{"id":25439,"date":"2025-09-17T17:44:12","date_gmt":"2025-09-17T15:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25439"},"modified":"2025-09-17T16:55:40","modified_gmt":"2025-09-17T14:55:40","slug":"1-mose-28-10-19a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-mose-28-10-19a\/","title":{"rendered":"1.Mose 28,10-19a"},"content":{"rendered":"<h3>Gott ist immer schon voraus | 14. So. n. Trinitatis | 21.09.2025 | 1. Mose 28, 10-19a | Michael Plathow |<\/h3>\n<p>Lied: Mir ist Erbarmung widerfahren \u2026 EG 355, 1, 3 4<\/p>\n<p>1. Liebe Gemeinde, aus der alttestamentlichen V\u00e4tergeschichte von \u201eJakobs Traum von der Himmelsleiter\u201c sprechen zwei S\u00e4tze besonders zu mir: Gottes Verhei\u00dfung im n\u00e4chtlichen Traum \u201eIch bin mit dir\u201c und Jakobs Sinnieren am Morgen \u201eIch wusste es nicht\u201c.<br \/>\nJakob ist ein Schuft, Betr\u00fcger mit List und T\u00fccke, schuldig an seinem Bruder und gegen Gottes Gebot. Die Beziehung zum Bruder und auch zu Gott ist zerrissen, kaputt. Die Schuld treibt ihn zur Flucht vor Esaus Rache. Eskalation von Schuld und Rache f\u00fchrt in Zerst\u00f6rung und Tod, wie die Geschichte von Familien und V\u00f6lkern zeigt.<br \/>\nAllein, umgetrieben von der Last der verwerflichen Tat, ersch\u00f6pft, legt Jakob sich nieder, um im Schlaf Kraft f\u00fcr den weiteren Weg zu finden. Er tr\u00e4umt. Ein Traum kann Unbewusstes bewusst machen.<br \/>\nJakob erlebt nun gerade keinen angstbesetzten Albtraum mit schuldbeladenen Traumata. Ganz anders. Er tr\u00e4umt eine Vision und eine Audition. Im Traum schaut er eine Himmelsleiter, wie eine Aufsch\u00fcttung zwischen Erde und Himmel. Keine \u201eScala sancta\u201c ist es, die auf Knien erklommen wird. Er sieht, im Licht des offenen Himmels die Boten Gottes ab- und aufsteigen. Und dann spricht Gott: \u201eIch bin der Herr\u201c. Und es folgt keine Abrechnung, kein Gerichtswort. Vielmehr: Gott wendet sich ihm zu, vertrauensvoll, und spricht wie zu Abraham das Verhei\u00dfungs- und Segenswort. Jakob hat mit diesem Traum ein religi\u00f6ses Erlebnis. Als Traumerlebnis bleibt es noch unklar, uneindeutig.<\/p>\n<p>2. F\u00fcr Jakob bleibt dieser Traum unklar. Als er erwacht, sp\u00fcrt er wohl etwas von dem Nicht-Allt\u00e4glichen der Vision und Audition. Das Au\u00dferordentliche des Erlebnisses bereitet ihm Furcht, und er gesteht: \u201eIch wusste es nicht\u201c. Im Gef\u00fchl bleibt alles verschwommen und nicht eindeutig, wie es h\u00e4ufig bei religi\u00f6sem Erleben der Fall ist. \u201eWissen\u201c \u2013 wie es in der \u00dcbersetzung hei\u00dft &#8211; meint hier aber mehr als verstandesm\u00e4\u00dfiges Erkl\u00e4ren. Das Wort im Hebr\u00e4ischen bringt zum Ausdruck: erkennendes Verstehen, vertraut werden miteinander, liebende Zuwendung, widerfahrenes Vertrauen und erfahrenen Glauben. Da ist Gott immer schon voraus \u2013 was unser Leben vor Gott betrifft und unser Leben im Alltag mit Gott. Es geht um die passiv-aktiv gelebte Existenz der Glaubenden in der Welt: das Erkennen, weil schon von Gott erkannt, und nicht unerkannt bleibt; das Vertrauen, weil von Gott zugetraut, das nicht Misstrauen wird; die Liebe, weil immer schon von Gott geliebt, die nicht zu liebloser Selbstsucht pervertiert.