{"id":25536,"date":"2025-10-21T18:56:59","date_gmt":"2025-10-21T16:56:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=25536"},"modified":"2025-10-21T18:56:59","modified_gmt":"2025-10-21T16:56:59","slug":"markus-21-12-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-21-12-10\/","title":{"rendered":"Markus 2,1-12"},"content":{"rendered":"<h3>19.Sonntag nach Trinitatis | 26.10.25 | Markus 2,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Mikkel Tode Raahauge<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Vergebung zuerst<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jeder, der das erlebt hat, wird zweifellos die pl\u00f6tzliche L\u00e4hmung kennen, die in einem entstehen kann, wenn es geschieht. Ich denke an die Situationen, wo man sehr wohl das Gef\u00fchl hat, dass da irgendetwas in einer gegebenen Beziehung ist, was nicht ganz so ist, wie es sein sollte, und der andere dann pl\u00f6tzlich kommt und sagt: \u201eIch vergebe dir\u201c \u2013 am besten wo man gerade glaubte, dass in Wirklichkeit etwas ganz anderes nicht in Ordnung war. Ich glaube nicht, dass man dieses Gef\u00fchl mit vielen anderen vergleichen kann, denn es ist sehr unangenehm, und man kann nie wissen, was man mit einer solchen unvorhergesehenen Vergebung anfangen soll, um die man urspr\u00fcnglich nicht gebeten hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist der Natur der Sache nach etwas v\u00f6llig anderes, wenn man sehr wohl wei\u00df, dass man f\u00fcr irgendetwas Vergebung braucht, was man getan hat oder nicht getan hat, oder was man gesagt hat oder nicht gesagt hat. Und wenn dies der Fall ist, dann ist Vergebung etwas vom Wunderbarsten und Befreiendem \u00fcberhaupt, weil sie gleichsam von Liebe und F\u00fcrsorge gepr\u00e4gt ist. Die meisten von uns erinnern sich sicher schon an damals, als wir noch klein waren: Wenn man ein Ungl\u00fcck angerichtet hatte, \u00fcbrigens klein oder gro\u00df, aber dennoch unter allen Umst\u00e4nden erschien es einem v\u00f6llig unheilbar \u2013 und man warf sich seinem Vater oder seiner Mutter in die Arme und sie nahmen sich einem an, hielten einen zugleich fest und sagten etwas, was etwa klingt wie dies: \u201eSohn (Tochter), deine S\u00fcnden sind dir vergeben\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alles vergeben, alles wieder gut, und man konnte sein Leben mit gutem Gewissen weiterleben, als w\u00e4re nichts geschehen. Und seitdem haben die meisten von uns hoffentlich viele \u00e4hnliche Erfahrungen mit dieser Form von Vergebung gemacht, die voll ist von lauter Liebe und F\u00fcrsorge. Aber die unvorhergesehene Vergebung, um die man selbst nicht gebeten hatte \u2013 vielleicht weil man gerade glaubte, dass es in Wirklichkeit etwas anderes war, das man kritisieren k\u00f6nnte, diese unvorhergesehene Vergebung schmeckt daf\u00fcr viel mehr als alles andere nach Vorw\u00fcrfen und Distanz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie also die Worte der Vergebung geh\u00f6rt werden, ob sie befreien oder l\u00e4hmen, das h\u00e4ngt ganz und gar von dem Zusammenhang ab, indem sie fallen, und in dem Evangelium, das uns heute begegnet mit der Erz\u00e4hlung von dem gel\u00e4hmten Mann, da klingen sie immerhin mehr nach Vorwurf und Anklage als nach Liebe und F\u00fcrsorge. Hier ist eine Schar von Menschen, die mit ihrem Lieben zu Jesus kommen in der Hoffnung, dass er ihn heilen kann. Und da sie sich nicht durch die T\u00fcr dr\u00e4ngen k\u00f6nnen wegen der vielen Menschen, die sich dort versammelt haben, da entscheiden sie sich f\u00fcr die eigenartige Strategie, einfach ein Loch im Dach zu \u00f6ffnen und den Gel\u00e4hmten einfach auf einer Bahre hinunter zu lassen. Das ist wirklich ein Vertrauen, das ernst gemeint ist. <em>Er<\/em> muss helfen k\u00f6nnen, und ihm muss um jeden Preis geholfen werden! Aber nach all ihren vorbildlichen Bem\u00fchungen, ihn hin zu Jesus zu bringen, da tut er etwas ganz anderes als das, was sie sicher erwartet hatten. Er sagt nur: \u201eMein Sohn, deine S\u00fcnden sind dir vergeben\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich stelle mir vor, dass sie alle \u2013 einschlie\u00dflich des lahmen Mannes \u2013 doch geglaubt hatten, dass es in Wirklichkeit etwas anderes war, das ein Problem war, und dass Jesus zun\u00e4chst hier ansetzen w\u00fcrde. First things first, wie es hei\u00dft, aber statt einer Heilung seiner L\u00e4hmung muss sich der gel\u00e4hmte Mann also zun\u00e4chst mit der Vergebung seiner S\u00fcnden begn\u00fcgen \u2013 eine unvorhergesehene Vergebung, um die er selbst nicht gebeten hatte \u2013 und man k\u00f6nnte es ihnen nicht verdenken, wenn sie nicht richtig wussten, was sie damit anfangen sollten. Und auch die Schriftgelehrten beklagen sich, als sie h\u00f6ren, dass Jesus in dieser Weise einem zuf\u00e4lligen Mann so einfach vergibt. Garantiert nicht, weil sie auf etwas anderes gehofft hatten oder aus mehr als das, denn sie interessierten sich ja \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr das Leben und Leiden des lahmen Mannes. All das ist ihnen ganz gleichg\u00fcltig, aber dass Jesus in dieser Weise Gott l\u00e4stert, indem er sich Gott gleich macht? Das ist unerh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber dann fragt Jesus sie: \u201eWas ist leichter, zu dem Gel\u00e4hmten zu sagen: Dir sind deine S\u00fcnden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin?