{"id":25375,"date":"2025-08-19T17:59:52","date_gmt":"2025-08-19T15:59:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25375"},"modified":"2025-08-19T17:59:52","modified_gmt":"2025-08-19T15:59:52","slug":"markus-1228b-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1228b-34\/","title":{"rendered":"Markus 12,28b-34"},"content":{"rendered":"<h3>10.So. n. Trinitatis | 24.08.2025 | Predigt zu Mk 12,28b-34 | verfasst von Dr. Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lassen Sie mich mit zwei erfreulichen Erlebnissen aus dem Berufsalltag eines Pfarrers beginnen, die zum heutigen Predigttext passen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(1) Manchmal hat man nach dem Religionsunterricht die Freude, dass jemand kommt und etwas nachfragt. Da wei\u00df man dann: Da hat jemand Reli nicht nur abgesessen. Er\/sie war auch innerlich dabei und hat mitgedacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(2) Manchmal hat man nach einem Gottesdienst die Freude, dass jemand kommt und nachfragt. Da wei\u00df man dann: Du hast nicht \u00fcber die K\u00f6pfe hinweggepredigt. Hier war jemand dabei und hat mitgedacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In eine \u00e4hnliche Situation f\u00fchrt uns der Predigttext f\u00fcr heute:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es trat zu Jesus einer von den Schriftgelehrten, der ihm zugeh\u00f6rt hatte,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eund fragte ihn: \u201aWelches ist das h\u00f6chste Gebot von allen?\u2018<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus aber antwortete ihm: \u201aDas h\u00f6chste Gebot ist das: H\u00f6re, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gem\u00fct und von allen deinen Kr\u00e4ften.\u2018 Das andre ist dies: \u201aDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst.\u2018 Es ist kein anderes Gebot gr\u00f6\u00dfer als diese.\u2018<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: \u201aMeister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er [Gott] ist nur einer, und ist kein anderer au\u00dfer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gem\u00fct und von allen Kr\u00e4ften, und seinen N\u00e4chsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.\u2018<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Jesus sah, da\u00df er verst\u00e4ndig antwortete, sprach er zu ihm: \u201aDu bist nicht fern vom Reich Gottes.\u2018<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Markus 12,28b-34 Luther-\u00dcbersetzung)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">[Ich mag] diese Bibelstelle[, denn sie] erz\u00e4hlt von einem gelungenen Gespr\u00e4ch \u00fcber den Glauben. Das ist sch\u00f6n und mehr, als man oft hat. Auch in den Evangelien werden viele Streitgespr\u00e4che und wenige Lehrgespr\u00e4che gef\u00fchrt. Deshalb will ich mit Ihnen zun\u00e4chst diesem Gespr\u00e4ch nachgehen. Im zweiten Teil der Predigt geht es dann um die Frage, wie Jesus heute mit uns spricht. Eines hat der Schriftgelehrte uns ja voraus: Er konnte mit Jesus von Angesicht zu Angesicht reden. Wir k\u00f6nnen das nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ein gelungenes Gespr\u00e4ch \u00fcber den Glauben<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst zum besseren Verst\u00e4ndnis des Bibeltexts. Schon dieses k\u00f6nnte eine Weise sein, darauf zu h\u00f6ren, was Jesus uns heute zu sagen hat:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEs trat zu Jesus einer von den Schriftgelehrten.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er hat zugeh\u00f6rt und hingeh\u00f6rt auf das, was Jesus sagen wollte. Er war innerlich dabei und hat mitgedacht. Nun traut er sich, etwas zu fragen. Sein Anliegen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eWelches ist das h\u00f6chste Gebot von allen?