{"id":25519,"date":"2025-10-15T08:06:39","date_gmt":"2025-10-15T06:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25519"},"modified":"2025-10-14T21:02:09","modified_gmt":"2025-10-14T19:02:09","slug":"jakobus-2-14-26-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jakobus-2-14-26-2\/","title":{"rendered":"Jakobus 2, 14-26"},"content":{"rendered":"<h3><strong>\u00a0\u201eEs gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es.\u201c <\/strong>|\u00a018. So. n. Trinitatis | 19.10.2025 | Jak 2. 14-26 | <strong>Eberhard Busch<\/strong> |<\/h3>\n<p><strong>\u00a0\u201eEs gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>Was hilft\u2018s, Br\u00fcder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann der Glaube ihn selig machen? Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an t\u00e4glicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: geht hin in Frieden, w\u00e4rmt euch und s\u00e4ttigt euch, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib n\u00f6tig hat, &#8211; was hilft ihnen das? So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke tut, tot in sich selbst<\/em><\/p>\n<p>Von Jesus wird erz\u00e4hlt (Mt.21,18f), wie ihn einst Hunger plagte, so wie ihn heute zahllos viele auf Gottes Erde erleiden, wie er sogar als Waffe eingesetzt wird, um Menschen von der Bildfl\u00e4che verschwinden zu lassen. Und da fand Jesus in seiner Not einen Feigenbaum, Gott sei Dank! Nein, gar nicht fein, sondern Gott sei\u2018s geklagt! Der Baum hatte zwar viele Bl\u00e4tter, die im Wind einladend winkten, ein Bild f\u00fcr das Tun so mancher: Windbeutelei! Jedoch trug der Baum keine Fr\u00fcchte. Er konnte Ihn nicht s\u00e4ttigen. Der Hungrige blieb hungrig. Ist dieser Baum nicht dazu da, dass er Fr\u00fcchte bringt? Dass er Hungrige n\u00e4hrt! Wozu sonst steht er da? Er steht lachenden Apfelb\u00e4umen blo\u00df im Weg. Er hat seinen Daseinszweck verfehlt.<\/p>\n<p>Aber woran liegt das? Diese Frage treibt den Verfasser unseres Predigttextes um. Sie macht ihm zu schaffen. Ist es denn nicht ersch\u00fctternd? Da gibt es ein Christenvolk \u2013 und dort sind Massen von Hungrigen, die hungrig bleiben, von Satten an unsren Grenzen weggeschickt. Wie kann das sein, dass Menschen an Gott glauben, aber ihr Glaube tr\u00e4gt keine Frucht? Nur rauschende Bl\u00e4tter. Daseinszweck verfehlt. Wie kommt es dazu, dass es Christen gibt, sie nennen sich wenigstens mit diesem Namen, aber die Armen merken rein gar nichts davon? Schon vor 300 Jahren t\u00f6nte Johann Sebastian Bach \u201eIhr, die ihr euch von Christo nennet, wo bleibet die Barmherzigkeit?\u201c Und heute? Sind wir in den reichen L\u00e4ndern nicht verm\u00f6gend genug, um die Elenden aus ihrem Elend zu retten? Statt unser Geld in lukrative, gewinnbringende Projekte zu investieren, etwa in der Raumfahrt, damit wir einen neuen Globus finden, wenn wir den jetzigen unbewohnbar gemacht haben. Sind wir denn taub f\u00fcr den Satz Jesu: \u201eIhr k\u00f6nnt nicht Gott <em>und<\/em> dem Geldgott Mammon dienen\u201c (Mt 6,24)?<\/p>\n<p>Allerdings, da sind nun Menschen, die wach sind, oder sagen wir: halbwach. Sie sind einigerma\u00dfen informiert \u00fcber das, was sich jetzt vor aller Augen abspielt. Die sch\u00fctteln den Kopf: O nein, das ist gar nicht nett, was sich gegenw\u00e4rtig zutr\u00e4gt. Da m\u00fcsste jemand einmal etwas auf Vordermann bringen. Eine staatliche oder auch kirchliche Beh\u00f6rde. Oder auch eine h\u00f6here Macht; denn diese Menschen sind auf ihre Art auch religi\u00f6s und sagen: Geht uns etwas schief, Gott soll es flicken. Und schlie\u00dflich sind die Halbwachen so schlau und beh\u00e4nde, dass sie den Hilfsbed\u00fcrftigen gutgemeinte Ratschl\u00e4ge geben, in der Meinung, sie sollten halt selber f\u00fcr ihr Schicksal aufkommen. Aber was nicht geschieht: dass sie selber ihre Geldtaschen \u00f6ffnen. Was immer sie glauben und meinen und ratschlagen, \u201eihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib n\u00f6tig hat\u201c, hei\u00dft es \u00fcber sie bei Jakobus. Sie dr\u00fccken sich um das, was der Schriftsteller Erich K\u00e4stner dringlich gemacht hat: \u201eEs gibt nichts Gutes au\u00dfer man <em>tut<\/em> es\u201c. Br\u00fcder, Schwestern, wir sind gefragt!<\/p>\n<p>Doch Halt! nun steht mitten in unserem Predigttext ein Satz, der f\u00fcr einen kundigen Protestanten wie ein Schlag ins Gesicht ist. Der Satz lautet: Es sei \u201eder Glaube, wenn er nicht Werke tut, tot in sich selber.