{"id":25429,"date":"2025-09-10T08:03:22","date_gmt":"2025-09-10T06:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25429"},"modified":"2025-09-09T13:42:28","modified_gmt":"2025-09-09T11:42:28","slug":"lukas-1023-37-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1023-37-5\/","title":{"rendered":"Lukas 10,23-37"},"content":{"rendered":"<h3>13. So. n. Trinitatis | 14.09.2025 | Lk 10,23-37 | Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p><strong>Der barmherzige Samariter<\/strong><\/p>\n<p>Zurzeit sind Kirche und Staat verheiratet. K\u00e4me es zu einer Scheidung zwischen Staat und Kirche, w\u00fcrde das dieselben Probleme bei der Teilung bedeuten wie bei allen anderen Scheidungen. Wer w\u00fcrde bei einer Scheidung von Staat und Kirche die Beerdigungen \u00fcbernehmen und die Erhaltung der alten Kirchen? Wenn ich die Ehepaare bei einer Trauung frage: <em>Willst<\/em> du die Person, die bei dir steht, haben \u2026<em> Willst<\/em> du sie lieben und ehren\u00a0 \u2026., betone ich das Wort <em>willst<\/em>. Es ist eine Sache des Willens, dass man zusammenh\u00e4lt. Gef\u00fchle sind wichtig. Aber der Wille ist am wichtigsten. So ist es auch mit dem Verh\u00e4ltnis der Kirche zum Staat. Auch wenn der Staat irritiert sein kann \u00fcber die Kirche, und das im h\u00f6chsten Ma\u00dfe war unter einigen Kirchenministern, sollen wir zusammenbleiben. Warum? U.a. weil die wir D\u00e4nen den \u00f6ffentlichen Institutionen mehr vertrauen als den privaten. Die Sozialdemokraten haben den Wohlfahrtstaat nicht geschaffen, in dem wir leben. Das hat das Christentum mit seinen Ideen vom Schutz des Schwachen. Der d\u00e4nische Sozialstaat beruht auf dem Gleichnis des barmherzigen Samariters. Internationale Gesetze und Menschenrechte sind tief verwurzelt im Christentum. Aber man hat vergessen, dass es Paulus war und nicht eine politische Partei, der gesagt hat: \u201eHier ist nicht Jude oder Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr sein allesamt einer in Christus Jesus\u201c (Gal. 3,28). Die internationalen Gesetze und Menschenrechte werden allm\u00e4hlich verw\u00e4ssert, weil man die Beziehung zum Christentum vergessen hat. Das Evangelium vom barmherzigen Samariter ist eine der ganz entscheidenden Erz\u00e4hlungen unserer Kultur, die uns erz\u00e4hlt, wie ein ordentlicher Staat handeln soll. Der Staat soll die Leute nicht im Graben liegen und an ihren Wunden sterben lassen. Er ist verpflichtet, den Notleidenden zu helfen. Die Ehepartner gleichen sich mit den Jahren. So wie in einer Weise allm\u00e4hlich auch ihrem Hund \u00e4hneln. Es w\u00e4re gut, wenn der Staat der Kirche \u00e4hneln w\u00fcrde. Oder anders gesagt: Wenn der Staat mit der Kirche weiterhin verheiratet ist, wei\u00df er, woher seine Werte kommen sollen.<\/p>\n<p>Die Liebe zum N\u00e4chsten kann aber nicht allein durch die Steuererkl\u00e4rung realisiert werden. Wir sind jeder f\u00fcr sich N\u00e4chste f\u00fcr die Person, der wir begegnen. Und vor vielen Jahren habe ich, wie so oft zuvor, einige Menschen im Stich gelassen, f\u00fcr die ich ein N\u00e4chster h\u00e4tte sein sollen. In meinem Ort wohnte ein aparter Maurer. Er hatte langes blondes Haar und einen enormen blonden Bart, der geflochten war und den er an einem Ring befestigen konnte, den er am Ohr trug. Das ganze Jahr ging er barf\u00fc\u00dfig umher in seinen Sandalen. Er konnte w\u00e4hrend des Gottesdienstes eine Zigarette rauchen, ohne dass die Gemeinde es bemerkte. Er hielt die angez\u00fcndete Zigarette in seiner Hosentasche, und unter dem Bart nahm er einen ordentlichen