generosit\u00e4t (bzw. Gro\u00dfz\u00fcgigkeit)? Vielleicht so \u00fcberw\u00e4ltigend, wie die Erz\u00e4hlung vom Gutsverwalter das versteht. Der Gutsverwalter verschwendet ja das Eigentum und Verm\u00f6gen des reichen Gutsbesitzers. Nachdem ihn der Gutsbesitzer entlassen hat, nimmt er die M\u00f6glichkeit wahr, sich gute Freunde zu verschaffen, die seine Zukunft sichern k\u00f6nnen. H\u00f6chst \u00fcberraschend wird der Gutsverwalter gelobt, der doch unehrlich oder treulos gehandelt hat bzw. wie die Tradition das griechische \u2019\u1f00\u03b4\u03b9\u03ba\u03af\u03b1\u03c2\u2019 \u00fcbersetzt hat, direkt \u00fcbersetzt <em>ungerecht.<\/em> Der Gutsverwalter wird direkt f\u00fcr seiner Weisheit gelobt, und der Herr, \u1f41 \u03ba\u03cd\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2, fordert, dass auch die Kinder des Lichts den Reichtum dieser Welt nutzen, um sich Freunde zu sichern, die sich ihrer im Himmel annehmen. Vielleicht ist das direkt so zu verstehen, dass die Kinder des Lichts, bei denen es sich um die J\u00fcnger oder die Gemeinden handeln muss, von der Welt lernen sollen und Kirchen und Gemeinden schaffen sollen, die die notwendigen Ma\u00dfnahmen ergreifen, um sich all derer anzunehmen, die darum bitten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Auslegung dieses nicht unmittelbar begreiflichen Gleichnisses ist nat\u00fcrlich h\u00f6chst verschieden und zeigt sich schon in \u00dcbersetzungen und \u00dcberschriften. In d\u00e4nischer Tradition erh\u00e4lt das Gleichnis die \u00dcberschrift: \u201eDer unehrliche Gutsverwalter\u201c. Er ist ja \u201aunehrlich\u2018 oder \u201auntreu\u2018. In der deutschen \u00dcbersetzungstradition hat man Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, es das Gleichnis vom <em>klugen<\/em> Gutsverwalter zu nennen. Wo b\u00fcrgerliche Moral in einer d\u00e4nischen Tradition vorherrscht und dies seit Augustin \u00fcblich war, der so weit geht, dass er sich selbst fragt, ob dieses Gleichnis vielleicht gar nicht in die Evangelien geh\u00f6re wegen des verwerflichen Handelns des Gutsverwalters, sieht die lutherische Tradition mehr darauf, dass der Gutsverwalter klug handelt, einsichtsvoll, \u2019\u03c6\u03c1\u03bf\u03bd\u03af\u03bc\u03c9\u03c2\u2019. Lukas formuliert mit einem neckischen Wortspiel, dass der Herr, \u1f41 \u03ba\u03cd\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2, den ungerechten, \u2019\u1f00\u03b4\u03b9\u03ba\u03af\u03b1\u03c2\u2019, Verwalter f\u00fcr seine Klugheit lobt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einerseits k\u00f6nnen wir daran Ansto\u00df nehmen, dass der Gutsverwalter hinter dem R\u00fccken seines Arbeitsgebers handelt. Dazu kommt noch, dass er seine Freunde kaufen will, indem er die Schulden erl\u00e4sst, sogar f\u00fcr das Geld seines Arbeitsgebers. Wir erhalten den Eindruck, dass er einfach entlassen wird., weil er faul ist und ein Schuft. Eine d\u00e4nische Nummer auf der Hitliste trifft sehr gut die b\u00fcrgerliche Moral:\u00a0 Freunde kann man nicht f\u00fcr Geld kaufen. Das Gleichnis zeugt jedoch von einer anders realistischen Auffassung von der Wirklichkeit. Der Verwalter betr\u00fcgt so den Gutsbesitzer und sichert sich damit gute Verb\u00fcndete in einer unsicheren Zukunft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schon der Kirchenvater Origines stellt einst im 3. Jahrhundert die Frage: Wer ist der Gutsbesitzer? Eine sehr verbreitete allgemeine Fehldeutung ist nach Origenes, dass er Gott selbst ist. Origenes hat den spitzfindigen Kommentar, dass das Gleichnis den Leser narrt, indem es sowohl den Gutsbesitzer als auch Jesus den \u201aHerren\u2018 nennt in bestimmter Form: \u1f41\u03ba\u03cd\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2, so wie Gott oft in den biblischen Schriften genannt wird. Lukas f\u00fchrt den Gutsbesitzer ein als den reichen Mann, der den Verwalter angestellt hat. Und der Verwalter ist es, der den Gutsbesitzer \u201emeinen Herren\u201c nennt, \u1f41 \u03ba\u03cd\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2 \u03bc\u03bf\u03c5(Vers 3). Das n\u00e4chste Mal taucht der Herr auf in Vers 8, wo Origenes darauf verweist, dass dies nicht mehr dem Gutsbesitzer gilt, sondern Jesus selbst, \u1f41 \u03ba\u03cd\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2. Es ist also Jesus, der das Gleichnis abschlie\u00dft, indem er feststellt, dass die <em>Kinder des Lichts<\/em> (das m\u00fcssen die J\u00fcnger sein und die, die Jesus folgen, vielleicht die Gemeinden aus der Zeit des Lukas) sich Freunde schaffen durch den elenden Mammon, so dass sich die Freunde ihrer annehmen, wenn ihr Geld alle ist. Origenes