{"id":25515,"date":"2025-10-15T08:03:27","date_gmt":"2025-10-15T06:03:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25515"},"modified":"2025-10-14T20:46:13","modified_gmt":"2025-10-14T18:46:13","slug":"25515-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/25515-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 22, 34-46"},"content":{"rendered":"<h3>18. So. n. Trinitatis | 19.10.2025 | Mt 22,34-46 | Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p><strong>Die Macht der Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Wer ist Christus?<\/p>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Streitpunkte und Diskussions-Themen in der fr\u00fchen Kirche war nat\u00fcrlich die Frage nach Christus. Wer war er? Was f\u00fcr einer war er? Welche Beziehung hatte er zu Gott? Welches Verh\u00e4ltnis hatte er zum Menschen? Wer ist Jesus? Dies ist die grundlegende Frage f\u00fcr jeden, der von ihm h\u00f6rt. Wir aber wollen es wissen.<\/p>\n<p>Und alle diese Fragen und alle diese Debatten k\u00f6nnen nat\u00fcrlich etwas abstrakt werden und sich schnell von dem gew\u00f6hnlichen Alltag der Leute entfernen. Denn die Frage ist ja, was Christus f\u00fcr uns bedeutet in dem Dasein, das hier uns jetzt das unsrige ist. Wenn die Antwort nicht in irgendeiner Weise in einer Beziehung zu unserem gelebten Dasein steht, kann es im Grunde egal sein.<\/p>\n<p>Die Debatte ging in der fr\u00fchen Kirche hin und her, und man kann mit gutem Grund die vier Evangelien \u2013 zusammen mit all den anderen Evangelien, die nicht im Neuen Testament enthalten sind \u2013 als Beitr\u00e4ge zu dieser Debatte betrachten. Schlie\u00dflich musste man sich jedoch auf den Gedanken einigen, dass Christus zugleich Gott und Mensch war, kein Halbgott, sondern eben zugleich Gott und Mensch. Gott im Verh\u00e4ltnis zum Menschen und Mensch im Verh\u00e4ltnis zu Gott. Ein Gott im Verh\u00e4ltnis, ein Gott in der Beziehung.<\/p>\n<p>Das bedeutete ja nicht, dass alle einig waren. Einige hielten daran fest, dass Christus nur ein Mensch war \u2013 ein gro\u00dfer Mensch, gewiss, aber doch nur ein Mensch. Das ist eine Auffassung, die in der Kirchengeschichte auf verschiedenen Umwegen zum Islam f\u00fchrte, aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>Aber:<\/p>\n<p>Wenn Christus nur ein Mensch ist, kann er uns nur den Weg zeigen, aber ihn nicht f\u00fcr uns gehen.<\/p>\n<p>Wenn Christus nur ein Mensch ist, wird er zu einem Propheten.<br \/>\nWenn Christus nur ein Mensch ist, wird Religion zu einem Gesetz.<br \/>\nDenn dann kann er nur auf das hinweisen, was wir sollen, es aber nicht selbst tun, Das erfordert einen Gott.<\/p>\n<p>Deshalb geht es um Gott <em>und<\/em> den Menschen. Nicht einzig und allein um Gott, der vielleicht gro\u00df ist, wo wir aber den Menschen vergessen haben und damit auch das Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und dem Menschen.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen wir sehen, dass die abstrakte Frage danach, wer Christus ist, ganz konkret Bedeutung f\u00fcr unser Leben und nicht zuletzt f\u00fcr die Art und Weise, wie wir es leben, erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wenn Christus nur ein Mensch ist, gibt es kein Evangelium.<\/p>\n<p>Denn das Evangelium \u2013 die Befreiung von religi\u00f6sem Gesetz und religi\u00f6ser Moral \u2013 die Befreiung von Tod und Finsternis \u2013 gibt es nur dort, wo das Heil allein bei Gott liegt und wo Christus sowohl Gott als auch Mensch ist und uns mit der Macht der Liebe erreichen kann.<\/p>\n<p>Er ist Mensch, um leiden und sterben zu k\u00f6nnen und damit im Grunde wie wir zu sein und wahrer Mensch vor Gott zu sein. Und Gott, um die Macht zu haben, das Leben zu erl\u00f6sen und zu tragen durch die Nacht des Todes, was kein Mensch selbst kann.<\/p>\n<p>Die Befreiung des Evangeliums setzt voraus, dass Christus zugleich Gott und Mensch ist.