{"id":25400,"date":"2025-08-28T08:04:04","date_gmt":"2025-08-28T06:04:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25400"},"modified":"2025-08-27T14:18:30","modified_gmt":"2025-08-27T12:18:30","slug":"hiob-23-1-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hiob-23-1-17\/","title":{"rendered":"Hiob 23, 1-17"},"content":{"rendered":"<h3><strong>| <\/strong><strong>Hiobs Sehnsucht<\/strong><strong> | 11. Sonntag nach Trinitatis | 31. August 2025 |<br \/>\n| Hiob 23 | verfasst von Paul Wellauer |<\/strong><\/h3>\n<p><strong>| Psalmgebet im Wechsel | <\/strong><strong>Psalm 119,49-56 <\/strong><strong>| Die Bibel nach Martin Luther, 2017*<br \/>\n<\/strong>I \u00a049 Denk an das Wort f\u00fcr deinen Knecht, und lass mich darauf hoffen.<br \/>\nII 50 Das ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort mich erquickt.<br \/>\nI\u00a0 51 Die Stolzen treiben ihren Spott mit mir; dennoch weiche ich nicht von deinem Gesetz.<br \/>\nII 52 HERR, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getr\u00f6stet.<br \/>\nI\u00a0 53 Zorn erfasst mich \u00fcber die Frevler, die dein Gesetz verlassen.<br \/>\nII 54 Deine Gebote sind mein Lied geworden im Haus, in dem ich Fremdling bin.<br \/>\nII 55 HERR, ich gedenke des Nachts an deinen Namen und halte dein Gesetz.<br \/>\nII 56 Das ist mein Schatz, dass ich mich an deine Befehle halte.<\/p>\n<p>I&amp;II AMEN<\/p>\n<p><strong>| <\/strong><strong>Lesung <\/strong><strong>Predigttext | Hiob 23 <\/strong><strong>| Hiobs Antwort <\/strong><strong>| Die <\/strong><strong>Z\u00fcrcher Bibel, 2007**<br \/>\n<\/strong>1 Da antwortete Hiob und sprach:<br \/>\n2 Auch heute ist meine Klage Widerspruch, die Last seiner Hand l\u00e4sst mich st\u00f6hnen.<br \/>\n3 W\u00fcsste ich doch, wie ich ihn finden, zu seiner St\u00e4tte gelangen k\u00f6nnte!<br \/>\n4 Ich wollte den Rechtsfall vor ihm darlegen und meinen Mund mit Beweisen f\u00fcllen.<br \/>\n5 Ich m\u00f6chte wissen, was er mir erwidert, und erfahren, was er mir zu sagen hat.<br \/>\n6 W\u00fcrde er mit mir streiten in der F\u00fclle seiner Macht? Wollte er doch nur auf mich achten!<br \/>\n7 Ein Aufrechter w\u00fcrde dort mit ihm streiten, und f\u00fcr immer h\u00e4tte ich mein Recht gesichert.<br \/>\n8 Seht, geh ich nach Osten, so ist er nicht da, und nach Westen, so erkenne ich ihn nicht.<br \/>\n9 Wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht, verbirgt er sich im S\u00fcden, so sehe ich ihn nicht.<br \/>\n10 Er aber kennt meinen Weg, wenn er mich pr\u00fcfte, w\u00e4re ich wie Gold.<br \/>\n11 Mein Fuss ist auf seiner Spur geblieben, seinen Weg hielt ich ein und wich nicht ab.<br \/>\n12 Ich liess nicht ab vom Gebot seiner Lippen, die Worte seines Mundes bewahrte ich in meiner Brust.<br \/>\n13 Er aber hat es beschlossen, und wer k\u00f6nnte ihn umstimmen? Und was er wollte, hat er getan.<br \/>\n14 Er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und h\u00e4lt noch mehr davon bereit.<br \/>\n15 Darum erschrecke ich vor ihm. Denke ich daran, macht er mir Angst.<br \/>\n16 Gott hat mein Herz verzagt gemacht, und Schaddai hat mich erschreckt.<br \/>\n17 Denn nicht von der Finsternis werde ich vernichtet, und nicht, weil Dunkelheit mein Angesicht bedeckt.<\/p>\n<p><em>Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen<\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<p><strong>| Predigt | <\/strong><strong>Angst und Frieden<\/strong><strong> |<\/strong><br \/>\nLiebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern durch die Liebe und Gnade Gottes<\/p>\n<p><strong><em>\u00abDer Gesunde hat viele W\u00fcnsche, der Kranke nur einen.