{"id":25478,"date":"2025-10-01T08:01:01","date_gmt":"2025-10-01T06:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25478"},"modified":"2025-09-30T16:21:02","modified_gmt":"2025-09-30T14:21:02","slug":"lukas-711-17-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-711-17-5\/","title":{"rendered":"Lukas 7,11-17"},"content":{"rendered":"<h3>16. Sonntag nach Trinitatis | 05.10.2025 | Lk 7,11-17 | Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<p><strong>Die Witwe aus Nain \u2013 die kleine Ostergeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Die Auferstehung des Sohnes der Mutter darf man eine kleine Ostergeschichte nennen. Es ist jedenfalls eine Auferstehung. Nain ist eine kleine Nachbarstadt von Nazareth, und Jesus kommt auf seiner Wanderung zum Stadttor zusammen mit seinen J\u00fcngern und einer gro\u00dfen Menschenmenge. Die Begegnung mit dem Trauerzug auf dem Wege zum Stadttor muss Aufsehen erregt haben. Jesus sieht sofort die Trauer der Mutter, die ihren Sohn zum Grabe tr\u00e4gt, und wir erfahren, dass es ihr einziger Sohn ist, auch dass sie eine Witwe ist. Ihre Trauer ist mit anderen Worten zu verstehen, denn sie ist ganz allein gelassen und hat nichts, wovon und wof\u00fcr sie leben kann. Ihre Sicherheit ist verschwunden, sie hat ehrlich gesagt alles verloren. Jesus sieht sie, und er muss ihren Verlust und das existenzielle Leid gekannt haben: Weine nicht mehr. Wonach er den toten Sohn auferweckt, der sich sogleich voller Leben zeigt und spricht.<\/p>\n<p>Die folgenden Worte sind eigenartig: \u201eJesus gab ihn seiner Mutter\u201c. Das Wunder hat offenbar den Sohn in die Verantwortung Jesu \u00fcbertragen. Er konnte ihn seiner Mutter geben. Jesus hatte mit dem Wunder scheinbar die Macht \u00fcber den Sohn \u00fcbernommen, aber Jesus beh\u00e4lt die Macht nicht f\u00fcr sich selbst, sondern \u00fcbertr\u00e4gt sie der Mutter. Jesus gibt nicht nur dem Sohn das Leben zur\u00fcck, sondern er rettet vor allem die Mutter von ihrem allumfassenden Fall. Auch die Mutter wird wieder aufgerichtet, da sie ihren Sohn wiederbekommt, ihre einzige Sicherheit. Die Erz\u00e4hlung handelt von der der Barmherzigkeit Jesu gegen\u00fcber denen, die alles verloren haben, sie bekommen die Hoffnung und das Leben wieder.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von der Mutter aus Nain liegt genau ein halbes Jahr vor Ostern. Ein Jahr hat 52 Wochen, und dieser Sonntag liegt 26 Wochen vor dem Osterfest. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die alte Perikopen-Reihe, die auf die fr\u00fche Kirche zur\u00fcckgeht, diese kleine Ostergeschichte hierin gelegt hat, als eine Achse mitten im Kirchenjahr.\u00a0 Erst viel sp\u00e4ter haben wir eine lange Trinitatis-Periode bekommen, die in einer anderen Weise eine Periode abschlie\u00dft, die mit dem Advent und Weihnachten beginnt. Selbst in der neuen Achse mit der Geburt Jesu als Zentrum bekommen wir eine andere Halbjahres-Achse mit der Feier von Sankt Hans. Urspr\u00fcnglich begann das Kirchenjahr nicht mit dem ersten Advent, denn in den ersten gut 600 Jahren begann es mit dem Ostertag. Dies ist der eigentliche Fixpunkt f\u00fcr ein Kirchenjahr, dies ist der eigentliche Horizont und Zentrum f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Evangeliums. Die Auferstehung setzt alles in Gang.<\/p>\n<p>An diesem Sonntag sind wir am weitesten weg von der gro\u00dfen Erz\u00e4hlung der Hoffnung. Genau 26 Wochen, 6 Monate. Die Alten m\u00fcssen gedacht haben, dass wir in dieser zunehmenden Finsternis eine Erinnerung an Ostern haben sollen. Hier in der zunehmenden Dunkelheit des Septembers sind wir am weitesten entfernt von Ostern, aber mit der kleinen Ostergeschichte von Nain haben wir einen Anlass, unsere gemeinsame Orientierung festzuhalten, Christi Tod und Auferstehung.