<\/p>\n<p>Die Frage<\/p>\n<p>Und eben auf diese Frage sto\u00dfen wir im heutigen Evangelium. Die Pharis\u00e4er, die ihr Leben auf einem religi\u00f6sen Gesetz und seine Einhaltung bauen, kommen zu Jesus, um ihn auszufragen nach dem gr\u00f6\u00dften Gebot im Gesetz: Ist es vielleicht dies, dass man nicht t\u00f6ten darf? Ist es vielleicht, dass man nicht stehlen oder die Ehe brechen darf? Sie fragen, aber Jesus sprengt die ganze Reihenfolge der Gebote und Gesetze, indem er antwortet: Die Liebe zu Gott und dem N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Also: Nicht eure Erf\u00fcllung der Gebote. Nicht die F\u00e4higkeit, die Gesetze einzuhalten. Nicht der Wille und die F\u00e4higkeit zum formvollendeten Leben, sondern die Liebe allein ist entscheidend. Die Liebe zu Gott und dem N\u00e4chsten. Die Liebe, die eben nicht auf Regeln und Normen sieht, sondern alles sprengt, um vollbracht werden zu k\u00f6nnen. Das ist das gr\u00f6\u00dfte Gebot des Gesetzes. Die Liebe, die zugleich das ganze Gesetz erf\u00fcllt und es total sprengt.<\/p>\n<p>Da stehen sie nun. Und da versch\u00e4rft sich das Problem mit der Frage: Wer ist Christus? Und das ist ja wahrlich ein Trumpf, denn die Pharis\u00e4er wissen, wenn die Antwort ist Sohn Gottes, dann ist ihr Dasein vergeblich, das auf der Erf\u00fcllung des Gesetzes oder sagen wir einfach des Lebens beruht.<\/p>\n<p>Deshalb k\u00f6nnen sie nur antworten: Davids Sohn. Sonst w\u00fcrde ihre Welt zugrunde gehen und das Leben von religi\u00f6sen Gesetzen und Regeln befreit werden. Wenn sie antworten Sohn Gottes, ist das Leben befreit, aber sie haben verloren. Wenn sie sagen Davids Sohn, haben sie noch immer die Macht durch Einhaltung der Moral und gutes Betragen.<\/p>\n<p>Da stehen sie, und hier stehen wir.<\/p>\n<p>Was mit uns?<\/p>\n<p>Wir stehen hier vor dem Hintergrund einer zweitausendj\u00e4hrigen christlichen Tradition und Verk\u00fcndigung. Wir haben kein religi\u00f6ses Gesetz mehr, das uns bindet \u2013 nicht aus Gleichg\u00fcltigkeit, sondern in der Tat deshalb, weil eine christliche Tradition gewirkt und Spuren hinterlassen hat. Wir haben gewiss viele andere Dinge, die uns binden, und manchmal kann es fast so scheinen, als seien wir umgeben von religi\u00f6sen Gesetzen, wenn man sieht, wie wir in anderer Hinsicht agieren \u2013 aber das ist ein anderer Aspekt.<\/p>\n<p>Entscheidend ist, dass das Bekenntnis zu Christus als Gott und Mensch uns im Laufe der Geschichte von dem religi\u00f6sen Gesetz, religi\u00f6sen Geboten und Regeln befreit hat, und nun stehen wir da als Befreite. Die etwas abstrakte Diskussion \u00fcber die wahre Identit\u00e4t Christi hat die Gesellschaft konkret gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wer also ist Christus? Diese Frage ist tiefer, als wir es auf den ersten Blick sehen, denn sie ist von entscheidender Bedeutung daf\u00fcr, was f\u00fcr eine Gesellschaft wir uns schaffen. Das hat entscheidende Bedeutung daf\u00fcr, f\u00fcr was f\u00fcr ein Leben wir f\u00fchren, und entscheidende Bedeutung f\u00fcr unser Verh\u00e4ltnis zu einander.<\/p>\n<p>Wir glauben, dass er Gott und Mensch ist, und es kann merkw\u00fcrdig sein, das zu sagen, und schwer daran zu denken, dass hier eine Tiefe in dieser Frage liegt, mit der wir nie fertig werden. Entscheidend ist aber, dass dadurch alles gesprengt wird und nur die Liebe \u00fcbrigbleibt als vollkommene Erf\u00fcllung aller Dinge.<\/p>\n<p>Was also meint ihr von Christus? \u2013 Gott und Mensch \u2013 ist das ein Ausdruck f\u00fcr die Liebe? Was meint ihr \u00fcber Christus?<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<br \/>\nThulebakken 1, DK-9000 Aalborg<br \/>\nTlf. +45 98188088, E-mail: <a href=\"mailto:kmaal@km.dk\">kmaal(at)km.dk<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. So. n. Trinitatis | 19.10.2025 | Mt 22,34-46 | Thomas Reinholdt Rasmussen | Die Macht der Liebe Wer ist Christus? Einer der gr\u00f6\u00dften Streitpunkte und Diskussions-Themen in der fr\u00fchen Kirche war nat\u00fcrlich die Frage nach Christus. Wer war er? Was f\u00fcr einer war er? Welche Beziehung hatte er zu Gott? 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