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und schon bei dieser Frage sind wir auch bei uns. Ich wei\u00df nicht, ob man heute noch so etwas fragen w\u00fcrde. W\u00e4re das ein Anliegen \u201evon uns\u201c heute? H\u00e4tten wir vielleicht sogar eine Idee? Wenn ich auf die Gesellschaft insgesamt schaue, ist mein Verdacht: Eher ginge es wohl darum, welche der \u201e10\u201c [Anf\u00fchrungszeichen mitsprechen. Kontrast zu den sp\u00e4ter genannten Zahlen!] Gebote denn \u00fcberhaupt noch unverzichtbar sind. F\u00fcr Kirchenbesucher wird das anders sein. In der Jesus-Zeit war das definitiv anders, denn da wusste man noch von 613 biblischen Ge- und Verboten: Die Frage nach dem h\u00f6chsten Gebot hatte es also in sich. Manche Schriftgelehrte h\u00e4tten die Frage abgewiesen. Nach dem Grundsatz: \u201eAlle 248 [!] Gebote und 365 [!] Verbote in der Thora sind wichtig, denn alle sind von Gott.\u201c Es gab aber auch Schriftgelehrte, die die Frage nach einem wichtigsten Gebot f\u00fcr erlaubt hielten. Manche haben sie sogar in eine \u00e4hnliche Richtung beantwortet wie Jesus. Im Predigttext l\u00e4sst Jesus die Frage zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">In seiner Antwort zitiert Jesus zun\u00e4chst das Schma-Jisrael. Das ist das Glaubensbekenntnis, das jeder Israelit zur Zeit Jesu morgens und abends sprechen sollte:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eH\u00f6re, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gem\u00fct und von allen deinen Kr\u00e4ften.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deuteronomium Kapitel 6, Verse 4 und 5. Das ist ein Zitat aus der hebr\u00e4ischen Bibel, die in der Christenheit als Altes Testament zu den Heiligen Schriften z\u00e4hlt. Aber: Das Schma-Jisrael soll nicht nur gesprochen, sondern auch gelebt werden. Und da durchbricht Jesus, wie wir geh\u00f6rt haben, die erfragte Rangfolge. Er setzt zwei Gebote auf Platz 1. Es folgt ein Bibelzitat, das der Schriftgelehrte ebenso kennt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDas andre ist dies: \u201aDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst.\u2018\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Levitikus Kapitel 19, Vers 18. Auf diese Weise verbindet Jesus die Gottes- und die N\u00e4chstenliebe im ber\u00fchmt gewordenen Doppelgebot der Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eLiebe\u201c ist in der Bibel nicht zuerst ein Gef\u00fchl oder Ausdruck k\u00f6rperlicher und seelischer Anziehung. (Vgl. https:\/\/www.die-bibel.de\/ressourcen\/wibilex\/altes-testament\/liebe-liebesgebot-at) Unsere heutigen, romantischen Vorstellungen sind weit sp\u00e4ter gekommen. Deshalb kann das Doppelgebot der Gottes- und N\u00e4chstenliebe nicht als Befehl eines Gef\u00fchls verstanden werden. Gef\u00fchle kann man nicht \u201ebefehlen\u201c, ein Handeln schon. So wie das Wort im Alten und Neuen Testament gebraucht wird, ist \u201elieben\u201c eine Grundhaltung und Umgangsform. Ich versuche mal ein paar Umschreibungen f\u00fcr unsere Zeit: (1) Es ist ein sich-interessieren f\u00fcr andere. (2) Es ist ein dabei-bleiben. (3) Es ist ein sich-auseinander- und ein sich-zusammen-setzen. In beiden Richtungen, die der Predigttext nennt, also: (1) ein steter Umgang mit Gott und (2) ein Umgang mit anderen, der Gemeinschaft bildet. Dieses Bem\u00fchen soll so dauerhaft sein, wie wir dauerhaft von uns selbst wissen, und so aktiv, wie wir uns mit uns selbst besch\u00e4ftigen. Und das tun wir doch flei\u00dfig. Wir besch\u00e4ftigen uns mit dem, was wir sind und wie wir aussehen, wie andere uns sehen. Wir besch\u00e4ftigen uns mit dem, was wir tun, getan haben oder noch tun wollen. Im Deutsch von Beratungsspalten in Zeitschriften und im Internet: \u201eWir\u201c arbeiten Vergangenheit auf. \u201eWir\u201c optimieren uns, um Erfolg zu haben. \u201eWir\u201c erfinden uns selbst neu, wenn sich der Erfolg nicht einstellt oder die Zeiten sich \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Schriftgelehrte nimmt die Antwort Jesu auf und zeigt dabei, dass er Jesus gut verstanden hat:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMeister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer au\u00dfer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gem\u00fct und von allen Kr\u00e4ften, und seinen N\u00e4chsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Schriftgelehrte nimmt auf, was Jesus sagt, aber er wiederholt nicht nur. Er f\u00fchrt weiter, und man kann feststellen, der Schriftgelehrte ist wirklich bewandert in der Schrift. Darum flie\u00dfen ihm aus dem Ged\u00e4chtnis die Zitate zusammen: Das Schma-Jisrael aus Deuteronomium 6, das Gebot der N\u00e4chstenliebe aus Levitikus 19 und all die vielen Stellen aus der prophetischen Kritik an der allt\u00e4glichen Gottvergessenheit der Zeitgenossen. Es war eine st\u00e4ndige Mahnung von Amos, Hosea und Co.: Es gen\u00fcgt nicht, am Feiertag fromm zu sein. Es geht auch um die Treue zu Gott und den Menschen in den Tagen dazwischen. Nur ein Beispiel aus dem Prophetenbuch Hosea:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAn Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, \/ an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.