\u00bb,<\/em><\/strong> sagt ein indisches Sprichwort. Solange man sich guter Gesundheit erfreut, kann man unbeschwert vielerlei Sehns\u00fcchten und Gel\u00fcsten nachgehen, ist das Leben aber von Krankheit belastet, will jeder und jede wohl nur das Eine: M\u00f6glichst rasch und vollst\u00e4ndig gesund werden.<br \/>\n<strong>Welchen Wunsch hat wohl Hiob?<\/strong> Seine Krankheit, b\u00f6se Geschw\u00fcre am ganzen K\u00f6rper (Hiob 2,7-8), ist in seinem grossen Ungl\u00fcck wohl eine der kleineren Sorgen. Alle seine zehn Kinder sind bei einem tragischen Ungl\u00fcck get\u00f6tet worden. Auch seine Knechte sind um\u2019s Leben gekommen und zudem seine riesigen Tierherden. Noch vor kurzem war er ein reicher, erfolgreicher, gl\u00fccklicher und rechtschaffener Vater und Grossbauer. Nun ist er ein H\u00e4ufchen Elend. Am Boden zerst\u00f6rt.<br \/>\nSeine drei guten Freunde Elifas, Bildad und Zofar sind ihm in seiner Not keine grosse Hilfe: Sie setzen sich zwar zun\u00e4chst \u00abin Sack und Asche\u00bb neben ihn und trauern mit ihm \u00fcber seine grossen Verluste. Doch dann wollen sie ihn mit spitzfindigen Worten \u00fcberzeugen, dass er auf irgend eine Weise doch selbst schuld an seiner Misere sein m\u00fcsse. Sie k\u00f6nnen und wollen nicht glauben, dass ihm all das Schlimme \u00abeinfach so\u00bb geschen ist. Sie sind der festen \u00dcberzeugung: Das Elend muss einen tieferen Grund und eine erkl\u00e4rbare Ursache haben. F\u00fcr sie ist klar: Eine derart umfassende menschliche Katastrophe muss vom Leid tragenden Hiob mitverschuldet worden sein. Und Gott hat ihn f\u00fcr seine Schuld nun bestraft. Hiob m\u00fcsste in ihren Augen seine Schuld einsehen, Gott um Vergebung bitten und k\u00f6nnte dann wieder mit Gottes Gnade und G\u00fcte rechnen.<br \/>\nIst wenigstens Hiobs Frau eine Hilfe und St\u00fctze f\u00fcr ihn im gemeinsamen Verlust und dieser uns\u00e4glichen Trag\u00f6die? Ihr Rat f\u00fcr Hiob ist gezeichnet von Wut, Zorn und Verbitterung: Hiob soll Gott verfluchen, der ihm all dieses Ungl\u00fcck widerfahren liess oder ihn zumindest nicht davor bewahrte. (Hiob 2,9)<\/p>\n<p><strong>Welchen Wunsch hat wohl Hiob in all seiner Not, Trauer und Auswegslosigkeit?<\/strong><br \/>\nWelche Sehnsucht bewegt sein Herz, in diesem Moment tiefster Hoffnungslosigkeit?<\/p>\n<p>In seiner Rede im 23. Kapitel des Hiobbuchs entdecke ich <strong>vier Sehns\u00fcchte<\/strong>, die Hiobs Herz, Bauch und Geist bewegen:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Sehnsucht: Mit dem Kopf begreifen.<\/strong><br \/>\nHiob m\u00f6chte die Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Schicksalsschl\u00e4ge<strong> verstehen<\/strong><\/li>\n<li><strong>Sehnsucht: Tief im Herzen will Hiob Gott begegnen und erfahren<\/strong>.<br \/>\nEr m\u00f6chte Gott aufsp\u00fcren und entdecken, in Osten, Westen, Norden und S\u00fcden,<\/li>\n<li><strong>Sehnsucht: Hiobs Bauch will Gerechtigkeit und Rehabilitation.<br \/>\n<\/strong>Hiob m\u00f6chte im Gericht vor Gott seine Unschuld darlegen<\/li>\n<li><strong>Sehnsucht: Als ganzer Mensch <\/strong>sehnt sich Hiob nach <strong>Trost und Geborgenheit, <\/strong>einem \u00abangstfreien Raum\u00bb und verst\u00e4ndnisvollen Mitmenschen<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>1. Sehnsucht: Mit dem Kopf begreifen<br \/>\n<\/strong><em>\u00abAuch heute ist meine Klage Widerspruch\u00bb <\/em>(Vers2),<em> \u00abIch m\u00f6chte wissen, was er mir erwidert, und erfahren, was er mir zu sagen hat.\u00bb<\/em> (Vers 5) So klagt Hiob und formuliert seine Fragen.<br \/>\n\u00abWarum? Warum ich? Warum diese unsagbare Not?