<\/p>\n<p>Gott ist immer schon voraus. Und da \u00f6ffnet sich eine Wirklichkeit, die nicht unwirklich bleibt, ein Vertraut-sein mit Gott, das nicht unklar und uneindeutig bleibt, der Glaube an Gott bei unserer Gottesfinsternis und unserer Gottvergessenheit, Glaube, der nicht ungewiss bleibt. Gottes Wort \u201eIch bin der Herr\u201c und seine Verhei\u00dfung \u2013 f\u00fcr Jakob nur ein Traum \u2013 trifft auf das h\u00f6rende Herz und beruft zum Glauben. Glauben \u2013 das Grund legende, Leben bestimmende Vertrauen auf den, der uns vorausgehend gut ist. Ja, Gott ist immer schon voraus. Gott hat das erste Wort. Seine Verhei\u00dfung gilt allen, so eben auch uns. Und doch sagen wir oft wie Jakob \u201eIch wusste es nicht\u201c. Ich lasse sein Wort nicht an mich heran. Ich glaube nicht, skeptisch und unsicher, wie ich bin.<\/p>\n<p>3. Gottes im Traum verhei\u00dfendes Wort nimmt Jakob hinein in die Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk, ihn, den Betr\u00fcger, den Schuldigen \u2013 dennoch. Gott entschuldigt Jakobs verwerfliche Tat nicht; er duldet sie nicht. Gott erm\u00f6glicht mit der Vergebung des Schuldners ein Leben mit der Schuld, ohne dass Jakob auf die Schuld festgelegt und reduziert wird. Es geht um Gottes Vorsehen selbst bei menschlicher Konfusion, \u201eprovidentia Dei et confusione hominum\u201c. Gott geht auch auf krummen Stra\u00dfen seinen Weg, auch \u201emit unseren Fehlern und Irrt\u00fcmern&#8230;fertig zu werden\u201c vermag er.<\/p>\n<p>Gott schenkt Erbarmen, hebt Jakob heraus aus seinem Morast, bedeckt, was uns schuldig macht, gibt neues Leben in seinem Geleit.<\/p>\n<p>Das religi\u00f6se Traumerlebnis bleibt f\u00fcr Jakob unklar; es bleibt aber ein Meilenstein auf dem Weg. Darum macht er eine Ank\u00fcndigung. Ich lese sie mehr als einen Wunsch denn als eine Verpflichtung: Gott m\u00f6ge ihn sch\u00fctzend geleiten, mit ihm sein; so wird Gott den heilsgeschichtlichen Weg seines Volkes mit Jakob weiter leiten und begleiten. Und dann \u201esoll der Herr mein Gott sein\u201c, verspricht Jakob, mir pers\u00f6nlich, wie das Hebr\u00e4ische besonders betont. Nicht ein allgemein G\u00f6ttliches als \u201ealles bestimmende Wirklichkeit\u201c, nicht ein Unverf\u00fcgbares, ein Heiliges ist angesprochen. Vielmehr wird bekannt: \u201emein\u201c sich im Wort vertraut machender, pers\u00f6nlich erfahrener Gott, \u201edessen ich mich versehen in allem Gutem und bei dem ich Zuflucht habe in allem Schweren\u201c. Und das Versprechen hat Folgen.<\/p>\n<p>Dazu erinnere ich mich an eine Begegnung. Ich wunderte mich, nahm den Mann zugleich mit Dank wahr: bei meinen Vertretungsgottesdiensten im Seniorenheim kam der noch nicht 70j\u00e4hrige eine gute halbe Stunde vorher von au\u00dferhalb. Ein kr\u00e4ftiger Mann war er mit sehnigen H\u00e4nden. Er legte die drei Farbb\u00e4nder in die Seiten der angezeigten Gesangbuchlieder. So fanden die z. T. sehr alten Heimbewohner schneller die im Gottesdienst gesungenen Lieder. Einmal fragte ich ihn. Er erz\u00e4hlte kurz, in knappen Worten: Es war etwa ein Jahr, bevor er in Rente gehen sollte. Auf dem Bau erlitt er einen schweren Unfall. Er tat ein Versprechen: \u201eWenn er sich wieder erholen sollte, wolle er etwas N\u00fctzliches und Gutes f\u00fcr Andere tun\u201c. Durch einen Nachbarn, dessen Mutter hier im Seniorenheim gut versorgt wurde, kam er auf diese Hilfe beim Gottesdienst. Ein wichtiger Dienst, den er treu \u00fcber eine lange Zeit in Stille tat.