{"id":25464,"date":"2025-09-25T18:49:43","date_gmt":"2025-09-25T16:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25464"},"modified":"2025-09-25T18:49:43","modified_gmt":"2025-09-25T16:49:43","slug":"1-petrus-5-5b-11-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-5-5b-11-2\/","title":{"rendered":"1. Petrus 5, 5b-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Das Mut-Puzzle im Petrusbrief |15. Sonntag nach Trinitatis | 28. September 2025 | Predigt zu 1. Petrus 5, 5b-11 | verfasst von Kira Busch-Wagner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, manchmal liegt f\u00fcr den Gottesdienst vor mir eine bekannte Geschichte aus dem Alten Testament oder den Evangelien. Der barmherzig Samariter. Oer Abraham, der ins gelobte Land zieht. Dann denke ich: was kann ich zu allem, was dazu schon gesagt wurde, noch hinzuf\u00fcgen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal gibt die Ordnung der Bibelstellen mir so eine zur Aufgabe wie heute, auf den ersten Blick ein Sammelsurium aus Kalenderweisheiten und schier Unverst\u00e4ndlichem \u2013 wie gerne h\u00e4tte ich jetzt eine Geschichte. Dabei sind mir Verse aus dem Petrusbrief sogar vertraut. Vor vier Wochen, als es um das Thema \u201eDemut\u201c ging, war ein Teil aus Vers 5 der Wochenspruch: \u201eGott widersteht den Hochm\u00fctigen, den Dem\u00fctigen gibt er Gnade\u201c. Und heute, wo der liturgische Kalender mit seinen sonnt\u00e4glichen Schwerpunkten uns zum Thema \u201eSorge\u201c f\u00fchrt, lautet das Wort \u00fcber der Woche &#8211; mit dem Vers 7 &#8211; : \u201eAll eure Sorge werft auf ihn, denn er, Gott, sorgt f\u00fcr euch.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was so richtig gro\u00df in der Mitte steht und wovon ich sofort ein Bild vor Augen habe, das ist der L\u00f6we. Ein L\u00f6we, der mit Br\u00fcllen seine Jagd ank\u00fcndigt und dann umhergeht und schaut, was er kriegen kann. Alles in seiner Umgebung bedroht. Ganz schrecklich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber am Schluss, da klingt mein Predigtabschnitt mit Jubel aus, fr\u00f6hlich, da\u00a0 geht\u2019s wieder um eine besondere Gestalt von Mut. Um Er-Mutigung \u2013 so, wie am Anfang von De-Mut die Rede war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vier Puzzlesteine also, die der Briefschreiber seinen Adressaten, die er uns ans Herz legt. Zu einem Mut-Puzzle. Demut, Sorge, ein gef\u00e4hrlicher L\u00f6we, Mut. Mal sehen, wie sie zusammenpassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDem\u00fctigt euch unter die gewaltige Hand Gottes\u201c. Wie f\u00fchlt sich der Satz an? Angenehm? Unangenehm? Riecht das nach Fremdbeherrschung?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, dem\u00fctig zu sein oder dem\u00fctig zu werden, ist eine gro\u00dfartige, eine starke Haltung. Ich werde dem\u00fctig, wenn jemand anderes etwas Gro\u00dfes geschafft hat und mich das ber\u00fchrt und ich es dankbar anerkenne. Jemand spielt eine wunderbare Musik, die mich im Innersten trifft. Ganz dem\u00fctig werde ich vor der Gabe der Komponistin, ganz dem\u00fctig angesichts des K\u00f6nnens der Musiker. Deren Spiel mich ergreift, Gef\u00fchle aufbrechen l\u00e4sst. Was geht da alles in mir vor!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder: ich stehe in der Nacht vor einem gewaltigen Sternenhimmel, ganz klein. Ich bin \u00fcberw\u00e4ltigt von den Weiten. Staune. Das Herz \u00f6ffnet sich. Nichts habe ich dazu beigetragen. Wie klein bin ich. Und doch scheint dieser Himmer auf mich gewartet zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder: Ein Kind kommt zur Welt. Vor wenigen Stunden gab es diesen kleinen Menschen noch nicht. Und jetzt ist er da. Atmet. Lebt. Fordert. Kann trinken. Verdauen. Ist eigenst\u00e4ndig. Wir wissen, wie es zu einem Kind kommt. Und stehen doch dem\u00fctig vor einem Wunder, das unser K\u00f6nnen, unser eigenes Wirken \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem\u00fctig werden, das hei\u00dft: Gr\u00f6\u00dfe anerkennen, Sch\u00f6nheit, Wirken, die weit \u00fcber mich hinausgeht. Die mir zum Geschenk wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem\u00fctig zu werden vor Gott: Gottes Gr\u00f6\u00dfe, Gottes F\u00fclle, Gottes Wirken bestaunen und anerkennen: was f\u00fcr eine Gabe!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Demut also: eine starke Tat, eine starke Haltung. (Nicht etwas kriecherisches, wie manche unterstellen). Demut: eine St\u00e4rke, die mich zugleich entlastet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu passt das n\u00e4chste Puzzlest\u00fcck. \u201eSorget nicht\u201c. Wenn ich dem\u00fctig fremde Gr\u00f6\u00dfe anerkenne, dann sagt mir das zugleich: Ich bin daf\u00fcr nicht zust\u00e4ndig. Ich muss das nicht machen. Ich bin entlastet. Ich darf mich verlassen. Auf andere, auf Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Gr\u00f6\u00dfe, das Wunder, die Sch\u00f6nheit, das K\u00f6nnen, alles, was mir geschenkt wird, das muss ich nicht selbst zustande bringen. Gott sorgt f\u00fcr mich, sorgt f\u00fcr euch. Das alles steht mir zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann? Was macht als drittes Puzzlest\u00fcck jetzt der Widersacher, der