<\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen wir mit andren Worten in den Motiven <em>Verdammnis, Tod, Verwandlung, Wiederaufrichtung, Leben, Hoffnung<\/em> verharren. Jesus sieht die Trauer der Mutter, und hinter der Trauer sieht er ihre Verdammnis. Deshalb gebietet er dem jungen Mann aufzustehen, nicht nur um seiner selbst willen, sondern damit Jesus der Mutter das Leben zur\u00fcckgeben kann. Sie gewinnt das Leben zur\u00fcck und die Hoffnung auf eine Zukunft. Die Rolle des Sohnes ist nicht un\u00e4hnlich der Rolle Jesu: So wie Jesus nicht f\u00fcr sich selbst auferstand, sondern f\u00fcr das Heil der Menschen, so steht der Sohn auf f\u00fcr das Heil seiner Mutter. Gemeinsam erhalten sie das Leben zur\u00fcck und sch\u00f6pfen wieder Hoffnung.<\/p>\n<p>Hier auf dem Weg in die dunkle Zeit ist diese Erz\u00e4hlung eine kleine Gabe an uns alle. Es ist ein Geschenk, was wir bekommen, dass wir selbst die M\u00f6glichkeit der Verwandlung haben.\u00a0 Die Verwandlung kommt jedoch nicht von innen, sondern von au\u00dfen \u2013 und oft durch ein \u00fcberraschendes Ereignis, das nicht kommen sahen. Die Witwe tut nichts selbst, denn sie ist niedergeschlagen von ihrem Verlust. Die Verwandlung kommt von au\u00dfen. So wie Gottes Wort auch von au\u00dfen zu uns kommt. Die Liebe Gottes begegnet uns, wenn wir das vertrauensvoll annehmen, und wir erhalten die M\u00f6glichkeit, dass wir Christus unsere Trauer und Klagerufe h\u00f6ren und unseren Schmerz mit uns tragen lassen. Die Gemeinschaft mit Gott beseitigt nicht Trauer und Schmerz, aber sie macht sie mehr ertr\u00e4glich, und vor allem begegnet uns Christus vertrauensvoll und gebietet uns, die Furcht und die Scham fortzuwerfen, denn bei Christus sind wir erkannt und vergeben und schon in Sicherheit.<\/p>\n<p>Ich glaube, uns allen kann es so ergehen oder alle k\u00f6nnen erleben, dass alles Edge verschlossen sind, dass man Schachmatt ist. Wenn wir uns nicht aus unserer eigenen Situation befreien k\u00f6nnen. Das ist nicht, weil die Welt kleinlich ist oder uns keine M\u00f6glichkeiten zum Leben bietet, sondern weil wir selbst keinen Mut und keine Kr\u00e4fte haben. Wir brauchen, dass jemand uns sieht, unsere Trauer teilt, insistierend anklopft und f\u00fcr uns die Barrieren durchbricht, so dass das Licht eindringt und uns zum Leben erweckt und uns die Hoffnung zur\u00fcckgibt.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von der Mutter aus Nain berichtet ganz grundlegend vom Wirken Gottes. Wir glauben, dass wir mit unserem Ernst, unserer Heiligkeit und unserem Streben nach dem guten Leben dem Willen Gottes entsprechen. K\u00f6nnen wir uns darauf einigen zuzugeben, dass es gar nicht um unseren eigenen Glauben geht, sondern darum, dass Jesus an uns glaubt, dass es der Sohn Gottes ist, dass er es ist, der uns die Hand reicht und Barmherzigkeit zeigt, uns umarmt und tr\u00e4gt, er ist es, der zu uns redet, unsre Bahre ber\u00fchrt und uns zum Leben erweckt. Wir k\u00f6nnen uns nicht selbst verwandeln, so wie auch die Verwandlung der Schmetterlingslarven bedingt ist durch die rechten Umst\u00e4nde von au\u00dfen wie Licht und W\u00e4rme. Es erfordert ein Licht von au\u00dfen, ein erl\u00f6sendes Wort, einen Blick der Liebe und eine f\u00fcrsorgliche Hand.<\/p>\n<p>Der Sinn dieser kleinen Ostergeschichte muss sein, uns zu erz\u00e4hlen, dass Jesus Christus barmherzig ist und unseren Schmerz sieht. Er will uns wieder erwecken, so dass wir wieder gemeinsam an der Freude teilhaben. Er will uns Hoffnung geben, dass wir leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kann man nicht sagen, dass dies die Summe des christlichen Lebens ist? Dass wir unser Leben mit Gott und Menschen teilen und Tauer und Freude miteinander teilen? Wir sind nie uns selbst \u00fcberlassen und ganz verloren, denn Gott wurde Mensch, ist gestorben und auferstanden, um stets mitten unter uns zu sein. So wie er es f\u00fcr die Mutter aus Nain war. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<br \/>\n\u00d8sterbrogade 59<br \/>\nDK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<br \/>\n+45 2617 0583<br \/>\nEmaiI: <a href=\"mailto:RN@km.dk\">RN(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16. Sonntag nach Trinitatis | 05.10.2025 | Lk 7,11-17 | Rasmus N\u00f8jgaard | Die Witwe aus Nain \u2013 die kleine Ostergeschichte Die Auferstehung des Sohnes der Mutter darf man eine kleine Ostergeschichte nennen. 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