<\/p>\n<p>4. Gott in seiner Geduld begegnet Jakob noch ein zweites Mal &#8211; dort am Flu\u00df Jabbok, als Jakob weiter in Angst vor der Rache Esaus auf der Flucht ist. In der Nacht begegnet Gott ihm; wieder erkennt Jakob ihn zun\u00e4chst nicht. Es kommt zur n\u00e4chtlichen Auseinandersetzung, ein kraftvolles Ringen, ein Ringen um den Segen. Es ist ein Kampf mit Gott, der Jakob existentiell angeht und zu dem er sich pers\u00f6nlich bekennen wird als \u201emein Gott\u201c. Auch in diesem Streit spricht Gott; er sagt das Verhei\u00dfungswort zu Jakob: \u201eDu sollst hinfort \u201aIsrael\u2018, Gottesstreiter, hei\u00dfen (Gen 32, 29). Und Jakob vertraut dem Wort; es kommt zur geheilten Beziehung mit Gott und zur Vers\u00f6hnung mit seinem Bruder Esau. Der Prophet Jesaja ist es sp\u00e4ter, der dem Volk im Babylonischen Exil die Verhei\u00dfung von Gottes Heilsgeschichte best\u00e4tigt mit der Gottesrede \u201eSo spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich gemacht hat, Israel: F\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein\u201c (Jes 43, 1). \u201eIch habe dich erl\u00f6st&#8230;Du bist mein\u201c, \u201eJakob habe ich lieb\u201c (Mal 1, 2f; R\u00f6m 9, 13).<\/p>\n<p>Jakob errichtete nach der Traumvision mit Gottes Verhei\u00dfung: \u201eIch bin der Herr\u201c \u2013 alles damals war noch unklar \u2013 einen Stein an diesem Ort \u201eBethel\u201c, Haus des Brotes. Und jetzt nach Gottes Zusage: \u201eJakob, du sollst hinfort \u201aIsrael\u2018, Gottesstreiter, hei\u00dfen\u201c ist alles eindeutig: das unklare \u201eich wusste es nicht\u201c, der Ort \u201eBethel\u201c, Gottes Heilsgeschichte &#8211; trotz Schuld und allen Unzul\u00e4ssigkeiten. Jetzt gilt allein Gottes Erbarmen. Auch Gottes Vertrauen zu Jakob und Jakobs Vertrauen zu Gott wird klar.<\/p>\n<p>Gott ist immer schon voraus. Gott hat das erste Wort: \u201eIch bin der Herr, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Hirte Israels, Immanuel, Gott ist da, bei uns\u201c. Er ist \u201emein Gott\u201c. Und das wird im Leben sichtbar.<\/p>\n<p>5. F\u00fcr uns, liebe Gemeinde, offenbart sich \u201eImmanuel\u201c in Jesus Christus. Er ist da in \u201eBethel\u201c; er ist da, der Eckstein von uns lebendigen Steinen. In ihm wird offenkundig die Verhei\u00dfung Gottes, \u201emeines\u201c Gottes: seine rechtfertigende Gnade zum neuen Leben aus dem Glauben, der sichtbar wird in der Liebe. So leben wir als Volk Gottes aus dem verhei\u00dfenen Heil in Jesus Christus, verbunden mit der Heilsgeschichte Jakobs und \u201eIsraels\u201c. Darum: \u201eLobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Der dir alle deine S\u00fcnden vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben von Verderben erl\u00f6st, der dich kr\u00f6nt mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fr\u00f6hlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. Barmherzig und gn\u00e4dig ist der Herr, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte\u201c (Ps 103).<\/p>\n<p>Lied: Lobe den Herrn, meine Seele \u2026 NL 68, 1 &#8211; 4<\/p>\n<hr \/>\n<p>michael@plathow.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott ist immer schon voraus | 14. So. n. Trinitatis | 21.09.2025 | 1. Mose 28, 10-19a | Michael Plathow | Lied: Mir ist Erbarmung widerfahren \u2026 EG 355, 1, 3 4 1. 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