\u00bb Bei jedem Schicksalsschlag steigen solche Fragen in unserem Herzen auf und drehen sich in unserem Kopf ohne Ende.<br \/>\nIch hatte diese Tage eine sehr bewegende Anfrage einer Person, die vor l\u00e4ngerer Zeit ein Familienmitglied verloren hatte. Das Familienmitglied hat seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. Die Angeh\u00f6rigen blieben zur\u00fcck mit ihrer Best\u00fcrzung und Fassungslosigkeit, mit ihren Fragen und Schuldgef\u00fchlen. Die Trauerfeier war bewegend und ich hoffe, dass sie auch ein St\u00fcck Trost und Ermutigung in die Herzen der Trauernden brachte. Doch die Fragen bleiben und tauchen immer wieder auf. Es gibt Fragen, die sind weder rasch noch leicht zu beantworten. Ich sage manchmal etwas flapsig: \u00abIch habe viel lieber Antworten als Fragen!\u00bb Doch das l\u00e4sst diese bohrenden Fragen leider nicht verschwinden. Einige Fragen tragen wir ein Leben lang mit uns herum.<br \/>\n<strong>Von Hiob k\u00f6nnen wir lernen: Er spricht seine Fragen aus. Er richtet sich direkt an Gott, er macht aus seinem Herz keine M\u00f6rdergrube. Ganz offen und ehrlich spricht er seine N\u00f6te an.<\/strong> Er hadert mit Gott, er ringt mit Gott, er schleudert ihm seine Tr\u00e4nen und seine Hoffnungslosigkeit entgegen. Keine Frage ist zu gross oder zu klein, zu schwierig oder zu frech, als dass wir sie vor Gott aussprechen k\u00f6nnten. Davon bin ich zutiefst \u00fcberzeugt, gerade auch, wenn ich in den Weisheitsb\u00fcchern der Bibel lese, in den Psalmen, Spr\u00fcchen, im Prediger Kohelet und im Hohelied.<br \/>\nGanz am Ende des Hiobbuches wird Hiob einige Zusammenh\u00e4nge erkennen k\u00f6nnen, aber Antworten auf alle seine Fragen wird er auch dann nicht haben. Ich m\u00f6chte nicht vorgreifen: Lest am besten die weiteren Kapitel im Hiobbuch selbst. Eines wird aber deutlich: So einfach und geradlinig, wie sich die Freunde von Hiob die Ursachen f\u00fcr die Not Hiobs zusammenreimen, ist es nicht.<\/p>\n<p><strong>\u00a02. <\/strong><strong>Sehnsucht: Von Herzen Gott begegnen<br \/>\n<\/strong>Hiob beschreibt sehr farbig, wie er Gott \u00fcberall sucht und nach ihm forscht. Er h\u00e4tte gute Gr\u00fcnde, Gott den R\u00fccken zuzuwenden oder wie seine Frau ihm r\u00e4t, Gott sogar zu verfluchen. Doch Hiob bleibt Gott treu. Die Not treibt ihn nicht von Gott weg, sondern verst\u00e4rkt seinen Wunsch, Gott ganz pers\u00f6nlich, unmittelbar zu begegnen. In alle Himmelsrichtungen geht seine Suche.<br \/>\nIn den Sommerferien waren wir auf dem Monte San Salvatore im Tessin. Dort kann man auf das Dach der Kirche auf der Bergspitze steigen und geniesst eine wundervolle 360\u00b0-Rundsicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hiob auf das Dach seines Hauses stieg und in alle Himmelsrichtungen gebetet, geschrien und gefleht hat: \u00abGott, wo bist du? Mein Gott, hast du mich verlassen? Aber Hiob entdeckt Gott leider nicht: \u00ab<em>W\u00fcsste ich doch, wie ich ihn finden, zu seiner St\u00e4tte gelangen k\u00f6nnte!\u00bb <\/em>(Vers3)<em> \u00abSeht, geh ich nach Osten, so ist er nicht da, und nach Westen, so erkenne ich ihn nicht. Wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht, verbirgt er sich im S\u00fcden, so sehe ich ihn nicht.\u00bb<\/em> (Verse 8-9)<br \/>\n<strong>Erstaunlich ist, dass Hiob trotzdem vertrauensvoll sagen kann: <em>\u00abEr aber kennt meinen Weg, \u2026\u00bb<\/em><\/strong> (Vers 10a). <strong>Auch wenn Hiob Gott nicht sieht, bzw. noch nicht erkennen kann: Er sp\u00fcrt, dass er von Gott gesehen wird<\/strong>. Im Jahr 2023 hat uns der Satz <em>\u00abDu bist ein Gott, der mich sieht!