\u201c Martin Luther an erster Stelle war dar\u00fcber so ver\u00e4rgert, dass er den ganzen Jakobusbrief aus unsrer Heiligen Schrift herausrei\u00dfen wollte. Es stehe n\u00e4mlich im Galater-Brief des Apostels Paulus geschrieben (5,6), dass es vor Gott auf den Glauben <em>ohne<\/em> alle Werke ankommt. Also, es gibt da nichts Gutes, <em>Gott<\/em> allein tut es; wir bekommen es rein nur geschenkt. Hat Jakobus dies unterschlagen? Doch h\u00e4tte er sich f\u00fcr seine andere Sicht auch auf Paulus berufen k\u00f6nnen. Derselbe schreibt im 13. Kapitel seines ersten Briefs an die Korinther: \u201eUnd wenn ich allen <em>Glauben<\/em> h\u00e4tte, und h\u00e4tte der <em>Liebe<\/em> nicht, so w\u00e4r\u2018s mir nichts n\u00fctze.\u201c Daran hat sich Jakobus gehalten. Der Glaube ist doch kein Freifahrtschein f\u00fcr Faule!<\/p>\n<p>Denn was hei\u00dft Liebe? Ist sie blo\u00df ein Gef\u00fchl? Geht sie nur \u201e<em>unsre<\/em> Lieben\u201c an? Oder nicht einmal? Ist sie der Beliebigkeit anheimgestellt? Sie ist vor allem eine r\u00fcstige Tat. Es gibt tats\u00e4chlich Gutes, denn Gott <em>tut<\/em> es \u2013 in seiner Liebe. Und er traut es uns zu, es ihm nachzutun. Paulus gibt im selben Kapitel dazu einige Richtungs-Anweisungen: die Liebe sucht nicht ihren eigenen Vorteil, sie sucht den Vorteil des Anderen, und sie freut sich nicht an der herrschenden Ungerechtigkeit, sondern strengt sich an, sie zu \u00fcberwinden. Jakobus redet vom \u201eGesetz der Freiheit\u201c (V 12), und er ist so frei, die von Paulus bezeichneten Linien auszuziehen.<\/p>\n<p>Dabei ist das Gesetz der Freiheit f\u00fcr ihn offenkundig das Gesetz der <em>Liebe<\/em>. Was sonst treibt ihn hin zu den \u00c4rmsten, die in schreiender Not stecken und nicht draus herauskommen! Ihnen fehlt es am Allern\u00f6tigsten. Sie brauchen, wie der Grundsatz der Heilsarmee lautet: \u201eSuppe. Seife. Seelenheil\u201c. Liebe geht durch den Magen \u2013 daher versorgen Ehrenamtliche in den Tafeln zahllose Bed\u00fcrftige. Ja, \u201eBrot f\u00fcr die <em>Welt<\/em>.\u201c Wenn wir die Hungerleider auch nur <em>sehen<\/em> w\u00fcrden! Ihr trostloser Anblick mag auf viele absto\u00dfend wirken, so dass sie lieber wegschauen. Aber seht! bitte, seht! Sie sind uns nahe: \u201eBr\u00fcder und Schwestern\u201c! Mit den Augen der Liebe betrachtet, entdecken wir, dass sie uns verwandt sind. Jawohl, sie sind unsere Geschwister. Was f\u00fcr eine Familie! Sie baut sich nicht auf Herkunft auf, sondern auf Liebe. Gehen wir nicht auf Abstand von ihren Gliedern! Stellen wir sie nicht au\u00dferhalb unserer Grenzen \u2013 so dass wir sie nicht mehr sehen. Wir geh\u00f6ren an ihre Seite und sie an unsere. Sie sind unsere Angeh\u00f6rigen. \u201eSeid Menschen!\u201c, war die Botschaft der unl\u00e4ngst in Berlin in hohem Alter verstorbenen J\u00fcdin Margot Friedl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Damit gehen wir auf den Spuren Jesu. Der hat eine Geschichte vorgebracht, die die Worte im Jakobusbrief anschaulich beleuchtet. Darin wird ein Urteil gesprochen \u00fcber uns alle und \u00fcber unser Verhalten zu den Bed\u00fcrftigen. Der das Urteil spricht im Namen Gottes, der redet nicht wie ein Blinder von der Farbe. Er hat das klargestellt durch seinen eigenen Einsatz. Drum ist er Fachmann, in dieser Sache zu urteilen. Und so lautet sein Urteil: \u201eWas ihr getan habt denen unter meinen geringsten Br\u00fcdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.\u201c Und was ihr ihnen nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan (Mt 25, 40.45) Das hei\u00dft doch, genau genommen: Ihr k\u00f6nnt <em>mir<\/em> nichts schenken. Was ihr mir geben wollt, liefert es ab an der Adresse meiner und eurer ausgegrenzten Br\u00fcder und Schwestern. Und wenn sie nicht an unsere Haust\u00fcre kommen, eben, es gibt Hilfswerke, die daf\u00fcr geradestehen, dass unsere Gaben ihr Ziel erreichen. Seien wir in unserm Geben nicht knausrig! Der Genfer Jean Ziegler hat sogar formuliert: Es kommt f\u00fcr uns nicht darauf an, \u201eden Menschen in der Dritten Welt mehr zu <em>geben<\/em>, sondern ihnen weniger zu <em>stehlen<\/em>.\u201c So seien wir beherzt t\u00e4tig! &#8211; unter denen, die hungern und d\u00fcrsten nach Gerechtigkeit. Grenzenlos teilen, darauf kommt es an.<\/p>\n<hr \/>\n<p>verfasst von: Eberhard Busch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u201eEs gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es.\u201c |\u00a018. So. n. 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