verweist darauf, dass es um alle Lebensnotwendigkeiten (\u00d6l und Weizen) handelt. Jesus r\u00e4t seinen J\u00fcngern, so viel wie m\u00f6glich zu brauchen um sicherzustellen, dass eine Gemeinde, sowohl hier auf Erden als auch im Himmel existiert, die f\u00fcr ihr Heil sorgt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Statt einer Moralpredigt kann das Gleichnis eher als Erbauung verstanden werden. Die Erz\u00e4hlung von dem unehrlichen Gutsverwalter ist keine Aufforderung, einander in erfinderischer Weise auszunutzen. Es handelt sich auch nicht darum, Reichtum oder dreiste Man\u00f6ver am Rande des Gesetzes zu verurteilen (auch wenn sowohl Reiche als auch Schlingel in der Tat im Lukasevangelium wahrlich nicht in hohem Ansehen stehen). Es ist vielmehr eher eine Erinnerung daran, dass wir die in dieser Welt vorhandenen Mittel und unsere eigne Erfindungsgabe benutzen m\u00fcssen, um einander zu helfen (idealistisch zum Heil) und nicht hinter der Hartn\u00e4ckigkeit und dem Ideenreichtum von Schlingeln zur\u00fcckstehen. Es n\u00fctzt niemandem, hier fein zu sitzen, rein und ohne Tadel, wenn das daran liegt, dass wir uns nur an Regeln halten aus Furcht vor dem Buchstaben des Gesetzes und der Sorge um das eigene Ansehen. Es geht nicht um Ansehen f\u00fcr den Blick der Menschen, sondern den Blick von Gott dem Herrn. Wir m\u00fcssen also lieber die \u00c4rmel hochkrempeln und uns an die Arbeit machen, auch wenn wir unseren guten Ruf aufs Spiel setzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder anders gesagt: Nicht in einer irdischen, sondern in einer himmlischen Perspektive geht es darum, sich die richtigen Freunde zu sichern und nicht in schlechte Gesellschaft zu geraten. \u00a0In der Trinitatiszeit ist das ein Thema, wo die Lage auf den Kopf gestellt wird und reich und arm, heilig und s\u00fcndig, erl\u00f6st und verloren den Platz tauschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Spa\u00dfige an dem Gleichnis ist, dass man es so unterschiedlich wenden und lesen kann und dass dies in der Tat geschehen ist. Der Verwalter kann ein gro\u00dfz\u00fcgiger Schlingel gesehen werden, den man verurteilt, er kann aber auch die Barmherzigkeit selbst repr\u00e4sentieren, die den Verschuldeten befreit, ganz gleich welche Strafe ihn daf\u00fcr erwartet, man hat so in ihm Jesus selbst gesehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein alter kluger Rektor am Predigerseminar hat in einem Buch <em>Trinitatis. Ein homiletischer Reisebericht <\/em>(2015) \u00fcberzeugend daf\u00fcr argumentiert, dass kaum ein Zweifel daran bestehen kann: Liest man das Evangelium im Kontext des Kirchenjahres, dann geht es darum, sich klarzumachen, sich mit der Welt zu vers\u00f6hnen, sich dem Herrn zu \u00f6ffnen und seinem Weg zu folgen. Die Texte sind: Der reiche Mann und Lazarus in Abrahams Scho\u00df (1. S. n. Tr.), die gro\u00dfe Festmahlzeit (2. S. n. Tr.), das wiedergefundene Schaf und die verschwundene M\u00fcnze (3. S. n. Tr.), der Splitter im Auge deines Bruders und der Balke in deinem eigenen Auge (4. S. n. Tr.), der Fischzug von Simon Petrus (5. S. n. Tr.), das Gebot der Vers\u00f6hnung (6. S. n. Tr.), das Gastmahl beim dem Z\u00f6llner Zach\u00e4us (7. S. n. Tr.), falsche Propheten, die bissige W\u00f6lfe sind,\u00a0 und dass man an den Fr\u00fcchten erkannt wird (8. S. n. Tr.).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man dem Beispiel des Herrn f\u00fcr Generosit\u00e4t folgt, ist das nicht ohne Unkosten. Man verliert vielleicht Reichtum und Ansehen in dieser Welt., aber daf\u00fcr verliert man nicht sich selbst, sondern gewinnt sich selbst voir Gott dem Herrn. Wenn man so entdeckt als gefunden und entlarvt als ein zweiter Zach\u00e4us, dann offenbart sich die Welt erneut mit einer ganz anderen Generosit\u00e4t, die nicht der Fl\u00fcchtigkeit der Welt verfallen ist, sondern etwas anderes empfangen hat, das ewig ist und voller Hoffnung. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00d8sterbrogade 59<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">+45 2617 0583<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EmaiI: <a href=\"mailto:RN@km.dk\">RN(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9.Sonntag nach Trinitatis | 17.08.25 | Lukas 16,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Rasmus N\u00f8jgaard | Generosit\u00e4t Was verstehen wir unter Generosit\u00e4t (bzw. Gro\u00dfz\u00fcgigkeit)? Vielleicht so \u00fcberw\u00e4ltigend, wie die Erz\u00e4hlung vom Gutsverwalter das versteht. Der Gutsverwalter verschwendet ja das Eigentum und Verm\u00f6gen des reichen Gutsbesitzers. 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