\u201c (Hosea 6,6, Einheits\u00fcbersetzung)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was der Schriftgelehrte antwortet, ist biblisch begr\u00fcndet und trotzdem mutig. Schlie\u00dflich war in der Jesus-Zeit ein wichtiger Teil im Jerusalemer Tempeldienst das Opfer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was der Schriftgelehrte sagt, gef\u00e4llt Jesus, und er w\u00fcrdigt den Schriftgelehrten mit einem pers\u00f6nlichen Zuspruch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAls Jesus sah, da\u00df er verst\u00e4ndig antwortete, sprach er zu ihm: \u201aDu bist nicht fern vom Reich Gottes.\u2018\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht fern vom Reich Gottes. Welcher fromme Schriftgelehrte wollte das nicht sein! Ich kann mir gut vorstellen, warum dieser Zuspruch n\u00f6tig war. Mit den biblischen Geboten geht der Schriftgelehrte als frommer Mensch t\u00e4glich um. Er erlebt, wie sie ihm manches verbieten, was andere tun. Vielleicht erlebt er auch, wie er gelegentlich dem biblischen Ma\u00dfstab oder den eigenen Idealen nicht entspricht. Darum antwortet Jesus nicht nur auf die \u00e4u\u00dfere Frage nach dem wichtigsten Gebot. Jesus antwortet pers\u00f6nlich, als er sieht, wie pers\u00f6nlich sein Gegen\u00fcber das nimmt. Und Jesus sagt: \u201eDein Bem\u00fchen, Gott und dem N\u00e4chsten treu zu sein, ist nicht vergeblich.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ein vorbildliches Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Schriftgelehrte war mit seinen Fragen und Antworten nahe am Reich Gottes. Doch wie steht es um uns? Probieren wir es aus! Stellen wir uns neben den Schriftgelehrten und Jesus und lernen wir durch Beobachten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die erste Beobachtung: Der Schriftgelehrte ist wirklich schriftgelehrt. Ich finde das beeindruckend. Schon damals war sein Interesse an der Bibel auch eine Frage an die Zeitgenossen. Nicht jeder studierte damals die hebr\u00e4ische Bibel so intensiv wie \u201edie Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten\u201c. Und mehr noch: Der Schriftgelehrte im Predigttext ist immer noch bereit, mehr \u00fcber Gott zu lernen. So viel Bem\u00fchen um das Wort Gottes wird von Jesus einer Antwort gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine zweite Beobachtung: Der Schriftgelehrte h\u00f6rt Jesus erst einmal zu. Das war damals vielleicht genauso selten wie heute, wenn \u00fcber Glaubensdinge gesprochen wird. Zuerst zuh\u00f6ren. Nicht zuerst diskutieren. Das ist nicht so einfach. Wenn wir es besser machen wollen: Wo sind unsere Gelegenheiten, in Glaubensdingen gemeinsam auf Jesus zu h\u00f6ren?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und eine dritte Beobachtung: Der Schriftgelehrte verbindet, was er verstanden hat, mit seinem Wissen und seiner Lebenserfahrung. Auch das ist vorbildlich und als Ansporn f\u00fcr uns wichtig. Selbst wenn wir uns in Schriftgelehrtheit nicht mit den Fr\u00fcheren messen k\u00f6nnen: Mindestens beim Thema Lebenserfahrung k\u00f6nnen wir von klein auf mitreden. Genau wie der Schriftgelehrte bringen wir unser Leben in den Gottesdienst und in Gespr\u00e4che \u00fcber den Glauben mit: All das, was in uns Gottvertrauen und Lebensmut weckte, all das, wo wir Gottvertrauen und Lebensmut verloren haben, all das, wo wir wissen, dass wir Fehler gemacht haben. Erwarten wir da ein Gotteswort f\u00fcr uns!