\u201c F\u00fcr die meisten von uns l\u00e4ge es n\u00e4her zu fragen: \u201eWas ist das Beste?\u201c Von seiner L\u00e4hmung geheilt zu werden oder die Vergebung der S\u00fcnden zu empfangen? Und was sollen wir darauf antworten? Wir wissen ja eigentlich sehr wohl, die gn\u00e4dige Vergebung der S\u00fcnden, das ist die Hauptsache des Evangeliums, ja das ist in Wirklichkeit das ganze Evangelium, weder mehr noch weniger. Aber Hand aufs Herz: W\u00e4re es dann doch nicht besser, wenigstens aus <em>unserer Perspektive<\/em> gesehen, wenn Gott <em>erst<\/em>unsere Leiden beseitigen w\u00fcrde, so klein sie auch sein m\u00f6gen, und dann k\u00f6nnten wir uns danach der Vergebung der S\u00fcnden widmen? First things first \u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich glaube, dass viele von uns geneigt sind so zu denken. Ich bin es auch selbst, aber aus der Perspektive <em>Gottes<\/em>gesehen ist es offenbar umgekehrt. Oder besser gesagt: In der Perspektive Gottes gesehen, da besteht unsere eigentliche L\u00e4hmung unser eigentliches Leiden vor allem in der S\u00fcnde. In unserer Selbstsucht und H\u00e4ngen an dem, was wir haben. In unserer Neigung, all das zu \u00fcbersehen, was wir getan oder nicht getan haben und all das zu \u00fcberh\u00f6ren, was wir gesagt oder nicht gesagt haben. Und vor allem in der l\u00e4hmenden Furcht davor, zuzugeben oder schlimmer noch darin entlarvt zu werden, dass man tats\u00e4chlich ein Ungl\u00fcck verursacht hat \u2013 gro\u00df oder klein \u00fcbrigens, das aber im klaren R\u00fcckblick unter allen Umst\u00e4nden einem als v\u00f6llig katastrophal erweist, als nicht wieder gut zu machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sein Leben unter diesen Bedingungen zu leben, darin liegt bestimmt keine Befreiung. Die meisten von uns erinnern sich sicher an damals, als wir noch klein waren: Wenn ein Ungl\u00fcck verursacht hatten und zuweilen das Gef\u00fchl hatten, wir m\u00fcssten uns vor unserem Vater oder unserer Mutter verbergen, bis wir schlie\u00dflich den einzigen Ausweg w\u00e4hlen mussten, den wir kannten, n\u00e4mlich sich ihnen in die Arme zu werfen in der Hoffnung, das Wort der Vergebung zu h\u00f6ren, das voll ist von Liebe und F\u00fcrsorge: \u201eSohn (Tochter), deine S\u00fcnden sind dir vergeben\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nun ergehen diese Worte heute wieder von h\u00f6chster Stelle, so wie sie damals an den gel\u00e4hmten Mann ergingen. Alles vergeben, alles gut, um uns zu rufen aus der Gefangenschaft in der Freiheit, wo wir vor Gott unser Leben mit gutem Gewissen fortsetzen k\u00f6nnen, als w\u00e4re nichts geschehen. First things first; <em>erst<\/em> die Vergebung der S\u00fcnden, und <em>dann<\/em> k\u00f6nnen wir uns immer mit all den anderen Leiden besch\u00e4ftigen. Und weil die Worte ergehen vom Sohn Gottes, der sich offenbar gn\u00e4dig sowohl um das eine wie das andere k\u00fcmmern kann und will, weil er in Wort und Tat Gott gleich ist, so ist dies unvorhergesehene Vergebung, um die wir gar nichtgebeten haben, weil wir glaubten, dass es in Wirklichkeit an etwas ganz anderem lag, so ist sie, wenn sie von ihm kommt, alles andere als Vorwurf und Distanz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ist Vergebung dagegen eine g\u00f6ttliche Zusage, dass die Arme Gottes f\u00fcr uns weit offen sind, ganz gleich was f\u00fcr Ungl\u00fccke wir verursacht haben m\u00f6gen, ganz gleich wir blind und taub und gel\u00e4hmt vor Furcht wir sein m\u00f6gen \u2013 damit wir uns stattdessen darauf konzentrieren k\u00f6nnen, zu leben, wie wir geschaffen sind. Ein freies Leben in Liebe zu Gott und unserem N\u00e4chsten, weil wir es nun wagen, darauf zu vertrauen, dass wir selbst wie auch unser N\u00e4chste im Namen Jesu die gn\u00e4dige Vergebung der S\u00fcnden hat. \u2013 auch wenn wir selbst anfangs nicht darum gebeten haben. Ja, so ist sie in Wirklichkeit das ganze Evangelium. Weder mehr noch weniger \u2013 und noch nie haben wir sonst \u00c4hnliches geh\u00f6rt. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Mikkel Tode Raahauge<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: mitr(at) km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.Sonntag nach Trinitatis | 26.10.25 | Markus 2,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Mikkel Tode Raahauge Vergebung zuerst\u00a0 Jeder, der das erlebt hat, wird zweifellos die pl\u00f6tzliche L\u00e4hmung kennen, die in einem entstehen kann, wenn es geschieht. 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