\u00bb<\/em> (1. Mose 16,13) als Jahreslosung begleitet. Dieser Satz stammt von Hagar, die ihrerseits in einer auswegslosen Situation war. Als Sklavin von Abraham und Sara sollte sie \u00e4hnlich wie eine Leihmutter ein Kind f\u00fcr ihre Meister zur Welt bringen. Doch dann gab es Streit, sie floh und hatte weit weg in der W\u00fcste eine Begegnung mit Gott, in der sie zu dieser Einsicht gelangte: <em>\u00abDu bist ein Gott, der mich sieht!\u00bb<br \/>\n<\/em><strong>Hiob wird \u00e4hnliche \u00abAha-Erlebnisse\u00bb machen d\u00fcrfen, doch f\u00fcrs Erste bleibt seine Sehnsucht ungestillt: Er kann Gott nicht entdecken, nicht begegnen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>3. Sehnsucht: Hiobs Bauch will Gerechtigkeit und Rehabilitation.<br \/>\n<\/strong><em>\u00abIch wollte den Rechtsfall vor ihm darlegen und meinen Mund mit Beweisen f\u00fcllen. Ich m\u00f6chte wissen, was er mir erwidert, und erfahren, was er mir zu sagen hat.\u00bb<\/em> (Verse 4-5) Hiob w\u00fcrde noch so gerne vor das g\u00f6ttliche Gericht treten. Er ist sich seiner Sache sicher: <em>\u00abEin Aufrechter w\u00fcrde dort mit ihm streiten, und f\u00fcr immer h\u00e4tte ich mein Recht gesichert.\u00bb <\/em>(Vers 7) <em>\u00ab\u2026wenn er mich pr\u00fcfte, w\u00e4re ich wie Gold. Mein Fuss ist auf seiner Spur geblieben, seinen Weg hielt ich ein und wich nicht ab.\u00bb Verse 10b-11) <\/em>Wer von uns k\u00f6nnte mit dieser Selbstsicherheit vor Gott treten? <strong>Wer kann auf sein Leben schauen und kommt zum Schluss: <em>\u00ab\u2026wenn er mich pr\u00fcfte, w\u00e4re ich wie Gold.\u00bb<\/em><\/strong> In meinem Leben w\u00fcrde Gott viel \u00abSchlacke\u00bb und Verunreinigungen finden, viel Schuld und Fehlerhaftigkeit. Nur von der Neutestamentlichen Botschaft her k\u00f6nnte ich sagen: Durch Gottes Gnade, durch Jesus Christus, durch sein Erl\u00f6sungswerk bin ich gerechtfertigt, doch niemals aus meiner eigenen Gerechtigkeit oder Fehlerlosigkeit.<br \/>\nHiob stellt mit seinem Rechtsempfinden den klassischen \u00abTun-Ergehens-Zusammenhang\u00bb in Frage. In vielen biblischen Geschichten l\u00e4sst sich mehr oder weniger klar ablesen: Unser Tun bestimmt dar\u00fcber, wie es uns ergeht. Benehmen wir uns gut und halten wir Gottes Regeln ein, wird er uns mit Gutem beschenken und wir haben Erfolg. Verstossen wir gegen Gottes Gebote, hat dies schlimme Folgen f\u00fcr uns. Hiob stellt den Umkehrschluss aber zutiefst in Frage: Wenn wir Ungl\u00fcck erleiden, heisst dies nicht automatisch, dass wir selbst daran schuld sind.<br \/>\nWir alle haben diese \u00abGrundregel\u00bb des Lebens tief in uns: Wenn wir uns r\u00fccksichtlos und regelwidrig verhalten, werden wir \u00fcber kurz oder lang die Konsequenzen zu tragen haben. Mit dieser \u00abausgleichenden Gerechtigkeit\u00bb rechnen wir alle. Doch auch heute funktioniert der Umkehrschluss nicht: Wenn wir ein Ungl\u00fcck oder einen Schicksalsschlag erleiden, bedeutet dies nicht automatisch, dasss wir \u00abschlechtere Menschen\u00bb sind. Die meisten Ungl\u00fccksf\u00e4lle und Trag\u00f6dien lassen sich nicht mit einfachen \u00abwenn-dann\u00bb-Schl\u00fcssen erkl\u00e4ren und aufl\u00f6sen.<br \/>\nWir m\u00fcssen wohl wie Hiob darauf vertrauen: <em>\u00abEr aber hat es beschlossen, und wer k\u00f6nnte ihn umstimmen? Und was er wollte, hat er getan. Er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und h\u00e4lt noch mehr davon bereit.\u00bb<\/em> (Verse 13-14)<\/p>\n<p><strong>4. Sehnsucht: Als ganzer Mensch <\/strong>sehnt sich Hiob nach <strong>Trost und Geborgenheit.<br \/>\n<\/strong><em>\u00abDarum erschrecke ich vor ihm. Denke ich daran, macht er mir Angst. Gott hat mein Herz verzagt gemacht, und Schaddai (= der Allm\u00e4chtige) hat mich erschreckt.