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">All das ist zu beobachten und zu lernen, wenn wir uns neben den Schriftgelehrten und Jesus stellen. Man k\u00f6nnte hier Vorw\u00fcrfe h\u00f6ren und in den Verteidigungsmodus \u00fcbergehen. Es geht uns dann so wie den anderen Menschen unseres Predigttextes. Die wagten nicht mehr, Jesus etwas zu fragen. Doch ich will die Beobachtungen nicht nur zur negativen Selbsterkenntnis verwenden. Ich will sie auch ins Positive wenden, denn Jesus geht nicht so mit uns um wie ein schlechtes Gewissen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Schl\u00fcssel liegt in der Frage, wozu uns diese Geschichte erz\u00e4hlt wird. Zuallererst ist sie eine sch\u00f6ne Geschichte, [die erz\u00e4hlt,] wie ein Mensch und Jesus sich begegnet sind und sich verstanden haben. Damit soll uns Mut gemacht werden, unsere eigene sch\u00f6ne Geschichte mit Jesus zu suchen. Dabei kann es in der Tat eine Hilfe sein, wenn man sich der Bibel zuwendet. Die Bibel wird sich in den Glaubensdingen immer besser erkl\u00e4ren, je besser man sie kennt. Das ist die alte Empfehlung des Protestantismus. Doch geht es nicht einfach darum, ein bisschen schriftgelehrter zu werden. Es geht darum, dass unser Leben mit Jesus in Kontakt kommt. Und da geht es um jeden einzelnen pers\u00f6nlich und damit auch um unsere ganz pers\u00f6nlichen Fragen. Das ist wichtig! Auch im Blick auf alle die, die nicht gut lesen und verstehen oder nicht mehr lesen oder so lange aufmerksam lesen k\u00f6nnen wie fr\u00fcher. Und im \u00dcbrigen wird auch nicht alles, was uns bewegt, in der Bibel bewegt. Wohl aber kann man es im Gespr\u00e4ch mit anderen Christen und Christinnen bewegen. Deshalb braucht es auch sch\u00f6ne Geschichten von Christenmensch zu Christenmensch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Versuch einer Aktualisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich komme zum Schluss und verabschiede uns von dem Schriftgelehrten. Der Schriftgelehrte ist Jesus begegnet: Von Angesicht zu Angesicht, auf Augenh\u00f6he, ja mehr noch von Herz zu Herz. Man hat miteinander gesprochen, und man hat sich verstanden. Das ist sch\u00f6n, und mehr, als man oft hat. Das Ideal eines ehrenwerten, bibelorientierten, gottesf\u00fcrchtigen Lebens, wie es die Schriftgelehrten gelebt haben, war schon in der Jesus-Zeit nur ein Weg der wenigen. F\u00fcr die meisten ging es damals prim\u00e4r ums \u00dcberleben. Nur klein war die Oberschicht, die \u201edas Leben feiern\u201c konnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich mich [in Deutschland] umsehe, gibt es inzwischen eine gro\u00dfe Zahl von Menschen, die zuallererst \u201eetwas vom Leben\u201c haben wollen &#8211; und dabei nicht zuerst an das Reich Gottes denken, wie Jesus einmal empfohlen hat. Darum lassen Sie mich mit einer \u00dcbertragung f\u00fcr einen lebenshungrigen jungen Mann enden, der von Religion keine Ahnung hat, aber vom vollen Leben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEs trat zu Jesus einer, der gesehen hatte, das rund um Jesus immer etwas zu erleben war. Und er fragte ihn: \u201aIch habe schon so viel [von meiner Bucket-List] gemacht. Sag mir: Was ist die ultimative Challenge?\u2018 Jesus aber antwortete ihm: \u201aDie ultimative Herausforderung ist diese: Wer sein Leben ganz an Gott verliert, der hat das Leben. Und noch was: Du sollst das gute Leben der anderen genauso im Auge haben wie dein eigenes. Dann gibt es kein besseres Leben als dieses.\u2018 Und der Frager sprach zu ihm: \u201aHabe ich Dich richtig verstanden, wenn ich sage: Das Gl\u00fcck des Lebens bei Gott zu finden und mit anderen Menschen wirklich zusammen zu leben, das w\u00e4re mehr als der Sprung am Bungee-Seil und die einsame Ekstase einer Droge. Das w\u00e4re etwas, was wirklich bleibt.\u2018 Als Jesus sah, dass er verst\u00e4ndig antwortete, sprach er zu ihm: \u201aDu bist nicht fern vom Reich Gottes, denn Du hast schon viel vom Leben verstanden. Ich m\u00f6chte Dir bei der ultimativen Herausforderung an dein Leben helfen: Komm, folge mir nach.\u2018 Und niemand wagte mehr, Jesus etwas zu fragen. Jeder sp\u00fcrte: Jesus etwas Pers\u00f6nliches zu fragen, w\u00fcrde Konsequenzen haben.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und als Religionslehrer an der Wilhelm-L\u00f6he-Schule in N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg. (Hansjoerg.Biener (at) fau.de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10.So. n. 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