Zug und steckte die Zigarette wieder in die Tasche. Den Rauch lie\u00df er h\u00f6flich und aus Respekt vor dem Raum in der Lunge. An einem Samstagabend, am Tage bevor ich \u00fcber den barmherzigen Samariter predigen sollte, regnete es heftig. Ich war in Kopenhagen gewesen. Am Rande des Ortes sah ich aus meinem Auto zwei junge M\u00e4nner, die standen und trampten. Ich bemerkte sie, weil sie ein Schild in der Hand trugen, auf dem in englischer Sprache stand: \u201eHilfe. Fl\u00fcchtlinge auf der Flucht nach Deutschland\u201c. Vor mir fuhr ein Wagen mit einer Nonne. Sie sah auch die beiden M\u00e4nner, senkte die Geschwindigkeit, gab dann wieder Gas und fuhr vorbei. Ich erwog einen kurzen Augenblick anzuhalten. Aber die beiden M\u00e4nner waren klatschnass \u2013 und es war sicher irgendwo ein Ort, wo die Beh\u00f6rden ihnen helfen konnten. Aber als ich zu Bett gehen wollte, klingelte es an der T\u00fcr. Drau\u00dfen stand der Maurer barf\u00fc\u00dfig mit Sandalen mit dem Bart gebunden an das Ohr und neben ihm die beiden jungen M\u00e4nner. Er erz\u00e4hlte, dass er unterwegs gewesen war am Nachmittag aus Kopenhagen in dem f\u00fcrchterlichen Regen. Zwei M\u00e4nner hatten dagestanden und getrampt. Er hatte sie mitgenommen. Sie waren, erz\u00e4hlten sie, vor dem polnischen Regime geflohen und wollten zu Verwandten nach Deutschland. \u00a0Und als er h\u00f6rte, dass sie kein Geld hatten, hatte er sie mitgenommen nach Kirke Saaby, ihnen etwas zu essen gegeben und \u00dcbernachtung angeboten, und am n\u00e4chsten Morgen wollte er sie nach R\u00f8dby fahren, so dass sie mit der F\u00e4hre nach Deutschland kommen konnten. Nun wollte er den Schl\u00fcssel zur Kirche leihen, damit er ihnen zeigen konnte, wie sch\u00f6n unsere Kirche ist. Und da stand ich. Meine Predigt war fertig f\u00fcr den Sonntagmorgen und der Text bittere Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Das ist das ersch\u00fctternde an den Erz\u00e4hlungen der Bibel. Das sind keine fiktiven Geschichten. Wie in einem Spiegel \u2026 Immer sind wir in derselben Situation wie die biblischen Personen und offenbaren durch unser Verhalten und Reden, welchen von den biblischen Personen wir am meisten gleichen. Als Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me einst \u00fcber die d\u00e4nische Grenze kamen und auf der Autobahn nach Kopenhagen gingen, sagte ein Kollege, dass alle Fl\u00fcchtlinge, die Asyl in D\u00e4nemark beantragten, dies erhalten sollten. Und dann war es gleichg\u00fcltig, ob das 100.000 oder 200.000 waren. Nat\u00fcrlich soll den Fl\u00fcchtlingen geholfen werden. Aber die Barmherzigkeit schlie\u00dft nicht aus, dass sowohl Staat als auch B\u00fcrger besonnen handeln und in Betracht ziehen, was das Beste f\u00fcr unser Land ist. In den letzten Jahren ist eine einseitige Barmherzigkeitsindustrie aufgekommen, die man Samaritismus nennen k\u00f6nnte und die auf eine missverstandene Auslegung zur\u00fcckgeht, wo man sich einbildet, sich durch gute Werke die Sympathie Gottes sichern zu k\u00f6nnen. Aber Paulus setzt das in der Epistel ins rechte Licht. Wenn wir uns einbilden, durch gute Werke das Heil sichern zu k\u00f6nnen, w\u00e4ren Jesus Tod und Auferstehung total gleichg\u00fcltig. Wir werden erl\u00f6st durch den Glauben an den Sohn Gottes, der uns liebte und sich f\u00fcr uns hingab, Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. So. n. Trinitatis | 14.09.2025 | Lk 10,23-37 | Poul Joachim Stender | Der barmherzige Samariter Zurzeit sind Kirche und Staat verheiratet. 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