\u00bb<\/em> (Verse 15-16) Hiobs Verh\u00e4ltnis zu Gott ist in diesem Moment alles andere als harmonisch und entspannt. Furcht und Schrecken pr\u00e4gen die Beziehung. Hiob sieht in Gott den Verursacher seiner Not und Hoffnungslosigkeit. Trotzdem oder erst recht wagt er es, mutig und ausdauernd seine Fragen und Anliegen bei Gott zu deponieren.<\/p>\n<p>Unser Kapitel ist ja nur eine von acht Reden, die Hiob als Antwort auf die Ansprachen seiner drei Freunde h\u00e4lt. In all diesen Reden wendet sich Hiob direkt oder indirekt an Gott. Ausdauernd, hartn\u00e4ckig, fast verbissen bringt er seine Anliegen und Anklagen zu Gott. Und immer wieder leuchtet diese Sehnsucht auf nach Trost und Geborgenheit, nach Verst\u00e4ndnis und Kl\u00e4rung, nach Gerechtigkeit und g\u00f6ttlicher Weisheit. <strong>Hiob bleibt dran. Sein Vertrauen auf Gott h\u00e4lt durch. Sein Glaube gibt ihm in allem Halt.<br \/>\n<\/strong>Daf\u00fcr bewundere ich Hiob. Ich weiss nicht, wie ich in einer derart umfassenden menschlichen Katastrophe reagieren w\u00fcrde. Ich hoffe, ich h\u00e4tte dann auch die Geduld und Ausdauer von Hiob. Die Sehnsucht von Hiob, schl\u00fcssige Antworten von Gott zu erwarten, teile ich jetzt schon. Und noch mehr kann ich mich mit seiner Sehnsucht nach einer pers\u00f6nlichen Begegnung mit Gott identifizieren.<br \/>\nUnd da ich lieber Harmonie als Spannung habe und lieber ein \u00abHappy\u00bb als ein \u00abOpen End\u00bb, hier eine kleine Vorschau auf das Ende des Hiobbuchs. Dort wird Hiob zu Gott sagen k\u00f6nnen: <strong><em>\u00abVom H\u00f6rensagen hatte ich von dir geh\u00f6rt, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.\u00bb<\/em><\/strong> (Hiob 42,5)<br \/>\nDie Sehns\u00fcchte von Hiob werden in weiten Teilen gestillt sein. Doch zwischen unserem heutigen Predigttext und diesem Happy-End liegen fast 20 Kapitel, die es sich lohnt zu lesen!<br \/>\nMeine Wunsch und meine Ermutigung f\u00fcr euch, liebe Gottesdienstgemeinde: <strong>Halten wir an unseren Sehns\u00fcchten fest. Bleiben wir ausdauernd und hartn\u00e4ckig wie Hiob. <\/strong>So k\u00f6nnen auch wir mit ihm dankbar sagen: <strong><em>\u00abVom H\u00f6rensagen hatte ich von dir geh\u00f6rt, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.\u00bb<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Amen.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>ERG 652 In dir ist Freude<br \/>\nERG 680 Befiehl du deine Wege<br \/>\nERG 681 Wer nur den lieben Gott l\u00e4sst walten<br \/>\nERG 694 Harre meine Seele<br \/>\nERG 724 Sollt ich meinem Gott nicht singen<br \/>\nRW 47 Wo ich auch stehe<br \/>\nRW 89 Wer bittet, dem wird gegeben<br \/>\nRW 121 Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>*) Die Bibel nach Martin Luthers \u00dcbersetzung, revidiert 2017, \u00a9 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart<br \/>\n**) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<br \/>\nERG = Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<br \/>\nRW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz<\/p>\n<p>E-Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch<\/p>\n<p>Web: <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\">www.internetkirche.ch<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/livestream\">www.internetkirche.ch\/livestream<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.evang-tg.ch\">www.evang-tg.ch<\/a><\/p>\n<p>Paul Wellauer, geb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| Hiobs Sehnsucht | 11. Sonntag nach Trinitatis | 31. 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