Teufel, der L\u00f6we, der alles verschlingt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt gen\u00fcgend Menschen, die mit viel L\u00e4rm und Gebr\u00fcll alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die so tun, als seien sie die Gr\u00f6\u00dften. Sie fordern alles f\u00fcr sich. Alle Kraft, alle Arbeit, alle Gedanken. Alle Zeit. Es gibt Leute, die so tun, als seien sie selbst Gottheiten. Sogar manche religi\u00f6sen F\u00fchrer handeln so. Fordern Gefolgschaft. Verdrehen die Verh\u00e4ltnisse, machen sich selbst zu G\u00f6tzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und es gibt Kr\u00e4fte im menschlichen Leben, die knechten und beherrschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">S\u00fcchte zum Beispiel \u2013 was fordern die nicht Aufmerksamkeit. Drogen, Essst\u00f6rungen, Handysucht, Spielsucht Alkohol. Sie verschlingen das Leben der Menschen, die sie besetzt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch \u00c4ngste, berechtigte oder auch unberechtigte, \u00c4ngste, vielleicht sogar von manchen bewusst gesch\u00fcrt, rauben einem die Luft zum Atmen. Verschlingen das Leben. Und man fragt sich: wie soll man aus solchen Schrecken nur wieder herauskommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch Krankheiten k\u00f6nnen so bedrohlich werden, so umfassend, dass sie alles zu fordern scheinen, alle Zeit, alle Gedanken, alles Leben, sogar ohne t\u00f6dlichen Verlauf. Die alles beherrschen, alles bestimmen. Was f\u00fcr eine Teufelei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So unterschiedlich diese Beispiele sind: es sind Kr\u00e4fte, die viel fordern, aber wenig schenken. Viel zu wenig. Sie machen sich selbst zu G\u00f6ttern. Sie drehen die Welt auf den Kopf. Sie bringen etwas durcheinander.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wo bei uns im biblischen Text Widersacher steht, Teufel, da hei\u00dft es im griechischen Original: Diabolos, Durcheinanderwerfer. Alles, was in unserem Leben so tut, als sei es das Allerwichtigste, als g\u00e4be es nichts Gr\u00f6\u00dferes, als sei es wie Gott, aber nicht f\u00fcr uns sorgt, ist ein Diabolos. Tut, als sei es Gott. Ist aber in Wahrheit das Gegenteil.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Allem gegen\u00fcber, was zu verschlingen droht, darf man misstrauisch sein. Vielleicht ist es ein Diabolos. Ein Umeinanderwerfer. Etwas teuflisches \u00a0Etwas, das fordert, das verschlingt, aber nichts hergibt. Auch wenn es erst einmal so tut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott aber, so schlie\u00dft unser viertes Puzzleteil an, der Gott, den wir aus der Bibel kennen, der Gott, an den Jesus sich gehalten hat, der Gott ist ein Gott der Gnade. Der Freundlichkeit. Der biblische Gott wendet sich zu. Wie eine gute Mutter. Die aufrichtet. Und stark macht. Und an einen glaubt, selbst wenn man was verbockt hat. Die einen selbst neue Wege suchen l\u00e4sst. Die einem Zeit gibt, wieder Grund und Boden unter die F\u00fc\u00dfe zu bekommen. Das der Unterschied zwischen dem biblischen Gott und seinem Widersacher, zwischen dem Gott Jesu und dem Durcheinanderwerfer. Gott geht es um mich. Gott gibt. Gott liegt an meiner St\u00e4rke. Was Gr\u00f6\u00dfe bei Gott!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kein Wunder, dass sich die Briefzeilen so fr\u00f6hlich sich anh\u00f6ren am Schluss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben das Puzzle zusammengelegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da gibt es die starke Haltung \u201eDemut\u201c, die Gro\u00dfes einfach anerkennen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Entlastung, die damit einhergeht: ich bekomme soviel geschenkt. Muss mich nicht sorgen und k\u00fcmmern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Warnung vor allem, was mit verschlingenden Anspr\u00fcchen daherkommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und am Ende: Hinweis auf all die guten Gaben des biblischen Gottes. Uns zu st\u00e4rken. Uns zu ermutigen. Uns zu geben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">All das bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun jauchzt dem Herren alle Welt \u2026 EG 288<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut \u2026 EG 662, Regionalteil Baden<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gro\u00dfer Gott, wir loben dich \u2026 EG 331<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">O dass ich tausend Zungen h\u00e4tte \u2026 EG 330, bes Str. 5 u.6<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Freuet euch der sch\u00f6nen Erde \u2026 EG 510<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mehr zum Thema \u201eDemut\u201c (u.a. von der Predigtautorin) in der \u201eKirchenzeitung Karlsruhe\u201c, Osterausgabe 2025 (Download m\u00f6glich).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kira Busch-Wagner, Jg 1961, Pfarrerin in Karlsruhe, Schwerpunkte in \u00d6kumene und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Gottesdienste u.a. in Altersheimen und vertretungsweise im Krankenhaus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Mut-Puzzle im Petrusbrief |15. 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